Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
1. Überlegungen zur Aggression und aggressivem Verhalten. 4
2. Interventionstechniken bei aggressivem Verhalten 6
2.1 Bewusstes Ignorieren 6
2.2 Eingriff durch Signale 7
2.3 Kontrolle durch körperliche Nähe und Berührung 8
2.4 Engagement in einer Interessengemeinschaft 9
2.5 Affektive Zuwendung 9
2.6 Spannungsentschärfung durch Humor 10 2
2.7 Hilfestellung zur Überwindung von Hindernissen. 11
2.8 Deutung als Eingriff 11
2.9 Umgruppierung 12
2.10 Umstrukturierung 13
2.11 Direkter Appell. 13
2.12 Einschränkung der räumlichen Bewegungsfreiheit und der
Verfügbarkeit von Gegenständen. 16
2.13 "Antiseptischer" Hinauswurf. 18
2.14 Psychische Eingreifen 21
2.15 Erlaubnis und autoritatives Verbot. 21
2.16 Versprechen und Belohnung 23
2.17 Bestrafungen und Drohungen. 24
Schlussbemerkung. 25
Literaturverzeichnis 27
Einleitung
In dieser Hausarbeit sollen verschiedene Möglichkeiten der Steuerung von aggressivem Verhalten vorgestellt werden. Sie soll nicht die Ursachen von Aggressionen beinhalten, sondern den praktischen Umgang im Alltag damit. Diese Arbeit lehnt sich an das Buch "Steuerung des aggressiven Verhaltens beim Kind" von Fritz Redl und David Wineman. Die Autoren zeigen in ihrem Buch auf, wie der Sozialarbeiter/Sozialpädagoge in der Heimerziehung mit aggressiven Handlungen und Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen umgehen kann und welche Möglichkeiten der Intervention sich bieten. Aufgrund meiner eigenen Tätigkeit in der Heimerziehung weiß ich um die Schwierigkeit des Umgangs mit aggressivem Verhalten, halte dies aber auch für eine der wichtigsten Hauptaufgaben.
Diese Hausarbeit erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit in Bezug auf alle Möglichkeiten des Umgangs mit aggressivem Verhalten. Sie soll eine nur einige von vielen Möglichkeiten aufzeigen, wie der Sozialpädagoge/Sozialarbeiter aggressivem Verhalten entgegentreten kann, aber auch aufmerksam darauf machen, welche Möglichkeiten sich schon im Vorfeld ergeben, aggressives Verhalten in wünschenswerte Bahnen zu lenken.
1. Überlegungen zur Aggression und aggressivem Verhalten
Aggression und aggressives Verhalten sind immer wieder, vor allem aber durch ihre ständige Aktualität, vieldiskutierte Themen.
Aggressivität wird wissenschaftlich unterschiedlich definiert.
So spricht die Psychoanalyse davon, dass die Aggression als eine Folge von tiefsitzenden, seelischen Konflikten anzusehen ist. Für die Vertreter des Behaviorismus beruht Aggression hauptsächlich auf Lernprozessen in der Beobachtung und Nachahmung von Verhalten durch andere. Lorenz spricht von der Aggression als arterhaltende Funktion, die in der Form von Flucht oder Angriff in erster Linie das Überleben sichern soll.
Im Buch "Psychologie der Aggressivität" wird aggressives Verhalten wie folgt beschrieben: "Als Aggression soll solches Verhalten bezeichnet werden, bei dem schädigende Reize gegen einen Organismus (oder ein Organismussurrogat) ausgeteilt werden. Dieses Verhalten muss als gerichtet interpretiert werden ( vom Wissenschaftler, nicht vom Opfer und nicht vom Täter)." 1
Trotz unterschiedlicher Theorien und Erklärungsansätze lässt sich jedoch festhalten, dass sich Aggression und aggressives Verhalten in eine konstruktive und in eine destruktive Form unterteilen lässt, wobei es sich bei der konstruktiven Form um eine sozial wünschenswerte Form handelt, wie die Fähigkeit sich zu streiten, sich selbst zu behaupten oder sich gegen Unrecht aufzulehnen. Die destruktive Aggression ist sozial unerwünscht, da sie sich häufig in psychischen und physischen Angriffen gegenüber anderen, aber auch Gegenständen gegenüber zeigt.
Besonders im Bereich der Heimerziehung, wo Kinder und Jugendliche zu finden sind, die schon diverse Hilfen zur Erziehung durchlaufen haben, trifft der
Sozialarbeiter/Sozialpädagoge auf solche, die als "Problemkinder" 2 beschrieben werden; auf Kinder, die keiner mehr haben will.
Diese zeigen oft dissozial-aggressives Verhalten, schlagen, zerstören, sind z.T. emotional so verarmt, dass destruktive Aggressionen für sie zum täglichen "Überleben" gehören. Als Sozialarbeiter/Sozialpädagoge wird man hier täglich mit abweichendem Verhalten und Symptomen wie frechem und aggressivem Verhalten, Regelüberschreitungen, Weglaufen, Wutausbrüchen etc. konfrontiert.
Bei der Arbeit mit aggressiven Kindern und Jugendlichen geht es vor allem aber darum, eine Brücke zwischen die Kluft von Theorie und Praxis zu bauen.
Was nützen einem Sozialarbeiter/Sozialpädagogen die Theorien, wenn er nicht weiß, wie man sie im Umgang mit dem aggressivem Klientel einsetzen kann; wenn er nicht weiß, wie man, ohne gleich zu strafen, diesem Verhalten sinnig und nachhaltig entgegenkommen kann.
1 Selg, Mees, Berg, Psychologie, S. 7
2 vgl. Mehringer, Heilpädagogik, S. 11
Es gilt gerade diesen Spagat zwischen Theorie und Praxis, insbesondere in der Heimerziehung, so zu meistern, dass keine der beiden Parteien, weder das Kind/der Jugendliche, noch der Sozialpädagoge/Sozialarbeiter, auf der Strecke bleibt. Hier gilt es Möglichkeiten zur Steuerung dieses Verhaltens zu finden, um unerwünschtes und aggressives Verhalten in sozial wünschenswerte Bahnen zu lenken.
2. Interventionstechniken bei aggressivem Verhalten
Ich möchte hier nun, angelehnt an Redl und Wineman, die Techniken vorstellen, die ich selbst als praktikabel empfinde und erlebt habe. Es werden anhand von Beispielen die einzelnen Verhaltenauffälligkeiten vorgestellt, ihre Hintergründe kurz beleuchtet und eine entsprechende Möglichkeit der Steuerung aufgezeigt.
Für den Sozialarbeiter/Sozialpädagogen möchte ich das Synonym "Erwachsener" benutzen.
2.1 Bewusstes Ignorieren
Unerwünschtes oder aggressives Verhalten von Kindern und Jugendlichen ist meist von einer eigenen Energieladung gesteuert, hört aber häufig von allein auf, wenn diese Energie aufgebraucht ist. Gründe für diese Verhalten sind unterschiedlicher Natur. Meist soll ein bestimmtes Nahziel damit erreicht werden. Ist dieses Ziel dann erreicht, so verändert sich das unerwünschte Verhalten oder es wird meist mit der Zeit das Interesse daran verloren. Unter bewusstem Ignorieren versteht man das Geschick des Erwachsenen, unerwünschtes oder aggressives Verhalten des Kindes/Jugendlichen in genau dieser Situation einzuschätzen und es eben zu ignorieren. Solange ein Verhalten im Rahmen des Erträglichen bleibt und keine Ansteckungswirkung auf andere Kinder/Jugendliche hat, führt Ignorieren mit weniger Aufwand und schneller zum Ziel als jedes Einschreiten.
Die Technik des bewussten Ignorierens ist dann angebracht, wenn das Verhalten des Kindes/Jugendlichen durch gewisse sekundäre Befriedigung motiviert ist.
Wenn z.B. ein Kind/Jugendlicher versucht, den Erwachsenen zu einer aggressiven Handlung zu provozieren, indem er auf die einfache Aufforderung, er möge doch bitte seine Hausaufgaben erledigen, mit übelsten Beschimpfungen reagiert, lässt sich dieses Verhalten leichter unterbinden, wenn die Provokation überhört wird.
2.2 Eingriff durch Signale
Zu Grenzüberschreitungen oder ungezügeltem Verhalten kommt es meist, wenn das ICH oder das ÜBER-ICH der Kinder/Jugendlichen in diesem bestimmten Augenblick gerade nicht wachsam genug ist, um dieses Verhalten zu verhindern oder, weil es von einer herausfordernden Versuchung überwältigt wurde.
Ein Beispiel dafür könnte sein, dass ein Kind einen Ball, der über die Hecke des Nachbarn geflogen ist, wiederholen möchte, nicht aber den Weg um die Hecke, sondern direkt über diese wählt.
Hier kann schon ein Kopfschütteln des Erwachsenen ausreichen, um das ICH oder ÜBER-ICH des Kindes/Jugendlichen anzusprechen und es so daran zu erinnern, dass es doch besser den Weg um die Hecke gehen soll. Das Signal des Erwachsenen dämmt hier direkt den Impuls ein, der das Problem erzeugt hätte. Kinder und Jugendliche sind häufig für diese Art der "nicht verbalen Mitteilungen" 3 empfänglicher als für verbale. Eingriffe durch Signale sind allerdings dann nicht als sinnvoll zu bezeichnen, wenn das Verhältnis zwischen dem Kind/Jugendlichen und dem Erwachsenen erheblich gestört ist oder wenn die Erregung des Kindes/Jugendlichen einen solchen Grad erreicht hat, dass die darin enthaltenen Impulse vom ICH und ÜBER-ICH des Kindes/Jugendlichen nicht mehr bewältigt werden können.
Es wäre naiv, einen schweren Aggressionsausbruch durch ein Signal abwehren zu wollen. Das Signal als Methode der Steuerung von Verhalten ist somit anzuwenden, wenn die äußern Bedingungen noch nicht ernsthafter Natur sind.
3 vgl. Trieschmann, Whittaker, Brendtro, Erziehung S. 103
Arbeit zitieren:
Stephanie Scheck, 2004, Möglichkeiten der Steuerung aggressiven Verhaltens bei Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag GmbH
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