Inhaltsverzeichnis
Verzeichnis der Abbildungen 3
Verzeichnis der Tabellen 4
Verzeichnis der Anlagen 5
Verzeichnis der Abkürzungen 6
Begriffsklärung 7
8 Einleitung
1. Problematik und Zielstellung 10
2. Fragestellung und Hypothesen 14
3. Untersuchungsmethodischer Weg 17
4. 18 Darstellung der Ausgangssituation
4.1 Faktoren der betrieblichen Ausbildungsbereitschaft 19
4.2 Der Obstbau in Deutschland 20
4.2.1 Die Obstanbaugebiete in Deutschland 20
4.2.2 Größenstrukturen der deutschen Obstbaubetriebe 25
4.2.3 Strukturwandel im Obstbau 26
4.3 Ausbildungskosten im Obstbau 29
4.4 Saison Arbeitskräfte im Obstbau 32
4.5 Trends für die Ausbildung im Gartenbau in Deutschland 33
4.6 Demografische Entwicklung 34
5. 35 Theoretische Auseinandersetzung mit den Hypothesen
5.1 Fachkräftebedarf im Obstbau 35
5.2 Die wirtschaftlichen Lage im Obstbau 37
5.3 Image und Berufsinformation 39
5.3.1 Das Image des Berufs Gärtner/in 39
5.3.2 Informationen zum Ausbildungsberuf Gärtner/in im Obstbau 42
5.4 Die geforderte „Ausbildungsreife“ für den Beruf Gärtner/in 43
5.5 Negativen Erfahrungen mit Auszubildenden als Ausbildungshemmnis 47
5.6.1 Berufschule als Ausbildungshemmnis 49
5.6.2 Durchschnittsalter der Lehrer in Deutschland 49
5.6.3 Anpassung der Lerninhalte an Veränderungen in der beruflichen Praxis 50
5.6.4 Zweiter Berufsschultag 50
5.6.5 Schulstandort 51
6. 53 Überprüfung der Hypothesen durch eine Befragung
6.1 Fragebogenkonstruktion 53
6.2 Auswahlverfahren und Befragungsdurchführung 56
6.3 Ergebnisse der Befragung 57
6.4 Diskussion der Untersuchungsergebnisse 70
7. 73 Schlussfolgerungen und Handlungsoptionen
8. 76 Zusammenfassung
9. 77 Quellenverzeichnis
Anlagen
2
Verzeichnis der Abbildungen
Abb. 1: Faktoren der betrieblichen Ausbildungsbereitschaft 18
Abb. 2: Übersicht der Apfelanbauflächen 2002 in Deutschland
Abb. 3: Verteilung der Baumobstflächen nach Betriebsgrößenklassen
Abb. 4: Entwicklung der Betriebe nach Größenklassen der Baumobstfläche
Abb. 5: Ausbildungskosten –Vollkosten –
Abb. 6: Ausbildungskosten – Teilkosten –
Abb. 7: Feste AK und Saison AK im Gartenbau
Abb. 8: Absolventen aus allgemein bildenden Schulen 2005 -2020
Abb. 9: Ausbildung über Bedarf
Abb. 10: Fragebogen Seite 1
Abb. 11: Fragebogen Seite 2
Abb. 12: Ergebnisse der Frage 3 (Ausbildungskapazität)
Abb. 13: Ergebnisse der Frage 4 im Diagram (Ursachen)
Abb. 14: Ergebnisse der Frage 5 im Diagram (Ursachen – wenig Bewerber)
Abb. 15: Ergebnisse der Frage 6 im Diagram (Ursachen – keine geeigneten Bew.)
Abb. 16: Ergebnisse der Frage 7 im Diagram (Ursachen – schlechte Erfahrungen)
Abb. 17: Ergebnisse der Frage 8 im Diagram (Ausbildungsabbrüche)
Abb. 18: Ergebnisse der Frage 9 im Diagramm (Ursache – Berufschule) 68
3
Verzeichnis der Tabellen
Tab. 1: Verhältnis der Auszubildenden zur Anzahl der Betriebe 10
im deutschen Gartenbau (2004)
Tab. 2: Verhältnis Obstbaubetriebe, Ausbildungsbetriebe, Auszubildende 11
in Länderübersicht
Tab. 3: Verkaufserlöse und Produktionswert des Obstbaus in Deutschland 37
im Vergleich mit den Auszubildendenzahlen
Tab. 4: Gewinn und Auszubildende in Relation 38
Tab. 5: Durchschnittliche Bewerberzahl auf einen Ausbildungsplatz in den 40
unterschiedlichen Berufsgruppen
Tab. 6: Vorzeitig gelöste Ausbildungsverträge im Obstbau 48
Tab. 7: Berufsschulstandorte Gartenbau 52
Tab. 8: Rücklaufgesamtheit nach Bundesländern 57
Tab. 9: Ergebnisse der Frage 4 als Prozentwerttabelle 60
Tab. 10: Ergebnisse der Frage 5 als Prozentwerttabelle 62
Tab. 11: Ergebnisse der Frage 6 als Prozentwerttabelle 65
Tab. 12: Ergebnisse der Frage 7 als Prozentwerttabelle 66
Tab. 13: Ergebnisse der Frage 8 als Prozentwerttabelle 67
Tab. 14: Ergebnisse der Frage 9 als Prozentwerttabelle
69
Tab. 15: Ausbildungskapazität nach Bundesländern 70
4
Verzeichnis der Anlagen
Anlage 1: Anerkennung als Ausbildungsbetrieb im Gartenbau Anlage 2: Zuständige Stellen für die Berufsausbildung im Gartenbau Anlage 3: Faktoren der betrieblichen Ausbildungskosten Anlage 4: Image des Berufs Gärtner/in Anlage 5: Anforderungen an Jugendliche für den Eintritt in eine Berufsausbildung im Bereich der Agrarwirtschaft Anlage 6: Einladungsanschreiben an die anerkannten Ausbildungsbetriebe im Obstbau Zur Teilnahme an der Umfrage (e-Mail) Anlage 7: Fragebogen zur Ausbildungssituation im Obstbau (online) Anlage 8: Fragebogen zur Ausbildungssituation im Obstbau (Fax)
5
Verzeichnis der Abkürzungen
aid aid infodienst - Ernährung · Verbraucherschutz · Landwirtschaft
AK Arbeitskräfte
BIBB Bundesinstitut für Berufsbildung
BMVEL Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucher
BBiG Berufsbildungsgesetz
d.h. das heißt
etc. et cetera
d. Verf. Anmerkung des Verfassers
GaLaBau Garten- und Landschaftsbau
IW-Köln Institut der deutschen Wirtschaft Köln
KMK Kultusminister Konferenz
LWK Landwirtschaftskammer
WJ Wirtschaftsjahr
www World Wide Web
z.B. zum Beispiel
Stmlf Staatsministerium Landwirtschaft und Forsten
ZVG Zentralverband Gartenbau
6
Begriffsklärung
- Ausbildungsquote - Unter der Ausbildungsquote versteht man den Anteil der Auszubildenden an der Gesamt- zahl aller Beschäftigten.
- Anerkannter Ausbildungsbetrieb für den Beruf Gärtner/in - Um Auszubildende im Ausbildungsberuf Gärtner/Gärtnerin ausbilden zu können, müssen im wesentlichen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:
1. Die persönliche und fachliche Eignung des Ausbildenden/Ausbilders;
2. Die Eignung der Ausbildungsstätte.
Gesetzliche Grundlagen sind das Berufsbildungsgesetz (BBiG) vom 14.08.1969 (BGBl. I S. 1112), die Verordnung über die Eignung der Ausbildungsstätte für die Berufsausbildung zum Gärtner/zur Gärtnerin vom 12. August 1997 (BGBl. I S. 2044) und die Ausbilder- Eignungsverordnung vom 16. Februar 1999 (BGBI. I S. 157) (Vgl. Anlage 1).
7
Einleitung
„Bildung und Qualifizierung sind die Grundlagen unseres Wohlstands. (…) Deshalb muss jeder junge Mensch, der am Anfang des Berufslebens steht, eine Perspektive erhalten. Von der Ausbildung und Qualifizierung unserer Jugend hängt die Zukunftsfähigkeit und Inno- vationskraft der deutschen Wirtschaft und der Gesellschaft insgesamt ab“ (Bundesministe- rium für Bildung und Forschung 2004: 1). Ein nicht zu vernachlässigender Anteil der deut- schen Wirtschaft stellt der Sektor Agrarwirtschaft dar. Mit rd. 21,65 Mrd. € hatten Land- wirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei im Jahre 2004 einen Anteil von 1,1 % an der ge- samten Bruttowertschöpfung der Bundesrepublik Deutschland von 1995 Mrd. €. Die Er- zeugung von Garten- und Obstbauprodukten machte 2004 mit rund 4,96 Mrd. € 11,5 % des Produktionswertes der Landwirtschaft aus. Allein der Wert der Obstbauprodukte betrug 1.026 Mrd. € (Vgl. BMVEL 2005: 8). Und auch im Hinblick auf die Ausbildungsleistung
steht der Sektor Agrarwirtschaft, in den Forderungen des Ausbildungspaktes, 1 sehr gut da. Laut Berufsbildungsbericht liegt die Ausbildungsquote der Betriebe mit agrarwirtschaftli- cher Produktion bei 6,6 (Vgl. Bundesregierung 2005: 133). Die Zahl der neu abgeschlos- senen Ausbildungsverträge konnte 2005 bei den Gärtnern um 4,2 % erhöht werden (Vgl. DIHK 2005: 1). „Mit bundesweit rund 20.000 Ausbildungsverhältnissen stellt der Gärtner den bedeutendsten Ausbildungsberuf im Berufsfeld "Agrarwirtschaft" dar. Qualifizierte Fach- und Führungskräfte werden in vielen Bereichen des Gartenbaus gesucht und haben gute Berufschancen und Zukunftsperspektiven“ (LWK Weser-Ems 2005a).
Die Branche Gartenbau gliedert sich in 7 Fachrichtungen: Baumschule, Zierpflanzenbau, Gemüsebau, Garten- und Landschaftsbau, Staudengärtner, Friedhofsgärtner und Obstbau. Für jede Fachrichtung gibt es entsprechend auch einen Ausbildungsberuf.
Die stärkste Fachrichtung ist der GaLaBau mit rund 12000 Betrieben gefolgt vom Zier- pflanzenbau und dem Obstbau mit rund 9200 Betrieben (Vgl. ZVG 2005).
Wenn man die Ausbildungsstatistik der 7 Fachrichtungen des Gartenbaus jedoch genauer betrachtet, bildet sich für den Obstbau ein deutliches Alleinstellungsmerkmal heraus. Es besteht eine enorme Diskrepanz zwischen der Anzahl der Obstbaubetriebe und der An- zahl der Auszubildenden im deutschen Obstbau.
1
Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland vom 16. Juni 2004. Mit diesem Pakt haben sich Wirtschaft und die ehemalige Bundesregierung verpflichtet, gemeinsam die Ausbildungs- leistung in den nächsten drei Jahren deutlich zu erhöhen. (Vgl. Ausbildungs-Pakt, 2004)
8
Die Ausbildungsquote im Gartenbau ist so hoch, weil der größte Teil der Auszubildenden aus der Fachsparte GaLaBau (Dienstleistungssektor) kommt, zwischen 1990 und 2000 stieg die Lehrlingszahl im GaLaBau um 115% (Vgl. Freyberg 2001: 57). Der Produktionsgartenbau hat hingegen mit Nachwuchssorgen zu kämpfen, vor allem der Obstbau findet kaum Bewerber, 2004 gab es 262 Auszubildenden zum Gärtner/in in der Fachrichtung Obstbau.
Und das in einer Zeit in der seit Jahren das Problem Jugendarbeitslosigkeit immer wieder ganz oben auf der politischen Agenda steht.
9
1. Problematik und Zielstellung
Wie in der Einleitung bereits festgestellt wurde, besteht eine enorme Diskrepanz zwischen
der Anzahl der Obstbaubetriebe und der Anzahl der Auszubildenden im deutschen Obst-
bau. Die folgende Tabelle verdeutlicht diese Feststellung.
Tab. 1: Verhältnis der Auszubildenden zur Anzahl der Betriebe im deutschen Gartenbau
(2004)
Quelle: Eigener Entwurf 2
Auf 35 Obstbaubetriebe kommt nur ein Auszubildender, in den anderen Fachrichtungen ist
dieses Verhältnis wesentlich enger.
Betrachtet man die Zahl der Auszubildenden im Obstbau im Vergleich der letzten Jahre
von 1982-2004, wird keine große Veränderung deutlich. Die Anzahl pendelt um den Wert
240, die geringste Anzahl betrug 159 im Jahr 1991, die höchste Anzahl betrug 317 im dar-
auf folgenden Jahr 1992 (Vgl. BML/BMVEL 2005). Doch es gibt auch Stimmen die einen
Auszubildenden- Mangel feststellen. „Der Vorsitzender der Prüfungskommission Obstbau
in Brandenburg Hans Eckert, sprach von Nachwuchssorgen in der Branche: Landesweit
gibt es noch 6 bis 7 geprüfte Obstbaugärtner jährlich. `Das wäre früher nicht mal eine
Lehrgruppe gewesen´“ (Eckert zitiert nach Klix 2001).
2
Anzahl der Betriebe nach Angaben des ZVG 2005
Anzahl der Auszubildende 2004 nach BMVEL-Statistik 2005
10
Da die Verteilung von Obstbau Betrieben in Deutschland regional stark variiert, kann die
Annahme, dass Nachwuchssorgen in der Branche bestehen, nicht pauschal für Gesamt-
deutschland geltend gemacht werden. Eine Analyse der Ausbildungsmarktsituation muss
immer regional spezifisch erfolgen.
Die folgende Tabelle belegt, dass dieser Befund auch bestehen bleibt wenn man die Situa-
tion Bundesländer spezifisch betrachtet.
Tab. 2: Verhältnis Obstbaubetriebe, Ausbildungsbetriebe, Auszubildende in
Länderübersicht
Quelle: Eigener Entwurf, 3
Eine Ausnahme stellt das Bundesland Sachsen dar, es gibt in Sachsen nur 60 Obstbaube-
triebe, die Anzahl der Auszubildenden mit 63 im Jahr 2004 übersteigt diesen Wert.
In allen anderen Bundesländern besteht eine starke Diskrepanz im Verhältnis Obstbaube-
triebe zu Auszubildenden.
Sehr deutlich wird die Diskrepanz am Beispiel Schleswig-Holstein. Es gibt in Schleswig-
Holstein ca. 130 Betriebe die Obstbau im Haupterwerb betreiben, von diesen 130 Betrie-
ben sind lediglich 7 anerkannte Ausbildungsbetriebe, im Jahr 2004 gab es nur einen Aus-
3
- Angaben Ausbildungsbetriebe: Anfrage bei den zuständigen Stellen für Ausbildung (Anlage 2)
- Angaben Auszubildende: (BMVEL-Statistik 2005)
- Angaben Obstbau Betriebe: Die Nr. in Klammern entsprechen den Quellennr. des Quellenverzeichnisses.
(2005 wurde deutschlandweit eine Gartenbauerhebung durchgeführt, die Ergebnisse werden leider erst im
kommenden Frühjahr erwartet. Daher liegen meine Angaben zu den Betriebszahlen, der jeweiligen Bundes-
länder, aus unterschiedlichen Jahrgängen vor.)
11
zubildenden mit der Fachrichtung Obstbau in ganz Schleswig-Holstein, 2005 hat kein 4 Ju- gendlicher eine Ausbildung begonnen.
Wo liegen die Ursachen für dieses Missverhältnis?
Gesamtwirtschaftlich werden oft die schleppende Konjunktur, und die mangelhafte Schul- bildung der Jugendlichen als Hauptursachen genannt, doch so pauschal kann dies wohl für keinen Beruf und auch nicht für den Obstbau angenommen werden.
Bei der Betrachtung der Ausbildungssituation muss zunächst unterschieden werden in Be- triebe die ausbilden dürfen „anerkannte Ausbildungsbetriebe“ und in Betriebe, die nicht ausbilden dürfen. Die für Deutschland insgesamt gültigen Anforderungen für die Anerken- nung zum Ausbildungsbetrieb sind im Anhang unter (Anlage 1) einzusehen.
Eine umfassende Analyse der Ursachen für eine mangelnde Ausbildungsbereitschaft sei- tens der Betriebe, die noch nie ausgebildet haben, ist aufgrund der hohen Anzahl der Be- triebe im Rahmen dieser Arbeit nicht zu bewältigen. Daher konzentriert sich die weitere Bearbeitung nur auf die Analyse der Ausbildungssituation anerkannter Ausbildungsbetrie- be.
Dennoch möchte ich mögliche Ursachen, die aus Sicht von Obstbaubetrieben gegen eine Anerkennung als Ausbildungsbetrieb sprechen, kurz skizzieren.
Die Anerkennung als Ausbildungsbetrieb kann nicht erfüllt werden: wenn
- keine persönliche und fachliche Eignung des Ausbildenden/Ausbilders vorliegt, wenn
- keine Eignung der Ausbildungsstätte besteht (z.B. Betrieb zu klein, Anbau zu einseitig) Weitere Gründe die gegen eine Anerkennung sprechen: sind
- der bürokratische Aufwand für eine Anerkennung wirkt abschreckend
- Informationsdefizit über die Anforderungen an einen Ausbildungsbetrieb
- Existenznot, (man möchte Auszubildenden keinen unsicheren Ausbildungsplatz bieten)
- kein entsprechender Fachkräftebedarf
- Fachkräftebedarf mit Berufserfahrung
- die Ausbildungskosten sind zu hoch
4
Christiane Nissen, Ausbildungsberaterin LWK-Schleswig Holstein (e-Mail Oktober 2005)
12
Da in dieser Arbeit lediglich die Ausbildungssituation der anerkannten Ausbildungsbetrie- be eine Rolle spielen soll, ist zunächst zu hinterfragen ob eine höhere Ausbildungsquote durch die bestehende Anzahl anerkannter Ausbildungsbetriebe zu realisieren wäre. Wenn das Verhältnis von anerkannten Ausbildungsbetrieben (ca. 213) zur Anzahl der Auszubildenden (262 im Jahr 2004) betrachtet wird, ergibt sich ein Durchschnitt von 1,2 Auszubildenden pro Betrieb. Aufgrund dieses geringen Durchschnittes läßt sich anneh- men, dass die Ausbildungskapazität in vielen Betrieben nicht ausgelastet ist. Um noch einmal die Bundesländer Sachsen und Schleswig-Holstein als Beispiele herauszugreifen, in Sachsen bilden 11 Ausbildungsbetriebe im Jahr 2004 63 Auszubildende aus, im Durch- schnitt hat jeder Betrieb 6 Auszubildende, ob die Ausbildungskapazität der Betriebe damit ausgelastet ist, kann an dieser Stelle noch nicht beantwortet werden. In Schleswig-Holstein gibt es 7 Ausbildungsbetriebe jedoch nur einen Auszubildenden, es wären theoretisch noch viele Ausbildungsplätze frei.
Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass der Durchschnitt von Auszubildenden pro Be- trieb weit über dem aktuellen Durchschnitt von 1,2 liegen könnte.
Welche Ursachen bedingen die geringe Auslastung der Ausbildungskapazität?
Das Ziel dieser Arbeit ist es Ursachen zu analysieren, die einer höheren Ausbildungsquote im Obstbau entgegenwirken. Auf das Thema der Arbeit bezogen heißt dies, Ursachen zu finden, zu analysieren und zu evaluieren, welche die große Diskrepanz erklären, zwischen der hohen Anzahl an Betrieben und der geringen Anzahl Auszubildender im deutschen Obstbau.
Nur wenn die Ursachen für die geringe Anzahl von Auszubildenden im deutschen Obstbau bekannt sind, können gezielte Maßnahmen ergriffen werden um zu einer höheren Ausbil- dungsquote im Obstbau zu kommen. Aus dem Ergebnis der Ursachen-Analyse ergeben sich eventuell Möglichkeiten, für die an der Ausbildung beteiligten Seiten (Betriebe, Schu- le und Politik), auf diese Ursachen mit gezielten Maßnahmen zu reagieren.
13
2. Fragestellung und Hypothesen
Um wissenschaftlich fundierte Aussagen zur Thematik treffen zu können, ist zu hinterfra- gen, wie die in Punkt 1 angestrebten Ziele erreicht werden sollen. Hieraus ergeben sich ei- ne Fragestellung und Hypothesen, welche auf einer Annahme der Ursachen beruhen, die die Diskrepanz zwischen der hohen Anzahl an Betrieben und der geringen Anzahl an Aus- zubildenden im deutschen Obstbau erklären.
Im folgenden Abschnitt soll stichpunktartig skizziert werden, welche Ursachen anzuneh- men sind. Diesen Fragen folgen mögliche Antworten, welche komprimiert dargelegt wer- den und zusammenfassenden Charakter besitzen. Auf einzelne, wesentliche Punkte wird im Verlauf der Arbeit tiefer eingegangen.
Fragestellung: Warum haben anerkannte Ausbildungsbetriebe im Obstbau keine oder nur wenige Auszubildende?
Die Ursachen, sich gegen die Aufnahme von Auszubildenden zu entscheiden, lassen sich voraussichtlich nicht auf einen Punkt reduzieren. Jeder Betrieb handelt individuell, bedingt durch betriebliche Zwänge, der eigenen Erfahrung und Umständen die entweder von der Region, von den Bewerbern oder von anderen Gründen beeinflusst werden. Darum wird hier versucht ein breites Spektrum möglicher Ursachen zu nennen.
- Kein Bedarf o Genug Auszubildende o Können nicht übernommen werden
- Wirtschaftliche Gründe o Schwierige wirtschaftliche Lage o Zurzeit ist kein Ausbilder (Meister) im Betrieb beschäftigt o Der Betriebsleiter mit Ausbildereignung hat keine Zeit
14
- Keine Bewerber o Das Image des Berufes ist in der öffentlichen Meinung zu schlecht o Genaue Informationen über den Beruf sind ungenügend verbreitet o Der Ausbildungsberuf Gärtner/in im (Obstbau) wird als zu anstrengend empfunden
- Keine geeigneten Bewerber o Mangel an Motivation o Bewerber haben zu schlechte Eingangsqualifikationen o Bewerber sind zu unflexibel/unmobil
- Konsequenz schlechter Erfahrungen o Lehrlinge brachten schlechte Leistungen o Fehlzeiten waren zu hoch o zu häufige Ausbildungsabbrüche
- Die Berufschule behindert eine qualitative Ausbildung, aus Sicht der Betriebe o Lehrer sind zu alt o Lerninhalte sind nicht mehr aktuell o Lehrlinge sind zu viele Tage in der Berufschule o Der Schulstandort ist zu weit weg
Hieraus lassen sich folgende Hypothesen ableiten:
15
Hypothesen
1. Wenn der eigene Bedarf an Fachkräften im Betrieb bereits gedeckt ist sinkt die
Bereitschaft über den eigenen Bedarf hinaus auszubilden.
2. Je schlechter sich die wirtschaftlich Lage, der anerkannter Ausbildungsbetriebe
im Obstbau darstellt, desto geringer ist die Bereitschaft seitens der Betriebe neue Ausbildungsverhältnisse abzuschließen.
3. Die geringe Anzahl an Bewerbern für einen Ausbildungsplatz im Obstbau ist eine
Folge mangelnder Informationen über den Beruf Gärtner/in im Obstbau und eines oftmals unattraktiv dargestellten Berufsbildes.
4. Die geringen Auszubildendenzahlen im Obstbau sind eine Konsequenz des Mangels
an geeigneten Bewerbern.
5. Je häufiger schlechte Erfahrungen mit Auszubildenden gemacht wurden, desto
geringer ist die Bereitschaft, seitens der anerkannten Ausbildungsbetriebe im Obstbau, erneut Auszubildende einzustellen.
6. Die duale Berufsausbildung fußt auf zwei Säulen, Berufschule und Ausbildungsbe-
trieb. Wenn die Berufsschule aus betrieblicher Sicht behindernd wirkt, sinkt die Bereitschaft, der anerkannten Ausbildungsbetriebe im Obstbau, für eine Beteiligung an der Ausbildung.
16
3. Untersuchungsmethodischer Weg
Für die Überprüfung der Hypothesen ist es notwendig, einen systematisch aufgebauten, untersuchungsmethodischen Weg einzuschlagen. Die beschriebenen Positionen werden nachfolgend unter Punkt 5 theoretisch überprüft.
In der anschließenden Untersuchung wird ein Fragebogen entwickelt (Punkt 6.1), um die theoretisch geprüften Hypothesen mittels einer Repräsentativbefragung aller anerkannten Ausbildungsbetrieben im Obstbau empirisch zu überprüfen.
Die Befragung der Ausbildungsbetriebe soll repräsentative Informationen erheben, die über das Ausbildungsverhalten und Ausbildungsentscheidungen der Betriebe Auskunft ge- ben. Die aktuelle Ausbildungssituation und Ursachen für die geringe Zahl Auszubildender in den Betrieben werden abgefragt. Darüber hinaus wird ein aktuelles Meinungsbild dar- über angestrebt, wie Entscheidungsträger ausbildender Betriebe (Inhaber bzw. Personal- und Ausbildungsleiter) die Ursachen von Ausbildungshemmnissen einschätzen.
Die Darstellung des Verfahrens der Repräsentativbefragung erfolgt unter dem Punkt 7.2 Die Grundgesamtheit der Untersuchung bilden die rund 215 anerkannten Ausbildungsbe- triebe für den Beruf Gärtner/in in der Fachrichtung Obstbau in Deutschland. Grundlage für den Kontakt zu den Betrieben bilden Adressenlisten der anerkannten Aus- bildungsbetriebe Fachrichtung Obstbau aus den jeweiligen Bundesländern. Diese wurden bei der jeweilig zuständigen Stelle angefordert. (je nach Bundesland unter- schiedlich: Landwirtschaftskammer, Gartenbaukammer, Senatsverwaltung, Ministerium für Landwirtschaft) (siehe Anlage 2).
Den Abschluss der Untersuchung bildet die Auswertung der Ergebnisse der durchgeführ- ten Repräsentativbefragung (Punkt 6.3 und 6.4).
Als Abschluss der wissenschaftlichen Hausarbeit werden mögliche Handlungsoptionen, auf Basis der erbrachten Ergebnisse, für eine Erhöhung der Ausbildungsquote im Obstbau aufgezeigt.
17
4. Darstellung der Ausgangssituation
4.1 Faktoren der betrieblichen Ausbildungsbereitschaft
Bei einer Beschäftigung mit den Ursachen, warum anerkannte Ausbildungsbetriebe im
Obstbau keine oder nur wenige Auszubildende haben, sollte zunächst gefragt werden wo-
von die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe abhängt.
Dazu wird im Folgenden zwischen einer einzelwirtschaftlichen, einer gesamtwirtschaftli-
chen und einer gesellschaftlichen Ebene unterschieden. Die Darstellung nach Ebenen soll
die relevanten Faktoren für eine Ausbildungsbereitschaft transparent machen.
Abb. 1: Faktoren der betrieblichen Ausbildungsbereitschaft Quelle: Eigener Entwurf, die Grundstruktur geht zurück auf (Walden 2005: 96)
18
Es handelt sich bei dieser Einteilung um eine theoretische Ebene, die eine Analyse relevan- ter Einflussfaktoren der betrieblichen Ausbildungsbereitschaft erleichtern soll. Die einzelwirtschaftliche Ebene bezieht sich dabei auf das ökonomische Interesse des ein- zelnen Betriebes an der Ausbildung. Betriebe verfolgen bei einer zu treffenden Ausbil- dungsentscheidung das Ziel, Kosten und Nutzen einer Ausbildung gegenüberzustellen und den Nettonutzen der Ausbildung möglichst zu maximieren (Vgl. Beicht/Walden/Herget 2004). Hierbei sind zwei Möglichkeiten einer positiven Nutzenbilanz zu unterscheiden. Investitionsorientierte Unternehmen sehen Ausbildung als langfristige Investition, die sich erst später – nach Übernahme des Auszubildenden in ein Beschäftigungsverhältnis – für den Betrieb rentiert. Produktionsorientierte Unternehmen können die Ausbildungskosten durch einen wirtschaftlichen Einsatz der Auszubildenden in der laufenden Produktion kompensieren 5 (Vgl. Becker 1993).
Für Betriebe mit einer ausgeprägten Investitionsorientierung dürfte der zu deckende Fach- kräftebedarf von wesentlicher Bedeutung für eine Beteiligung an der Ausbildung sein. Dies sind in der Regel größere Betrieb die eine höhere Zahl Beschäftigter und somit auch einen gewissen Ersatzbedarf haben.
Von Bedeutung für die Ausbildungsbereitschaft ist ebenfalls eine positive Wirkung der Ausbildung für das Ansehen des Betriebes in der Öffentlichkeit und bei Kunden (Vgl. Walden 2005: 97). Die Ausbildungskosten dürften für Betriebe mit Investitionsorientie- rung nicht von zentraler Bedeutung sein, Solange die Kosten ein bestimmtes Niveau nicht überschreiten. Insbesondere müssen die Ausbildungsvergütungen deutlich unter dem Lohn für eine ungelernte Arbeit liegen (Vgl. Beicht/Walden 2004).
Bei den Betrieben mit Produktionsorientierung sind die Ausbildungskosten, die wirtschaft- liche Situation und Auftragslage von großer Bedeutung, da diese Faktoren entscheiden ob sich eine Ausbildung lohnt (Vgl. Walden 2005: 98).
Neben den mit einer Ausbildung verfolgten Zielen ist für die Ausbildungsentscheidung ei- nes Betriebs von unmittelbarer Bedeutung, inwieweit abgesehen von der zu erfüllenden Anerkennung als Ausbildungsbetrieb, Personal und Zeit für eine Betreuung der Auszubil- denden zur Verfügung stehen. Die wirtschaftliche Situation des Betriebes ist natürlich auch in Abhängigkeit mit der gesamtwirtschaftlichen Lage zu sehen. Eine gute Konjunktur
5
Die Unterscheidung zwischen Investitions- und Produktionsorientierung geht zurück auf den amerikani- schen Bildungsökonom Gary S. Becker
19
wirkt sich tendenziell positiv auf die Auftragslage und somit auch auf die Ausbildungsbe- reitschaft aus.
Die bisher angesprochenen ökonomischen Aspekte können die betriebliche Ausbildungs- bereitschaft nicht vollkommen erklären. Von Bedeutung sind darüber hinaus Faktoren, die auf der gesellschaftlichen Ebene angesiedelt sind. Die Duale Ausbildung in Deutschland ist eine gewachsene institutionelle Struktur die in der Regel bei den Betrieben angesehen und anerkannt ist. Die Berufsschule wird für ihren Teil der Berufsausbildung von den Be- trieben als wichtigen Partner angesehen. Hinzu kommt, dass Betriebe in Deutschland, ei- nen Nutzen in anerkannten Zertifikaten sehen (Gesellenprüfung, Meisterbrief usw.). Neben dieser institutionellen Struktur sind noch Werte und Normen von Bedeutung. Hier geht es insbesondere darum, inwieweit Betriebe auch ein gesellschaftliches Engagement für die Ausbildung der heranwachsenden Generation entwickeln und ihre ökonomischen Interessen ein Stück weit zurückstellen.
Auf der Grundlage der skizzierten Faktoren soll nun untersucht werden welche Aussagen sich über die Ausbildungsbereitschaft der anerkannten Ausbildungsbetriebe im Obstbau treffen lassen.
4.2 Der Obstbau in Deutschland
Eine Besonderheit des Obstbaus stellt die Betriebsverteilung nach Obstanbaugebieten dar. Das Angebot von Ausbildungsplatzbewerbern wird durch die Anzahl der Ausbildungsbe- triebe stark mit beeinflusst. Ist die Dichte an Ausbildungsbetrieben in einer Region sehr hoch, sinkt dadurch das Angebot an Ausbildungsplatzbewerbern.
Im Folgenden wird die Verteilung der Obstbaubetriebe in Deutschland beschrieben.
4.2.1 Die Obstanbaugebiete in Deutschland
Der Obstbau in Deutschland konzentriert sich durch Bodenverhältnisse, klimatische Be- dingungen und geschichtliche Entwicklung auf folgende Hauptanbaugebiete. Die Bodenseeregion, die Niederelbe „Altes Land“, die Sachsen-Elbe Region, der Rhein- Sieg Kreis in Nordrhein Westfalen, das Havel Gebiet in Brandenburg, die Region um Lud- wigslust in Mecklenburg-Vorpommern und der Ortenaukreis in Baden-Württemberg.
20
Quote paper:
Harm Sönksen, 2006, Ursachen der Diskrepanz zwischen der hohen Anzahl an Betrieben und der geringen Anzahl Auszubildender im deutschen Obstbau, Munich, GRIN Publishing GmbH
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