I
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung 1
2 Begriffliche Grundlagen 2
2.1 Logistik in Praxis und Wissenschaft 2
2.2 Länder- und branchenspezifische Unterschiede
im Logistikverständnis 4
3 Evolution der Logistik im Rahmen der Globalisierung 6
3.1 Die Evolution der Logistik 6
3.1.1 Entwicklung der Logistik in den letzten Jahrzehnten 6
3.1.2 Ursachen und Treiber der Entwicklung 8
3.2 Logistik im internationalen Unternehmen 10
3.2.1 Organisationsformen der Logistik im Unternehmen 10
3.2.2 Case Study „Logistik-Dienstleister
im globalen Wettbewerb“ 12
4 Zusammenfassende Betrachtung und Ausblick 14
Verzeichnis des Anhangs 16
Anhang 17
Literaturverzeichnis............................................................................. - 20 -
- 1 - 1 Einleitung
Die Welt ist klein geworden, die Globalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Dabei wird sie in der Öffentlichkeit eher als Bedrohung empfunden, denn als Chance wahrgenommen. Oft bietet sie in der Presse die Standarderklärung für schlechte Nachrichten. Wirtschaftlich bedeutet sie jedoch zunächst „nur“ die Bildung globaler Märkte für Güter und Dienstleistungen, Kapital und Arbeit mit all ihren Konsequenzen. 1 Aus der Sicht eines Logistikers bietet neben dem Fortschritt der Kommunikations- und Informationstechnologien kaum eine andere Entwicklung soviel Potenzial wie die Erschließung dieser Märkte. Geographische Grenzen verlieren an Bedeutung. Es ist heutzutage nichts Ungewöhnliches mehr, ein Produkt in Europa zu entwickeln, in Asien zu produzieren und in den USA zu verkaufen. 2 Ständig muss sich die Logistik anpassen und weiterentwickeln, um stets eine effiziente Lösung der Aufgaben zu garantieren. 3 Diese Seminararbeit soll einen Beitrag zum Verständnis liefern, welche Evolution in der Logistik erfolgte und durch welche Impulse diese Entwicklung angetrieben wurde. Ziel der Arbeit ist es, mögliche Organisationsformen der Logistik in internationalen Unternehmen darzustellen sowie aufzuzeigen, mit welchen Herausforderungen die Globalisierung Unternehmungen konfrontiert und welche Chancen und Perspektiven sich dadurch eröffnen.
Zunächst wird dazu geklärt, was Praxis und Wissenschaft unter Logistik verstehen und welche branchenspezifischen Unterschiede in den Auffassungen existieren. Daraufhin wird die bisherige Entwicklung der Logistik in den letzten Jahrzehnten vorgestellt und zum besseren Verständnis die Treiber und Ursachen erläutert. Im zweiten Teil des dritten Kapitels folgt schließlich eine kurze Präsentation verschiedener Organisationsformen der Logistik in Unternehmen mit anschließender Evaluation der Vor- und Nachteile. Eine konkrete Fallstudie untersucht im Anschluss vertiefend, mit welchen Mitteln ein modernes Dienstleistungsunternehmen der Logistikbranche versucht, die Herausforderungen der Globalisierung mit geeigneten Mitteln und Leistungen zu meistern. Im vierten Kapitel erfolgen abschließend eine Zusammenfassung und ein Ausblick in zukünftige Entwicklungen.
1 Vgl. Little (2001), S. 5.
2 Vgl. Baumgarten (2001), S. 17.
3 Vgl. Baumgarten (2004), S. 7.
- 2 - 2 Begriffliche Grundlagen
2.1 Logistik in Praxis und Wissenschaft
Niemand bestreitet heutzutage ernsthaft die rasant steigende Bedeutung der Logistik für die Unternehmensführung. Doch was wird heute in Wissenschaft und der Praxis unter Logistik verstanden? Es scheint zunächst wichtig die Herkunft des Wortes klären, denn selbst in der Wirtschaft ist festzustellen, dass der Begriff der „Logistik“ noch oft miss-verstanden wird. Weder stammt die Logistik von der Logik noch von mathematisch logistischen Funktionen ab. 4 Der Begriff Logistik kommt stattdessen von dem französischen Wort „Logis“ und der Militär-Logistik, die die Versorgung, Quartierung und den Transport der Truppen und ihrer Ausrüstung sicherstellen musste. Bereits der byzantinische Kaiser Leontos VI. (865-912) zählt die Logistik neben Strategie und Taktik zu einer militärischen Führungsaufgabe. 5
Im 21. Jahrhundert wird in der Praxis häufig die „Seven-Rights-Definition“ nach Plowman angewendet: Logistik heißt, die Verfügbarkeit des richtigen Gutes, in der richtigen Menge, im richtigen Zustand, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, für den richtigen Kunden, zu den richtigen Kosten zu sichern. 6 Logistikunternehmen wie Schenker, UPS, DHL bieten vollständigen Service, indem sie die effiziente Lenkung von Warenströmen, taktgenaue Zulieferungen, innovatives Waren- und Lagermanagement und die maßgeschneiderte Lösung für jedes Unternehmen versprechen. Das Unternehmen Dachser formulierte sein Logistik-Weltbild so: „Logistik ist eine Philosophie oder Geisteshaltung, Prozessketten zu optimieren unter Verwendung neuesten Wissens und modernster Technik“. 7
Um dagegen eine wissenschaftliche Definition der Logistik formulieren zu können, ist es notwendig, bestimmte Begriffe näher zu erläutern. Logistische Prozesse sind alle Transport- und Lagerungsprozesse sowie das zugehörige Be- und Entladen, Ein- und Auslagern und das Kommissionieren von logistischen Objekten. Dies können Waren und Güter, Personen und Informationen sein. Aus logistischen Prozessen entsteht ein
4 Vgl. Pfohl (2004), S. 11.
5 Vgl. Walter (2004), S. 55.
6 Vgl. o.V.(a)
7 Göpfert (2005), S. 23.
- 3 -Netzwerk mit Bewegungs- und Speichervorgängen. 8 Dieses Netzwerk wird als logisti-sches System bezeichnet. Es gibt so genannte einstufige Netzwerke, bei denen die Lie-ferung zwischen Liefer- und Empfangspunkt direkt erfolgt, und mehrstufige Netzwerke. Bei mehrstufigen Netzwerken findet der Güterfluss nur indirekt statt, was bedeutet, dass der Prozess in einem weiteren Punkt unterbrochen wird, an dem entweder eine Bünde-lung oder eine Auflösung des Güterflusses stattfindet. Kombinierte Systeme weisen sowohl direkte als auch indirekte Güterflüsse auf. 9 Informationen sind in der Logistik nicht nur Objekte, sondern wesentliche Voraussetzung für die Steuerung der Prozesse. Jedes logistisches System braucht ein Informations- und Kommunikationssystem um optimales Funktionieren zu gewährleisten. 10 Während die Praxis in der Wirtschaft einen stark pragmatischen, an Prozessen orientierten Zugang zur Logistik hat, geht die Wis-senschaft analytisch tiefer unter die Oberfläche. Nach Baumgarten kommt sie zu fol-gender Definition:
Die Logistik in Unternehmen umfasst die ganzheitliche Planung, Steuerung, Koordination, Durchführung und Kontrolle aller unternehmensinternen und unternehmensübergreifenden Güter- und Informationsflüsse. Die Logistik stellt für Gesamt- und Teilsysteme in Unternehmen, Konzernen, Netzwerken und sogar virtuellen Unternehmen prozess- und kundenorientierte Lösungen bereit. Die Beschaffungs-, Produktions-, Distributions-, Entsorgungs- und Verkehrslogistik sind dabei wichtige Teilgebiete der Logistik, die in alle Prozessketten und -kreisläufe einfließen. 11 Dieser Ansatz wird als „fluss-orientiert“ bezeichnet, weil er den Güterfluss von einem Lieferpunkt zu einem Empfangspunkt beschreibt. Er ist in der Wissenschaft und Praxis am meisten verbreitet und steht im Gegensatz zur „lebenszyklusorientierten“ Definition, die die Lebensdauer eines Erzeugnisses hervorhebt. Ebenfalls im Gegensatz zur „flussorientierten Definition“ steht die „dienstleistungsorientierte“ Definition, die rein auf dem Ziel aufbaut, die Dienstleistung optimal, d.h. kosten- und kundeneffektiv zu erbringen. Dies rückt den Schwerpunkt der Aktivitäten auf die Minimierung der Wartezeiten, das Management der Dienstleistungskapazität und die Bereitstellung der Dienstleistung durch einen Distributionskanal. 12
8 Vgl. Arnold/Isermann/Kuhn/Tempelmeier (2003), S. A 1-3.
9 Vgl. Pfohl (2004), S. 5f.
10 Vgl. Arnold/Isermann/Kuhn/Tempelmeier (2003), S. A1.
11 Vgl. Baumgarten (2004), S. 3.
12 Vgl. Pfohl (2004), S. 12.
- 4 - 2.2Länder- und branchenspezifische Unterschiede im Logistikver-ständnis
Bei einer näheren Untersuchung, ob in verschiedenen Ländern unterschiedliche Auffassungen gegenüber der Logistik vorherrschten, verglich Göpfert die Logistikkonzeptionen führender Wissenschaftler aus Deutschland, England, Frankreich und den USA. Bei der Frage nach dem Erkenntnisobjekt, der Zielsetzung und den Aufgaben der Logistik wurde deutlich, dass die Unterschiede sich nicht länderspezifisch erklären ließen, sondern sich vielmehr aus der Herkunft der jeweiligen „wissenschaftlichen Logistik-Schule“ bildeten. Die große Zahl der Logistikkonzeptionen aus der Unternehmenspraxis lassen sich nach Göpfert auf zwei flussorientierte Logistikparadigmen der beiden „Logistik-Schulen“ reduzieren. Die erste Gruppe um Pfohl (1996), Bowersox/Closs/Helferich (1986), Vahrenkamp (1998) und Fabbe-Costes (1995) beschreibt das Aufgabenspektrum der betriebswirtschaftlichen Logistik mit Führungs- und Ausführungsaufgaben, während die zweite Gruppe, zu deren Vertretern u.a. Klaus (1994), Delfmann (1995) und Kummer (1996) zählen, die Logistik in Form einer „Fließsystemperspektive“ des Managements ausschließlich auf der Führungsebene verankert. 13 Größere Differenzen als auf der Länderebene diagnostizierte hingegen die Studie „Die Logistik-Champions“, die 2004 u. a. das branchenspezifische Verständnis der Logistik in Deutschland untersuchte. Hierzu wurden folgende Branchen näher betrachtet: Banken, Versicherungen, die Automobilindustrie, Handel, und der öffentliche Sektor. Bereits bei der Definition der Aufgabenfelder traten erhebliche Unterschiede auf. Von der klassischen Lagerhaltung über die Qualitätskontrolle bis hin zum Catering wurden 45 unterschiedliche Aufgabenfelder benannt. 14 Eine Branchenanalyse verdeutlichte die verschiedenen Gewichtungen der Branchen auf. Für Gewerbe und Handel spielt die klassische Logistik(Transport, Lagern, Planung, usw.) eine große Rolle, während die Finanzdienstleister und der öffentliche Sektor dieser eine unterdurchschnittliche Rolle zuteilten und den dienstleistungsorientierten Logistikbegriff z.B. die Dokumentenlogistik stärker betonten. Die Finanzdienstleister schätzen die Optimierungspotenziale innerhalb der Branche sehr unterschiedlich ein. Generell wird der Beitrag der Logistik zum
13 Vgl. Göpfert (2005), S. 7-12.
14 Vgl. Jahns/Langenhan (2004), S. 15.
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Jan Lukas Nienhaus, 2006, Die Logistik im Gleichklang mit der Globalisierung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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