EDITORISCHE VORBEMERKUNGEN
Die verwendete Literatur wird wie folgt zitiert:
• VERFASSER, Kurztitel, Seitennummer. - Zum Beispiel: F. SCHLEGEL, Poesie, 123 f.
Die detaillierten Literaturangaben sind über Verfasser und Kurztitel dem Literaturverzeichnis zu entnehmen.
• Der Rückverweis „ebd.“ bezieht sich immer auf die zuletzt genannte Quellenangabe. Dies gilt auch für die Fälle, in denen zwischen dem Verweis und der zurückliegenden Angabe mehrere Vergleiche auf andere Punkte der vorliegenden Arbeit oder ein Kapitelumbruch eingefügt sind. - Zum Beispiel: 2 F. SCHLEGEL, Poesie, 45 3 vgl. Pkt. 3.1.3 4 vgl. Pkt. 3.1.4 5 ebd. 67
Die Fussnote Nr. 5 bezieht sich auf die Quellenangabe von Fussnote Nr. 2.
• Auslassungen vom Zitierenden sind in den Zitaten durch vier Punkte kenntlich gemacht.
- Zum Beispiel: „Kunst .... als Religion“.
• Ergänzungen des Zitierenden sind in den Zitaten durch die folgende Einklammerung hervorgehoben: > @. - Zum Beispiel: „Diese Kunst >als@ Religion“.
• Wird ein Zitat durch ein Satzzeichen abgeschlossen, so ist dieses in der Regel nicht mit in den Zitattext übernommen. - Zum Beispiel: „Und ist die Kunstreligion“ 19 .
INHALTSVERZEICHNIS
1
Einleitung
Kapitel 1: Die (Früh-)Romantik 5
Teil 1
Pr äliminarien
1.1 Friedrich Schlegel 7
Joseph Reubel 1.2 8
Kapitel 2: Zur Definitionsfrage 9
2.1 Religion 11
Kunst 2.2 13
2.3 Zur Relation der Systeme „Kunst“ und „Religion“ 14
Kapitel 3: Kunstreligion (bei F. Schlegel und J. Reubel) 15
Teil 2
Hauptteil
3.1 Aspekte der Kunstreligion 16
16
3.1.1 absoluter Ganzheitsbezug
19
3.1.2 Existenzialität
21
3.1.3 Verbindlichkeit
3.1.4 Subjektsbezug nach dem Absoluten als „Oben“ 22
23
3.1.5 Unverfügbarkeit / Offenbarungscharakter
3.2 Zusammenfassung 25
26
Nachwort
28
Literaturverzeichnis
Es scheint, als würden die Geister, die die Religionswissenschaft einst zu Geburtshelfern ihrer selbst berief, nun ihren Tribut einfordern.
Führten die Anstrengungen der Aufklärung in Europa zu einem begriffsgeschichtlich verifizierbaren Zeitpunkt 3 zur fast zeitgleichen Bildung sowohl der beiden neuen philosophischen Disziplinen der Ästhetik und Religionsphilosophie, wie auch der im wissenschaftlichen Kanon noch sehr unsteten Religionswissenschaft 4 , so scheint dieser Moment auch letzte Wandlung von Plural zu Kollektivsingular beider Linien zu sein: aus den verschiedenen Künsten wird über deren System die Kunst, aus den heterogenen religiösen Traditionen über die alle Konfessionen zu innervierende Religiosität 5 die Religion.
1 J.W. von Goethe: Maximen und Reflexionen, 238, entn.: Goethe. Berliner Ausgabe, 22 Bde., hg. v. Siegfried Seidel u.a., Bd. 18 (Kunsttheoretische Schriften und Übersetzungen [Bde. 17-22]), Berlin 1960 ff., 638.
2 Schreibt Friedrich Ludwig Zacharias Werner in: Eichendorff: Geschichte der poetischen Literatur Deutsch-lands, 499, entnommen: Joseph von Eichendorff: Werke. Nach den Ausgaben letzter Hand unter Hinzuziehung der Erstdrucke, 3 Bde., hg. v. Ansgar Hillach, Bd. 3, München: 1970 ff., 809.
3 Vgl. Feiereis, Konrad: Die Umprägung der natürlichen Theologie in Religionsphilosophie. Ein Beitrag zur deutschen Geistesgeschichte des 18. Jahrhunderts, Leipzig 1965.
4 Vgl. Braungart, Wolfgang u.a. (Hg.): Ästhetische und religiöse Erfahrungen der Jahrhundertwenden, Bd. I: um 1800, 9. in: MÜLLER, Ästhetische Religiosität, X (Fußnote 8). - Freilich darf dem Begriff „Religionswissenschaft“ nach erst ab 1795 (Niethammer in seiner Kant-Apologie) von ihrem Aufkommen gesprochen werden; der Sache nach aber bereits früher.
5 Religiosität, als Terminus erst auf dem Höhe- bzw. Endpunkt der Aufklärung in semantischer Blüte, gerät erst ab 1790 in den Sprachschatz der Philosophie, gegen Ende der neunziger Jahre ist sie bei so gut wie jedem der namhaften Philosophen und Autoren des Ästhetik-Religion-Problems in Gebrauch. Vgl. hierzu MÜLLER, Ästhetische Religiosität, 174-183.
1
Spricht man heute allerdings von der damaligen schrittweisen Autonomisierung beider Bereiche, so vergisst man allzuleicht, daß diese Perspektive eine nur gegenwärtige sein kann; aus aller Vergangenheit besehen, zeigen sich diese beiden als wesentlich ein System unter nunmehr zwei Namen 6 : Kunst und (individuelle Religiositäts-) Religion (vormals Religion) bzw. Ästhetik und Religionsphilosophie (vormals Theologie). Während aber die Erosion der (christlichen) Theologie und deren Überführung in die Religionsphilosophie in eine im Sinne der Aufklärung nur konsequente Religionskritik mündet - hier als eine Destruktion ihres Begriffs 7 -, mündet der in die Kunst bzw. Ästhetik übergeführte Teil in eine wundersam ihr verpflichtete Kunstkritik - hier als eine Dienerin ihres Begriffes.
Natürlich bleibt so die zentrale Frage, was an Inhalten aus dem einen System der (christlichen) Religion hier seinen Weg - womöglich bis heute unbeschadet - in die beiden Lager gefunden hat, in welches der beiden und unter welchem Namen. Wesentlich bleibt aber, daß aus Ästhetik 8 und Religion (die „neue Religion“ der individuellen Religiosität) die Nachfahren eines einst geschlossenen und institutionell wie gesellschaftlich verankerten religiösen Raumes werden. Mit den Worten von Wolfgang Braungart u.a. 9 : „Das Ästhetische läßt sich so begreifen als Erbe der Religion; es wird selbst wiederum religiös überhöht, und Religion gerät in den Erwartungshorizont der Ästhetisierung.“
Daß damit allzu einfache Modelle der Säkularisierung relativiert werden, ist einleuchtend: Säkularisierung und Sakralisierung bilden ineinander verschlungene Prozesse, deren übergreifende Tendenz allerdings als Verweltlichung gekennzeichnet werden könnte. Die Entstehung der Ästhetik ist also nicht automatisch mit der Trennung von der Religion verbunden. Denn schon die frühen deutschen Ästhetiken lassen sich nicht so sehr als Säkularisierung, sondern als christlich-religiöse Lesart profaner bzw. theologiekritischer Debatten in England und
6 Freilich ist die Wahrnehmung von Kunst als „Kunst“ ein durchaus schleichender Prozess in der Geschichte. Zeigt sich der Bereich der Kunst als vor dem 15. Jhd. wohl kaum eigenständig, so ist er jenseits des Umschlagpunkts der Aufklärung/Romantik in der Moderne ganz klar autonom. Ein guter Indikator für die zeitliche Verortung dieses Umschlagpunkts ist der Beginn der Museumsgründungen in ganz Europa im 18. Jahrhundert (z.B. 1753 British Museum, London; 1777 Museum Fridericianum, Kassel; 1793 Louvre, Paris). Mit dem Einzug ins Museum ändert sich die Funktion vieler Werke, Altargemälde verlieren z.B. ihren religiösen Kontext, und an ihre Stelle tritt die rein ästhetische Funktion: sie repräsentieren „Kunst“. Demgegenüber mag der Anfang privater Sammlungen (München, Innsbruck etc., ca. 1560/70) den Einsatz dieser Bewegung markieren.
7 „Religions-Kritik kann eigentlich nur heißen die ausdrückliche Kritik, die aktuelle Bekämpfung der Religion.“, in: Strauss, Leo: Die Religionskritik Spinozas als Grundlage seiner Bibelwissenschaft, in: ders., Gesammelte Schriften, hg. v. Heinrich Meier, Stuttgart 1996, I, 65.
8 „Von nichts wimmelt unsere Zeit so sehr als von Ästhetikern.“ - Jean Paul in seiner „Vorschule der Ästhetik“ (1804), Neuauflage hg. v. J. Müller, Leipzig 1923, 10, in: MÜLLER, Philosophische Ästhetik, 61. Übrigens erklärt Jean Paul im selben Werk („Vorschule der Ästhetik“ !) weiter: „Das Romantische ist das Schöne ohne Begrenzung oder das schöne Unendliche“, Jean Paul, Vorschule der Ästhetik, SW I/5, hg. v. Norbert Miller, Frankfurt a.M. 1996, 88.
2
Frankreich verstehen. 10 Die Vor- und Frühgeschichte der Ästhetik 11 (von Bodmer / Breitinger bis zu Baumgarten und Georg Friedrich Meier) erweist sich dann eher als eine pietistische Variante des Sensualismus.
Als zum Begriff gewordener Knotenpunkt der säkular gewordenen Religion und der vom Menschen bewusst sakralisierten Ästhetik betritt hier in der Romantik die sogenannte Kunstreligion die Bühne der Geschichte - als eine kaum teilbare Amphibolie (Zweideutigkeit, Verwechselbarkeit) von Ästhetischem und Religiösem. F.R. de Chateaubriand spricht im Titel seines für die französische Geistesbewegung der Romantik so wichtigen Werk es aus: „Le génie du christianisme ou beautés de la religion chrétienne“ (1802) - das heisst, nur in der Schönheit des Christentums ist der Genius desselben zu erfahren, nur die ÆÛî (oder besser: ÆÆÛîò# ?) der Schönheit lässt Religion „entstehen“. 12
Für die Religionswissenschaft selbst war die Bildung eines Kollektivsingulars „Religion“ nicht nur Teil ihrer Entstehung, sondern auch heute noch die einzige Legitimation ihrer fachlichen und institutionellen Autonomie (sprich: Existenz), sowie gewissermaßen letztes Bollwerk im Kampf gegen allzu gewagte Veränderungen des Fächerkanons und allzu bedrohliche Sparmaßnahmen.
Doch ist auch die Definition dieses Kollektivsingulars bis heute ihre offene Wunde geblieben, weshalb sie verständlicherweise auch so eifrig und meist krampfhaft bemüht ist, sie zu schließen. Würde man unsere Religionswissenschaft fragen, was sie habe, sie würde gewiss antworten: ein Definitionsproblem. Besser ist, man fragt sie, was bekanntlich Parsifal bei seiner ersten Begegnung mit Amfortas schon hätte fragen sollen: Was fehlt dir, Oheim? 13
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, an dem Problem der „Kunstreligion“, als noch wesentlich zu leistendem Begriff, einen Beitrag zur Begriffsbildung religionswissenschaftlicher Metasprache zu leisten, stellvertretend damit das „Definitionsproblem“ der „Religion“ selbst explizit in einigen seiner Aspekte zu betrachten 14 und damit vielleicht einigen der eingangs genannten Geister Tribut zu zollen.
9 Braungart, Wolfgang u.a. (Hg.): Ästhetische und religiöse Erfahrungen der Jahrhundertwenden, Bd. I: um 1800, 9, entnommen: MÜLLER, Ästhetische Religiosität, X (Fußnote 8).
10 Vgl. MÜLLER, Ästhetische Religiosität, 33-78.
11 Vgl. MÜLLER, Philosophische Ästhetik, 61-77.
12 Diesen Hinweis verdanken wir BUSCH, C.D. Friedrich, 181.
13 Es mutet damit seltsam und treffend zugleich an, daß die Religionswissenschaft heute bemüht ist, eine „Religionsästhetik“ als universal angelegten Lösungsansatz in spe zu etablieren.
14 Daß damit über die Gebühr geleistet würde, wird zwar hier und da behauptet, spiegelt aber eher den versteckten Anspruch derer, die es in Vorschiebung solcher Einwände ängstlich lassen - uns soll es nicht schrecken. Trotzdem aber: möge der Leser unsere Versuche gnädig und mit Nachsicht ihres Anspruches lesen.
3
Als Fragestellungen zur Kunstreligion seien folgende richtungsweisend: wie läßt sich Kunstreligion religionswissenschaftlich definieren, und ist dies überhaupt sinnvoll, d.h. findet sich da ein lohnender begrifflicher Mehrwert gegenüber der Umschreibung „Religion im Umfeld Kunst“ und ist weiter der Begriff über die Romantik hinaus anwendbar?
Das Vorgehen soll dabei die Aufstellung und nähere Beleuchtung einer Definition von Kunstreligion in der praktischen Auseinandersetzung mit einer zentralen Schrift sowohl eines frühen und originären Wortführers der Romantik, FRIEDRICH SCHLEGELS, und dazu antipodisch derjenigen des heute recht unbekannten späten Nach-Denkers frühromantischer Theorie, JOSEPH REUBELS, auf Brauchbarkeit überprüfen. Wir wollen uns also wesentlich auf den Höhepunkt der Romantik beschränken, in zeitlicher (die sogenannte Frühromantik, etwa 1798-1804) wie geographischer (Deutschland) und medialer Hinsicht (deutsche Literatur).
Methodisch findet dies im Rahmen einer sich heute kulturwissenschaftlich und empirisch verstehenden Religionswissenschaft statt.
Daß nun historische und systematische Arbeit sich wechselseitig bedingen, dürfte inzwischen unbestritten sein. Alle systematische Erkenntnis aber ist Ergebnis von Nachdenken und nicht von historischer Forschung, und haben historische Befunde eher regulative Funktion für systematische Bemühungen. Umgekehrt sind systematische Überlegungen für historische Forschung heuristisch wertvoll; sie generieren Fragestellungen, die der historischen Forschung dann zugrundegelegt werden; sie selegieren auch die Vielfalt des Quellenmaterials und lassen einen in der Vielfalt „sehen“. So ist auch die vorliegende Untersuchung weniger an der historischen Frage, schon gar nicht an einer „nur“ romantischen interessiert, sondern an der theoretischen und systematischen nach einer Kunstreligions- und Religionsdefinition, die ihre ebenso theoretische und systematische Antwort in Form einer idealtypisch formulierten Theorie erhält - wie es sich für eine Theorie gehört.
Es gliedert sich dabei die folgende Untersuchung in zwei Teile. In einen ersten, präliminarischen Teil, der gewisse notwendige Vorarbeiten enthält, so die historische Betrachtung der (frühen) Romantik und F. SCHLEGELS und J. REUBELS, wie auch grundsätzlich Fragen zur Definition der wichtigsten Begriffe und ihr systemisches Verhältnis zueinander, und in einen Hauptteil, der von der Definition der Kunstreligion bzw. Religion, vorwiegend anhand Schlegels und Reubels ausgewählter Schriften handelt.
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Arbeit zitieren:
Magister Dominic Lüthi, 2005, Die Kunstreligion der Frühromantik und der Religionswissenschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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