1 Einleitung
2 Das Weltmeisterstudio Mitte
3 „Mentalismus“: Versuch einer Definition
„‚Der Spieler war mental nicht auf dem Platz.’ Was heißt für Dich
3.1
mental ?“ Fußballfans antworten
„‚Der Spieler war mental nicht auf dem Platz.’ Was heißt für Dich
3.2
mental ?“ Sven Ole-Knuth vom Weltmeisterstudio Mitte antwortet
Eigene Definition
3.3
4 „Mentalismus“ in der Sportberichterstattung
4.1 Die Metapher: Eine Definition
4.2 Zur Theorie der Metapher
4.3 Beispiele von Metaphern
4.3.1 „Mentale“ Metaphern und Wendungen
4.3.2 Kriegsmetaphorik
4.4 Gründe für die Beliebtheit von Metaphern in der Sportberichterstattung
4.5 Fußball als Unterhaltungsware
Analyse eines ausgewählten Artikels
4.6
5 „Spiele werden im Kopf entschieden“: Die Psyche im Fußball
5.1 Der „Motivator“ Jürgen Klinsmann und dessen neue Methoden
5.2 Der Beruf des Sportpsychologen
5.3 Die Erfolgsgeheimnisse der Stars
5.3.1 Die Methode des Visualisierens
5.3.2 Der Umgang mit dem Stress
5.3.3 Die Eigenmotivation
5.3.4 Die mannschaftliche Verbundenheit
5.3.5 Die Rolle der Fans
6 Schluss
7 Literaturverzeichnis
8 Fremdsprachliche Zusammenfassung
2
Inhalt
1
Wenn der Kopf nicht da ist, sondern nur
eine Hülle, dann ist es egal, ob du mit
einer Viererkette spielst oder einer
Schneekette.
-Klaus Augenthaler-
3
1 Einleitung
[…] Sind die unbeholfen in der Abwehr! Carsten Jancker macht das Zwei zu Null. Jancker nimmt den Elber Huckepack und der kleine Kuffour muss zuschaun. Ein ganz ganz eklatanter Abwehrfehler, der Torwart in der Kiste bei Paris Saint-Germain gefällt mir von allem Anfang nicht - er ist mit mentalen Schwächen behaftet wie man so schön sagt. 1
So kommentierte Günther Koch, die fränkische Radiolegende, das Zwei zu Null des FC Bayern München im Gruppenspiel der Champions League gegen den FC Paris Saint-Germain am 22.10.1997. Warum spricht er von mentalen Schwächen? Was genau sind mentale Schwächen und was für eine Rolle spielt das „Mentale“ in der Sportberichterstattung und im Fußball? Diese Fragen sollen im Folgenden geklärt werden, wobei der Fokus auf dem Phänomen des „Mentalismus“ in der Sportberichterstattung liegt.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in fünf Teile. Da ich im Rahmen meiner Recherche auch einige Interviews geführt habe, wird zu Anfang das Weltmeisterstudio Mitte vorgestellt, das mein Interviewpartner Sven-Ole Knuth mitbegründet hat.
Anschließend soll eine Definition der Vokabeln mental, beziehungsweise Mentalismus gegeben werden. Hierbei werden zunächst die Meinung einiger Fußballfans zum „Mentalen“, daraufhin Sven-Ole Knuths Ansicht zu diesem Begriff dargelegt und abschließend eine eigene Definition geliefert.
Den nächsten Punkt bildet die genaue Untersuchung des „Mentalismus“ in der Sportberichterstattung. Innerhalb dieser wird zunächst das Stilmittel der Metapher und dessen Theorie beleuchtet, um anschließend konkrete Beispiele aus dem Bereich „mentaler“ Metaphern und der Kriegsmetaphorik zu nennen, einige Gründe für deren Beliebtheit innerhalb der Sportberichterstattung anzuführen und auf den Unterhaltungsfaktor des Fußballs hinzuweisen. Zuletzt wird ein ausgewählter Artikel analysiert. Im vierten Teil der Arbeit wird die Rolle der Psyche im Fußball näher untersucht. Hierbei werden zuerst Jürgen Klinsmann und dessen neue Methoden vorgestellt, um dann einen Einblick in das Berufsfeld des Sportpsychologen zu geben und die Erfolgsgeheimnisse der Stars zu erläutern.
Im Schlussteil schließlich, werden die Untersuchungsergebnisse und Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst und ein Ausblick gegeben.
1 Roth (1998).
4
Da die Literatur zum Thema „Mentalismus“ begrenzt ist, habe ich im Rahmen meiner Recherche, wie bereits erwähnt, auch einige Interviews geführt. Zum einen habe ich Fußballfans vor der Partie Hertha BSC gegen den HSV zu ihrer Auffassung des Begriffs mental befragt und zum anderen habe ich Sven-Ole Knuth vom Weltmeisterstudio Mitte zur Sportberichterstattung allgemein, zum „Mentalismus“ in der Sportberichterstattung und zur Rolle der Psyche im Fußball interviewt. Er schien mir hierbei ein kompetenter Gesprächspartner zu sein, da er über den nötigen Fachverstand verfügt und der gewöhnlichen Sportberichterstattung kritisch gegenübersteht.
Die Interviews mit den Fußballfans fließen in die Definition des „Mentalismus“ mit ein. Die Aussagen Sven-Ole Knuths habe ich in die gesamte Arbeit miteingebaut.
Was die Literatur anbelangt, so beziehe ich mich zur Darstellung des „Mentalismus“ in der Sportberichterstattung im Wesentlichen auf Dr. Klaus Gabriels Vortrag „A.C. Calcio - F.C. Fußball 1:1. Eine vergleichende Studie zur italienisch- und deutschsprachigen Fußballberichterstattung“ und René Pohls Abhandlung „Fußballsprache: Die historische Entwicklung des Sprechens und Schreibens über Fußball unter besonderer Berücksichtigung der Sprache der Presseberichterstattung“ sowie auf das Internetlexikon „Wikipedia“, das Basislexikon Literaturwissenschaft und einige Artikel aus den Internetarchiven der „Süddeutschen Zeitung“, der „Zeit“, des „Tagesspiegels“ und der „Berliner Zeitung“.
Bei der Darlegung der Rolle der Psyche im Fußball, stütze ich mich auf das Buch „Spiele werden im Kopf entschieden“ von Cornelia Müller, die Ausführungen Dr. Sabine Würths zur „Rolle des Sportpsychologen im leistungssportlichen Training“, einen Artikel aus dem „Tagesspiegel“ sowie auf Artikel der Internetarchive der „Süddeutschen Zeitung“, der „Zeit“ und des Fußballmagazins „11 Freunde“.
5
2 Das Weltmeisterstudio Mitte
Da ich im Laufe der Arbeit immer wieder Teile aus dem Interview mit Sven-Ole Knuth zitieren werde, folgt an dieser Stelle eine kurze Darstellung des Weltmeisterstudios Mitte. Bei der Darstellung stütze ich mich, sofern nicht anders gekennzeichnet, auf die Auskünfte, die mir Sven-Ole Knuth während unseres Interviews zum Weltmeisterstudio Mitte gegeben hat.
Das Weltmeisterstudio Mitte besteht aus vier Personen, die alle aus Berlin kommen: Den Kommentatoren und Moderatoren Sven-Ole Knuth, Waldefried Forkefeld und Felix Ney sowie dem Moderator und Produzent Mirco Dziekanski. Sie kommentieren Fußballspiele live vor Publikum, indem sie den Fernsehton ausschalten. Sowohl Sven-Ole Knuth als auch Waldefried Forkefeld haben ein zweijähriges Volontariat in einer Internetsportredaktion absolviert, verfügen demnach über eine sportjournalistische Ausbildung. Das Weltmeisterstudio Mitte wurde im Juni 2002 ins Leben gerufen, zu der Zeit noch unter dem Namen WM-Studio Mitte. Damals kommentierte es die WM 2002 im Club „Bassy“ im Prenzlauerberg. 2 Während dieser WM gab es zum ersten Mal die Möglichkeit, bei Premiere die Tonspur des Kommentators abzustellen und die andere Tonoption, das heißt die reine Stadionatmosphäre, zu wählen. Zum Tagesgeschäft des Weltmeisterstudios gehören seit Herbst 2003 die Übertragung und Live-Kommentierung von Bundesliga- Champions League-und Länderspielen der deutschen Mannschaft in verschiedenen Clubs in Berlin. 3 Im Juni 2004 wurde aus dem WM-Studio Mitte dann das EM-Studio Mitte, das die Spiele live im „Pfefferberg“ kommentierte. 4 Zum Zeitpunkt des Interviews war das nächste Großprojekt des Weltmeisterstudios die WM 2006. Um ihrem Wusch, dem Weltmeistertitel für die deutsche Nationalmannschaft, Ausdruck zu verleihen, nannten sie sich fortan Weltmeisterstudio Mitte. Das Besondere am Weltmeisterstudio ist dessen Art der Berichterstattung, die man als subjektiv und politisch unkorrekt bezeichnen kann. So kommentierten sie Peer Mertesackers Leistung im Länderspiel gegen die USA am 22. März 2006 wie folgt: „Peer Mertesacker, dieses verwöhnte Mittelstandskind der 90er, hat doch wahrscheinlich noch nie in seinem Leben Schmerzen gehabt. Der ist doch überhaupt nicht bereit für die nervlichen Strapazen einer WM.“ 5
2 Vgl. Weltmeister Studio Mitte (2006 a).
3 Ebd.
4 Ebd.
5 Weltmeister Studio Mitte (2006 b).
7
Auf meine Frage, was sie der Phrasendrescherei und inhaltlichen Leere gewöhnlicher Sportberichterstattung entgegenzusetzen hätten, antwortete Sven-Ole Knuth: „Das freie Wort, die Wahrheit und die Ungezwungenheit einer nicht vorhandenen übergeordneten Instanz.“ Neben der Übertragung verschiedener Fußballspiele, hat das Weltmeisterstudio diverse Veranstaltungen wie die EM-Gala 2004 mit Bühnenshow, Modenschau, Video-Beiträgen und Interviews im „Café Moskau“ und die WM-Auslosungs-Gala 2005 mit Video-Interviews und Bühnenshow im Kino „Babylon“ organisiert und an anderen wie beispielsweise der SZ-Lesereihe „Nachspielzeit“ auf der Leipziger Buchmesse 2006, mitgewirkt. 6
6 Vgl. Weltmeister Studio Mitte (2006 a).
8
Arbeit zitieren:
Hannah Melder, 2006, Der Mentalismus in der Sportberichterstattung, München, GRIN Verlag GmbH
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