1. Die Lerngruppe
1.1 Spezielle Lernvoraussetzungen
Neben den außerschulischen Bewegungserfahrungen im Bereich Balancieren haben die Schülerinnen und Schüler bereits Erfahrungen auf verschiedenen Ebenen gesammelt. Im ersten Schuljahr wurde der Hallenboden als fester Untergrund genutzt um statisch das Gleichgewicht zu halten, wie z. B. auf einem Bein stehen. In der Bewegung (dynamisch) wurde ebenfalls die Gleichgewichtsfähigkeit geschult (hüpfen auf einem Bein, balancieren auf der Langbank, auf den Hallenlinien oder auf einem Seil, balancieren auf stabilen Untergründen). Immer wieder finden Übungen zur Gleichgewichtsförderung Einzug in den Unterricht, z.B. Akrobatik.
Viele Schülerinnen und Schüler (x weisen eine große Sicherheit im Balancieren auf. Auch unter der Hinzunahme von Materialien auf stabilen Unterstützflächen konnten sie sich und die Materialien sicher über die Stationen balancieren.
x sind in der Lage ihr Gleichgewicht auf den stabilen Geräten zu halten, dennoch weisen sie einige Unsicherheiten z.B. auf den hoch gelegten Stationen auf oder beim Transport von Materialien auf.
x zeigen große Defizite im Bezug auf das motorische Gleichgewicht. In der ersten Stunde vermieden sie Geräte, die in der Höhe lagen oder schmale Unterstützflächen aufwiesen. In der darauf folgenden Stunde beobachtete ich, dass sich die Körperspannung, (besonders bei x) durch den Transport eines Materials erhöhte und beide in der Lage waren sicherer die Stationen zu absolvieren. Sie balancierten vorsichtiger und langsamer, so dass sie alle Gerätestationen überwinden konnten. Ich versuchte den Schülern die Sicherheit zu geben, indem sie die Gerätearrangements entsprechend ihrer individuellen Einschätzung ausprobieren und erspüren durften. Des Weiteren gab ich ihnen Hilfestellung und sprach ihnen Mut zu.
Die Schülerinnen und Schüler haben gelernt den Auf- und Abbau zu organisieren. Zu Beginn der Unterrichtseinheit wurden feste farbige Auf- und Abbaugruppen festgelegt sowie der Transport von Geräten geübt. Die Lerngruppe ist in der Lage eigenständig den Hallenaufbau von der Magnettafel abzulesen und die Geräte entsprechend in der Halle zu platzieren. Somit wissen alle Schülerinnen und Schüler wie und wo ihre Station aufgebaut werden sollen. Die Rücksichtnahme auf „turnende“ Mitschülerinnen und Mitschüler sowie der Ablauf des freien Stationsbetriebes sind den Kindern bekannt. Erst nachdem die „Baupolizei“ (Lehrerin) die Stationen auf ihre Sicherheit überprüft hat, dürfen die Kinder beginnen.
2
2. Einbettung der Stunde in die Unterrichtseinheit
3. Sachanalyse
Balancieren ist eine Grunderfahrung menschlichen Bewegens. Das Gleichgewicht ist die motorische Grundlage aller Bewegungen. Gleichgewicht halten ist die Fähigkeit des Menschen, den eigenen oder fremden Körper (Gegenstände), der sich nicht in einer absolut stabilen Gleichgewichtslage befindet, in der vorhandenen indifferenten oder labilen Gleichgewichtslage durch Ausgleichsbewegungen zu belassen. 1 Die Gleichgewichtsfähigkeit ist nach HIRTZ eine von fünf koordinativen Fähigkeiten. 2 Es werden drei Komponenten dieser koordinativen Fähigkeit unterschieden
- das statische Gleichgewicht (ortsgebunden - Gleichgewicht halten im Stand)
1 vgl. Röhtig, P. u.a. (Hrsg.) (1992), S.183
2 vgl. Röhtig, P. u.a. (Hrsg) (1992), S. 252
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- das dynamische Gleichgewicht (Gleichgewicht in der Fortbewegung aufrechterhalten)
- und das Objektgleichgewicht (beinhaltet das Balancieren von Materialien). 3 Mit Hilfe des mechanischen Gleichgewichtssinn (Vestibularorgan im Innenohr) ist es dem Körper möglich, sich auf Raumlageveränderungen einzustellen und ihnen entgegenzuwirken. Die Ausgleichsbewegungen werden durch das Zusammenspiel der Sinnesorgane, des peripheren und zentralen Nervensystems sowie der Skelettmuskulatur geregelt. Von besonderer Bedeutung für die Gleichgewichtserhaltung ist die optische, taktile, kinästhetische und statico- dynamische Wahrnehmung. 4 Die Qualität der Gleichgewichtsfähigkeit ist von all diesen Faktoren, sowie dem Lebensalter (Hirnreife) und den Bewegungserfahrungen abhängig.
Es gibt die Möglichkeit auf verschiedenen Unterstützflächen zu balancieren. Die Flächen können unterschiedlich breit sein (Bank, umgedrehte Bank, Teppichfliese). Es gibt runde (Hütchen) oder glatte (Bänke) Balancieroberflächen. Die Schüler können in der Ebene oder auf schrägen Flächen balancieren. Neben diesen stabilen Unterstützflächen gibt es labile (wacklige) Balancierflächen. Die Gleichgewichtsfähigkeit wird insbesondere dann gefördert, wenn schmale oder sich bewegende Unterstützflächen ständige Verlagerungen des Körperschwerpunktes verlangen. Labile Balancierstationen bergen eine große Herausforderung und einen höheren Schwierigkeitsgrad als Stationen mit fester Unterlage. 5 Das Material (Sandsäckchen, Gummiringe, Joghurtbecher, Tischtennisbälle, Luftballons, Löffel) bietet die Möglichkeit die dynamische Gleichgewichtsfähigkeit und das Objektgleichgewicht zu kombinieren. Dies erschwert oder erleichtert das Balancieren. Einige Kleingeräte (Luftballons, Tischtennisbälle, Löffel) müssen in der Hand geführt werden. Dadurch wird verhindert, dass die Arme zum Ausbalancieren zur Hilfe genommen werden und die Kinder werden sicherer in ihren Bewegungsausführungen.
4. Begründungszusammenhang
4.1 Einordnung des Themas in den Rahmenplan Grundschule
Balancieren wird in den Hessischen Rahmenplan Grundschule in den Themenbereich Turnen eingeordnet. Dabei sammeln die Kinder vielfältige Bewegungserfahrungen, die aufgegriffen und erweitert werden sollen, um turnspezifische Grundlagen zu schaffen. Durch die Bewegungserfahrungen an und mit den Geräten erfahren die Schülerinnen und Schüler auf
3 vgl. Zimmermann, R. (1995), S.134 und Baumann, K./ Butte, A./ Sladeczek, B. (1999), S.44
4 vgl. Zimmermann, R.: Handbuch der Sinneswahrnehmung. Freiburg 1995130ff
5 vgl. Baumann, K./ Butte, A./ Sladeczek, B.(1999), S. 44
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Katarina Paul, 2006, Unterrichtsstunde: Balancieren auf labilen Gerätearrangements – unter Hinzunahme von Kleingeräten (3. Klasse), Munich, GRIN Publishing GmbH
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