Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 5
1.1 Einstieg in die Thematik 5
1.2 Fragestellung 6
1.3 Methoden und Vorgehensweise 7
2. Grundlagen und Wissensstand 8
2.1 Single-Haushalte in Deutschland 8
2.1.1 Definition und Verbreitung von Single-Haushalten in Deutschland 8
2.1.2 Heterogenität und weitere Eigenschaften 9
2.1.3 Singles und ihre Ernährung 11
2.2 Trends und Prognosen Ernährungsgewohnheiten im Wandel 16
2.3 Leitbild Nachhaltige Ernährung 19
2.3.1 Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit plus eins 19
2.3.2 Ausgewählte Forschungsansätze zur Nachhaltigen Ernährung 19
2.3.3 Operationalisierung des Leitbilds Nachhaltige Ernährung 22
3. Diskussion der Ergebnisse 31
3.1 Spezielle Aspekte der Nachhaltigen Ernährung in Single Haushalten 31
3.1.1 Nachhaltige Lebensmittel und deren Einkauf für Singles 32
3.1.2 Infrastruktur und Qualität der Gemeinschaftsverpflegung 36
3.1.3 Wissen über Ernährung und Nahrungszubereitung 38
3.1.4 Die Gender-Perspektive Chrematistik vs Daseinsvorsorge 39
3.1.5 Lösungsansätze für das Allokationsproblem in der Ernährung von Singles
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3.2 Eignung von haushaltswissenschaftlichen und ernährungsökologischen
Ansätzen zur systematischen Analyse der Thematik 42
3.2.1 Ernährungsökologie 42
3.2.2 Haushaltswissenschaften 43
3.2.3 Reflektion 45
4. Ausblick 47
Zusammenfassung 49
Summary 51
Literaturverzeichnis 52
Anhang 59
Eröffnung der Biofach 2006 59
Zukunft der Biolandwirtschaft 59
Biofach als Leitmesse : Indikator für den Bio-Boom 59
2
Polen als Partnerland der Biofach 2006 60
Verlässlichkeit und Dialog: Grundprinzipien in der Politik 61
Ökolandbau Wirtschaftliche und gesellschaftliche Größe 62
Grüne Gentechnik: Ehrlicher Dialog 64
Zukunft der ländlichen Entwicklung 65
Schlussbemerkungen 66
Ziele der Ernährungspolitik der Bundesregierung 67
Langfristige Strategien zur Bekämpfung von Übergewicht und Mangelernährung 67
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Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abb. 1: Entwicklung der Haushaltstypen in absoluten Zahlen und in Prozent, Westdeutschland 1972, 1995 und 2000 Abb. 2: Single-Haushalte nach Alter und Geschlecht in Prozent der jeweiligen Altersgruppe, Deutschland 2003 Abb. 3: Aufwendungen für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren nach Haushaltstyp Abb. 4: Käuferprofile bei Bio-Lebensmitteln (Quelle: ZMP Mafo 2000) Abb. 5: Beitrag der Ernährung zum Treibhauseffekt in Deutschland in Prozent Tab. 1: Die Grundsätze der Vollwert-Ernährung
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1. Einleitung
1.1 Einstieg in die Thematik
Deutschland bewegt sich neuerdings in Fragen der Nachhaltigkeit rückwärts durch die Zeit – verordnet von höchster Stelle. Seit der CSU-Politiker Horst Seehofer das Amt des Bundesministers für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bekleidet, wird das Thema nachhaltige Entwicklung und Ernährung im Gegensatz zu vorher sichtlich vernachlässigt (siehe Anhang). In seiner Rede zur Eröffnung der Messe „Biofach“ am 16.02.2006 gelingt es ihm tatsächlich, das Thema „Zukunft der Biowirtschaft“ ausführlich abzuhandeln, ohne den Begriff der Nachhaltigkeit auch nur ein einziges Mal zu erwähnen (Seehofer 2006).
Fehlen politische Anreize und Unterstützung zur Erreichung bestimmter Ziele, rückt die Rolle der BürgerInnen, der VerbraucherInnen noch mehr in den Vordergrund. Für Singles, sprich: in Einpersonenhaushalten lebende Erwachsene, existieren aber bisher keinerlei Konzepte, wie sie eine gedeihliche Entwicklung durch eine Nachhaltige Ernährungsweise mitgestalten können. Das praktische Ernährungswissen nimmt ab, während ernährungsmitbedingte Erkrankungen sich immer mehr häufen, wovon insbesondere auch die nachwachsende (Single)- Generation betroffen ist.
Stolze 20 % des Ressourcen- und Energieeinsatzes in Deutschland gehen insgesamt auf das Konto der Ernährung (imug 2002, S. 32). Dieser beachtliche Anteil verdeutlicht die ökologische Relevanz des hiesigen Ernährungssystems. Mit der Unterzeichnung der Agenda 21 hat sich die Deutsche Bundesregierung schon 1992 langfristig dazu verpflichtet, auf globaler, nationaler und lokaler Ebene einer gedeihlichen Entwicklung im Sinne des Leitbildes Nachhaltigkeit Vorschub zu leisten (Koerber, Kretschmer 2000, S. 39). Der Begriff „Nachhaltige Entwicklung“ beinhaltet allerdings mehr als „nur“ umweltbezogene Aspekte. Er soll in seiner komplexen Bedeutung im Kapitel 2.2 näher erläutert werden.
In dieser Arbeit wird die individuelle Ebene näher beleuchtet. Die „Individualisten unter den Individuen“, die Single-Haushalte als kleinste mögliche wirtschaftende Einheit und Lebensform sind hier Gegenstand der Untersuchung.
5
1.2 Fragestellung
Die in der Agenda 21 beschlossenen Maßnahmen beinhalten unter anderem ein Kapitel über eine angestrebte Veränderung der Konsumgewohnheiten. Zur Konkretisierung des Handlungsbedarfs werden hier zwei Zielvorgaben formuliert:
• die „Förderung von Verbrauchs- und Konsummustern, die zu einer Verringe- rung von Umweltbelastungen und zur Befriedigung der menschlichen Grundbe- dürfnisse führen;
• die Vertiefung des Einblicks in die Rolle des Konsumverhaltens und die Klärung der Frage, wie sich nachhaltige Verbrauchsgewohnheiten entwickeln las- sen“ (UNCED 1992, Kapitel 4).
Um eine Optimierung der Ressourcennutzung und eine Minimierung des Abfallaufkommens zu erreichen, bedarf es einer Änderung bisheriger Verbrauchsge- wohnheiten in den wohlhabenden Ländern der Welt. Die derzeit vorherrschenden Produktions- und Verbrauchsgewohnheiten haben sich in den Industrieländern herausgebildet und werden von anderen Ländern nachgeahmt, können aber nur auf Kosten der jeweils ärmeren Länder wie bisher fortbestehen (UNCED 1992, Kapitel 4). Die Agenda 21 fordert somit die Unterstützung der Verbraucherschaft bei umweltverträglichen Kaufentscheidungen und bei der Information über die Auswirkungen von Kaufentscheidungen (UNCED 1992, Kapitel 4).
Diese Arbeit soll einen Beitrag dazu leisten, dem letzteren oben formulierten Ziel in Bezug auf das Handlungsfeld „Ernährung in Single-Haushalten in Deutsch- land“ etwas näher zu rücken.
Wie lässt sich eine nachhaltige Ernährungsweise in Single-Haushalten überzeu- gend umsetzen? Worin bestehen Barrieren? Wo eröffnen sich Möglichkeiten? Diese Fragen sollen im Folgenden bearbeitet werden. Über Singles, Singularisie- rung, Individualisierung und Pluralisierung der Lebensformen wurde seit den 90ern so einiges geschrieben und veröffentlicht – doch die Ernährungsweise von Singles ist ein bisher weitgehend unerforschtes Feld. Die Anzahl der Single-Haushalte in Deutschland ist seit den 70er Jahren kontinuierlich angestiegen. Somit ist es in jedem Fall gerechtfertigt, mehr über die Ernährungsweise der Menschen hinter den Single-Haushalten wissen zu wollen.
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1.3 Methoden und Vorgehensweise
Anhand einer vergleichenden Literaturanalyse sollen in dieser Arbeit mittels eines qualitativen Ansatzes Besonderheiten, Chancen und Möglichkeiten einer nachhaltigen Ernährungsweise in deutschen Single-Haushalten herausgearbeitet und aufgezeigt werden. Auf dieser Basis werden in der Folge Hypothesen darüber generiert, wo und inwiefern Barrieren bestehen und welche Handlungsempfehlungen sich daraus auf verschiedenen Ebenen ableiten lassen.
Im zweiten Kapitel werden die wissenschaftlichen Grundlagen mit Hilfe eines interdisziplinären Ansatzes erörtert. Verschiedene Forschungsansätze aus Ökologie, Sozialwissenschaften, der Wirtschaftslehre der Privathaushalte und der Ernährungs- ökologie werden vorgestellt und miteinander verknüpft. Die Datenlage zum Thema ist recht dürftig – dort, wo statistisches Material vorliegt, wird dieses in die Analyse einbezogen.
Zunächst wird im zweiten Kapitel auf die Single-Haushalte, deren Charakteristika und Lebensbedingungen eingegangen. Im Anschluss daran werden die Mahlzeiten- und Konsummuster von Singles, soweit bekannt, näher umschrieben. Darauf folgen prognostizierte Ernährungstrends für die Zukunft. Daran anschließend werden das Leitbild „Nachhaltige Entwicklung“ und der Begriff „Nachhaltige Ernährung“ und die jeweiligen Bedeutungszusammenhänge erläutert. Forschungsansätze zum Thema „Nachhaltige Ernährung“ werden vorgestellt und – soweit es der Umfang dieser Arbeit erlaubt - miteinander verknüpft.
Im dritten Kapitel werden die bisherigen Ergebnisse zusammenfassend darge- stellt und unter „single-spezifischen“ Gesichtspunkten ausgewertet, so dass spezielle Aspekte der Nachhaltigen Ernährung in Single-Haushalten deutlich herausgestellt werden und in Form einer Interpretation und Bewertung dieser Ergebnisse zur Diskussion gestellt werden. Die bisher generierten Hypothesen werden miteinander in Beziehung gesetzt, um so zu Schlussfolgerungen zu kommen und sich daraus ergebende Forschungsfragen aufzuzeigen. Abschließend wird die Vorgehensweise bei der Erstellung dieser Arbeit nochmals aufgegriffen und kritisch reflektiert.
Was das Schlusskapitel zu bieten hat, wird auch erst am Schluss verraten…
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2. Grundlagen und Wissensstand
2.1 Single-Haushalte in Deutschland
2.1.1 Definition und Verbreitung von Single-Haushalten in Deutschland
Wer also steckt hinter den Single-Haushalten?
Der Begriff des „Singles“ hat in den letzten Jahren eine Ausweitung erfahren. Während in den 70ger Jahren, als der Begriff erstmals aufkam, mit dem Single-Sein auch ein ganz bestimmter Lebensstil verbunden wurde, wird er heute oft einfach nur für die Lebensform des Alleinlebens verwendet (Hradil 1995, S. 6; Küpper 2000, S. 13ff). So wird er auch in dieser Arbeit verstanden: Das entscheidende Kriterium fürs Single-Sein ist, dass eine Person allein in einem Einpersonenhaushalt lebt und wirtschaftet. Dies gilt also unabhängig davon, ob die Person in einer Partnerschaft lebt oder nicht, ob sie freiwillig allein lebt oder nicht. Die durchschnittliche Haushaltsgröße nimmt im Laufe der Entwicklung von Ständegesellschaften über Industriegesellschaften bis hin zu fortschreitender Modernisierung immer mehr ab (Hradil 1995, S. 111) – die Zahl der Singles steigt. Im Jahr 2004 liegt der Anteil der Einpersonenhaushalte hierzulande bei 37 % (Statistisches Bundesamt 2005b, S. 13).
Abb. 1: Entwicklung der Haushaltstypen in absoluten Zahlen und in Prozent, Westdeutschland 1972, 1995 und 2000 (Quelle: Bundesministerium für Familie 2004)
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Ein weiterer Anstieg der Single-Haushalte wird begünstigt durch die demographi- sche Überalterung, den Wohnungsmarkt, Mobilitätsanforderungen und die finanziellen Möglichkeiten von Singles (Engstler, Menning 2003, S. 60). Insgesamt ist der Einpersonenhaushalt 2004 der am stärksten vertretene Haushaltstyp in Deutschland (Statistisches Bundesamt 2005b, S. 13). Während die Haushaltsstruktu- ren in Ost- und Westdeutschland 1991 noch deutliche Unterschiede aufgewiesen haben, ist dies in 2004 nicht mehr der Fall: In der Zwischenzeit ist der Anteil der Single-Haushalte auch in Ostdeutschland entsprechend angestiegen (ebd., S. 13).
2.1.2 Heterogenität und weitere Eigenschaften
Die Gruppe der Singles zeichnet sich durch eine hohe Heterogenität aus. Dies führt leider dazu, dass es so gut wie keine zielgruppenspezifischen Analysen über sie gibt; so werden bisher weder die Singles in ihrer Gesamtheit untersucht noch werden sie in verschiedene Untergruppen differenziert (Rosenkranz 2001, S. 24). Beispielsweise ist das Phänomen „living-apart-together“ („Getrennt-allein-leben“, LATS), bei dem Personen trotz fester Partnerschaft in einem Einpersonenhaushalt leben, nirgendwo statistisch erfasst (ebd., S. 25). Bereits zwei Millionen Paare in Deutschland haben diese spezielle Lebensform für sich gewählt (Horx o.J., S. 4). Ansprüche an berufliche Mobilität führen oft zur Nutzung von Zweitwohnsitzen durch so genannte Part-time- oder Arbeits-Singles (Meier-Ploeger o.J., S. 259). Im Wesentlichen finden sich unter den Singles Ledige, Geschiedene, Verwitwete und verheiratet getrennt Lebende (Rosenkranz 1998, S. 24). Entgegen gängigen Klischees sind bei weitem nicht alle Singles finanziell gut gestellt; auch die Einkommenssituation stellt sich heterogen dar (Rosenkranz 1998, S. 86). In diesem Zusammenhang lassen sich die Singles auch in Berufstätige, Nicht-Berufstätige und Studierende einteilen (Ott 1996, S. 313).
Laut amtlicher Statistik leben 17 % der deutschen Bevölkerung allein (Statisti- sches Bundesamt 2005a, S. 14), unter ihnen 57,9 % Frauen und 42,1 % Männer (Engstler, Menning 2003, S. 48) bzw. 19 % der Frauen und 15 % der Männer insgesamt (Statistisches Bundesamt 2005a, S. 14). Tendenziell gibt es unter den jüngeren Frauen weniger Singles als unter gleichaltrigen Männern. Ab etwa dem 60sten Lebensjahr kehrt sich dieses Bild, unter anderem auch wegen der höheren Lebenserwartung der Frauen, um. Über die Hälfte der über 70jährigen Frauen lebt allein (BPB 2005, S. 38; Statistisches Bundesamt 2005a, S. 15).
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Abb. 2: Single-Haushalte nach Alter und Geschlecht in Prozent der jeweiligen Altersgruppe, Deutschland 2003 (Quelle: Statistisches Bundesamt 2004)
Die Entwicklung der Haushaltsstrukturen in Großstädten zeigt einen Trend zu überdurchschnittlich vielen Single-Haushalten (Statistisches Bundesamt 2002, S. 11). In Städten mit über 500 000 Einwohnern liegt ihr Anteil bei 48 % (ebd.).
In der Wirtschaftlehre der Privathaushalte wird den Haushalten generell eine ökonomische, eine regenerative, eine generative Funktion sowie eine Sozialisations- funktion zugeschrieben (von Schweitzer 1991, S. 226ff). Werden die Einpersonen- haushalte als isolierte Systeme betrachtet, sind sie bezüglich der Erfüllung dieser Funktionen eingeschränkt. Entscheidend ist jedoch hier ihre Vernetzung mit weiteren Haushaltssystemen, die umso stärker wird, je mehr die Zahl der Einpersonenhaus- halte insgesamt wächst (ebd., S. 289f).
Die Gründe und Ursachen für das Alleinleben können sehr unterschiedlich sein – auf sie soll jedoch hier nicht weiter eingegangen werden.
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2.1.3 Singles und ihre Ernährung
Bei aller Heterogenität gibt es doch eine Gemeinsamkeit: Alle Singles essen. Wie genau sie ihre Ernährung gestalten und was sie in dieser Hinsicht von Personen, die in anderen Haushaltsformen leben, unterscheidet, soll an dieser Stelle näher beleuchtet werden.
Ausgaben für Nahrungsmittel
Nach der jüngsten Einkommens- und Verbrauchsstichprobe liegen die monatlichen Ausgaben von Singles für Nahrungsmittel, Getränke und Genussmittel bei 166 €. Das entspricht 12,4 % der gesamten Konsumausgaben, im Vergleich dazu verwenden die Haushalte insgesamt mit 303 € monatlich 13,9 % ihrer Konsumaus- gaben (Statistisches Bundesamt 2005a, S. 22ff). Alleinlebende Frauen geben monatlich durchschnittlich 162 € aus, bei den männlichen Singles sind es 174 €; das entspricht in beiden Fällen gleichermaßen den 12,4 % der Konsumausgaben (ebd., S. 65ff), zeigt allerdings, dass männliche Singles insgesamt etwas höhere Konsumaus- gaben haben. Der prozentuale Anteil von Nahrungsmitteln u. Ä. sinkt hier typischerweise bei steigendem Einkommen (Engelsches Gesetz) (ebd., S. 66ff).
Abb. 3: Aufwendungen für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren nach Haushaltstyp (Quelle: Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2003)
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Ausgehend von einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 2,12 Personen (ebd., S. 11) wird somit in den Haushalten insgesamt durchschnittlich 143 € pro Person und Monat ausgegeben (303 € geteilt durch 2,12). Singles essen also im Schnitt teurer - vermutlich aufgrund fehlender Skaleneffekte. Zu bedenken ist, dass in diesen Zahlen auch die Ausgaben für Genussmittel, also auch Tabakwaren, enthalten sind, die kein Gegenstand von Ernährung sind.
Mahlzeitenmuster
Im Giessener Projekt „Auswertung von Zeitbudgets, Ernährungsstilen und Mahlzeitenmustern“ wird deutlich, das besonders Vollzeit berufstätige Singles, die über ein hohes Einkommen, aber über wenig Zeit verfügen, ein charakteristisches Ernährungsverhalten an den Tag legen. Männliche Singles verwenden mit 52 min täglich von montags bis freitags im Vergleich zu allen anderen analysierten Haushaltstypen am wenigsten Zeit auf ihre Ernährung und mit nur 20 min auch für die damit zusammenhängende Beköstigungsarbeit (Meier, Küster, Zander 2003, S. 97, S. 100). Weibliche Singles verwenden 9 min mehr für Ernährung und 15 min mehr für Beköstigungsarbeit, liegen damit aber immer noch unter dem Bevölke- rungsdurchschnitt von 1 h und 22 min fürs Essen (ebd., S. 97). 14 % dieser berufstätigen Singles versorgen sich komplett außer Haus - 13 % davon essen täglich im Restaurant, 10 % täglich in der Kantine und mehr als 25 % versorgen sich anderweitig außer Haus (ebd., S. 98). Das Speisen allein zuhause wird oft als defizitär empfunden, so dass sich gern mit anderen auswärts zum Essen getroffen wird (ebd., S. 97f). Berufstätige Singles mit hohem Einkommen essen von allen Bevölkerungsgruppen mit einem Beteiligungsgrad von über 50 % am häufigsten außer Haus (Meier 2004, S. 85). Am Wochenende sieht das Ernährungsverhalten anders aus: mit zusätzlichen 35 min wird deutlich mehr Zeit für die Ernährung verwendet, und zwar sowohl vermehrt zuhause als auch außer Haus (Meier, Küster, Zander 2003, S. 99). Die Erwerbstätigkeit scheint diesen Singles generell für die Ernährung nur wenig Zeit zu lassen – dafür können sie sich mit ihren relativ hohen Einkommen den Außer-Haus-Verzehr eher leisten als andere Haushaltstypen (ebd., S. 100).
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Für zuhause allein eingenommene Mahlzeiten wird im Vergleich zu Familien- und Gemeinschaftssituationen wenig Aufwand für die Nahrungszubereitung betrieben. Häufig wird kalt gegessen, oder es werden schnell und einfach zuzubereitende Fertigprodukte konsumiert (Essen & Trinken 1998, S. 24). Abgesehen davon, dass eine Mehrheit zwischen 12 und 13 Uhr ihr Mittagessen einnimmt, ist die Verteilung der Mahlzeiten über den Tag recht unterschiedlich, je nachdem, wie es der zeitliche Ablauf der Berufstätigkeit zulässt (Meier, Küster, Zander 2003, S. 101). Ein klassischer Mahlzeitenrhythmus ist weniger ausgeprägt als in anderen Haushalts- formen – Essen kann rund um die Uhr stattfinden (ebd., S. 99). Das Allein-Essen kann aber auch als Genuss empfunden werden, nämlich dann, wenn es mit Nebentätigkeiten wie z.B. arbeiten oder fernsehen kombiniert wird und die Betroffenen sich so auch ohne Gesellschaft ausgefüllt fühlen (Essen & Trinken 1998, S. 25).
Alleinlebende Rentnerinnen lassen sich grundsätzlich mehr Zeit zum Essen und zur Zubereitung von Mahlzeiten als jüngere Singles (Meier, Küster, Zander 2003, S. 105). Allein lebende Rentner essen doppelt so häufig außer Haus (17 %) wie die männliche Bevölkerung ab 12 Jahren insgesamt (Meier 2004, S. 85), während alleinlebende Rentnerinnen mit einem Beteiligungsgrad von 6,2 % selten auswärts speisen (Meier, Küster, Zander 2003, S. 105). Sie nehmen ihre Hauptmahlzeiten vorwiegend zuhause ein (Meier 2004, S. 91).
Simone Meyer hat in ihrer Dissertation Mahlzeitenmuster in Form einer qualitati- ven Studie untersucht, wobei sie auch Daten von 39 Einpersonenhaushalten aus der Bayrischen Verzehrsstudie von 1995 unter die Lupe genommen hat (davon 28 unter
34 Jahren, darunter 16 Männer und 12 Frauen sowie 11 von Frauen über 55 Jahren)
(Meyer 2002, S. 127). Sie kommt dabei zu den folgenden Ergebnissen: Alleinlebende Seniorinnen nehmen ihre Mahlzeiten zu ganz bestimmten Tageszeiten ein (vgl. auch Meier, Küster, Zander 2003, S. 107), während jüngere Singles (bis 34 Jahre) ihre Essenszeiten flexibel gestalten (Meyer 2002, S.128f). Die Seniorinnen nehmen 90 % ihrer Mahlzeiten zu Hause ein; bei den Jüngeren sind es nur 60 %, wobei die jüngeren Frauen abends seltener außer Haus essen als die Männer (ebd., S. 128). Alle legen Wert auf mindestens eine warme Mahlzeit am Tag (ebd., S. 130f). Alleinlebende Männer und Seniorinnen zeigen eine traditionelle Speisenwahl,
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besonders beim Fleischverzehr, während junge alleinlebende Frauen zu mehr Pastagerichten tendieren (ebd., S.131). Etwa 70 % der Seniorinnen nehmen zur Mittagsmahlzeit kein begleitendes Getränk zu sich (ebd., S.133). Diese Tendenz hat sich ebenfalls in einer Studie zum Ernährungsverhalten von Frauen über 65 Jahren bestätigt (Brombach 2000, S.169).
Konsummuster
Ein Forschungsprojekt von Wirtschaftssoziologen der Universität Bonn kam zu dem Ergebnis, dass knapp 70 % der Singles frische Produkte bevorzugen sowie zu 30 –
40 % überhaupt keine Convenience-Produkte nachfragen, wobei sich insbesondere
weibliche Singles zurückhalten; nach diesen Kriterien wird auch die Einkaufsstätte gewählt (Ott 1995, zitiert nach: Kutsch 1996, S. 276). Diesbezüglich ist ebenfalls relevant, ob eine Partnerschaft besteht, denn Alleinlebende mit LebenspartnerIn nehmen Mahlzeiten häufiger zuhause ein als die Alleinlebenden ohne PartnerIn und verwenden dabei mehr Frischprodukte (Ott 1995, zitiert nach: Kutsch 1996, S. 276). Auch laut Doris Rosenkranz favorisieren Singles generell frische Produkte gegenüber Convenience-Produkten. Insbesondere Tiefkühlkost wird im Vergleich zu Angehörigen anderer Haushaltstypen am wenigsten konsumiert – und zwar unabhängig von Alter, Einkommen und Geschlecht (Rosenkranz 2001, S. 25). Der Giessener Ernährungspsychologe Diehl kam in diesem Punkt zu einem anderen Ergebnis – vor allem jüngere Singles werden von ihm als stark convenien- ce-orientiert beschrieben (Diehl 2000, S. 67f).
Eine Erhebung unter 2700 Haushalten der Zentralen Markt- und Preisberichtsstel- le für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft hat ergeben, dass die Singles (neben den Käufern über 51 Jahren) unter den Käufern von Bio- Lebensmitteln mit nur 17 % am geringsten vertreten sind. Der Gesamtdurchschnitt lag hier im Vergleich bei 22 %, und Haushalte mit Kindern hatten mit 29 % die Nase vorn (ZMP Mafo 2000, S.2, S. 5). Diese Tendenz hat sich auch in einer qualitativen Erhebung bestätigt, die im Rahmen des Verbundprojektes „Von der Agrarwende zur Konsumwende?“ durchgeführt worden ist – sowohl Haushalte mit Kindern als auch
DINKS (double income no kids = Paare ohne Kinder mit „doppeltem“ Einkommen)
kaufen signifikant häufiger regelmäßig Bio-Produkte, letztere vermutlich, da sie es sich eher leisten können als Singles (Kropp, Sehrer 2004, S. 9).
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Quote paper:
B. Sc. oec. troph. Kristina Bergmann, 2006, Nachhaltige Ernährung in Single-Haushalten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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