0. Der Rahmen: Alexander Demandt, Endzeit? 3
1. Einführung in den Begriff Eschatologie 3
1.1 Heutige Problematik der Eschatologie 3
1.2 Eschatologie im dogmatischen Selbstverständnis 4
1.3 Fragestellung der Eschatologie 5
2. Vollendung der Welt - Universale Eschatologie 6
2.1 Begrifflichkeiten 6
2.2 Biblische Grundlagen 6
2.2.1 Alte Verheißungen 6
2.2.2 Apokalyptik 8
2.2.3 Die Verkündigung der Herrschaft Gottes 9
2.2.4 Erwartung der Parusie 10
2.2.5 Parusie und Gericht 11
2.3 Dogmengeschichtliche Entwicklung 11
2.3.1 Vorstellungen in der frühen Kirche 11
2.3.2 Chiliasmus 12
2.3.3 Civitas Dei und Civitas terrena 13
2.3.4 Eschatologie und neuzeitliches Fortschrittsdenken 13
5. Der Rahmen: Alexander Demandt, Endzeit? 14
Literatur 15
2
0. Der Rahmen: Alexander Demandt, Endzeit?
Anlaß für die nachfolgende Betrachtung gab im erwähnten Werk besonders das II. Kapitel und hier im Speziellen die Nummern 6 bis 15. Demandt geht hier kursorisch und sehr oberflächlich auf jüdische Messiashoffnung, Weltreichsidee bei Daniel, Romidee, Christliche Eschatologie, etc.,etc. ein. Kaum eine der wichtigen Endzeitvorstellungen im jüdisch-christlichen Raum zwischen 1000 v. Chr. und 1500 n. Chr. bleibt unerwähnt. Das er einige natürlich unerwähnt läßt, sei ihm nachgesehen. Einige von den erwähnten Endzeiterwartungen möchte ich hier anführen und ihre Ausfaltungen näher betrachten. Vorab ist es aber notwendig, den Begriff „Eschatologie“ zu klären.
Das christliche Sprechen von einer Vollendung ist in unserer Zeit mehrfach belastet. Die Religionskritik des 19. und 20. Jahrhunderts warf dem Christentum vor, das Reden von einer jenseitigen Zukunft lenke von der Aufgabe, die Lebensbedingungen im Diesseits erträglicher und menschlicher zu gestalten, ab. Andererseits hat für viele Christen die Eschatologie einen stark moralisierenden Charakter. Durch den Hinweis auf künftige Bestrafung und Belohnung werde ein der Kirche genehmes Verhalten nahe gelegt. Außerdem kommen dem neuzeitlichen, an der Naturwissenschaft orientierten Denken viele überlieferte eschatologische Vorstellungen, wie der endzeitliche Niedersturz der Gestirne oder eine Wiederbelebung verwester Leichname, unglaubwürdig vor. Dies ist allerdings auch auf die neuscholastische Theologie zurückzuführen, die statt in den biblischen Bildern angedeutete Hoffnungsperspektiven herauszuarbeiten, diese verdinglichte sowie verräumlichte und möglichst viele Detailinformationen liefern wollte, die Skepsis hervorriefen. Dem setzt Karl Rahner entgegen, daß die absolute Vollendung ein zu verehrendes Geheimnis bleibt und wir Christen nicht so tun müssen, „als kennten wir uns sozusagen im Himmel aus“ 1 .
1 Karl Rahner, Grundkurs des Glaubens. Einführung in den Begriff des Christentums (Freiburg 1984)
S.417.
3
1.2 Eschatologie im dogmatischen Selbstverständnis
In der neuscholastischen Tradition war die Eschatologie der letzte Traktat der Dogmatik 2 . Sie wurde und wird verstanden als die Lehre von den „letzten Dingen“ (ta esxata) und behandelte die Themen Tod und Gericht sowie Himmel und Hölle. In der Traktatenfolge ist dieser Traktat dem ersten, der Schöpfungslehre, als letzter, sozusagen als Vollendungslehre, gegenübergestellt. Angemerkt sei hier, daß die neuscholastische Dogmatik ihr Fach als die Darstellung der fortschreitenden Selbstoffenbarung Gottes verstand.
Die nachscholastischen Theologie sieht in der Eschatologie nicht allein die Bestimmung der Wirklichkeiten, die nach dem Tode eintreten, sondern geht weiter und will die Selbstoffenbarung Gottes im Blick auf seine definitive Entschlossenheit zum Heil der Menschen herausarbeiten 3 . Gott hat sich endgültig und reuelos, als Horizont, Inhalt und Vollendung dem Menschen zugesagt und als deren Ursprung und Ziel geoffenbart. Im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe steht der Mensch schon in der Einheit mit Gott und hat schon jetzt am Leben des dreifaltigen Gottes Teil. Dieses präsentische Verständnis von Eschatologie schließt natürlich den futurischen Horizont der letzendlichen Erfüllung von Welt und Mensch nicht aus. Die präsentische Dimension der Eschatologie ist vielmehr das dynamische Prinzip, wodurch sich der Glaube von Gott auf ein Endziel hinbewegen läßt.
Gleichzeitig wird hiermit dem Mißverständnis vorgebeugt, die Eschatologie sei eine exakte Beschreibung des Zustandes oder Aufenthaltsortes des Menschen nach seinem Tode oder eine genaue Erklärung der im Rahmen des Gerichtes eintreffenden Ereignisse. Zentraler Punkt der christlichen Eschatologie ist die definitive Selbstmitteilung Gottes an den Menschen, die ihre Zuspitzung in Jesus Christus und der Ausgießung des Gottesgeistes in den „letzten Tagen“ 4 findet. Sie dient also der Verdeutlichung der Konsequenzen dieser Selbstoffenbarung des dreifaltigen Gottes.
2 z.B. Matthias Scheeben, Die Mysterien des Christentums (Freiburg i. Br. 1912) S.556ff..
Franz Diekamp, Katholische Dogmatik, Bd. 3 (Münster 1922) S.377ff..
3 Gerhard Ludwig Müller, Katholische Dogmatik (Freiburg i. Br. 1995) S.517.
4 Apg 2,17
4
1.3 Fragestellung der Eschatologie
Für die Dogmatik ergeben sich drei verschiedene und dennoch ineinander verschränkte Fragekreise: 1. Die universale Eschatologie 2. Die individuelle Eschatologie 3. Der Zusammenhang von Kirche und Eschatologie
Die bereits erwähnte Verschränkung sei hier noch einmal besonders hervorgehoben, da die drei Bereiche sachlich voneinander kaum getrennt werden können und der Zusammenhang leicht aus dem Blick geraten könnte. Ich folge hier neueren Handbüchern 5 , die außerdem meist die allgemeine Eschatologie vor die individuelle stellen, da diese Reihenfolge mehr dem Verlauf der biblischen Heilsgeschichte entspricht und gleichzeitig eine innere Logik deutlich macht: Die Hoffnung für den einzelnen steht im größeren Horizont der Hoffnung für die Welt.
ad 1. Die universale Eschatologie, die uns in der Folge näher beschäftigen soll, betrachtet die Frage nach der Betroffenheit des Menschen als eines Wesens mit universalgeschichtlicher Ausrichtung und seiner schöpfungsgemäßen geistig-leiblichen Existenz im Horizont der Wiederkunft Christi, des universalen Endgerichtes, der allgemeinen Auferweckung der Toten, des Endes der Geschichte und schließlich des Glaubens an den transzendenten Akt der Neuschöpfung oder Neugrundlegung von Himmel, damit am Ende „Christus alles in allem“ 6 sei und „Gott herrsche über allem und in allem“ 7 .
ad 2. Die Individuelle Eschatologie handelt vom Betroffensein des einzelnen Menschen von der Selbstmitteilung Gottes unter dem Aspekt der Freiheitsentscheidung und der Selbstverfügung. Dieser Gesichtspunkt bezieht sich auf das ganze irdische Leben des Menschen, dann auf den Tod, das persönliche Gericht sowie die Läuterung und Vollendung in der Liebe („Fegfeuer“) und das endgültige Schicksal des Menschen entweder in der liebenden Einheit mit Gott oder im definitiven Widerspruch zu Gott. In diesen Bereich der Eschatologie fällt auch die Lehre über den Zustand des Menschen zwischen Tod und der allgemeinen Auferweckung am Ende der Zeit.
5 Wolfgang Beinert, Glaubenszugänge. Lehrbuch der katholischen Dogmatik. 3 Bd. (Paderborn 1995)
Theodor Schneider (Hrsg.), Handbuch der Dogmatik.2 Bd. (Düsseldorf 1992)
6 Kol 3,11
7 1 Kor 15,28
5
Arbeit zitieren:
Mag. phil. Thomas Haviar, 1997, Eschatologische Vorstellungen in der jüdisch-christlichen Tradition, München, GRIN Verlag GmbH
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