Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
I. Gender und Gender Studies 2
1. Gender - Begriff, Kategorie und Bedeutung 2
2. Gender Studies - Entwicklung und Theorien 4
II. Medien und Gender 6
1. Medienproduktion - Die Entstehungsbedingungen 7
2. Medieninhalte - Was wird vermittelt? 8
3. Medienrezeption und geschlechtsspezifische Mediennutzung 10
III. Blick auf Japan
13
Schlussbetrachtung 14
Literaturverzeichnis 15
II
Einleitung
Was hat es überhaupt mit dem Begriff Gender auf sich und wie kann er in Zusammenhang mit den Medien gebracht werden? An welchen Stellen lassen sich Gender Studies und Medienwissenschaften verknüpfen? Diese zentralen Fragen sollen in der vorliegenden Arbeit beantwortet werden, mit dem Ziel, dem Leser einen Überblick über das Thema „Gender und Medien“ zu vermitteln. Dabei sollen sowohl die wesentlichen Forschungsinhalte, als auch die bisherigen Ergebnisse und noch ausstehende Desiderate der gender- bezogenenMedienwissenschaften aufgezeigt werden.
Zunächst wird es darum wichtig sein, eine Einführung in die Kategorie Gender und die damit verbundene Forschung, die Gender Studies zu geben. Anschließend werden die konkreten Schnittpunkte zwischen dieser und der medienwissenschaftlichen Forschung betrachtet, wobei auf die einzelnen Bereiche Medienproduktion, Medieninhalt und Medienrezeption nochmals gesondert und detaillierter eingegangen wird. Das letzte Kapitel, welches einen Blick auf die gender-bezogenen Medienwissenschaften in Japan wirft, stellt in dieser Arbeit eher einen Zusatz- bzw. Sonderpunkt dar. Aufgrund der Entstehung der Arbeit im Fach Japanologie scheint es angebracht, zumindest einen kurzen Ausflug in das Land der aufgehenden Sonne zu unternehmen. Dennoch musste das Kapitel aus Mangel an Sprachkenntnis sehr knapp ausfallen, da die in diesem Zusammenhang benutzte wissenschaftliche Literatur sich lediglich auf eine einzige Rezensionssammlung beschränkt (GÖSSMANN: Frauen und Medien. Neue Publikationen aus den Jahren 1991 und 1994). Für die anderen Kapitel wurde jedoch weitreichende Literatur zu Aspekten der medien-und kommunikationswissenschaftlichen, sowie der soziologischen und psychologischen Geschlechterforschung herangezogen.
Nun aber gleich zum ersten Kapitel, in dem sich die versprochene Einführung in die Gender-Thematik und der mit ihr verbundenen Forschung finden lässt.
1
I. Gender und Gender Studies
1. Gender - Begriff, Kategorie und Bedeutung
Möchte man den Begriff Gender in die deutsche Sprache übersetzen, so fällt es nicht leicht ein adäquates Wort zu finden. Gender bedeutet zwar im eigentlichen Sinne ‚Geschlecht’, aber dennoch muss man diese Übersetzung präzisieren. Gemeint ist hier nämlich nicht das biologische Geschlecht, welches seine englische Entsprechung in dem Wort ‚sex’ hätte, sondern das soziokulturelle Geschlecht.
An dieser Stelle würden sicherlich die meisten Menschen, die noch nie mit dem Gender- Begriff 1 konfrontiertwurden, fragen, was es denn damit auf sich hat. Die Antwort ergibt sich dabei schnell aus dem Begriff selbst: Das soziokulturelle Geschlecht ist eine soziale und kulturelle Konstruktion, die durch gesellschaftliche Erwartungen entsteht und durch zahlreiche Institutionen wie z.B. die Schule oder die Medien - teils bewusst, teils unbewusst − aufrechterhalten und beeinflusst wird. Dieser Sachverhalt kann durch ein ganz einfaches Beispiel erläutert werden:
Ein Kind wird geboren. Aufgrund seines biologischen Geschlechts - sprich: seiner Geschlechtsmerkmale - wird es beispielsweise als Mädchen klassifiziert. Nach geschehener geschlechtlicher Einordnung wird es zunächst durch die Eltern, dann durch sein gesellschaftlich und kulturell geprägtes Umfeld hinsichtlich Kleiderwahl, Haarschnitt oder etwa Spielzeugauswahl beeinflusst. So sind einem Mädchen in den meisten Kulturen z.B. Röcke, Kleider und Puppen vorbehalten, während diese Dinge für kleine Jungen oft Tabu sind 2 , was diese häufig zunächst nicht begreifen oder akzeptieren wollen. Ihnen werden stattdessen eher Autos oder technisches Spielzeug durch Eltern und Umgebung nahe gelegt.
So werden die Kinder bereits ab der Geburt in ein zweigeschlechtliches System ein-geordnet und der jeweils passenden Gender-Kategorie zugeordnet. Die Folgen dieser Zuordnung sind zum Einen die oben beschriebene geschlechtsspezifische Erziehung 3 und eine daran angepasste individuelle Sozialisation, zugleich aber auch die allgemeine Zuschreibung von unterschiedlichen Charaktereigenschaften für Zugehörige der beiden Kategorien „männlich“ und „weiblich“. Diese verschiedenen Eigenschaften bilden oft sogar Gegensatzpaare, wie z.B. stark - schwach, mutig - ängstlich oder aktiv - passiv, so
1 Näheres zum Gender-Begriff, siehe STEPHAN: Gender , Geschlecht und Theorie, S.58f.
2 Zur Abgrenzung der Jungen gegenüber allem Weiblichen, vgl. AUFENANGER: Neue Helden für die
Männer. Eine sozialisationstheoretische Betrachtung von Männlichkeit und Medien, S.76-78.
3 Mittlerweile existieren zwar auch Konzepte, die sich mit der genderfree education befassen, die jedoch bis
jetzt keine breite Basis finden konnten.
2
dass durch diese stereotypen Zuschreibungen die Polarisierung der Geschlechter weiter unterstützt wird. (MÜHLEN ACHS: Frauenbilder: Konstruktionen des anderen Geschlechts, 21f.) Eingebettet in ihr soziokulturelles Umfeld verinnerlichen die Kinder in der Regel die ihnen zugedachten geschlechtlichen Attribuierungen und wirken so durch die Selbstkonstituierung im Verlaufe ihrer Sozialisation am Entstehungsprozess ihres soziokulturellen Geschlechts mit. Dieser geschlechtsbildende Prozess, der in der Forschung mit doing gender bezeichnet wird, lässt sich durch das sehr prägnante und berühmte Zitat von Simone de Beauvoir auf den Punkt bringen: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.“ (Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht) Allerdings müsste diese Aussage auf den Mann erweitert werden, da dieser ebenso von der geschlechtlichen Einordnung und deren Folgen betroffen ist, wie die Frau.
Ausgehend vom biologischen Geschlecht werden also - je nach Gesellschaft und Kulturprototypische Wesensmerkmale zugeordnet, die als männlich oder weiblich bezeichnet werden. Aufgrund ihres biologischen Fundamentes 4 werden diese als naturgegebene Tatsachen dargestellt, während ihr eigentlicher Konstruktionscharakter dadurch verschleiert wird. So entsteht eine Ordnung der Geschlechter, die nach Budde im wesentlichen durch vier Merkmale gekennzeichnet ist: Die Dichotomie, d.h. die Zweigeschlechtlichkeit; die Exklusivität, d.h. die eindeutige Zuordnung zu einem der beiden Geschlechter; die Hetero-normalität, d.h., dass sich die beiden Geschlechter ergänzen und andere geschlechtliche Konstellationen als unnormal gelten; die Hierarchie, d.h. das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern, wobei zumeist die Männlichkeit der Weiblichkeit übergeordnet wird. (BUDDE: Die Geschlechterkonstruktion in der Moderne, 13f.). Einmal in eine Gender- Kategorieeingeordnet, lebt man in dieser Ordnung und geht im Alltag selbstverständlich damit um, oft sogar auch ohne sich dessen bewusst zu sein. Hier wird spätestens die Bedeutung der Kategorie Gender deutlich: Jeder ist von ihr betroffen und dennoch ist sie so tief in einem jeden verwurzelt, dass man sie tagtäglich als selbstverständlich hinnimmt. Doch es sollte ein Bewusstsein für das soziokulturelle Geschlecht geschaffen werden, da es die Kategorie des gesellschaftlichen Lebens ist, die am Unausweichlichsten und am Prägendsten ist oder mit Irene Neverlas Worten die vielleicht „tiefste Wurzel unserer Identität“. (NEVERLA: Televisionen. Zur Dekonstruktion der Geschlechterrollen, 297) Somit erklärt sich die Relevanz der Kategorie Gender, welche man − gemeinsam mit klassischen Kategorien wie Rasse und Klassebenötigt, um eine adäquate kulturelle Reflexion und Gesellschaftskritik zu ermöglichen.
4 Auch das biologische Geschlecht und die Benennung der beiden Geschlechter werden im dekonstruk-
tivistischen Ansatz der Gender Studies bereits als kulturelle Konstruktion betrachtet (siehe Kapitel I.2).
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Arbeit zitieren:
Susanne Schake, 2006, Gender und Medien - Ein Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
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