1 Zu Ramón de la Cruz 3
2 Zur Gattung der Sainete 4
2.1 Definition 4
2.2 Formales. 4
2.3 Figuren 4
2.4 Sprache. 5
2.5 Musik 5
2.6 Szenerie. 5
2.7 Zusammenfassung. 5
3 Zwanzig ausgewählte Stücke 6
01 Las delicias de prado (vgl. Figurenkonstellation) 6
02 La merienda a escote (vgl. Figurenkonstellation) 7
03 Manolo (vgl. Figurenkonstellation) 8
04 Los picos de oro (vgl. Figurenkonstellation) 9
05 La Crítica, La Señora, La Primorosa, La Linda (vgl. Figurenkonstellation) 11
06 El fandango de candil. 11
07 El casamiento desigual y Los Gutibambas y Mucibarrenas (vgl. Figurenkonstellation) 12
08 La República de las mujeres (vgl. Figurenkonstellation) 13
09 Las Escofieteras. 14
10 Las Castañeras picadas (vgl. Figurenkonstellation) 15
11 Zara. 16
12 Las provincias españolas unidas por el placer 17
13 La Petra y la Juana o El casero prudente. 17
14 Las usías y las payas. 18
15 El cortejo escarmentado 18
16 El diablo autor aburrido. 19
17 La comedia de maravillas. 20
18 El Prado por la noche 21
19 La Pradera de San Isidro 21
20 La Presumida burlada. 22
Literaturliste 23
1 Zu Ramón de la Cruz
1731: Ramón de la Cruz wird am 28. März in Madrid geboren.
1757: Uraufführung seiner ersten sainete La enferma de mal de boda
Im Herbst des gleichen Jahres Uraufführung seiner ersten zarzuela (drama cómico-harmónico): Quien complace a la deidad acierta a sacrificar
1759: Eintritt in die Beamtenlaufbahn bei der Madrider Justizbehörde. Dort verbleibt er, bei geringem Lohn und mit nur einer Beförderung, über dreißig Jahre.
Kurz nach seinem Eintritt Hochzeit mit Margarita Beatriz de Magán, mit der er mehrere Kinder hat. Ab 1760 beginnt er, regelmäßig sainetes zu verfassen, dazu auch längere Stücke wie zarzuelas, comedias und die eine oder andere tragedia, oft 25 bis 30 Stücke pro Jahr. Auch erhält er den ersten Auftrag der Stadt Madrid zur Umschreibung (refundición) eines Calderón-Stückes. Er wird immer häufiger, oft auch zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten des hohen Adels oder Feierlichkeiten der Stadt Madrid, als „Vertragsschreiber“ berufen.
Mit zunehmendem Erfolg zieht sich Ramón de la Cruz allerdings auch den Groll von Nicolás Fernández de Moratín zu, der als Vertreter des neoklassischen Theaters den so beliebten sainetes nichts abgewinnen kann und seine Ablehnung auch in seinem Text Desengaño al teatro español darlegt. Die so beginnende Polemik zwischen género mayor und género menor spielt sich oft auf der Basis von Stücken ab, in denen die Meinungsverschiedenheiten thematisiert werden und weitet sich aus auf weitere Gegner der sainetes, wie z. B. Tomás de Iriarte oder auch Leandro Fernández de Moratín.
Ab 1788 nimmt die literarische Produktion von Ramón de la Cruz drastisch ab, sowohl qualitativ als auch quantitativ, bis 1792 das letzte Stück veröffentlicht wird. Ramón de la Cruz stirbt im März 1794 im Hause seiner Gönnerin, der Gräfin Benavente.
2 Zur Gattung der Sainete
2.1 Definition
Sainete bedeutete ursprünglich ein kleines Zwischenstück, das in der Pause nach dem zweiten Akt eingeschoben wurde (anolog dazu das entremés, das Zwischenstück nach dem ersten Akt). Mit Ramón de la Cruz hat sich der Begriff verdichtet auf die Stücke, die die von ihm geprägten Charakteristika aufweisen, wobei Cruz selbst die sainetes als soziales Dokument betrachtet, nämlich als: … ein kleines Stück ohne Handlung, mit einfachen Dialogen, in denen das komische Element vorherrscht. Die Figuren entstammen den unteren sozialen Schichten, die Laster und Lächerlichkeiten werden hervorgehoben und, mit einem Hauch von Boshaftigkeit, satirisch beleuchtet. Insgesamt hat Ramón de la Cruz ca. 540 sainetes über Typen und Sitten des niederen Volkes von Madrid verfaßt
2.2 Formales
Die sainete besteht i.d.R. aus zwei Teilen, von denen der erste meist kürzer, und der zweite oft von einem Ortswechsel nach dem ersten Höhepunkt begleitet ist. Nach dem zweiten Höhepunkt kommt die Lösung, oder der Schluß mit Tanz, einem Liedchen oder einer Entschuldigung „ob der vielen Mängel“.
2.3 Figuren
Aufgrund der Kürze der Stücke treten keine Einzelpersonen auf, sondern Volkstypen, die statt Eigennamen mehr oder weniger bezeichnende Spitznamen haben, und die in die Welt des Rokoko, in eine Mischung aus Vergnügen, Lachen und Liebe führen.
Die Personen sind nur grob gezeichnet und unterscheiden sich kaum von einer sainete zur anderen. Es treten Personengruppen auf, die zum täglichen Leben gehören (Maroniverkäufer, Obstverkäufer, Maurer, Schuster, Frisör), die eine bestimmte soziale Funktion haben (Edelmann, Petitmaître, Ehemann, Witwer, Fromme) oder andere, die durch ihre Herkunft charakterisiert sind (Bauer, Gallizier, Italiener, Schweizer).
Die Funktion des costumbrismo: herausragendes volkstümliches Element, das sich, zur Schaffung von Stereotypen, an volkstümlichen Eigenheiten (dialektale Färbung, Charaktereigenschaften) orientiert.
2.4 Sprache
Die sainetes sind meist in Romanzen verfaßt, denn Ramón de la Cruz lehnt Polymetrie ab, ohne jedoch zur Prosa zu kommen. Ausnahmen: Die Parodien Manolo, El muñuelo und Zara sind in heroischen Romanzen geschrieben, was als Kontrast zu den profanen Handlungen einen außergewöhnlich komischen Effekt hat.
2.5 Musik
Die Musik spielt eine wichtige, aber nicht die wichtigste Rolle. Dennoch sind Tänze, Gesänge, kleine Liedchen und Instrumentalmusik ein wichtiger Bestandteil in der Darstellung der Charaktere.
2.6 Szenerie
Die Handlung beginnt oder spielt sich oft ab auf einer öffentlichen Straße, einem öffentlichen Platz oder in einem Salon, der aber meist nur als Vorspiel zu einer größeren Szene genutzt wird.
2.7 Zusammenfassung
Cruz zeigt auf satirische Art und Weise die menschlichen Schwächen, sympathisiert aber gleichzeitig mit den Charakteren, die er moralisch tadelt. In einer Welt, in der die Oberflächlichkeit im Umgang und in den Gewohnheiten dominiert, hält er die alten Werte hoch, ohne jedoch seine Position deutlich herauszustellen: en un género menor, tono menor.
3 Zwanzig ausgewählte Stücke
01 Las delicias de prado (vgl. Figurenkonstellation)
Tonadilla general anónima, música de esteve
Figuren: La Chusca, una avellanera, una rosquillera, un vendedor de agua de cebada, dos franceses, un italiano, un regante… Ort: Szene auf dem Madrider Paseo del Prado
Inhalt: Ein Chor lobt immer wieder den Prado, ein Getränkeverkäufer versucht, seine Getränke auf katalanisch an den Mann zu bringen, eine Zuckerbrezelverkäuferin preist ihre Süßwaren an, ein Italiener gibt sein eigentümliches italienisches Spanisch zu besten, eine Französisch parliert in ebenso eigentümlichem französischen Spanisch. Mittendrin, als kleiner Handlungsstrang, die Chusca, maja, die zunächst ihren der Galanterie verfallenen Ehemann sucht, sich dann bei seinem Anblick bedeckt und zum Spaziergang einladen läßt, um sich dann zu zeigen. Es folgt ein kurzer Streit, gleich darauf die Versöhnung und Eigenschaften der maja (Chusca):
- Sprechender Name > schelmisch, witzig, nicht auf den Mund gefallen, schlagfertig - unflätige Ausdrucksweise gegenüber ihrem Mann (este perro marido de mala casta, v.58-59) - verzagt nicht am Benehmen ihres Mannes, sondern geht in die Offensive und schlägt ihn mit den eigenen Waffen
- ist aufbrausend und impulsiv, gleichzeitig aber auch sofort wieder versöhnungsbereit Eigenschaften des petimetre enamorado (Emeregildo): - Gehobene, fast lyrische Sprache (garbo y aire de conquistar, v.226/ 227) - ausgeprägtes Galanteriebedürfnis, Faible für das “schwache Geschlecht” - ordnet sich nach seiner “Entlarvung” sofort seiner Frau unter, bittet um Vergebung, obwohl klar ist, daß er bei nächster Gelegenheit wieder genauso reagiert.
Thema (vgl. 7) ist das “Zur-Schau-Stellen” der ehelichen Beziehung als Momentaufnahme einer typischen Situation, nicht das Ändern dieser Situation und/ oder das Entwerfen von Lösungen. Eigenschaften der petimetras 1+2: - antworten (abschätzend) auf italienisch auf die Galanterie des Italieners (v.83)
02 La merienda a escote (vgl. Figurenkonstellation)
Uraufführung: 4. Februar 1774 im Teatro de la Cruz mit der Schauspielertruppe von Eusebio Ribera 1 Besonders eindrucksvolle Beschreibung der Figuren von majo und maja.
Figuren: Espejo und Merino (usías), Polonia y Soriano, Cortinas, Tadeo, un gallego, Anita, u.a. Ort: die Straße, die Wohnung
Inhalt: Vorbereitungen für eine Vesper, die im Haus einer maja, Cortinas, abgehalten werden und zu der jeder der Gäste etwas beisteuern soll. Die Ankunft einiger ungeladener Gäste und das Erscheinen einer Geladenen mit einigen Freunden bringen das Vorhaben zum Scheitern: Anita, die die Möbel zur Verfügung gestellt hat, fordert diese sofort wieder zurück, als die von ihr mitgebrachten Bekannten nicht willkommen sind. Durch den daraus entstehenden Tumult aufmerksam geworden, erscheint der Alcalde, der jeden der Anwesenden nach Hause schickt. Grundproblematik: das Geld
Niemand hat genug für das, was er sein möchte: Tadeo leiht sich seinen “Eintritt” von Espejo, die usías selbst versuchen, umsonst teilzunehmen (Merino bezahlt), die Gastgeberin muß sich Möbel und Kleidung zusammenleihen, Vicente wartet auf Schecks, die mit der Post kommen sollen, Ausnahme: Anita la Borja
Eigenschaften der maja (Cortinas, vestida de mantilla): - siempre blasonando de cortejos y estafando a todos (Zitat Polonia, v.65-67) - leiht sich für die merienda alles zusammen, einschließlich der Kleidung, die sie trägt. Alle Geladenen müssen irgendetwas beisteuern (Naturalien, Geld) > mehr scheinen denn sein: kann sich die Gesellschaft alleine nicht leisten! > Beschreibung: casa pobre (S. 341) Soriano (majo, vestido de capa) - vulgärsprache (orinar fuera del tiesto, v.44)
1 Vgl. die Ausführungen zur Aufführungssituation bei Martín Largo, S. 181.
Polonia (maja)
- blumige Sprache mit zahlreichen umgangssprachlichen Ausdrücken und Redewendungen (con la sal que yo me dejo por esas calles, sazona todo Madrid los pucheros, v.96-98) - sieht den Eklat, daß la Rubia in zahlreicher Begleitung erscheinen wird, voraus (v.130-134) Tadeo (majo)
- leiht sich Geld von Espejo, benutzt diverse Ausreden, bis er zuletzt diejenige findet, die Espejo überzeugt (v.223-229) > picardía. Bestätigt sich im folgenden Kommentar Merinos: jamás a faltado a los pícaros un necio que les preste para vino, cigarros, mozas y juego (v. 240-244) Espejo, Merion (usías) - wollen als mosqueteros zur merienda
- werden bei ihrer Ankunft ablehnend behandelt, berufen sich auf la Rubia, müssen beim gallego bezahlen > erster Konflikt, der aber noch beigelegt wird (S.351) La Anita (Borja)
- scheint als einzige finanziell besser situiert zu sein
- kommt als letzte und bricht die Zusammenkunft auf, als ihre Begleiter nicht willkommen sind (v.544-546)
Auflösung: Auftreten des alcalde de barrio
03 Manolo (vgl. Figurenkonstellation)
Uraufführung: November 1769 mit der Schauspielertruppe von Juan Ponce 2
Die berühmteste der sainetes von Ramón de la Cruz, von der es sogar einen zweiten Teil gibt, der aber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vom Autor selbst stammt. Die Dialoge über Ehre, Schicksal und Heldentum in erscheinen in klassischen Elfsilblern und bilden einen auffallenden Kontrast zur Banalität des Gegenstandes.
Formales : Einakter, in 12 Szenen unterteilt, endecasílabos
Figuren : Manolo, Potajera, Matute, Chiripa, Remilgada, Mediodiente, Sabastián
Ort : die Straße Lavapiés, mitten in Madrid
Inhalt: Manolo kommt nach Verbüßung einer zehnjährigen Zuchthausstrafe in Ceuta nach Madrid
zur ück und findet manches verändert: seine Mutter Chiripa (glücklicher Zufall) hat den Kneipwirt
Matute (Schmuggelware) geheiratet, seine Geliebte, die Potajera (Eintopfköchin), hat sich in zwischen
mit Mediodiente (Halbzahn) getröstet, der nebenbei zärtliche Beziehungen zu Remilgada (Zierpuppe)
unterh ält, die nunmehr Manolo heiraten soll. Doch die Potajera fordert diesen unter Berufung auf ein
fr üheres Eheversprechen für sich. Als Manolo sich weigert, das Gesetz der Ehre zu befolgen, erliegt er
dem Messerstich Mediodientes, und nun sterben auf offener Szene nacheinander seine Mutter (aus
Mutterliebe ), Matute (aus Geiz, um die Beerdigungskosten nicht zahlen zu müssen) und Remilgada
(möchte ganz schnell sterben) Nur die Potajera kann sich davonmachen, um in ihrem Bett eines
w ürdigeren Todes zu sterben.
El Manolo, segunda parte, mit den Figuren Juan Pateta und Media Muela.
Inhalt: Juan Pateta (Hans der Deibel), der Sohn des ermordeten Manolo, fordert Halbzahns Sohn,
Media Muela, zum Duell, wird aber hinterrücks von seinem Rivalen erdolcht.
Parodie auf die klassische Komödie als Genre (Untertitel: tragedia para reír o sainete para llorar)
als Figurencharakteristik der majos/ majas etwas überzogen, denn die Figuren überschreiten die
Grenze der picardía in die eindeutige Illegalität (diverse Verbrechen incl. Mord)
Manolo
- Vulgärsprache (und schlechtes Spanisch (te se statt se te in v.348)) in klassischer Metrik: Dejad
que imprima en la manaza bella el dulce beso de mi sucia boca (v.190-192)
04 Los picos de oro (vgl. Figurenkonstellation)
Urauff ührung: 26. Oktober 1765 im Teatro del Príncipe mit der Schauspielertruppe von Nicolás de la
Calle. Eine der ersten sainetes mit moralischem Anspruch, wie der Autor selbst in seinem Vorwort
schreibt.
2 vgl den Kommentar von Martín Largo, 165
Figuren : Dª. Elena, ihre Freundinnen und Zofen, D. Luis María, seine Bekannten, ein Paje.
Ort : die (großbürgerlichen) Räume von Dª. Elena
Inhalt: D. Luis, el pico de oro, besucht Dª. Elena am Tag nach einem Fest, auf dem beide wohl
zugegen waren. Er verschafft sich Zutritt zu ihrem Haus mit der Behauptung, eine ihrer Freundinnen
lasse ihr durch ihn eine Nachricht bringen, doch stattdessen erzählt er ihr den neuesten Klatsch. Als sie
ihren Freundinnen von D. Luis erzählt, stellt sich heraus, daß alles erlogen ist, und die Frauen
überlegen sich eine List, ihn zu überführen. Sie laden eine Männerrunde zu sich und verstecken sich,
k önnen aber die aufschneiderischen Gespräche mithören. Eine nach der anderen tritt aus ihrem
Versteck hervor und konfrontiert den jeweiligen Sprecher mit seiner Angeberei und Lügnerei.
Do ña Elena, dama
- durchschaut den infamen Besucher sehr schnell (v.273-278 v.313-315 v.332-334) und positioniert
sich eindeutig auf Seiten der Freundin (v.302-304)
- ist nicht bereit, die Unverschämtheiten des D. Luis durchgehen zu lassen und entwickelt einen
Plan , ihn bloßzustellen.
- sinnt auf eine Strafe, die originell und lange sichtbar ist aufgekratzte Augenbrauen
Cruz und die Frauen:
vgl. La república de las mujeres (Cátedra, S. 44/ 45)
- Auswertung der Bedingungen in dem besprochenen Stück
- Auswertung der Rolle der Frauen in dem vorliegenden Stück
- Betrachtungen über die Frauen in Bezug auf mando in den anderen Stücken delicias: Frau
entlarvt ihren Mann merienda: zwei Frauen sind die Organisatoren und zentralen Figuren,
M änner als Fassade und Handlanger Nur ein Mann (alcalde) steht noch über den Frauen
Arbeit zitieren:
Magister Artium Clarissa Höschel, 2003, Zu: Ramon de la Cruz: "Sainetes", München, GRIN Verlag GmbH
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