Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis IV
1. Einleitung 1
2. Die Theorie von Fourastié 1
2.1. Zur Person Jean Fourastié 1
2.2. Prämissen und Geburtsstunde 2
2.3. Sektorale Differenzierung 3
2.4. Sektorales Abgrenzungskriterium 3
2.5. Exkurs: Einkommenselastizitäten 5
2.6. Prognostizierte Entwicklung nach Fourastié 6
7
2.7. Implikationen des prognostizierten Produktivitätswachstums
2.8. Das Engel’sche Gesetz 8
3. Die Theorie von Fourastié und die ökonometrische
Realit ät in der BRD 8
3.1. Die Beschäftigungsentwicklung 8
3.2. Kompensierende Einflüsse auf die zweite strukturelle
Verschiebung 10
3.3. Die Produktivitätsentwicklung 11
4. Kritische Reflektion 12
4.1. Über die Resistenz von Dienstleistungen 12
4.2. Nachfrageseitige Einschränkungen 14
4.2.1. Investitionen 14
4.2.2. Bedürfnisse 15
4.2.3. Die Staatsquote 17
5. Angebotsseitige Einschränkungen 19
5.1. Die Produktivitätspotentiale 19
5.2. Das Produktinnovationspotential 19
6. Über die Zuverlässigkeit von Statistiken 20
7. Zur Definition von Dienstleistungen. 21
7.1. Industrie/Produktbezogene Dienstleistungen 21
7.1.1. Komplementäre Dienstleistungen 21
7.1.2. Resultierenden Dienstleistungen 21
8. Neue “dienliche“ Dienstleistungen 22
2
9. Conclusio 23
Bibliographie 27
3
Tabellenverzeichnis
Abnehmender Grenznutzen ............................................................. 9
Prozentuale Beschäftigung nach Wirtschaftssktoren in
Deutschland ...................................................................................... 12
Wertschöpfung der einzelnen Sektoren ............................................. 14
Korrelation von Beschäftigung und Wertschöpfung.......................... 15
Die Bedürfnispyramide nach Abraham Maslov ............................... 19
Die Staatsquote ................................................................................ 21
4
Einleitung
In der Vergangenheit war ein konstantes Wirtschaftswachstum, wie wir es bisher fast durchgehend seit 1945 in Deutschland, beobachten konnten, ein exzellenter Problemlöser für sozialethische als auch wirtschaftliche Probleme. 1 Jedoch hat sich die Wachstumsdynamik verlangsamt, und die deutsche Volkswirtschaft sieht sich mit diversen Problemen konfrontiert, welche in der Vergangenheit von den Wachstumsraten quasi “aufgefressen“ wurden. Eines der größten aktuellen Probleme ist sicherlich die Arbeitslosigkeit.
Die Optimisten preisen die Dienstleistung als Heilmittel gegen Arbeitslosigkeit und Rationalisierung, sie halten sie für das Markenzeichen hochentwickelter Industrieländer und stützen sich hierbei auf die Theorie von Jean Fourastié.
Ziel dieser Ausarbeitung soll es sein, herauszuarbeiten in wie fern in diesem Kontext der Wunsch Vater des Gedanken ist, oder ob man wirklich von einem Dienstleistungswunder, das die Zukunft der Beschäftigung sicherzustellen vermag, sprechen kann.
Zielgerichtet auf diese Fragestellung wird zuerst die Theorie selbst, mit einem kurzen Rückblick auf ihre Genese, erläutert. Danach werden ich die zur Verfügung stehenden Daten genutzt, um die Tragfähigkeit der Theorie für die BRD tendenziell zu beurteilen. Danach wird die Theorie kritisch reflektiert, um im finalen Kapitel eine abschließende Stellungnahme abzugeben.
Jean Fourastié wurde am 15. April 1907 in Saint Benin-d’Azy im französischen Département Nièvre geboren. Als Volkswirtschaftler und Soziologe war er unter anderem seit 1945 Professor an der Sorbonne in Paris. Zu seinen Hauptwerken zählen: „Machinisme et bienêtre“ (1951), „Le grand espoir du XXième siècle“ (1952), „Les conditions de l’ésprit scientifique“ (1966) und „La réalité économique vers la révision des idées dominantes en France“ (1978). 2
1 Karl Georg Zinn, Soziale Marktwirtschaft, Seite 78
2 Vgl. Brockhaus Verlag (Hrsg.): Der große Brockhaus, Bd. 4, 18. Aufl., Wiesbaden 1978, S. 175,
Brockhaus Verlag (Hrsg.): Brockhaus Enzyklopädie, Bd. 7, 19. Aufl., Mannheim 1988, S. 490 und
Bibliographisches Institut (Hrsg.): Meyers Enzyklopädisches Lexikon , Bd. 9, 9. Aufl., Mannheim, Wien
5
Eine adäquate deutsche Übersetzung der französischen Originalschrift lautet: „Die große Hoffnung des zwanzigsten Jahrhunderts.“ Wie dieser Titel verdeutlicht kreiert Fourastié in seiner Überlegung ein durchaus optimistisches Szenario. Diese subjektive Perspektive ist jedoch primär davon abhängig, ob man in einer langfristigen Stagnation der Volkswirtschaft einen erstrebenswerten Zustand sieht, oder, in Analogie zu der klassischen Theorie und der vorherrschenden Meinung (auch in Deutschland) 3 , die Auffassung teilt, dass stetiges, unbeschränktes Wachstum fundamental für eine reife, entwickelte Volkswirtschaft ist.
Die Theorie von Fourastié hat eine lange Geschichte, fundamentale Elemente sind nicht erst in der zweiten Hälfte des 20ten Jahrhunderts erkannt worden (wegweisende Vorgänger werden an entsprechender Stelle erwähnt). Die tendenzielle und im folgenden zu beschreibende Entwicklung wurde schon im letzten Jahrhundert u.a. von Allan G. B. Fisher, beobachtet. 4
2.2. Prämissen und Geburtsstunde
Säkulares Wirtschaftswachstum ist zwangsläufig auch mit Strukturwandel verbunden. Die beiden primären Triebkräfte dieser Entwicklung sind „der technische Fortschritt und die mit steigendem Einkommen bzw. steigendem Konsumniveau erreichte Sättigung auf einzelnen Märkten.“ 5
Die Gründe für das im Zeitverlauf steigende Einkommen werden im Verlauf der Ausarbeitung noch erarbeitet, an dieser Stelle reicht eine empirische Fundierung aus: Von 1970 bis 1986 stieg das Einkommen beispielsweise durchschnittlich um knapp 7% jährlich an, eine Entwicklung, die auch tendenziell für den Zeitraum von 1986 bis heute gilt und darüber hinaus in die Zukunft extrapoliert werden kann. 6
Auf Grundlage dieses fundamentalen Prozesses entwickelte Jean Fourastié eine „Theorie des Strukturwandels für die Epoche nach der industriellen Revolution.“ 7 Die französische
u. Zürich 1973, S. 206.
3 Angemessendes Wirtschaftswachstum findet sich expressis verbis in den Leitlinien der Wirtschafschaftspolitik
für Deutschland im Stabilitätsgesetz von 6.6.1967, als ein Element des “magisches Vierecks“ formuliert.
4 Vgl. Fisher, Allan G. B.: Fortschritt und soziale Sicherheit, S. 18.
5 Karl Georg Zinn, Makroökonomie, Seite 231.
6 Vgl. o. V.: Der Dienstleistungssektor in der Bundesrepublik Deutschland als Träger des
wirtschaftlichen Wachstums, in: Deutsche Bundesbank (Hrsg.): Monatsberichte der Deutschen
Bundesbank, 40. Jg., Nr. 8/1988, S. 43 f.
7 Karl Georg Zinn, Makroökonomie, Seite 231.
6
Erstausgabe dieser Theorie stammt von 1949 (in „Le Grand Espoire du XXe Siècle“), „also einer Zeit, in der das industrielle Wachstum der meisten westlichen Länder noch keineswegs seinen Gipfelpunkt überschritten hatte,“ 8 und somit die wirtschaftliche Entwicklung der reifen Volkswirtschaften weitgehend im Dunkeln lag.
2.3. Sektorale Differenzierung
Im Rahmen seiner Theorie differenziert Fourastié die Gesamtwirtschaft in drei Sektoren:
1. Der primäre Sektor setzt sich aus Land-, Forstwirtschaft und anderen Bereichen,
welche sich der Urproduktion zurechnen lassen, zusammen.
2. Der sekundäre Sektor umfast das verarbeitende Gewerbe, also die industriellen
Branchen einschließlich der Bauindustrie.
3. Schließlich wird noch der tertiäre Sektor unterschieden, welcher alle Arten von Dienstleistungen umfast.
Eine solche Differenzierung der Gesamtwirtschaft wurde schon von anderen Autoren vor Fourastié unternommen, in Kontrast zu diesen (u.a. Allan G.B. Fisher und Colin Clark 1940), welche „eine feste statistische Sektoreneinteilung benutzten, verwendet Fourastié als sektorales Abgrenzungskriterium die langfristige Produktivitätsentwicklung.“ 9 Colin Clark hatte die sektorale Unterteilung in Analogie nach dem Grad ihrer Erfordernis in der Bevölkerung, also nach ihrer konsumtiven Notwendigkeit vorgenommen. Allan G.B. Fisher benutzte zur sektoralen Abgrenzung Änderungen in der Nachfragestruktur und ordnete die Sektoren anhand der Höhe von Einkommenselastizitäten.
2.4. Sektorales Abgrenzungskriterium
Um die langfristige Produktivitätsentwicklung zu prognostizieren extrapolierte Fourastié die tendenzielle Entwicklung historischer Zeitreihen und ermittelte so folgende Genese in den drei Sektoren:
1. primärer Sektor: mittleres Produktivitätswachstum
2. sekundärer Sektor: hohes Produktivitätswachstum
3. tertiärer Sektor: geringes bis gar kein Produktivitätswachstum
8 Karl Georg Zinn, Die Wirtschaftskrise, Seite 86.
9 Karl Georg Zinn, Makroökonomie, Seite 231.
7
Die von Fourastié gewählte Differenzierung ist insofern problematisch, als dass es sich um ein dynamisches Kriterium handelt. Verläuft die Produktivitätsentwicklung in einem Sektor anders als von Fourastié prognostiziert, so könnten Bereiche ihren definierten, sektoralen Platz wechseln. Durch solche Veränderungen der Klassifikation wird die „Theorie zwar nicht grundsätzlich modifiziert, aber es ergeben sich [...] entsprechende Korrekturen an der langfristigen Prognose,“ 10 welche im späteren Verlauf dieser Ausarbeitung noch erläutert werden.
Das geringe bis nicht vorhandene Produktivitätswachstum im tertiären Sektor fundiert Fourastié mit der These, dass in diesem Sektor, „der technische Fortschritt [...]kaum zu Prozessinnovationen führe, und Produktinnovationen [...] nicht zum Produktivitätswachstum beitragen.“ 11
Die Differenzierung an dieser Stelle von Prozess- und Produktinnovationen basiert auf der “klassischen“ Kategorisierung in fünf Innovationstypen nach Alois Schumpeter. 12 Im Kontext dieser Arbeit, als aber auch „im Hinblick auf das Wachstum der Wirtschaft und die Entwicklung der Gesellschaft [...] [ist den] Prozess- und Produktinnovationen stärkeres Gewicht beizumessen als den drei anderen Innovationstypen“ 13 ; die Erläuterung soll daher auch auf diese beiden beschränkt bleiben:
Produktinnovationen: Herstellung eines neuen, d.h. dem Konsumentenkreis noch nicht vertrauten Gutes oder einer neuen Qualität eines Gutes.
Prozess- bzw. Verfahrensinnovation: Einführung einer neuen, d.h. dem betreffenden Industriezweig noch nicht praktisch bekannten Produktionsmethode, die keineswegs auf einer wissenschaftlichen neuen Entdeckung zu beruhen braucht und auch in einer neuartigen Weise bestehen kann, mit einer Ware kommerziell zu verfahren. 14
Diese Definitionen vermögen zu verdeutlichen, was zuvor gemeint war. Es ist zwar durchaus möglich im tertiären Sektor neue “Güter“, also Dienstleistungen zu schaffen, aber Dienstleistungsprozesse können, laut Fourastié, in ihrer Produktionsmethode kaum verändert/ rationalisiert werden; „ein Herrenhaarschnitt erfordert heute kaum weniger Arbeitszeit des
10 Karl Georg Zinn, Makroökonomie, Seite 232.
11 Karl Georg Zinn, Die Wirtschaftskrise, Seite 87.
12 Schumpeter, Joseph Alois, * 8.2. 1883, † 8.1. 1950, österr.- amerikan. Nationalökonom.
13 Karl Georg Zinn, Konjunktur und Wachstum, Seite 176.
14 Ebd., 176.
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Norbert Marx, 2001, Die Theorie von Jean Fourastié, München, GRIN Verlag GmbH
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