Leser und Leserinnen dispensationalistischer Endzeitbücher neigen dazu, zwischen prophetischen Bibelinterpretationen, dem Willen Gottes und der politischen Realität keine Trennungslinie mehr zu ziehen und die apokalyptische Literatur als wortwörtliche Zukunftsprognosen und als Handlungsanweisungen für Politiker zu deuten. (Trimondi 1996: 32).
Geschichte und politische Ereignisse werden mit dem Verweis auf die heilige Schrift erklärt und gerechtfertigt. Die apokalyptische Matrix der Dispensationalisten nährt sich aus konkreten biblischen Zitaten, welche hauptsächlich der Offenbarung des Johannes entnommen wurden und in denen die Rede von Kampf, vom Teufel und vom Satan ist. Diese endzeitlichen Offenbarungen werden von den Dispensationalisten aktualisiert und auf das tägliche politische Geschehen übertragen. So sehen sie beispielsweise in Osama Bin Laden oder Saddam Hussein den Anti-Christen, sowie in Homosexuellen oder Kommunisten andere klare Feindbilder. Um das Überleben des Christentums zu sichern, müsse der Anti-Christ, genauso wie der Satan in der Heiligen Schrift, beseitigt werden. Die Dispensationalisten vermarkten ihre Ansichten in Form von Science-Fiction-Büchern, welche sich in den USA vor allem seit den Ereignissen des 11. September 2001, großer Beliebtheit erfreuen und ein eigenes literarisches Genre darstellen - man bezeichnet sie als Doomsday-Bücher. Trimondi nennt die Anhänger dieser neuen kulturellen Strömung im heutigen Amerika, die sich in ihren Vorstellungen an die Ideen der Dispensationalisten anlehnen, Neo-Dispensationalisten. Im geschickten Umgang mit der „popular culture“ liegt deren Schlüssel zum Erfolg: Sie verbreiten ihre Ansichten nicht nur in Büchern, sondern auch in Talk-Shows, Filmen, politischen Reden und auf Konzerten. So operieren sie beispielsweise auch mit Slogans wie „Waffenbesitz für jeden Christen“.
Die Neo-Dispensationalisten und deren apokalyptische Matrix haben die Christliche Rechte, eine mächtige außerparlamentarische Bewegung in den USA, stark beeinflusst: „Man kann (…) auf jeden Fall sagen, dass die Christian Right das kulturelle und politische Milieu ist, in dem die Dispensationalisten ihre Heimat haben und das sie wesentlich und an erster Stelle mit aufgebaut haben.“ (Trimondi 1996: 38). Unter den Mitgliedern der Christlichen Rechte befinden sich neben sogenannten „Televangelisten“ auch einflussreiche Politiker der republikanischen Partei. Auch sie rechtfertigen politische und militärische Aktionen mit dem Verweis auf die Offenbarung des Johannes: So werden Atomwaffen von Gott geduldet, da jedes Mittel im Kampf gegen den Satan recht sei und die Vereinigten Staaten Teil seines apokalyptischen Plans seien.
Abschließend stellt Trimondi noch zwei der wichtigsten Protagonisten der Christlichen Rechte vor: Jerry Falwell und Pat Robertson, die beide ihre dispensationalistischen Ansichten
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Arbeit zitieren:
Hannah Melder, 2006, Die Christliche Rechte, München, GRIN Verlag GmbH
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