Inhaltsverzeichnis
1. Informationssysteme im 21. Jahrhundert 1
1.1 Aktueller Bezug. 1
1.2 Zielsetzung 1
2. Prozessmodellierung. 2
2.1 Ebenen 2
2.2 Methoden zur Prozessmodellierung 2
2.3 Sichten der Prozessmodellierung. 2
2.2.1 UML 3
2.2.2 EPK. 3
2.2.3 Petri-Netze EPK 3
3. Darstellung der Architektur integrierter Informationssystem 4
3.1 Entstehung. 4
3.2 IDS Scheer AG 5
3.3 House of ARIS 5
3.3.1 Modellierungssichten. 6
3.3.1.1 Datensicht 6
3.3.1.1.1 Entitäten 6
3.3.1.1.2 Attribute 7
3.3.1.1.3 Identifikationsschlüssel 7
3.3.1.1.4 Entity-Relationship-Modell 7
3.3.1.1.5 Erweitertes Entity-Relationship-Modell. 8
3.3.1.1.6 Fachbegriffmodell 8
3.3.1.2 Funktionssicht 9
3.3.1.2.1 Funktionsbaum 9
3.3.1.2.2 Zieldiagramm. 10
3.3.1.3 Organisationssicht. 10
3.3.1.4 Steuerungssicht 11
3.3.1.4.1 Wertschöpfungskettendiagramm. 11
3.3.1.4.2 Vorgangskettendiagramm 12
3.3.1.4.3 Ereignisgesteuerte Prozesskette 12
3.3.1.4.4 Erweiterte Ereignisgesteuerte Prozesskette 13
3.3.1.4.5 Objektorientierte Ereignisgesteuerte Prozesskette 14
3.3.1.5 Leistungssicht 14
3.3.2 ARIS-Phasenmodell 14
4. Toolunterstützungen von ARIS. 16
4.1 Möglichkeiten und Einsatz 16
4.2 ARIS Platform 17
4.2.1 ARIS Strategy 17
4.2.2 ARIS Design 17
4.2.3 ARIS Implementation 17
4.2.4 ARIS Controlling. 18
4.2.5 ARIS in Verbindung mit SAP 18
5. Optimierung des Kreditantragsprozesses bei der DaimlerChrysler Bank 19
6. Fazit 20
Anhangverzeichnis 21
Literaturverzeichnis 36
1. Informationssysteme im 21. Jahrhundert
1.1 Aktueller Bezug
Um die Wettbewerbsfähigkeit aufrecht zu erhalten, wird die Prozessorganisation in einem Unternehmen immer notwendiger. Die Veränderung der wirtschaftlichen Umweltbedingungenbesonders der international aufgestellten Unternehmen - machen es notwendig, die Marktpositionierung permanent zu überprüfen. Nachfrageveränderungen, steigende Wettbewerbsdynamik in Europa und der weltweite Fall von Handelsbarrieren fordert die Unternehmen zu einer immer schnelleren Gestaltung von effizienten Strategien. Einen weiteren wichtigen Beitrag zum Erfolg liefern die Überprüfung und das Überdenken der innerbetrieblichen Ablaufprozesse.
Dabei müssen die einzelnen Geschäftsprozesse darauf untersucht werden, ob sie den gewünschten Beitrag zur Wertschöpfung des Unternehmens leisten. Das Ziel der Prozessorganisation ist, die Geschäftsprozesse optimal zu gestalten, um Probleme im ganzheitlichen Zusammenhang des Unternehmens zu sehen. Somit besteht die Möglichkeit nachhaltige Lösungen zu generieren, d.h. Verbesserung der Produktqualität, Steigerung der Arbeitseffizienz bis zur Qualitätszertifizierung.
Die Prozessmodellierung verläuft vom Entwurf bis zur Implementierung von Geschäftsprozessen mit Hilfe von Geschäftsprozessmanagementtools. Dafür stehen in der Regel grafische Edi-toren zur Verfügung. Allerdings konnte sich bis heute kein einheitlicher Standard für die Geschäftsprozessmodellierung durchsetzen.
Die von Prof. Wilhelm-August Scheer entwickelte "Architektur integrierter Informationssysteme" (ARIS) und das Softwarepaket "ARIS-Toolset" setzten sich auf dem Gebiet der Unternehmens-organisation und der betriebswirtschaftlichen Informationsverarbeitung vor allem im deutschsprachigen Raum durch.
1.2 Zielsetzung
Im Folgenden wird die Modellierung mit dem Informationssystem ARIS vorgestellt, wobei der Schwerpunkt in der betriebswirtschaftlichen Anwendung liegt.
Im zweiten Kapitel wird definiert, was die Prozessmodellierung ist, außerdem werden alternative Modellierungsansätze dargestellt. Anschließend wird die Entstehung als auch das Unternehmen, das die ARIS-Tools vertreibt, vorgestellt. Es wird weiterhin ins Detail der Architektur gegangen sowie die Sichten und Ebenen des Systems erläutert. Für die einzelnen Sichten werden ausgewählte Darstellungsformen vorgestellt. Im vierten Kapitel sollen die Einsatzmöglichkeiten des ARIS-Tools als auch der Einsatz anhand eines praktischen Beispiels erläutert werden. Speziell dazu wird die Verbindung von ARIS zu SAP aufgezeigt.
2. Prozessmodellierung
„Produkte sind das Ergebnis von (Unternehmens-) Prozessen.“ 1 Um Unternehmensprozesse zu beherrschen ist es erforderlich, diese auf einer abstrakten Ebene dazustellen. Durch die Modellierung von Prozessen wird von der Wirklichkeit abstrahiert und durch Verkürzung ein relevanter Abschnitt abgebildet. Komplexe Abläufe können auf diese Weise vereinfacht dargestellt werden und stehen für Analysen und Simulationen zur Verfügung.
Im Folgenden wird der Ablauf bzw. das Aufbaukonstrukt der Prozessmodellierung dargestellt.
2.1 Ebenen
Der Ebene der Prozessmodellierung vorgelagert, ist die strategische Ebene. Sie betrachtet die Geschäftsfelder eines Unternehmens inklusive der kritischen Erfolgsfaktoren. Die strategische Ebene dient der Strategieentwicklung, als Ergebnis von diesem Prozess bildet sich die Geschäftsfeldstrategie. Auf der Ebene der fachlich-konzeptionellen Ebene erfolgen im Rahmen des Prozess-Managements die Ableitung, die Modellierung und die Führung der entsprechenden Prozesse. Das Workflow-Management mit den Phasen der Modellierung, der Ausführung 2 und des Monitoring ist der Operativen Ebene zugeordnet.
2.2 Methoden zur Prozessmodellierung
Zur Klassifizierung der Methoden der Prozessmodellierung unterscheidet Gadatsch die Formalen Methoden in Skriptbasierte Methoden - auch Skriptsprachen genannt - und Grafische Methoden, die auch Diagrammsprachen genannt werden. 3 Mittels der Skriptbasierten Methode ist es möglich eine hohe Detaillierung zu erzielen, allerdings bei mangelnder Anschaulichkeit. Dies erschwert eine Interpretation und ist deshalb nur unter erschwerten Bedingungen in der Praxis nutzbar. Die Diagrammsprachen werden differenziert nach Objektorientiert, 4 Datenflussorientiert und Kontrollflussorientiert. Zu den Objektorientierten Ansätzen zählen Unified Modelling Language (UML) und Objektorientierte Ereignisgesteuerte Prozessketten (oEPK). 5 Flussdiagramme, Datenflussdiagramme und IDEF-Diagramme werden nach Gadatsch zu den Daten-flussorientierten Ansätzen gezählt. Eine sehr starke Verbreitung hat die Ereignisgesteuerte Prozesskette gefunden, die von Gadatsch zur Gruppe der Kontrollflussorientierten Ansätze gezählt wird. 6
2.3 Sichten der Prozessmodellierung
Zur besseren Übersicht der Prozessmodellierung werden die relevanten Aspekte mittels des Sichtenkonzepts in mehrere Sichten unterteilt. Die Sichtenbildung nach Gehring orientiert sich an den Grundelementen der Prozessmodellierung: dem Prozess, den organisatorischen Strukturen und den Daten. Nach Ansicht von Scheer ist eine Unterteilung nach Sichten sowie die zusätzliche Differenzierung nach Ebenen vorgesehen. Hingegen wird nach Österle nicht durch
1 Itm 2005, PDM und Engineering- Informationssysteme, 2005, Seite 386.
2 Siehe zu diesem Abschnitt: Gehring, Betriebliche Anwendungssysteme, 1998, Seite 51, Abb. 35.
3 Vgl. Gadatsch, Grundkurs Geschäftsprozessmanagement, 2005, S 66f.
4 Siehe dazu auch Heß, Wiederverwendung von Software, 1993, S. 60-71.
5 Ähnlicher Ansicht ist Itm 2005: Beispiele für Modellierungsmethoden, 2006, Seite 382ff.
6 Siehe zu diesem Abschnitt auch: Gadatsch, Grundkurs Geschäftsprozessmanagement, 2005, S 67.
Sichten, sondern durch Gestaltungsdimensionen - wie z.B. Organisation, Daten und Funktionen 7 - differenziert.
2.2.1 UML
In der Unified Modelling Language (UML) werden zahlreiche Methodenkonzepte zur objektorientierten Modellierung zusammengeführt. Hierzu zählen insbesondere die Methoden OOD von Booch, OOSE von Jacobson, OMT von Rumbaugh et al., RDD von Wirfs-Brock et al. und be- 8 züglich dynamischer Methoden die Entwicklungen von Harel in Form der State Charts.
Ein zentraler Begriff in der UML ist das Verhalten. Es kann sowohl für Objekte als auch für Operationen spezifiziert werden, dabei ist es dem jeweiligen Modellierer überlassen, sich für einen der Untertypen zur Verhaltensbeschreibung zu entscheiden. 9 Die wichtigsten Varianten sind Statecharts und Aktivitätsdiagramme, aber auch Interaktionsdiagramme und Use-Cases 10 sind möglich. Derzeit ist die Version 2.0 veröffentlicht.
2.2.2 EPK
Zur Konstruktion von Geschäftsprozessmodellen auf fachlich konzeptioneller Ebene hat sich, aufgrund ihrer Anwendungsorientierung und umfassenden Werkzeugunterstützung, insbeson- 11 Eswurde dere im deutschsprachigen Raum die Ereignisgesteuerte Prozesskette etabliert. 1992 am Institut für Wirtschaftsinformatik, Saarbrücken, in Zusammenarbeit mit der SAP AG entwickelt und ist zentrale Modellierungssprache der Architektur Integrierter Informationssys- 12 teme.
2.2.3 Petri-Netze EPK
Petrinetze stellen einen Formalismus zur Beschreibung nebenläufiger Prozesse dar. Professor Carl Adam Petri legte 1962 in seiner Dissertation "Kommunikation mit Automaten" die Grundlage für Petrinetze. Mehr als fünftausend Artikel haben sich seither mit diesem Thema beschäftigt.
Der Erfolg der Petrinetze gründet in ihrer einfachen und anschaulichen, zugleich aber auch formalen und ausdrucksstarken Natur und ihrem starken Bezug zur Praxis. Dieser äußert sich in der Vielzahl der durch Petrinetze beschreibbaren Systeme. Zahlreiche computergestützte Werkzeuge stehen heute bereit, um die Entwicklung, Validierung und Verifikation von Petri- 13 netzmodellen zu unterstützen.
7 Zu diesem Abschnitt siehe: Gadatsch, Grundkurs Geschäftsprozessmanagement, 2005. S 64ff, basierend auf Gehring, Betriebli-
che Anwendungssysteme, Hagen 1998.
8 Siehe Anlage 1.
9 Siehe dazu auch: Puhlmann et al: Prozessmodellierung, o.J. http://bpt.hpi.uni-potsdam.de/twiki/pub/Public/
SeminarPublications/ ReaderPM-Part1.pdf, 02. Juli 2006.
10 Siehe zu diesem Abschnitt vertiefend: Amberg: Business Engineering, http://www.wi3.uni-
erlangen.de:1901/lehre/lv/ws2002/BE/BE-ws02-06.ppt, 04.Juli 2006.
11 Ähnlicher Ansicht ist Nüttgens/ Rump, EPK, in: Desel/ Weske (Hrsg.): Prozessorientierte Methoden und Werkzeuge für die Ent-
wicklung von Informationssystemen, 2002, S. 64 - 77.
12 Vgl. vertiefend hierzu Abschnitt 3.3.1.4.3.
13 Vgl. zu diesem Abschnitt: o.V., Petri Netz World, 2006, http://www.informatik.uni-hamburg.de/TGI/PetriNets/, 08.08.2006.
3. Darstellung der Architektur integrierter Informationssystem
3.1 Entstehung
Als Professor August Wilhelm Scheer 1975 den neu gegründeten Lehrstuhl für Wirtschaftsin-formatik an der Universität des Saarlandes übernahm, versuchte er sich soweit wie möglich von der rasanten Entwicklung der Informationstechnik abzukoppeln. Er wollte ein Abstraktionsniveau bei der Beschreibung von betriebswirtschaftlichen Informationssystemen erreichen, das von diesen Entwicklungen nicht stark beeinflusst wird. Seine Vorlesungen sollten von der Technikentwicklung unabhängig sein, um der Halbwertzeit der permanenten Weiterentwicklung zu entgehen. Das ursprünglich gewählte Abstraktionsniveau, das er damals wählte, war die Beschreibung von Informationssystemen durch Datenmodelle. Es ging Scheer darum, den Einfluss der Informationstechnik auf neue betriebswirtschaftliche Organisations- und Entscheidungsprozesse zu analysieren. Durch die Datenmodelldarstellung konnte die Wirkung integrierter Informationssysteme dargestellt werden. Die integrierten Informationssysteme, wie sie später durch die ERP-Systeme vervollkommnet wurden, sind durch eine unternehmensweite Datenbank gekennzeichnet. Der logische Entwurf und die Beschreibung durch ein unternehmensweites Datenmodell war deshalb auch Zentrum seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit. Gleichzeitig wollte er mit der Verwendung von Datenmodellen, insbesondere der Sprache des Entity-Relationship-Modells, eine gemeinsame Sprache für die Spezialisten der Informationstechnik und dem Management erreichen. Nur wenn sich beide Gruppen inhaltlich verstehen, lassen sich die Möglichkeiten der Informationstechnik für neue Geschäftsmodelle, also neue digitale Produkte und neue Geschäftsprozesse nutzen.
Anfangs war die Methode des Entity-Relationship-Modells für die fachlich ausgerichteten Manager zu abstrakt. Das heißt, ein Leiter der Logistik kann nicht erst einen Kurs in Datenmodellierung absolvieren, wenn er ein neues Konzept zur Produktionsplanung entwickelt.
Daraufhin entwickelte Scheer mit dem ARIS-Konzept eine Architektur, die es Managern ermöglichte ohne einen Kurs in Petrinetzen, die Geschäftsideen zu formulieren. Es sollten Beschreibungsaspekte einbezogen werden, die zwar organisatorisch von Nutzen sind, aber nahezu gar nichts mit einem technischen Informationssystem zu tun haben. Mit dem ARIS-Haus wollte Scheer die gleichberechtigte Frage der Organisation, der Funktionalität und der benötigten Dokumente eines Geschäftsprozesses beschreiben. Um die Komplexität des Beschreibungsfeldes zu reduzieren, sollte dies zunächst voneinander losgelöst möglich sein, dann aber auch alle Zusammenhänge durch die eigens eingeführte Steuerungssicht erfassen.
Durch dieses dreistufige Phasenmodell, bestehend aus den Ebenen Fachkonzept, DV-Konzept und Implementierung, sollte auch eine Umsetzung der fachlich organisatorischen Beschreibungen in die Implementierungsebene der Systemwelt verfolgt werden. Später wurden die ARIS-Sichten um die Leistungssicht ergänzt, um die Ergebnisse eines Geschäftsprozesses bzw. aller Funktionen darzustellen. 14
14 Vgl. zu diesem Abschnitt Scheer/ Jost, ARIS in der Praxis, 2002, S. 2 f.
3.2 IDS Scheer AG
Im Jahre 1984 wurde die IDS Prof. Scheer Gesellschaft für integrierte Datenverarbeitungssysteme mbH als Spin-Off der Universität des Saarlandes, durch den Prof.Dr.Dr.h.c. August Wilhelm Scheer als Leiter des Instituts für Wirtschaftsinformatik (IWI), gegründet. Das Ziel bestand darin, wissenschaftliche Erkenntnisse für die Wirtschaft nutzbar zu machen, um Theorie und Praxis zu verbinden. Nach der Markteinführung des ersten UNIX-basierten Leitstandardsystems zur flexiblen, dezentralen Fertigungssteuerung 1989, wurde 1992 das ARIS-Toolset, als erstes Softwarewerkzeug zur Analyse und Beschreibung von Geschäftsprozessen eingeführt. 1994 erfolgten die Einführungen von Referenzmodellen für Branchen wie Papierindustrie, Automobil- und Kfz-Zulieferer, Chemie/Pharma und Energieversorger. Seit 1995 erfolgte die Internationalisierung durch Gründung von Tochterfirmen und Jointventures u.a. in den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und in der Schweiz. 15
Innerhalb Deutschlands hat die IDS neben dem Hauptsitz in Saarbrücken noch weitere Stand-orte. Seit 1999 ist die IDS Scheer AG an der Börse notiert und hat August Wilhelm Scheer als 16 größten Anteilseigner mit 41 %.
Weltweit sind über 2.500 Mitarbeiter für IDS tätig. Diese gestalten die Geschäftsprozesse seiner ca. 6000 Kunden in 70 Ländern verschiedenster Branchen, das heißt deren interne Abläufe sowie ihre Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden, effizient und kostengünstig. Im Jahr 2005 wurde ein Umsatz von 318 Mio. € erzielt. IDS Scheer deckt heute das gesamte Spektrum der IT-Beratung mit Themen wie dem Supply Chain Management, Enterprise Management und Customer Relationship Management das Geschäftsprozess-Engineering, das Product Lifecycle Management sowie Application Management, Business Process Outsourcing und Controlling 17 Support.
3.3 House of ARIS
Das House of ARIS 18 bildet ein Rahmenkonzept für die Einordnung von Beschreibungsverfahren aller Sichten und Ebenen. Die ganzheitliche Beschreibung von ARIS teilt sich in die Beschreibungssichten Daten-, Steuerungs-, Organisations-, Funktions- und Leistungssicht sowie die hinsichtlich ihrer Nähe zur Informationstechnik strukturierten Beschreibungsebenen Fachkonzept, DV-Konzept und Implementierung. Aufgrund der unterschiedlichen Einzelaspekte und Zusammenhänge der Sichten kann keine einheitliche Beschreibungssprache angewendet werden, daher müssen verschiedenartige problemspezifische Methoden wie die Datenmodellierung, Organigrammdarstellungen, Funktionsbeschreibungen und Produktstrukturen eingesetzt werden 19 .
Das ARIS-Konzept ist somit der allgemeine Bezugsrahmen für die Geschäftsprozessmodellierung und stellt ebenen- und sichtensspezifische Modellierungs- und Implementierungsmethoden bereit. Dabei dient das Konzept der Komplexitätsreduzierung der Geschäftsprozessbeschreibung 20 .
15 Vgl. o.V., Unternehmenskennzahlen, 2006, http://ipo.onvista.de, 20. Mai 2006.
16 Vgl. o.V., Aktionärsstruktur, www.ids-scheer.de, 20. Mai 2006.
17 Vgl. o.V. Unternehmensdarstellung, www.ids-scheer.de, 20. Mai 2006.
18 Siehe dazu Anlage 2.
19 Vgl. Scheer/ Jost, ARIS in der Praxis, 2002, S. 4.
20 Vgl. dazu Scheer, ARIS Modellierungsmethode, 1998, S. 2.
Durch die vollständige und systematische Beschreibung der Prozesse und deren Umsetzung in IT-Lösungen wird die Transparenz erhöht und eine gemeinsame Diskussionsbasis für unterschiedliche Personengruppen, wie z.B. der Unternehmensleitung, Fachanwender, Organisatoren und IT-Spezialisten, geschaffen. 21
3.3.1 Modellierungssichten
Der verfügbare Methodenvorrat in ARIS ist sehr umfangreich, da sehr viele Modelltypen unterstützt werden. Ein Schwerpunkt ist in der fachlichen Modellierung der Steuerungssicht zu erkennen, d.h. der Geschäftsprozessmodellierung, was den semantischen Schwerpunkt von ARIS unterstreicht. Da die Leistungssicht sich mit Definitionen von Produkten beschäftigt, stehen für die DV-Konzeption und Implementierung keine spezifischen Verfahren zur Verfügung, obgleich Leistungen in der Regel mit Computerunterstützung erstellt werden oder aus solchen bestehen. ARIS unterscheidet in die vier sekundären Sichten Organisationssicht, Datensicht, Funktionssicht und Leistungssicht. Die zentrale Sicht ist die Steuerungssicht. 22
3.3.1.1 Datensicht
Die Datenmodellierung hat die Aufgabe eine detaillierte Beschreibung der in den Geschäftsprozessen verwendeten Informationsobjekte und deren Beziehung zueinander darzustellen, die von Funktionen manipuliert werden. Die Modellierung stellt Zustandsdaten wie beispielsweise den Kundenstatus und Informationen zu Ereignissen (u.a. der Kundenauftrag ist eingetroffen) der Informationsobjekte dar. Als Informationsobjekt kann auch eine Kundendatenbank, eine Kundenbestellung mit allen Bestellpositionen oder ein einzelnes Datenfeld verstanden werden.
Bei den Beziehungen der Objekte ist festzulegen, ob es sich um komplexe Daten (z.B. Kundenstammdaten) handelt, die noch in Details zerlegbar sind oder um elementare Datenstrukturen (z.B. Postleitzahl). Die Beziehungen sind ein- oder mehrdimensional (ein Kunde hat mehrere Anschriften).
Das Ziel ist, die modellierten Datenstrukturen mittels eines Datenhaltungsbankverwaltungssystems (DBVS) abzubilden und zu verwenden. Aus diesem Grund wird ein fachlich orientiertes "Semantisches konzeptionelles Datenmodell" erstellt, das dann in einem zweiten Schritt in ein DBVS-gestütztes (für DV-Konzept) konzeptionelles Datenmodell überführt wird, welches für die Implementierung genutzt wird. Die fachliche Datenmodellierung kann in dem erweiterten Entity-Relationship-Diagramm (ERM) oder dem Fachbegriffsmodell erfolgen. 23
3.3.1.1.1 Entitäten
Grundlage der Datenmodellierung sind die Entitäten 24 . Dies sind individuelle und eindeutig identifizierbare Elemente der Datenwelt, die durch Eigenschaften beschrieben werden. Dabei kann es sich um beispielsweise reale Objekte wie Kunden (Personen), Lieferanten, Artikel (Dinge), Anlagen oder gedankliche Konstrukte wie Kosten, Preise oder Termine handeln.
Die einzelne Entität wie der Kunde Müller ist Bestandteil der Entitätsmenge "Kunde". Die zusammengefasste Entitätsmenge (Klassenbildung) mit gleichen Eigenschaften kann Entitäten beinhalten, allerdings mit unterschiedlichen Ausprägungen. Die Klassenbildung kann differen- 21 Vgl.Scheer, ARIS - Vom Geschäftsprozess zum Anwendungssystem, 2002, S. 149.
22 Vgl. Gadatsch, Grundkurs Geschäftsprozessmanagement, 2005, S. 113f, 116f.
23 Vgl. zum Abschnitt Scheer, ARIS, Modellierungsmethode, Metamodelle, Anwendungen, 1998, S. 68 und Gadatsch, Grundkurs
Geschäftsprozessmanagement, 2005, S. 121.
24 Synonym ist der englische Begriff Entity.
Arbeit zitieren:
Frederick Berger, Christian Priehs, 2006, ARIS - Architektur integrierter Informationssysteme, München, GRIN Verlag GmbH
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