Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG. 1
II. LAKOFFS THESEN 3
A. KATEGORIEN UND PROTOTYPEN. 3
B. IDEALIZED COGNITIVE MODELS (ICMS) 6
C. VERKÖRPERUNG. 7
III. KRITIKPUNKTE. 10
A. PROTOTYPEN-EFFEKTE UND "IDEALIZED COGNITIVE MODELS" 10
B. VERWECHSLUNG VON "CONCEPTS" UND "CONCEPTUALIZATION" 11
C. "MOTIVATION" UND "COMPOSITIONALITY" 12
IV. WERTUNG. 14
V. LITERATUR 16
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I. Einleitung
Das Verhältnis zwischen Körper und Geist gehört zu den klassischen Themen der Philosophie und ist in den letzten Jahren vor allem durch die Entwicklungen in den Naturwissenschaften und in der Informatik in den Mittelpunkt der philosophischen Diskussion gerückt. Die Forschungsergebnisse der Neurobiologie legten dabei oft eine reduktionistische Sichtweise nahe, in der Denkprozesse als unmittelbare Ergebnisse biologischer Vorgänge erschienen. Die rasante Entwicklung der Rechenkapazität von Computern hat in der KI-Forschung zu der Frage geführt, bis zu welchem Grad kognitive Leistungen des Menschen von Computern nachgeahmt werden können.
Die philosophische Position, die mit dem noch sehr vagen Oberbegriff "embodied cognition" beschrieben wird, greift diese Tendenzen teilweise auf, setzt sich aber gleichzeitig deutlich von ihnen ab: So gehen die Vertreter der "embodied cognition" von einer Einbettung des Denkens in körperliche Vorgänge aus, aber sie wollen das Denken nicht reduktionistisch auf Naturvorgänge zurückführen. Vielmehr soll gerade in der Verbindung von Geist und Körper der zentrale Unterschied zwischen menschlichem Denken und dem Rechnen von Computern bestehen. Der Körper ist dabei nicht mehr das zu überwindende Erkenntnishindernis, sondern er macht Arten von Erfahrung möglich, die Computern und anderen körperlosen Wesen unzugänglich sind. Damit wendet sich "embodied cognition" auch gegen die in der Kognitionswissenschaft bis in die 80er Jahre verbreitete, dann aber immer heftiger kritisierte Auffassung, Denken sei eine Art von Informationsverarbeitung, die in Analogie zur Manipulation von abstrakten Symbolen verstanden werden könne. George Lakoff hat seit den 80er Jahren immer wieder die Bedeutung des Körpers für das Denken hervorgehoben. In seinem wohl bekanntesten Buch "Women, Fire and Dangerous Things" argumentiert er vor allem aus linguistischer Perspektive für eine Bedeutungstheorie, die den Körper berücksichtigt. Er geht von der Frage aus, nach welchen Kriterien wir Objekte kategorisieren und Begriffe bilden. Dabei greift er auf empirische Erkenntnisse der Kognitionswissenschaft und der Psychologie zurück. Lakoff will letztlich zeigen, dass die Strukturen, die der Sprache Bedeutung verleihen, nicht von unserer körperlichen Verfasstheit zu trennen sind.
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Lakoffs Überlegungen sind innerhalb der Linguistik und der Philosophie auf sehr breites Interesse gestoßen. Auch wenn viele Rezensenten in Einzelfragen Lakoff kritisiert haben, herrschte die Einschätzung vor, dass Lakoffs Werk der Semantik eine ganz neue Richtung gegeben hätte. 1 Gerade weil Lakoffs an vielen Stellen traditionellen Theorien widerspricht und ein sehr weites Spektrum von Fragen aus der Sprachphilosophie und Linguistik behandelt, berührt die Diskussion um das Buch einige grundsätzliche Aspekte der Semantik. Dies soll in dieser Hausarbeit vor allem anhand eines kritischen Aufsatzes von John Vervaeke und Christopher Green deutlich werden. Im ersten Teil der Arbeit werde ich dabei zunächst Lakoffs Thesen zusammenfassen, dann werde ich einige der von Vervaeke und Green gegen Lakoff vorgebrachten Argumente erörtern.
1 Vgl. dazu die Rezensionen von von Violi, Patrizia: Body, Experience and Meaningful Things, in: Semiotica 80 (1990), S. 321-336 und Nuyts, Jan: Cognitive Linguistics, in: Journal of Pragmatics 20 (1993), S. 269-290.
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II. Lakoffs Thesen
A. Kategorien und Prototypen
Die von Lakoff als "klassisch" bezeichnete Bedeutungstheorie geht davon aus, dass Kategorien durch gemeinsame Eigenschaften definiert sind: "Things were assumed to be in the same category if and only if they had certain properties in common." 2 Diese Annahme geht wesentlich auf Aristoteles zurück und ist, zum Beispiel bei Wittgenstein, schon häufig kritisiert worden. Weiter in Frage gestellt worden ist die "klassische" Theorie der Kategorisierung durch empirische Forschungen in der Psychologie und in den Kognitionswissenschaften in den 70er Jahren, etwa durch Eleanor Rosch. 3
So haben empirische Studien gezeigt, dass Versuchspersonen für viele Kategorien besonders typische Beispiele angeben: Wenn Versuchspersonen gebeten werden, einen Baum zu zeichnen, dann zeichnen sie überdurchschnittlich oft einen Nadelbaum. Die Kategorie "Baum" scheint also weniger durch gemeinsame Eigenschaften bestimmt zu sein, sondern eher durch einzelne, besonders charakteristische Beispiele. Auch wenn man Versuchspersonen bitten würde, ein Säugetier zu nennen, würden die meisten wohl eher ein Hund oder ein Pferd nennen, als einen Blauwal. In anderen Fällen, etwa bei der Kategorie "großer Mensch", sind die Grenzen der Kategorie selber unscharf. 4
Gerade diese beiden Phänomene legen eine Theorie der Kategorisierung nahe, die schon vor Lakoff als "Prototypentheorie" der Kategorisierung bezeichnet wurde. Demnach gibt es bestimmte Mitglieder einer Kategorie, die als Prototypen besonders repräsentativ für eine Kategorie sind. Die Mitgliedschaft zu einer Kategorie ist deswegen auch nicht immer eindeutig bestimmbar wie in der klassischen Theorie, sondern ist abgestuft.
Die Prototypentheorie lässt jedoch viele Fragen offen: Vor allem ist nicht klar, wie genau das Verhältnis zwischen Prototypen und einzelnen Mitgliedern einer Kategorie ist, inwiefern die Prototypen also eine Kategorie definieren.
2 Lakoff, George: Women, Fire and Dangerous Things, Chicago 1987, S. 6.
3 Ebd., S. 37ff.
4 Vgl. die Zusammenfassung in ebd., S. 56.
Arbeit zitieren:
Moritz Deutschmann, 2006, Eine kritische Auseinandersetzung mit George Lakoffs "Women, Fire and Dangerous Things", München, GRIN Verlag GmbH
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