Inhaltsverzeichnis:
Inhaltsverzeichnis: 2
A) Einleitung 3
B) Hauptteil 4
1. Stand und Methoden der Forschung 4
2. Die Datierung mithilfe von Personennamen 7
2.1 Die Datierung nach Theodor Steche 7
2.2 Der Name des Alemannenherzogs Butilin 9
3. Die Datierung mithilfe der Ortsnamen 11
3.1. Stefan Sonderegger 11
3.2. Wolfgang Haubrichs 13
4. Erörterung der ersten Belege aus dem Bereich des proprialen Wortschatzes 15
4.1 Die St. Gallener Urkunden 15
4.2 Das Salzburger Verbrüderungsbuch 16
4.2.1. Belege für verschobene Medien 17
4.2.2. Belege für die Tenuesverschiebung 20
4.2.3 Zusammenfassung 21
)C Fazit 22
Literaturverzeichnis 24
2
A) Einleitung
In dieser Hausarbeit, welche im Rahmen des Seminars "Lautwandel und Lautgeschichte" vom Sommersemester 2005 entstanden ist, möchte ich mich eingehender mit den aktuellen Ergebnissen zur Datierung der 2. Lautverschiebung beschäftigen sowie die ersten Belege des proprialen Wortschatzes für den Lautwandel bei den oberdeutschen Stämmen detailliert darstellen. Um dies zu leisten, soll zunächst ein Überblick über den derzeitigen Stand der Forschung gegeben und verschiedene Methoden zur Erforschung der 2. Lautverschiebung aufgezeigt und diskutiert werden. An dieser Stelle sollen auch die ersten bekannten Belege für die durchgeführte 2. Lautverschiebung genannt und bezüglich ihrer Aussagefähigkeit kategorisiert werden. Anschließend möchte ich anhand einer Referierung und Diskussion der Arbeiten Theodor Steches darstellen, auf welche Weise Personennamen zur Datierung der Lautverschiebung herangezogen werden können. Eine gesonderte Betrachtung soll dem kontrovers diskutierten, auch bei Steche erwähnten Namen Butilin anhängen. Nachfolgend sollen die Methoden und hypothetischen Ergebnisse sowohl von Stefan Sonderegger, der Ortsnamen der deutschsprachigen Schweiz bezüglich der 2. Lautverschiebung untersucht, als auch von Wolfgang Haubrichs, welcher anhand von Ortsnamen die Lautverschiebung im Langobardischen zeitlich zu bestimmen versucht, dargestellt und einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Das Hauptaugenmerk dieser Hausarbeit soll - wie schon aus dem Titel ersichtlich istauf einer Diskussion der Methoden einerseits, ferner jedoch auf einer kritischen Betrachtung der für die Namensforschung relevanten frühen Quellen liegen. Zu diesem Zwecke soll zuerst über die St. Gallener Urkunden und das Salzburger Verbrüderungsbuch referiert, anschließend die dort verzeichneten Namen nach lautverschobenen Konsonanten durchsucht werden, um schließlich eine Deutung in Bezug auf die 2. Lautverschiebung geben zu können.
In allen Teilen der Hausarbeit soll immer wieder thematisiert werden, welche Problematik einer eindeutigen Datierung der 2. Lautverschiebung entgegensteht.
3
Um dies zu leisten, soll einschlägige Forschungsliteratur verwendet werden, im Besonderen werde ich mich auf die Arbeiten zur 2. Lautverschiebung von Judith Schwerdt beziehen. B) Hauptteil
1. Stand und Methoden der Forschung
Während eine relative Chronologie der einzelnen Lautverschiebungsvorgänge rekonstruierbar ist 1 , bleibt die Suche nach dem Beginn der 2. Lautverschiebung problematisch. Die Forschung ist sich uneins, auf welche Weise der Lautwandel datiert werden sollte. Einige Philologen wie beispielsweise Mitzka oder Theodor Steche versuchen, den ungefähren Zeitraum des Lautwandels mithilfe früher schriftlicher Zeugnisse einzugrenzen, datieren den Eintritt der Lautverschiebung danach allerdings oft noch vor diese Zeit. Andere Argumentationen orientieren sich gar nicht erst an den Belegen, sondern basieren lediglich auf Vermutungen.
Um Spekulationen zu vermeiden, plädiert Schwerdt dafür, methodisch so vorzugehen, dass eine Datierung ausschließlich mithilfe der frühesten Belege durchzuführen sei, "die einer kritischen philologischen Prüfung standhalten". 2 Das bedeutet, dass nur jene sprachlichen Zeugnisse Rückschlüsse auf das Eintreten der 2. Lautverschiebung zulassen, deren Entstehung und Überlieferung bekannt ist, folglich möglichst im Original vorliegen. Martina Pitz und Maria Vòllono stimmen einer quellenkritischen Methode zu, hingegen weisen sie darauf hin, dass der zeitliche Abstand zwischen dem Original und der Kopie eines Zeugnisses mit der Möglichkeit einer sprachlichen Veränderung der Vorlage "offenbar nicht allzu viel zu tun" habe, vielmehr seien es andere Faktoren, die das Textverhalten der Schreiber und Kopisten bestimmen. 3 Sie halten prinzipielle Vorbehalte gegenüber überlieferten sprachlichen Zeugnissen für "nicht angebracht". Die kopial bezeugten Namen müssen jedoch kontrovers diskutiert werden, was im Rahmen dieser Hausarbeit nicht möglich sein kann. Aus diesem Grunde sollen hier nur im Original verzeichnete Namen zur Datierung der Lautverschiebung herangezogen werden.
1 einen umfassenden Überblick, in welcher Zeit die einzelnen Teilerscheinungen der Lautverschiebung üblich wurden, gibt u. a. Goblirsch (2005).
2 Schwerdt (2000), 199.
3 Pitz/ Vòllono (2003), 327f.
4
Allerdings ist auf diese Weise lediglich der Eintritt der 2. Lautverschiebung in der Schriftlichkeit gesichert, "über den Eintritt in der gesprochenen Sprache" - welcher dem in der geschriebenen Sprache stets vorausgeht - kann nur spekuliert werden." 4 Die Forschung geht jedoch davon aus, dass die 2. Lautverschiebung nicht schon Jahrhunderte - kaum Jahrzehnte - vor dem ersten Aufkommen in schriftlichen Zeugnissen in der Mündlichkeit bestanden habe. Haubrichs rechnet in diesem Zusammenhang eines "nicht-phonematischen Wandel[s], wie ihn die initialen Stadien der Lautverschiebung repräsentieren" mit "einem Nebeneinander der älteren und der neugebildeten Allophone für ein bis zwei Generationen". 5
Die Methode der Datierung anhand der frühesten Belege ist zudem diffizil, da - bis auf einige Runeninschriften, Namen und germanisches Wortmaterial in der frühen lateinischen Rechtsliteratur - keine germanischen Texte überliefert sind. Auch die gesamte Überlieferung des Althochdeutschen ist gering und umfasst nicht mehr als 120 Textzeugen; dies erschwert das Auffinden von sachdienlichen Belegen. Der propriale Wortschatz ist aufgrund dessen von herausragender Bedeutung für eine Datierung von Lautwandelphänomenen, da ein Großteil der aus dem Frühmittelalter überlieferten Texte in lateinischer oder griechischer Sprache abgefasst wurde und deswegen - bis auf die enthaltenen Namen - kaum Rückschlüsse auf Veränderungen der Sprache zulässt.
Der Ursprung der 2. Lautverschiebung ist bei den oberdeutschen Stämmen, das heißt den Alemannen, den Bayern und den Langobarden in Italien, zu suchen, da diese den Lautwandel am umfassendsten umgesetzt haben.
Richtet man sich nach Schwerdts Maxime, so könnte die alemannische Runeninschrift auf der Halbkugel von Stetten, deren Herstellung etwa um das Jahr 680 angenommen wird, einen ersten Anhaltspunkt für die durchgeführte 2. Lautverschiebung darstellen. Die winzige, kaum entzifferbare Inschrift auf der Kugel, deren sinngemäße Wiedergabe a me l k ud ƒ lautet, tradiert den weiblichen Personennamen Amelgu(n)d; 6 die eingeritzte ƒ-Rune könnte sowohl die Tätigkeit des Runenritzens beschreiben oder auch als Begriffsrune fungieren. Den Lautstand betreffend - so Schwerdt - "könnte sich hier die vor allem im Oberdeutschen anzutreffende Medienverschiebung zeigen." An der
4 Schwerdt (2002), 12.
5 Haubrichs (2002), 239.
6 siehe auch: Schwerdt (2000), 229f.
5
Beweiskraft der Runeninschrift auf der Halbkugel von Stetten sei jedoch zu beanstanden, dass sie bisher von noch keinem Fachrunologen untersucht" worden sei. 7 Als ältester Beleg mit lautverschobenen Wörtern aus dem Langobardischen ist der Codex Sangallensis 730 zu nennen, die älteste Handschrift des langobardischen Edictus Rothari von ca. 700. 8 Allerdings scheint bei sonstiger Durchführung der Lautverschiebung germ. p nicht verschoben zu sein. 9
Weitere frühe Quellen, welche im Folgenden eingehender behandelt werden, da sie vor allem dem Bereich des proprialen Wortschatzes angehören, sind zum einen die original überlieferten Urkunden des Klosters St. Gallen von der Mitte des 8. Jahrhunderts für das Alemannische sowie das Salzburger Verbrüderungsbuch des Stiftes St. Peter von 784 für das Bairische.
Ein früher Beleg für das Eintreten der 2. Lautverschiebung im Mittelfränkischen sind vermutlich die Glossen des Echternacher Evangeliars aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts, die Datierung der Glossen ist jedoch problematisch und möglicherweise fehlerhaft. 10
7 aus: Schwerdt (2000), 230.
8 Schwerdt (2000), 255 - 266.
9 siehe Haubrichs (2002), 243.
10 Schwerdt (2000), 267.
6
2. Die Datierung mithilfe von Personennamen
2.1 Die Datierung nach Theodor Steche
Um die 2. Lautverschiebung zu datieren, untersucht vor allem Theodor Steche den proprialen Wortschatz, vor allem die Personennamen, nach Indizien. Zu diesem Zwecke prüft er die Namen in frühen Handschriften und schließt jeweils nach deren Entstehung und dem lautverschobenen Wortstand darauf, zu welchem Zeitpunkt die einzelnen Vorgänge der Lautverschiebung begonnen haben müssten. Mit seiner Arbeit plädiert er für ein sehr frühes Einsetzen der Lautverschiebung: So sei die Tenuesverschiebung zunächst als Affrizierung bei den Langobarden zwischen 548 und 573 eingesetzt, bei den südlichen Alemannen ab dem Jahre 554. In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts habe die Entwicklung von der Affrikata zur Spirans stattgefunden. Laut Steche seien Belege für die durchgeführte Medienverschiebung ab dem Jahre 613 unstet in Schriftstücken der Langobarden zu finden. Bei den Alemannen sei die Medienverschiebung ab 642 belegt, bei den Bayern ab 720. 11
Die frühe Datierung soll anhand verschiedener Personennamen belegt werden. So nennt Steche beispielsweise den Namen des langobardischen Herrschers Zaban von Pavia, welcher im Jahre 573 das Frankenreich attackierte. 12 Erwähnt wird der Name in den 574 entstandenen "Zehn Büchern Geschichten" von Gregor von Tours, der Fredegarchronik und der Langobardengeschichte des Paulus Diaconus, welche beide ebenfalls im 6. Jahrhundert entstanden sind. Als weiteres notiert er unter anderen - als Belege für die Affrizierung bei den Langobarden im 6. Jahrhundert - die Namen des langobardischen Herzogs Zotto und des Herzogs Zangrulf von Verona 13 , welche ebenfalls in Gregor von Tours "Geschichten", der Fredegarchronik und der Langobardengeschichte erwähnt werden. Aus der Fredegarchronik nennt Steche weiter
11 siehe die Zusammenfassung von Steches Ergebnissen bei Schwerdt (2000), 239 - 249; sowie Steche (1937), 18f.
12 siehe Steche (1937), 11.
13 beide Namen siehe Steche (1937), 12.
7
Quote paper:
M A. Florian Fix, 2005, Die Datierung der 2. Lautverschiebung anhand des proprialen Wortschatzes - Erörterung der Methoden und kritische Betrachtung der ersten Belege, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Die zweite Lautverschiebung und ihre Bedeutung für die deutschen Diale...
German Studies - Miscellaneous
Termpaper, 11 Pages
G. v. Straßburg, Tristan: Verhinderte Öffentlichkeit am Marke-Hof
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 21 Pages
Die Räterepublik 1918/1919 in München: Freikorps gegen die Räterepubli...
History Europe - Germany - World War I, Weimar Republic
Presentation (Elaboration), 14 Pages
Décadence und Fin de siècle im Bezug auf den Dandysmus
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 19 Pages
Die Liberalen zwischen Verfassungskonflikt und "liberaler Ära&quo...
History Europe - Germany - 1848, Empire, Imperialism
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 27 Pages
Die Sorben: Regionalismus und ethnische Identität im Mittelalter
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 30 Pages
»Miß Sara Sampson«. Moralvorstellungen und Geschlechterbilder in Lessi...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Reichweitenmessung für Internetwerbung - eine Würdigung des Modells de...
Communications - Media Economics, Media Management
Scholarly Research Paper, 32 Pages
Modelle weiblicher Bildung im Roman "Geschichte des Fräuleins von...
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 23 Pages
Die Industrialisierung und Urbanisierung am Beispiel Nürnberg
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 17 Pages
Der „Deutsche Oktober“ und die Politik der KPD im Krisenjahr 1923
Ein Revolutionsversuch und sei...
History Europe - Germany - World War I, Weimar Republic
Examination Thesis, 88 Pages
Europa und der deutsch-französische Krieg von 1870/1871
History Europe - Germany - 1848, Empire, Imperialism
Examination Thesis, 131 Pages
Kulturelle Identität in einer globalen Welt
Communications - Intercultural Communication
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 22 Pages
Soziales Lernen in der Grundschule. Ein fächerübergreifender Bildungsa...
Termpaper, 33 Pages
Die Reformen im Bayern des napoleonischen Zeitalters
History Europe - Other Countries - Modern Times, Absolutism, Industrialization
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 26 Pages
War der erste Attische Seebund die Fortsetzung des Hellenenbündnisses ...
History - World History - Early and Ancient History
Scholarly Essay, 10 Pages
Florian Fix's text Die Datierung der 2. Lautverschiebung anhand des proprialen Wortschatzes - Erörterung der Methoden und kritische Betrachtung der ersten Belege is now available as a printed book
Florian Fix has published the text Die Datierung der 2. Lautverschiebung anhand des proprialen Wortschatzes - Erörterung der Methoden und kritische Betrachtung der ersten Belege
Florian Fix has uploaded a new text
Wortschatztraining leicht gema...
Hans G. Hoffmann, Marion Hoffmann
ELI Illustrierter Wortschatz. Englisch. Buch und CD-ROM
Alfredo Brasioli, Letizia Pigini, Gigliola Capodaglio
Die astronomische Datierung der klassischen Mayakultur (500 - 1100 n. ...
Implikationen einer um 208 Jah...
Andreas Fuls
0 comments