Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Junge Intensiv- und Mehrfachtäter. 5
2.1 Annäherung an den Terminus - Ein Definitionsversuch. 5
2.2 Statistische Relevanz. 10
3. Ausgewählte Theorien und Ansätze zur Erklärung abweichenden / delinquenten
Verhaltens. 12
3.1 Grundlagen und Theorienbegriff. 12
3.2 Sozialpsychologische Ansätze 14
3.2.1 Theorien des differentiellen Lernens. 14
3.2.1.1 Differentielle Assoziation (n. Sutherland) 15
3.2.1.2 Differentielle Identifikation (n. Glaser) 18
3.2.1.3 Differentielle Verstärkung (n. Burgess/Akers) 19
3.2.1.4 Anwendung der Theorien differentiellen Lernens als Erklärungsansatz für das
Phänomen junger Intensiv- und Mehrfachtäter. 20
3.2.2 Der Kontrollansatz (Halt- und Bindungstheorien) 22
3.2.2.1 Reiss 22
3.2.2.2 Reckless. 23
3.2.2.3 Hirschi / Gottfredson. 24
3.2.2.4 Anwendung des Kontrollansatzes als Erklärung für das Phänomen junger
Intensiv- und Mehrfachtäter 27
3.3 Gesellschaftsbezogene Theorien und Ansätze 28
3.3.1 Kultur und Kriminalität - Subkulturtheorien. 28
3.3.1.1 Subkulturtheorie nach Cohen 30
3.3.1.2 Die Theorie der differentiellen Gelegenheiten nach Cloward und Ohlin 34
3.3.1.3 Anwendung der vorgestellten Theorien als Erklärungsansatz für das
Phänomen junger MTV und IT 37
3.3.2 Etikettierungsansätze. 39
3.3.2.1 Der Labeling Approach nach Tannenbaum 40
3.3.2.2 Becker. 41
3.3.2.3 Sack 44
3.3.2.4 Primäre und sekundäre Devianz nach Lemert. 46
3.3.2.5 Anwendung der vorgestellten Theorien als Erklärungsansatz für das
Phänomen junger MTV und IT 47
4. Votum. 50
5. Literatur- und Quellenverzeichnis: 52
2
1. Einleitung
„Annabelle (14) - eine kriminelle Karriere. Raub: Sie begann mit Ladendiebstählen - jetzt wurde sie zur Gewalttäterin. Die Polizeiakte des Mädchens, das mit einer Komplizin eine 20jährige Frau brutal überfiel, umfaßt [sic] mehr als ein Dutzend Verfahren.“ (erschienen: 27. Januar 2006 im Hamburger Abendblatt) 1 .
„Jugendliche Serientäter wie Mahmoud R.., der bis zu seiner Verhaftung 80 teilweise schwere Straftaten begangen hat, sind keine Seltenheit. ‚Von 164 700 Tatverdächtigen, die die Polizei 2002 überprüfte, waren 2900 so genannte Intensivtäter mit mehr als zehn Straftaten in ihrer Akte’, sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch auf dem CDU-Forum Sicherheitspolitik im Rathaus Wilmersdorf. ‚32 Prozent der Mehrfachtäter sind jünger als 21 Jahre.’“ (erschienen: 6. September 2003 in Die Welt) 2 .
Artikel wie diese finden sich immer wieder in der deutschen Presse. Aber auch in der Fachliteratur, wie z.B. der Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe - ZJJ oder im DVJJ-Journal, wird zuweilen hitzig bezüglich der Thematik „junge Mehrfach- und Intensivtäter“ diskutiert. 3 Diese Arbeit will nun einen Beitrag zur wissenschaftlichen Debatte leisten. Es soll jedoch nicht erörtert werden, welchen Beitrag die Medien in diesem Fall spielen bzw. wie ihr Einfluss zu bewerten ist. Nachgegangen werden soll vielmehr der Frage, welche Theorien bzw. theoretischen Ansätze zur Erklärung des
Phänomens junger Intensiv- und Mehrfachtäter herangezogen werden bzw. inwieweit diese Anwendung finden können.
Mit einer plausiblen Theorie, die das Phänomen junger Mehrfach- und Intensivtäter zu erklären vermag, ließen sich in erster Linie Ansätze zur Prävention bzw. zur generellen Arbeit und einem konstruktiven Umgang mit den delinquenten Jugendlichen erschließen.
1 URL: http://www.abendblatt.de/daten/2006/01/27/527439.html [Stand: 21. Februar 2006].
2 URL: http://www.welt.de/data/2003/09/06/164801.html [Stand: 21. Februar 2006].
3 Vgl. u.a. Schwerpunkt Junge Mehrfach- und Intensivtäter. In: ZJJ Heft 2/2003.
3
Gerade in den die Jugendlichen berührenden Instanzen Sozialarbeit, Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichte, Jugendhilfe etc. wäre eine solche Theorie Ausgangspunkt und damit Legitimation für das Handeln. 4
Im Fokus der vorliegenden Arbeit soll jedoch die These stehen, dass bereits existierende Theorien zur Erklärung von Kriminalität nicht ausreichen, um das Phänomen der Mehrfach- und Intensivtäterschaft bei Jugendlichen ausreichend zu erklären. Die in dieser Arbeit gefasste Präselektion bereits bestehender Theorien umfasst solche aus den Bereichen Lerntheorie, Halt- und Bindungstheorie, Kulturelle Theorie sowie den Theorien der kriminellen Karriere. Eine derartige Vorauswahl war aufgrund der Quantität unterschiedlichster theoretischer Ansätze notwendig. Diese hier vorliegenden wurden aufgrund ihrer theoretischen Plausibilität bezüglich des Themas extrahiert. In Bezug auf die nachfolgende Arbeit bedarf es zunächst einer Begriffsklärung bzw. einer Definition des Terminus „junge Mehrfach- und Intensivtäter“. Ein solcher Versuch wird unter dem Punkt 2.1 der vorliegenden Arbeit unternommen. Ferner wird unter Punkt 2.2 den Fragen nachgegangen, wie es um die statistische Relevanz der thematisierten Tätergruppe in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) bestellt ist und warum es scheinbar so verführerisch / ökonomisch ist, speziell dieser Gruppe enormes kriminologisches Interesse zukommen zu lassen. Im Punkt 3.1 soll zunächst der kriminologische Theoriebegriff kurz erläutert werden, bevor in den folgenden Abschnitten, ausgewählte Theorien und Ansätzen vorgestellt werden. Zugleich findet im Anschluss an jeden spezifischen Ansatz eine Überprüfung bezüglich der Anwendbarkeit des jeweiligen Ansatzes auf das Phänomen „junge Mehrfach- und Intensivtäter“ statt. Den Abschluss der vorliegenden Arbeit bildet ein Votum mit resümierendem Charakter.
Die vorliegende Arbeit setzt sich wie folgt zusammen: Die Punkte 3.1 und 3.3 (inklusive Unterpunkte) wurden von Isabel Chowanietz, die Punkte 2 (inkl. Unterpunkte) und 3.2 (inkl. Unterpunkte) von Stefan Dannheiser jeweils selbstständig erarbeitet. Die Punkte 1 und 4 entstanden im gemeinsamen Dialog.
4 Vgl. „Orientierungsraster methodischen Handelns in der sozialen Arbeit“ in Stimmer (2000:23).
4
2. Junge Intensiv- und Mehrfachtäter
2.1 Annäherung an den Terminus - Ein Definitionsversuch
Unter anderem nach Aussagen von Dölling (1989:313f.), Kreuzer (1993:182ff.) und dem LKA Nordrhein-Westfalen (2005:1f., 14f., 25) gilt Jugendkriminalität (dazu zählt auch wiederholtes Auffälligwerden über einen kurzen Zeitraum, d.h. bis zu einem Jahr) als entwicklungsbedingt, episodenhaft und ubiquitär. So bezieht sich Dölling (1989:313) auf eine Untersuchung von Heinz, der angibt, dass insbesondere die Delinquenzbelastung junger Männer beträchtlich ist. Er nimmt an, dass am Ende des 24. Lebensjahres ca. 1/3 der männlichen Bevölkerung in der BRD mindestens einmal verurteilt worden ist. Diese weit verbreitete Jugenddelinquenz ist jedoch, wie bereits erwähnt, episodenhaft - bei 73% der registrierten männlichen Jugendlichen bleibt es während des Jugendalters bei einer Eintragung, 90% weisen eine oder zwei Registrierungen auf (vgl. Dölling (1989:314)). Diese in der Jugendzeit auftretende Delinquenz wird i.d.R. auch ohne Intervention nicht fortgesetzt (vgl. Kreuzer (1993:182ff.), LKA Nordrhein-Westfalen (2005:1f., 14f., 25)). Neben diesem Phänomen hat die kriminologische Forschung aber auch eine kleine Gruppe tatverdächtiger Jugendlicher identifiziert, die über einen längeren Zeitraum hinweg wiederholt straffällig wird - junge Intensiv- und Mehrfachtäter. Bei dieser Gruppe wird die Gefahr einer Verfestigung delinquenten Verhaltens bis in das Erwachsenenalter hinein gesehen (vgl. LKA Nordrhein-Westfalen (2005:1)). 5 Um es bereits eingangs vorwegzunehmen: Es gibt keine anerkannte einheitliche Definition für junge Intensiv-/Mehrfachtäter! 6
Vielmehr variiert die Bedeutung des Terminus „Intensiv-/Mehrfachtäter“ je nach Quelle. So definiert die Polizei nach frei gewählte Kriterien von Bundesland zu Bundesland, teilweise von Dienststelle zu Dienststelle, unterschiedlich (vgl. Steffen (2003:154), Walter (2003), Tab.1).
5 Auffällig erscheint bei dieser Gruppe die Korrelation zu Aufwachsen in zerrütteten Familien,
Integrationsschwierigkeiten und Sprachdefiziten, Bildungsdefiziten, geringe Chancen auf dem
Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, finanziellen Nöten sowie persönlichen Problemen und Alkohol- und
Drogenkonsum (vgl. LKA Nordrhein-Westfalen (2005:1, 14f.))
6 Vgl. zu dieser These u.a. Steffen (2003:154) u. Heinz (2003:77f.).
5
Die Zahl der vorausgesetzten Delikte schwankt hierbei zwischen 2 und 10 Straftaten pro Jahr. Zudem werden z.B. Gewaltdelikte teilweise anders gezählt. In Bayern enthält sich die Polizei gar einer Definition (vgl. ebd.).
7 Polizeiliche Kriminalstatistik 2004 (72 Seiten, Stand: Mai 2005).
8 Posiege, P. / Steinschulte-Leidig, B. (1999:11).
9 LKA Nordrhein-Westfalen (2005:2).
6
Tab. 1: Vergleich von Definitionen bzgl. des Begriffs „Mehrfachtäter / Mehrfachtatverdächtiger / Intensivtäter“ der Polizei der verschiedenen Bundesländer und anderer Institutionen (Auszug).
10 Vgl. exemplarisch Kaiser (1993:178). Weiter findet sich eine Vielzahl anderer Termini in der
Fachliteratur.
8
Bearbeiten die Medien einen Fall von Handtaschendiebstahl, klassifiziert allein dies den Täter unter Umständen als Intensivtäter (vgl. Walter (2003), (2003a:323)).
Walter (2003a:319) differenziert diesbezüglich zwischen „echten Rechtsbegriffen“ 11 , „rechtsdogmatischen Begriffen“ 12 und „reinen kriminalpolitischen Begriffen“ 13 . Zu letzteren zählt Walter auch die Intensiv- und Mehrfachtäter (vgl. ebd.). „Die wiederholten Bemühungen, zu einer länderübergreifenden, bundeseinheitlichen Definition zu gelangen, sind bislang vergeblich gewesen.“ (zit. n. Steffen (2003:154)). Es gestaltet sich folglich nicht leicht, sich einem Thema zu nähern, das bereits in den Grundlagen ein so erhebliches (Definitions-)Problem aufweist, wie das, der jungen
Intensiv- und Mehrfachtäter.
Um dennoch in der Thematik Fußzufassen, soll als vorläufiger Bezugspunkt für die vorliegende Arbeit die Definition von Posiege/Steinschulte-Leidig (1999:11) dienen. Sie definieren unter Berufung auf die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) von 1996 Mehrfachtäter als Personen, „die bereits im Zusammenhang mit einer gleichartigen oder anderen Straftat als tatverdächtig in Erscheinung getreten sind.“ (zit. n. ebd.). Diese Definition von „Mehrfachtätern“ erscheint problematisch, da sie sich auf die PKS stützt. In der PKS werden jedoch lediglich die angezeigten Straftaten festgehalten. Dies gibt keinen Aufschluss über die bewiesene Schuld der vermeintlichen „Täter“. Demnach müsste der korrekte Terminus „Mehrfachtatverdächtige (MTV)“ lauten (vgl. u.a. LKA-NRW (2005)). Ferner gelten als Intensivtäter „solche Mehrfachdelinquenten, die aufgrund von Art, Schwere und Häufigkeit des Rechtsbruchs eine besonders hohe Sozialgefährlichkeit gegenüber sogenannten [sic] ‚intermittierenden’, d.h. nur gelegentlich deliktisch handelnden Rückfalltätern erkennen lassen.“ (Kaiser (1993:178) zit. n. Posiege/Steinschulte-Leidig (1999:11)).
11 „…solche, die das Recht selbst gebildet oder übernommen hat (z.B. § 17 Abs. 2 JGG: Täter mit
‚schädlichen Neigungen’“ (zit. n. Walter (2003a:319)).
12 Diese stehen im Kontext eines Interpretationssystems und finden sich u.a. in Kommentaren (z.B. die
„gutgearteten Jugendarrestanten“) (vgl. ebd.).
13 Hier fehlt eine empirische oder gesetzliche Grundlage oder ist zumindest nicht immer gegeben (z.B.
„Serientäter“) (vgl. ebd.).
9
Für die vorliegende Arbeit soll nun folgende Begriffsbestimmung zugrunde liegen:
1.) Als Mehrfachtatverdächtiger (MTV) wird erkannt, wer innerhalb von 12 Monaten mehr als einmal strafrechtlich in Erscheinung getreten ist und insgesamt mindestens fünf Straftaten verdächtigt worden ist.
2.) Als Intensivtäter (IT) wird derjenige MTV erkannt, dessen nachgewiesene Straftaten ein besonderes Maß in punkto Art, Schwere und Häufigkeit erreicht haben.
2.2 Statistische Relevanz
Als eine Folge der unter 2.1 dargestellten „Definitionsvielfalt“ sind derzeit weder auf Bundesebene statistisch fundierte Aussagen zum Problem junger Intensiv- und Mehrfachtäter auf der Grundlage polizeilicher Daten möglich, noch Vergleiche zwischen den Ländern (vgl. Steffen (2003:154)).
Die Fragen, wie viele Mehrfachtatverdächtige (MTV) es in der BRD gibt, wie die Altersstruktur aussieht und ob MTV besonders schwere Taten begehen, können nicht mit Hilfe der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) beantwortet werden, da diese Taten nicht individuellen Tatverdächtigen zugeordnet werden und somit lediglich Aussagen zur Anzahl / zum Alter der Tatverdächtigen insgesamt getroffen werden können (vgl. Traulsen (1999:311), Posiege/Steinschulte-Leidig (1999:13ff.)). Aus diesem Grund ist es erforderlich auf Sonderauswertungen zurückzugreifen. Es existieren mehrere solcher Untersuchungen (z.B. Heinze, Posiege/Steinschulte-Leidig). Problematisch erscheint jedoch, dass hier gewissermaßen willkürliche Kriterien angesetzt werden - Definition und Alter der Probandengruppe (vgl. 2.1), zeitliche Einschränkungen, räumlicher Einzugsbereich 14 , Forschungsmethoden, etc.. Demzufolge ergeben sich zuweilen unterschiedliche Ergebnisse (vgl. Traulsen (1999:311f.)). So postuliert Dölling (1989:314) in seiner Untersuchung, dass MTV lediglich eine „kleine Gruppe“ (ca. 5%) unter den registrierten jungen Tatverdächtigen bilden. Die durch sie entstehende Kriminalitätsbelastung ist allerdings beträchtlich, d.h. ein großer
14 Zumeist werden diese Untersuchungen lediglich für bestimmte Regionen bzw. einzelne Bundesländer
durchgeführt (z.B. „Junge Mehrfachverdächtige in NRW.“). Eine einheitliche Aussage für das gesamte
Bundesgebiet ist demzufolge nicht möglich.
10
Teil der Jugenddelinquenz entfällt auf diese Gruppe (ca. 30%). Das würde heißen, dass 5% der Tatverdächtigen 30% aller Straftaten ihrer Altersgruppe begehen. Die MTV und IT rücken also in den Fokus der Aufmerksamkeit bzw. erregen großes kriminalpolitisches Interesse, da sie als relativ kleine Gruppe einen erheblichen Anteil der registrierten Straftaten begehen. Es besteht folglich ein beachtliches gesellschaftliches Schutzbedürfnis (vgl. Dölling (1989:313)). Es wäre demnach sehr effektiv bzw. ökonomisch, sich dieser vermeintlich kleinen Gruppe intensiv zu widmen, da so mit relativ wenig Aufwand „mit einem Schlag“ 30% der Jugenddelinquenz reduziert werden könnten. Zudem zeichnet sich bei dieser Gruppe die Gefahr einer kriminellen Karriere bzw. das soziale Abgleiten ab, was schließlich mit der Reduzierung persönlicher Lebenschancen verbunden sein kann (vgl. ebd.). Traulsen (1999:312) hingegen beruft sich auf Untersuchungsergebnisse von Heinz (1990), der angibt, dass 53-69% jugendlicher Tatverdächtiger lediglich einmal registriert werden. Der Anteil der mehr als fünfmal erfassten Tatverdächtigen beträgt zwischen 2-19%. 15 Nach dieser Erhebung bilden jungen Intensiv- und Mehrfachtäter im Vergleich zu Döllings Ergebnissen eine gar nicht mal so „kleine Gruppe“. Weitere Probleme ergeben sich, will man die Geschlechts-, Alters- und Deliktsstruktur jungen Intensiv- und Mehrfachtäter im Vergleich zu den übrigen Tatverdächtigen untersuchen. So gehen u.a. Traulsen (1999:314) und Posiege/Steinschulte-Leidig (1999:89ff.) zwar davon aus, dass verschiedene Untersuchungen ergeben, dass Mädchen bzw. junge Frauen in der Gruppe der jungen Intensiv- und Mehrfachtäter keine relevante Bedeutung besitzen sowie dass MTV zwar verglichen mit den anderen Tatverdächtigen ihrer Altersgruppe häufiger schweren Diebstahl begehen, dafür jedoch Rohheitsdelikte 16 bei dieser Gruppe eine geringere Rolle spielen als bei den anderen gleichaltrigen Tatverdächtigen. Dennoch ist diese These nicht für die gesamte BRD belegt. Ebenfalls lassen sich bisher keine bundeseinheitlichen Aussagen zur Verteilung deutscher / nichtdeutscher MTV treffen.
Auch wenn sich derzeit aufgrund unterschiedlicher Definitionen und Erfassungsmodalitäten in den Bundesländern sowie fehlenden statistischen Materials nicht konkret sagen lassen kann, wie hoch der Anteil der jungen Intensiv- und Mehrfachtäter genau ist und wie sich diese Gruppe zusammensetzt, gibt es dennoch
15 Die Bandbreite ist wenig erstaunlich, berücksichtigt man, dass bei den zugrunde liegenden Erhebungen
nach Alter der Probanden, Länge des Erfassungszeitraums und Einzugsgebiet (Großstadt vs. ländliche
Gebiete; regionale Unterschiede) unterschieden wird (vgl. Traulsen (1999:313)).
16 Hierzu zählen nach Traulsen (1999:131): Raub- und alle Körperverletzungsdelikte sowie Straftaten
gegen die persönliche Freiheit (ins. Freiheitsberaubung, Nötigung und Bedrohung).
11
Arbeit zitieren:
Dipl.-Sozialpäd. Stefan Dannheiser, Isabel Chowanietz, 2006, Junge Intensiv- und Mehrfachtäter - Was sind Intensiv- und Mehrfachtäter? , München, GRIN Verlag GmbH
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