Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Was sind Angststörungen 4
2.1. Formen der Angststörungen 4
2.2 Generalisierte Angststörungen 4
2.3 Panikstörungen mit bzw ohne Agoraphobie 7
2.4 Sozialphobie 10
2.5 Spezifische Phobien 12
2.6 Posttraumatisches Stresssyndrom 14
2.7 Zwangsstörungen 15
3. Literaturliste 20
1. Einleitung
Angststörungen zählen zu den Neurosen. Der Begriff der Neurose ist über 200 Jahre alt, doch erst seit rund 100 Jahren versteht man darunter eine seelische bzw. psychosozial bedingte Gesundheits- störung ohne nachweisbare körperliche Grundlage.
Im Pschyrembel 1 werden als heute hauptsächliche Neuroseformen die depressive Neurose, die Konversionsneurose, die Zwangsneurose, die Charakterneurose und die Angstneurose genannt. Bei den Recherchen zu dieser Hausarbeit ist mir bewusst geworden, wie schwierig es ist, den Über- blick zu behalten und die verschiedenen Krankheitstypen der Neurose zu ordnen.
Es gibt in der psychiatrischen Praxis zwei Klassifikationssysteme zur Diagnose von psychischen Störungen: das ICD-10 ("International Classification of Diseases" der Weltgesundheitsorganisation) und das DSM-IV ("Diagnostical and Statistical Manual" der American Psychiatric Association") 2 .
Im ICD-10, Kapitel V, F40-F48 3 werden Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen auf- geführt. Zu diesen Störungen zählen auch die Angststörungen, die diese Hausarbeit zum Inhalt hat.
Diese Arbeit erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Sie versucht die verschiedenen Formen der Angststörungen aufzuzeigen, definiert sie und beschäftigt sich mit der Symptomatik, den dia- gnostischen Kriterien, dem Verlauf und Ursachen und den Möglichkeiten der Therapie.
1 vgl. PSCHYREMBEL, Wörterbuch S. 1168
2 vgl. OERTER/MONTADA, Entwicklungspsychologie S. 718
3 vgl. http://icd.web.med.uni-muenchen.de
2. Was sind Angststörungen
2.1. Formen der Angststörungen
Im Folgenden sollen nun die verschiedenen Angststörungen hinsichtlich ihrer Definition, Sympto- matik, ihrem Verlauf und Ursachen, wie auch den Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden.
1. Generalisierte Angststörungen
2. Panikstörungen mit bzw. ohne Agoraphobie
3. Sozialphobie
4. Spezifische Phobien
5. Posttraumatisches Stresssyndrom
6. Zwangsstörungen.
2.2 Generalisierte Angststörungen
Die generalisierte Angststörung zeigt sich in dauerhaften, d.h. mittel- bis langfristigen und vor al- lem exzessiven Befürchtungen, Grübeleien oder Sorgen um unterschiedliche Lebensbereiche, wie Gesundheit, Familie oder Finanzen. Die Intensität des Angsterlebens ist dabei Schwankungen un- terworfen und kann sich ohne erkennbaren Grund verstärken. Hier wird auch von einer "frei flottie- renden Angst" 4 gesprochen. Die ständige Sorgenbereitschaft ist nicht zu kontrollieren bzw. einzu- dämmen. Typisch ist eine ständige erhöhte Anspannung, Nervosität, Erregung und Überwachheit. Die generalisierte Angststörung ist mit einer Vielzahl von vegetativen Beschwerden verbunden.
Im Vordergrund steht bei dieser Störung die ständige innere Beschäftigung mit einer möglichen Bedrohung, die gleichzeitige Herabstufung der eigenen Person und eine Situation nicht bewältigen zu können. Das Denken des Betroffenen ist durch drei Elemente gekennzeichnet. Zum einen drama- tisiert das Denken die Gefahren, indem es sich als allgegenwärtig und absolut erweist. Auch ent- fernte Situationen werden als akut und deshalb als bedrohlich und gefährlich eingestuft. Zum ande- ren ist das Denken gänzlich auf die Zukunft gerichtet.
4 vgl. DAVISON/NEALE, Psychologie S. 150
Der Betroffene macht sich über Auswirkungen von Ereignissen Sorgen, deren Folgen noch in keinster Weise absehbar sind. Das dritte Element besteht darin, dass für den Betroffenen immer im Vordergrund steht, welches Bild sich andere von ihm machen.
Bezeichnend ist auch, dass sich die Betroffenen immer zuerst Sorgen um ihre eigene körperliche Gesundheit, dann erst um die familiäre Situation und zuletzt um ihre finanzielle Situation machen. Für Menschen ohne eine generalisierte Angststörung stehen finanzielle Sorgen bzw. der Verlust des Arbeitsplatzes weit vor der eignen körperlichen Gesundheit.
"Außerdem berichten Patienten mit generalisierten Angstzuständen, daß die Befürchtungen gleich- sam automatisch auftauchen und nicht weggeschoben werden können, also nicht unter der Kontrol- le der Patienten stehen (Barlow 1988)." 5 .
Die körperlichen Beschwerden, wie erhöhte vegetative Erregung, Herzjagen oder starkes Schwitzen verstärken die Sorgen, die sich die Betroffenen um ihre Gesundheit machen; chronische Krankhei- ten werden befürchtet.
Ein Erkrankungsbeginn ist schwer auszumachen, da die meisten der Betroffenen angeben, schon in ihrer Kindheit mit Ängsten konfrontiert worden zu sein.
Die generalisierte Angststörung läuft meist chronifizierend und erstreckt sich über das gesamte mittlere Lebensalter und lässt erst im Alter eine Symptommilderung erkennen.
Während dieses Verlaufs erleben die meisten der Betroffenen depressive Verstimmungszustände.
Aus psychoanalytischer Sicht stellt die Angst nicht nur bei Angststörungen, sondern auch bei ande- ren neurotischen Störungen einen zentralen Faktor dar. Die Quelle der Angstneurose wird in einem unbewussten Konflikt zwischen dem ICH und ES-Impulsen gesehen. Diese Impulse sind meist ag- gressiver oder sexueller Natur und drängen nach Außen, können aber vom ICH aus Angst vor Be- strafung nicht zugelassen werden. Da die Quelle der Belastung unbewusst ist, erlebt der Betroffene Unruhe und Anspannung, ohne zu wissen weshalb.
Ein früher bestrafter ES-Impuls als Quelle der Angst ist immer gegenwärtig. "Es gibt gewisserma- ßen keine Möglichkeit der Angst zu entkommen; ein Mensch der dem ES entkommt, ist nicht mehr am Leben." 6 Aus lerntheoretischer Sicht wird die Ursache der generalisierten Angststörung in einer emotionalen Konditionierung gesehen, bei der eine minimale kognitive Analyse der auslösenden Situation statt- findet, angstauslösende Hinweise aber verborgen bleiben.
5 KLICPERA, Klinische Psychologie S. 89
6 DAVISON/NEALE, Psychologie S. 151
Die direkte oder vermittelte Konditionierung von Angst vor Situationen, die eine Bedrohung durch andere oder die Gefahr des Verlust der Kontrolle darstellt, wird als eine zweite Komponente ange- sehen.
Die Auseinandersetzung mit der Funktion der Besorgtheit im Leben der Betroffenen für das Ver- ständnis der generalisierten Angststörung nimmt aus kognitionspsychologischer Sicht eine zentrale Stellung ein. Der Betroffene glaubt daran, dass es wichtig sei, immer auf der Hut zu sein, um so das Gefühl zu haben, die Situation im Griff zu haben, was ihm Sicherheit verschafft. Weitere Auffällig- keiten sind, dass die Betroffenen die Tendenz haben, ihre Umgebung ständig nach potentiellen Ge- fahrenquellen abzusuchen. Mehrdeutige Ereignisse werden grundsätzlich als bedrohlich einge- schätzt, obwohl sie es gar nicht sind.
Die Betroffenen verfügen aufgrund ihrer Sozialisation über besonders leicht zugängliche kognitive Schemata, die auf Bedrohung hinweisen, wodurch Angst und Besorgtheit schnell und gleichsam au- tomatisch aktiviert werden.
Bei der Therapie der generalisierten Angststörung ist vor allem wichtig, dass differenziert vorge- gangen wird, um alle Komponenten des Störungsbildes zu berücksichtigen. Es sollten eine Verän- derung der eigenen negativen Sicht, wie auch der Fähigkeit Probleme zu lösen erreicht werden. Die Behandlung des ständigen Grübelns sollte zum Ziel haben, dass das ständige sich Sorgen und Ge- danken machen auf einen kurzen Zeitraum zu beschränken ist. Vor allem sollte in der Therapie er- reicht werden, dass der Betroffene lernt, z.B. durch bestimmte Techniken, sich zu entspannen. "Die Entspannung zuvor verspannter Muskeln hat aus physiologischen Gründen eine kathartische Wirkung auf die Seele (..)." 7 Selbstverständlich gibt es hier, wie bei allen Neurosen und Störungen Möglichkeiten der medika- mentösen Behandlung, auf die ich aber in dieser Arbeit nicht eingehen möchte.
7 FENICHEL, Neurosenlehre S.149
Arbeit zitieren:
Stephanie Scheck, 2004, Angststörungen, München, GRIN Verlag GmbH
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