Der Frühkindliche Autismus - Behandlungs- und Fördermethoden
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Begriffsklärung. 2
2.1 Verhaltensauffälligkeiten 2
2.2 Entwicklungsstörungen. 2
2.3 Psychische Störungen. 3
3 Was unter Autismus verstanden wird 3
4 Symptomatik. 4
4.1 Wahrnehmung 5
4.2 Sprache 5
4.3 Motorik und autonome Funktionen 6
4.4 Sekundäre Verhaltensprobleme 6
4.5 Spezielle Fertigkeiten 6
5 Formen, Diagnostik und Epidemiologie von Autismus. 7
6 Behandlungs- und Fördermethoden 8
6.1 Allgemeine Prinzipien der Förderung 9
6.2 Frühförderung. 10
6.3 Verhaltenstherapie 11
6.4 Körperbezogene Verfahren 14
6.5 Pädagogische Programme 15
6.6 Medikamentöse Therapie 16
6.7 Krisenintervention. 18
6.8 Neuere Trends in der Behandlung. 19
7 Verlauf und Prognose 20
8 Resümee 22
Literaturverzeichnis 24
1 Einleitung
Kaum eine andere Entwicklungsstörung hat weltweit Wissenschaftler so beschäftigt wie der frühkindliche Autismus. Und fragen wir jemanden, was er sich unter Autismus vorstellt, so erfahren wir in der Regel etwas über die gängigen Klischees: zwanghafte Rituale, bizarre Reaktionen, gestörter Blickkontakt und eigentümliche Verhaltensweisen. Des Weiteren erfährt man, dass diese Kinder zurückgezogen leben und kaum sprechen, jedoch seien sie hochintelligent und haben ein ausgezeichnetes Zahlenverständnis und können so, wie in vielen Filmen aus Hollywood zu sehen, die schwierigsten und geheimsten Computercodes knacken.
Im nachfolgenden Zitat beschreibt jedoch eine französische Schriftstellerin das Anders-Sein ihres Sohnes wie folgt: „Von deinem ersten Lebensjahr an, Julien-Hugo, und in den ersten Jahren danach hast du dich seltsam entwickelt, denn du weigerst dich zu sprechen, zu kauen, deine Notdurft zu verrichten. Stundenlang bliebst du reglos, mit abwesendem Blick sitzen. Deine Hauptbeschäftigung bestand darin, irgendwelche Gegenstände zu drehen, aber du schriest, wenn man etwas zu dir sagte oder wenn man dich in den Arm nehmen wollte. Du schriest, sobald man nur deinen Namen aussprach. Dabei habe ich versucht, ihn auf tausenderlei Arten zu modulieren. Doch das ändert nichts, es war unmöglich, dich zu rufen.“ 1
Was steckt nun hinter dieser für die meisten geheimnisvollen Krankheit? Diese Arbeit stellt das Krankheitsbild des frühkindlichen Autismus vor. Was für Behandlungsmöglichkeiten gibt es und was kann mit ihnen erreicht werden? Kann man Autismus vielleicht sogar heilen? Diese Fragen sollen Gegenstand des Kapitels 6 über Behandlungs- und Fördermethoden sein. Hierfür sind jedoch auch Kenntnisse über Symptome von Bedeutung.
1 Slotta, Ina: Autismus. Der nicht gelungene Umgang mit Verschiedenheit. Dortmund 2002,
S. 21
- 1 -
2 Begriffsklärung
Um professionelle Hilfe leisten zu können, muss man einige Begriffe kennen und differenzieren können, denn wenn alle Problematiken unterschiedslos behandelt werden, wird es kaum möglich sein, den Klienten die Hilfe zur Verfügung zu stellen, die sie individuell benötigen.
2.1 Verhaltensauffälligkeiten
Dieser Begriff wird in der Pädagogik anders verstanden als in der Psychiatrie. In der Pädagogik handelt es sich um ein soziales und pädagogisches Problem, vornehmlich als Störung der Interaktion und Beziehung, wobei es in der Psychiatrie als eine individuelle und pathologische Störung gesehen wird. 2
Diese unterschiedliche Definition ist wichtig für den Therapieansatz. In der Pädagogik sind umfeldbezogene oder pädagogische Hilfen und Interventionen sowie eine psychosoziale Begleitung von Bedeutung. In der Psychiatrie hingegen steht die psychiatrische bzw. psychopharmakologische Behandlung im Vordergrund. 3
Probleme beim Umgang mit diesem Begriff zeigen sich unter anderem darin, dass diese Auffälligkeiten oft einseitig und als negative oder abweichende Störung und nicht als aktives und letztendlich sinnvolles Handeln der Person und als Störung der Person-Umwelt-Beziehung gesehen werden. Hinzu kommt die hohe und subjektiv bestimmte Definitionsmacht der Helfer. 4
2.2 Entwicklungsstörungen
Über den Begriff der Entwicklungsstörung existieren verschiedene Definitionen:
„Sammelbezeichnung für psychische Erkrankung im Kleinkind- und Kindesalter mit Beeinträchtigung mehrer Entwicklungsbereiche (z. B. soziale Interak- 2 Vgl.Theunissen, Georg: Krisen und Verhaltensauffälligkeiten bei geistiger Behinderung
und Autismus. Stuttgart 2003, S. 6
3 Ebd., S. 6
4 Ebd., S. 6
- 2 -
tion, Kommunikation, Stereotype); Vorkommen z. B. beim frühkindlichen Autismus“. 5
Als Entwicklungsverzögerung wird die „gegenüber dem Lebensalter bestehende Verzögerung der körperlichen und/oder intellektuellen Entwicklung als Reifungsverzögerung, -hemmung“ bezeichnet. 6
2.3 Psychische Störungen
Die Bezeichnung psychische Störung ist in vielen Punkten noch ungeklärt. Nach dem medizinischen Verständnis stellt eine psychische Krankheit eine behandlungsbedürftige Störung der psychischen und/oder kognitiven Funktionen dar, die nach dem Kategoriensystem der Psychopathologie klassifiziert wird. Dieses System ist jedoch sehr statisch und kategorial und bei einer näheren Betrachtung wird die Bestimmung von psychischer Krankheit komplizierter. 7
3 Was unter Autismus verstanden wird
Der Begriff Autismus wurde 1911 vom Schweizer Psychiater Eugen Bleuler eingeführt, der damit ein Grundsymptom der Schizophrenie beschrieb. In den Vierziger Jahren wurde dieser Begriff von dem amerikanischen Kinderpsychiater Leo Kanner und dem österreichischen Pädiater Hans Asperger wieder aufgenommen. Sie beschrieben damit autistische Störungsbilder bei Kindern, die sich jedoch nicht aktiv in eine Phantasiewelt zurückziehen, wie es Bleuler in seiner Definition von Autismus beschreibt, sondern von Geburt an unfähig oder eingeschränkt fähig sind, soziale Kontakte zu entwickeln. Da der Begriff inzwischen weltweit gebräuchlich war, wurde er beibehalten. 8 Der Autismus wird innerhalb der Internationalen Klassifikation der WHO (World Health Organization) in der ICD-10 klassifiziert. Zentrales Merkmal ist die Beeinträchtigung des Kontakts zur gesamten Umwelt, wobei in besonde- 5 Pschyrembel:Klinisches Wörterbuch. Berlin 2002, S. 453
6 Roche: Lexikon Medizin. 1999.
7 Vgl. Theunissen 2003, S. 7
8 Vgl. Remschmidt, Helmut: Autismus. München 2000, S. 9
- 3 -
rer Weise der soziale Kontakt betroffen ist. Darüber hinaus ist in gleicher Weise die Auseinandersetzung mit der Dingwelt verändert. 9 Besonders in populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen werden diese Kinder immer wieder mystifiziert. Sie werden als Kinder beschrieben, die nicht in dieser Welt leben und im eigenen Ich gefangen seien. Es handelt sich jedoch um ein Krankheitsbild, und diese Kinder haben eine andere, meist eigene Art, ihre Umwelt zu identifizieren und letztendlich mit ihr umzugehen. 10
Zusammenfassend hat sich meist vor dem dritten Lebensjahr eine tief greifende Entwicklungsstörung 11 mit folgenden typischen Beeinträchtigungen manifestiert: 12
• qualitative Beeinträchtigung der zwischenmenschlichen Beziehung (Kontaktstörung)
• qualitative Beeinträchtigung der verbalen und non-verbalen Kommunikation sowie der Fantasie (Kommunikationsstörung, aufgehobene oder verzögerte Sprachentwicklung)
• deutlich beschränktes Repertoire von Aktivitäten und Interessen
Es sei erwähnt, dass nicht alle Lehrbücher dieses Krankheitsbild einheitlich beschreiben.
4 Symptomatik
Symptome sind wichtig für das Erkennen einer Krankheit. Des Weiteren lassen diese eine Differenzierung der Krankheit zu, denn selbst in einem Krankheitsbild gibt es feine Unterschiede, die ganz entscheidend für die Auswahl der richtigen Therapie sind.
9 Vgl. Rollett, B./Kastner-Koller, U.: Praxisbuch Autismus. Stuttgart 1994, S. 232
10 Vgl. Dzikowski, Stefan: Ursachen des Autismus. Weinheim 1993, S. 8 f.
11 Vgl. Pschyrembel 2002, S. 158
12 Vgl. Rollett/Kastner-Koller 1994, S. 232 f.
- 4 -
4.1 Wahrnehmung
Ausgesuchte Beispiele für Störungen der Wahrnehmung: 13
• Aufhorchen bei speziellen, meist leisen Tönen; Nichtreagieren auf bestimmte, meist laute Geräusche; oft unerklärliche Angst bei unbekannten Geräuschen
• Bevorzugung bestimmter Lichtreize, z. B. Glitzern, Spiegelungen usw.; Vorliebe für optisch-strukturelle Muster auf z. B. Teppichen, Puzzeln, Tapeten; Vorliebe für winzige Krümel, kleine Flusen, Falten der Kleidung usw.
• Stereotypes Bewegen von Händen und Fingern vor den Augen; häufiges Belecken, Betasten, Befühlen, Beschnüffeln, Beklopfen von Personen und Gegenständen
• Oft mangelnder Blickkontakt; Tendenz, nicht die Gesamtheit eines Gegenstandes oder einer Person wahrzunehmen
• Ungewöhnliche Reaktionen auf Berührungen; Neigung, sich selbst Schmerzen zuzufügen; wenig Reaktionen auf Kälte, Hitze, Schmerz oder seltsamen Geschmack
• Sonderbare Reaktionen auf bestimmte Sinneseindrücke, z. B. Augen bedecken bei Geräuschen oder Ohren zuhalten bei hellem Licht
4.2 Sprache
Eine Auswahl von Symptomen, die die Sprache betreffen: 14
• Fehlendes Sprachverständnis und/oder fehlende aktive Sprache; Kommunikation mit einzelnen Lauten oder Wörtern
• Stereotype nicht-kommunikative Lautäußerungen; wenig oder fehlende Gestik und Mimik; konkretistisches Sprachverständnis; Artikulationsschwierigkeiten
13 Vgl. Dzikowski 1993, S. 9 f.
14 Ebd., S. 10.
- 5 -
Arbeit zitieren:
2005, Der frühkindliche Autismus - Schwerpunkt: Behandlungs- und Fördermethoden, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Sozialisation in der Erziehung mit Medien und die Bedeutsamkeit von Me...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 17 Seiten
Autismus und soziale Integration - soziale und therapeutische Hilfeans...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 20 Seiten
Förderschwerpunkt Autismus: Symptome, Ursachen, Therapieansätze
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Prüfungsangst und Prüfungsneurose
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Zwischenprüfungsarbeit, 24 Seiten
Behinderung als pädagogisches Problem
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Referat (Ausarbeitung), 19 Seiten
Autismus - Symptome, mögliche Ursachen und Behandlungsformen
Psychologie - Persönlichkeitspsychologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Kunsttherapie im Umgang mit Essstörungen - Psychotherapeutische und so...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 146 Seiten
Frühkindlicher Autismus - Symptome, Ursachen und Therapien
Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Über Kohlbergs Stufentheorie zur „Moralische(n) Entwicklung“
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 22 Seiten
Die Berlin-Krisen 1948 und 1961
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Hausarbeit, 28 Seiten
Film Farsi - Der Film und die Gesellschaft Irans
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Seminararbeit, 25 Seiten
Die Entwicklung von Selbst- und Fremdverantwortung in der Erziehungshi...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 147 Seiten
Anonym's Text Der frühkindliche Autismus - Schwerpunkt: Behandlungs- und Fördermethoden ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Anonym hat den Text Der frühkindliche Autismus - Schwerpunkt: Behandlungs- und Fördermethoden veröffentlicht
Therapieformen bei frühkindlichem Autismus und deren praktische Anwend...
Diplomarbeit zur Erlangung des...
Anuschka Dörr
Behandlung von Colitis und Morbus Crohn
Praxisreihe Traditionelle Chin...
Barbara Kirschbaum, Josef Hummelsberger, Mazin Al Khafaji
Gruppenangebote zur Förderung ...
Anne Häußler, Christina Happel, Antje Tuckermann, Mareike Altgassen, Katja Adl-Amini
Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS)
Ein Praxishandbuch für Therape...
Vera Bernard-Opitz
0 Kommentare