Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 5
2 Begriffsabgrenzung: Netzpublikationen 9
2.1 Überblick. 9
2.2 Typen von Netzpublikationen. 10
2.2.1 Netzpublikationen mit Entsprechungen aus der Printwelt. 10
2.2.2 Webspezifische Netzpublikationen. 11
2.2.2.1 Websites 11
2.2.2.2 Online-Datenbanken 12
2.2.2.3 Linksammlungen. 12
2.2.2.4 Weitere 13
2.3 Weitere Einteilungen von Netzpublikationen. 13
2.4 Wichtige Netzpublikationen 13
2.4.1 Online-Dissertationen 13
2.4.2 Online-Zeitschriften 14
2.4.3 E-Books. 15
3 Umfrage 16
3.1 Durchführung der Umfrage. 16
3.2 Aufbau des Fragebogens. 16
3.3 Pretest. 17
3.4 Befragung. 18
4 Selektion und Beschaffung. 20
4.1 Phasen in der Beschaffung von Netzpublikationen 21
4.2 Selektionskriterien 23
4.3 Hilfsmittel, Informations- und Beschaffungsquellen. 27
4.4 Produkttests. 29
4.5 Bezahlung, Lizenzverträge und Freischaltung. 30
5 Erfassung und Katalogisierung. 35
5.1 Überblick. 35
5.2 Formalerschließung für den OPAC nach traditionellen Regelwerken 36
5.3 Linksammlung 39
5.4 Formalerschließung durch Metadaten. 40
5.4.1 Überblick. 40
5.4.2 Dublin Core. 41
5.4.2.1 Überblick. 41
5.4.2.2 Dublin Core Element Set 41
5.4.2.3 META-LIB 43
5.4.3 RDF. 44
5.5 Erschließung für den OPAC und für eine auf Dublin Core basierende
Datenbank - das Modell CORC 45
5.6 Sacherschließung 46
5.7 Automatisierte Erschließung. 46
2
6 Identifikation und Zitierbarkeit von Netzpublikationen - Persistent
Identifiers.................................................................................................................. 48
6.1 Überblick 48
6.2 Das Handle-System 49
6.3 Digital Object Identifier (DOI) 50
6.4 Persistent Uniform Resource Locator (PURL) 51
6.5 Uniform Ressource Names (URN) 51
7 Langzeitarchivierung und Verfügbarmachung 55
7.1 Archivierung. 55
7.1.1 Emulation 57
7.1.2 Migration 58
7.1.3 Metadaten für die Langzeitarchivierung 60
7.1.4. OAIS 62
7.2 Bereitstellung. 67
8 Ständige Arbeiten an Netzpublikationen. 73
9 Fazit und Ausblick 75
10 Literaturverzeichnis 77
11 Anhang. 83
I. Umfrage. 83
I.i Anschreiben an die Teilnehmer des Pretests 83
I.ii Antworten aus dem Pretest 84
I.iii Anschreiben an die Teilnehmener der INETBIB 88
I.iv Gezielte Anschreiben an Bibliotheken 88
I.v Fragebogen 89
I.vi Ergebnisse der Umfrage 95
II. Hilfsmittel, Informations- und Beschaffungsquellen. 107
II.i Kostenpflichtige Datenbanken 107
3
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Integrierter Geschäftsgang
Abbildung 2: Typen von Netzpublikationen.
Abbildung 3: Nutzung der Testphase.
Abbildung 4: Wozu nutzen Sie die Testphase?
Abbildung 5: Beziehen Sie Netzpublikationen über Konsortialverträge?
Abbildung 6: Wo verzeichnen Sie Netzpublikationen?
Abbildung 7: Besteht die Möglichkeit, bei der Katalogisierung für den OPAC weitere
Hinweise auf die Zugriffsmodalitäten einzufügen?
Abbildung 8: Welche Regelwerke verwenden Sie?
Abbildung 9: Erfassung von Persistent Identifiern
Abbildung 10: OAIS - Funktionale Einheiten.
Abbildung 11: Informationsmodell.
Abbildung 12: Prozessmodell
Abbildung 13: Welche Retrievalmöglichkeiten bieten Sie für Netzpublikationen?
Abbildung 14: Welche Hilfestellungen bieten Sie bei Fragen zu Netzpublikationen an?
Abbildung 15: Bewerbung von Netzpublikationen
Abbildung 16: Wie stellen Sie sicher, dass Links zu externen Publikationen korrekt sind?
Abbildung 17: Welche Pflegearbeiten führen Sie regelmäßig durch?
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Akzeptanz von Netzpublikationen
Tabelle 2: Dublin Core Element Set
Tabelle 3: Akzeptanz von Netzpublikationen
Tabelle 4: Kostenpflichtige Datenbanken.
Tabelle 5: Kostenpflichtige Elektronische Zeitschriften.
Tabelle 6: Kostenpflichtige Elektronische Handbuecher und E-Books.
Tabelle 7: Kostenlose Netzpublikationen
1 Einleitung
Als Netzpublikationen oder Online-Publikationen bezeichnet man elektronische Publikationen, die nicht auf einem physikalischen Datenträger, sondern über Netze verfügbar sind.
Digitale Veröffentlichungen verzeichnen einen stetig wachsenden Anteil im Publikationsbereich, wobei sich eine deutliche Verschiebung von Offline-Produkten zu Online-Produkten feststellen lässt. Interessant in dieser Hinsicht ist nicht nur der Übergang auf ein neues Medium (Computer), sondern dass dieses Medium auch ganz neuartige Publikationsformen zulässt, wie zum Beispiel dynamische oder interaktive Dokumente, so genannte Multimedia Publikationen. 1
Im Jahr 2004 wurde beschlossen, auch Netzpublikationen in den Sammelauftrag Der Deutschen Bibliothek mit einzubeziehen. Dies geschieht zunächst auf freiwilliger Basis. Das „Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG)“, welches eine Pflichtablieferung von Netzpublikationen vorsieht, ist vom Bundestag jedoch bereits beschlossen worden. 2 (3)
Spätestens seit diesem Zeitpunkt ist klar, dass der Stellenwert von Netzpublikationen mit dem von Monografien und Zeitschriften gleichzusetzen ist.
In weniger als 10 Jahren hat sich das Internet in fast jedem gesellschaftlichen Bereich ausgebreitet und es haben sich viele verschiedene Veröffentlichungsformen, von privaten Webseiten über Zeitschriftenartikel bis hin zu Artikeln in Open Archives, entwickelt.
Dennoch befindet sich die Entwicklung von einer „Wissenschaft auf Papier“ zu einer netzbasierten Wissenschaft noch am Anfang. In den „Empfehlungen zum elektronischen Publizieren an Hochschulen“ weist die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation (DINI) darauf hin, dass eine Umwälzung des wissenschaftlichen Publikationswesens stattfindet. Interessant sei vor allem die Möglichkeit Publikationsvorhaben, die auf traditionellem Wege nicht finanzierbar wären, preisgünstig über das Internet zugänglich zu machen. 4
1 vgl.: Lehmann, Klaus-Dieter (1999): Die Deutsche Bibliothek als digitale Depotbibliothek im europäischen Kontext (WWW-Seite, Stand: ?). Internet: http://www.informatik.unileipzig.de/~graebe/projekte/MAT/digit_depot.html (Zugriff: 21.11.2005).
2 vgl.: Deutscher Bundestag - Plenarprotokoll 16/32- Stenografischer Bericht - 2. Sitzung - Berlin, Donnerstag, den 6. April 2006, (PDF-Datei, Stand: 06.04.2006), Internet: http://dip.bundestag.de/btp/16/16032.pdf (Zugriff: 10.05.2006), S. 2860. 3 Wann das Gesetzt entgültig in Kraft tritt ist zu diesem Zeitpunkt (15.05.2006) noch nicht klar. Der Gesetzentwurf ist abrufbar unter: http://www.ddb.de/wir/pdf/dnbg_druck.pdf (Zugriff: 10.05.2006).
4 vgl.: Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren DINI (2002): Elektronisches Publizieren an Hochschulen -
5
Oft wird das Internet bzw. werden digitale Veröffentlichungen als Bedrohung für den klassischen Buchmarkt und die klassische Bibliothek gesehen. Verschiedene Studien der Stiftung Lesen zeigen allerdings, dass das Buch keineswegs in Gefahr ist, durch digitale Texte völlig verdrängt zu werden. Tiefere Lektüre vollzieht sich immer noch anhand von Büchern oder ausgedruckten Texten. Auch zeigt sich, dass digitale Texte von denjenigen Lesern mehr genutzt werden, die ohnedies schon viel lesen. Netzpublikationen stellen also eher eine Bereicherung als eine Gefahr dar. 5
In vielen Fällen sind Internetnutzer mit der unstrukturierten Masse an Informationen im Internet überfordert. Automatische Suchmaschinen wie Google oder Yahoo bieten nur einen geringen Teil der Informationen in einer Struktur an. Um relevante Publikationen zu finden, muss eine Reihe von Suchmaschinen und Portalseiten bemüht werden. O'Neil et al. stellen den Stellenwert von Bibliotheken in diesem Zusammenhang heraus.
„Libraries serve as more than just repositories of information. In addition, the information is organized and indexed to facilitate searching and retrieval. A complaint that has often been made about the Web [sic] is that it lacks this organization. Searching is done using „brute force“ methods such as keyword indexing, often without context or additional search criteria. Some improvements have been made from the earliest days of the Web [sic]: the search engine Google, for example, employs relatively sophisticated algorithms that rank search results based on linkage patterns and popularity.“ 6
Traditionell haben Bibliotheken immer Wissen gesammelt und zur Verfügung gestellt. Alice Keller weist in ihrem Artikel „Dienstleistungsangebote von Bibliotheken in elektronischer Form“ auf den bereits abgeschlossenen, oder zumindest gerade ablaufenden Paradigmenwechsel im Bibliothekswesen hin. Sie stellt zwei Neuausrichtungen bzw. Neubewertungen heraus: zum einen den Wechsel von der Bestandsorientierung zur Beschaffungs- oder Nachweisorientierung und zum anderen die Veränderung im Arbeitsverhalten bzw. bei der Informationsbeschaffung aktiver und potenzieller Bibliotheksbenutzer. So werden Netzpublikationen immer häufiger nachgefragt und
Empfehlungen [März 2002](PDF-Datei, Stand 01.03.2003). Internet: http://edoc.hu-berlin.de/series/dini-schriften/1-de/PDF/1-de.pdf (Zugriff: 25.11.2005) PI: urn:nbn:de:kobv:11-10045992.
5 vgl.: Dehm, Ursula u.a.(2002): Bücher - „Medienklassiker“ mit hoher Erlebnisqualität. In: Media Perspektiven 10/2005. bzw. Stiftung Lesen Hrsg. (2002): Gutenbergs Folgen - Von der ersten Medienrevolution zur Wissensgesellschaft: Stiftung Lesen. Baden-Baden. bzw. Boesken, Gesine (2001): Lesen am Bildschirm. In: Leseverhalten in Deutschland im neuen Jahrtausend. Stiftung Lesen, Mainz, (Zugriff: 10.04.2005). S. 127-149.
6 O‘Neill, Edward; Lavoie, Brian; Bennett, Rick (2003): Trends in the Evolution of the Public Web 1998 -2002. In: D-Lib Magazine 9 (2003), 4. Internet: http://www.dlib.org/dlib/april03/lavoie/04lavoie.html (Zugriff: 20.04.2006).
6
Bibliotheken in diesem Zusammenhang vielfach auch von zu Hause aus genutzt. 7
Lehmann warnt allerdings davor, sich als Bibliothek auf nur ein Medium zu beschränken. Aktualität, Umfang und Art der Information sowie des bevorzugten Mediums wechselten von Disziplin zu Disziplin und von Benutzergruppe zu Benutzergruppe. Die neuen Freiheiten, die uns die Digitalisierung beschere, seien so auch als Chance zu sehen, besser auf die Bedürfnisse verschiedener Bibliotheksbenutzer eingehen zu können. 8
Um die große Flut von Netzpublikationen in einem geordneten System verfügbar zu machen, wurde in den letzten zehn Jahren eine Reihe von Ansätzen entwickelt. Grundsätzlich lassen sich die Ansätze in zwei Richtungen unterteilen. Eine Richtung verfolgt Die Deutsche Bibliothek, bei der die Netzpublikationen von den Verlegern gezielt in einem Archiv abgelegt werden. Andererseits wird versucht, das Netz bzw. Inhalte davon mit Hilfe von Suchmaschinen automatisch sammeln zu lassen (z. B. im Internetarchiv, siehe http://www.archive.org) oder manuelle Linksammlungen zu erstellen.
Unabhängig davon, welcher dieser Ansätze verfolgt wird, muss für dieses neue Medium auch eine neue Art von Geschäftsgang an den Bibliotheken entwickelt werden.
Thomas Hilberer weist darauf hin, dass diese Netzpublikationen nach ihren spezifischen Eigenarten behandelt werden und gleichzeitig möglichst kosten- und zeiteffizient verarbeitet werden sollen. Dementsprechend solle der Geschäftsgang nur dort von dem in der Bibliothek Üblichen abweichen, wo es erforderlich ist. Ein Ziel dabei ist, dass alle Medien möglichst denselben Geschäftsgang haben, um einen möglichst einheitlichen, rationellen und kostengünstigen Geschäftsgang durchführen zu können. 9
Um Netzpublikationen erfassbar und suchbar machen zu können, wurden eine Reihe verschiedener Standards entwickelt. Basierend auf den Beschreibungselementen vom Dublin Core wurden weitere Sets von Datenfeldern entwickelt, wie zum Beispiel MetaDiss zur Beschreibung von Dissertationen. Die Fragen nach der Authentizität und der Langzeitarchivierung digitaler Dokumente sind bis zum heutigen Zeitpunkt noch nicht
7 vgl.: Keller, Alice; Neubauer, Wolfram (1999): Dienstleistungsangebote von Bibliotheken in elektronischer Form. Eine Benutzungsstudie an der ETH-Bibliothek. In: nfd 50(7), S. 410.
8 vgl.: Lehmann, Klaus-Dieter (1999): Die Deutsche Bibliothek als digitale Depotbibliothek im europäischen Kontext (WWW-Seite, Stand: ?). Internet: http://www.informatik.unileipzig.de/~graebe/projekte/MAT/digit_depot.html (Zugriff: 21.11.2005).
9 vgl.: Hilberer, Thomas (2000): Geschäftsgang elektronischer Dissertationen. Einfach und schnell. (PDF-Datei, Stand ) Internet: http://bibliotheksdienst.zlb.de/2000/2000_10_Betriebsorganisation01.pdf, (Zugriff: 20.04.2006). S. 1611.
7
ausreichend geklärt.
Eine Vielzahl verschiedenster Lösungsansätze zur Verfügbarmachung von
Netzpublikationen werden zurzeit parallel entwickelt und weiterentwickelt. Ziel der Arbeit ist es, dem Leser einen umfassenden Überblick über verschiedene Möglichkeiten des Geschäftsganges von Netzpublikationen an Bibliotheken zu geben.
Es werden die verschiedenen Arten von Netzpublikationen dargestellt und die Möglichkeiten sowie Hilfsmittel zur Selektion, Erwerbung, Katalogisierung und Archivierung vorgestellt und miteinander verglichen.
Die rechtlichen und technischen Schwierigkeiten werden dabei allerdings nur am Rande behandelt. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf den derzeit angewendeten Methoden und Lösungsansätzen in Bibliotheken.
Die Arbeit wertet die verfügbare Literatur zu dem Thema aus und stellt den derzeitigen theoretischen Wissensstand dar. Ergänzt wird die Arbeit durch die Ergebnisse einer Internet-Umfrage zu den derzeit praktizierten Methoden in Bibliotheken.
8
2 Begriffsabgrenzung: Netzpublikationen
2.1 Überblick
Netzpublikationen fallen in die Gruppe der elektronischen Publikationen, welche sowohl auf einem Datenträger offline verbreitet werden als auch online zur Verfügung stehen können. Man unterscheidet bei elektronischen Publikationen zwischen primär elektronischen Publikationen, also Erstveröffentlichungen in elektronischer Form, die später eventuell auch als Druckausgabe erscheinen können und parallelen elektronischen Publikationen, die sowohl in gedruckter als auch in elektronischer Form erscheinen. Des Weiteren gibt es elektronische Reprints, also elektronisch konvertierte Druckausgaben und elektronische Preprints, Schriften in vorläufiger elektronischer Form 10 und natürlich reine Online-Publikationen.
Netzpublikationen sind also elektronische Veröffentlichungen, die auf einem Server vorgehalten werden und durch ein Datennetz angefordert werden können. 11
Sie haben im Gegensatz zu herkömmlichen Printversionen den Vorteil, dass sie weltweit sofort zur Verfügung stehen und den Autoren und Verlegern generell sehr geringe Distributionskosten entstehen. Allerdings sind Netzpublikationen stark von der benötigten Hardware abhängig, und Bibliotheken sind so gezwungen, ihren Benutzern das entsprechende Equipment und die passende Software zur Verfügung zu stellen. 12
Im Gegensatz zu Printpublikationen bieten digitale Publikationen medienspezifische Leistungen, die Printfassungen naturgemäß nicht leisten können, dazu gehört zum Beispiel die Möglichkeit einer Volltextsuche und die Bereicherung des Textes durch Audio- und Videosequenzen oder Verknüpfungen (Hyperlinks). 13
Für Bibliotheken sind vor allem Online-Versionen von Zeitschriften oder Hochschulschriften relevant. Darüber hinaus werden aber auch andere Publikationen immer bedeutender, wie zum Beispiel Websites oder E-Books.
10 vgl.: Hehl, Hans (1999): Die elektronische Bibliothek - Literatursuche und Literaturbeschaffung im Internet. Saur, München, S. 121.
11 vgl.: Umlauf, Konrad (2000): Medienkunde. Harrassowitz, Wiesbaden, S. 241.
12 vgl.: IMAC (Hrsg.) (2000): Die Zukunft der Buchbranche in der Informations− und Wissensgesellschaft − Eine Delphi−Studie−. IBA, Berlin. S. 20.
13 vgl.: Umlauf, Konrad (2000): Medienkunde. Harrassowitz, Wiesbaden, S. 241.
9
2.2 Typen von Netzpublikationen
Eine umfassende Einteilung von Netzpublikationen findet man bei: Wiesenmüller, Heidrun: „Auswahlkriterien für das Sammeln von Netzpublikationen im Rahmen des elektronischen Pflichtexemplars. Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Regionalbibliotheken.“ 14 Hier werden Netzpublikationen nach formalen Aspekten unterschieden und in zwei wesentliche Gruppen eingeteilt:
1. Netzpublikationen mit Entsprechungen aus der Printwelt
2. Web-spezifische Netzpublikationen 15
Diese Unterscheidung ist für Bibliotheken derzeit in sofern noch relevant, als dass die Entsprechung aus der Printwelt zusätzlich in den Bestand aufgenommen werden kann, und so eine zusätzliche Möglichkeit besteht diese Publikationen auf herkömmlichem Wege zu archivieren und eine Langzeitarchivierung sicherzustellen.
2.2.1 Netzpublikationen mit Entsprechungen aus der Printwelt
Bei den Netzpublikationen mit Entsprechungen aus der Printwelt werden zwei Untergruppen unterschieden:
1. Druckbildähnliche Netzpublikationen
2. Netzpublikationen mit verwandtem Publikationstyp in der Printwelt. 16
Druckbildähnliche Publikationen sollen das „look and feel“ des gedruckten Werkes vermitteln. Diese werden in der Regel ausgedruckt und dann vom Papier gelesen. Es handelt sich in den meisten Fällen um Dateien in den Formaten PDF (Portable Document Format), Word-DOC oder Postscript. Generell haben derartige Publikationen ein Titelblatt, ein festes Layout mit definierten Schriftarten und -größen, feste Zeilen- und Seitenumbrüche und evtl. Seitenzählungen, die der Printversion entsprechen 17 . Ein typisches Beispiel hierfür sind die Artikel der Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie (ZfBB), die sowohl als Druckausgabe erscheinen als auch digital als Netzpublikation verfügbar sind.
14 vgl.: Wiesenmüller, Heidrun (2004): Auswahlkriterien für das Sammeln von Netzpublikationen im Rahmen des elektronischen Pflichtexemplars. Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Regionalbibliotheken. In: Bibliotheksdienst 38. Jg. (2004), H. 11 Internet: http://www.zlb.de/aktivitaeten/bd_neu/heftinhalte/heft9-1204/digitalebib1104.pdf (Zugriff: 10.04.2006), S. 1427.
15 vgl.: ebd., S. 1427.
16 vgl.: ebd., S. 1427.
17 vgl.: ebd., S. 1427.
10
Derzeit scheinen druckbildähnliche Netzpublikationen eine hohe Seriosität zu vermitteln. Ein Grund, warum solche Publikationsformen immer noch bevorzugt werden, könnte die Zitierfähigkeit sein. Eine Datei, die nach dem Ausdrucken dem Original entspricht, ist leichter zu zitieren als eine HTML-Datei ohne Seitenangaben und genaue bibliografische Angaben.
Zu den Netzpublikationen mit verwandtem Publikationstyp in der Printwelt, aber ohne Druckbildähnlichkeit, zählen zum Beispiel Online-Lexika als Online-Version der Druckausgabe, hierzu gehören beispielsweise die Online-Nachschlagewerke www.Duden.de und www.pons.de. Da diese Wörterbücher nur noch wenig mit den Printausgaben
gemeinsam haben, könnte man sie meiner Ansicht nach auch den webspezifischen Netzpublikationen zuordnen.
2.2.2 Webspezifische Netzpublikationen
Webspezifische Netzpublikationen haben keinen verwandten Publikationstyp. Häufig werden sie im Hypertextformat verfasst und haben spezifische Eigenschaften wie Links und multimediale Elemente.
2.2.2.1 Websites
Unter einer Website wird eine Webpräsenz verstanden, die mehrere Seiten untereinander verlinkt. Häufig befinden sich diese unter einer Domain wie zum Beispiel www.ddb.de.
Eine Website stimmt aber nicht in jedem Fall dem Domainnamen überein. So stellt zum Beispiel die Seite www.NIVEA.de/Haus eine eigene Webpräsenz dar. Allerdings lässt sich natürlich eine Verbindung zur übergeordneten Domain (www.NIVEA.de) erkennen.
In der Regel kann man bei einer Website von einer dynamischen Veröffentlichung ausgehen, das heißt sie ist zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung nicht abgeschlossen, es werden kontinuierlich neue Inhalte hinzugefügt bzw. alte gelöscht. Dies hat natürlich Konsequenzen für die Archivierung und Verfügbarmachung der Netzpublikation. Nur wenige Websites sind bei der Veröffentlichung vollständig abgeschlossen, so dass man von einer statischen
18 Hauffe, Heinz; Schäffler, Hildegard (2001): Elektronische Publikationen und Informationsdienstleistungen. In: Frakenberger, Rudolf: Lehrbuch der Bibliotheksverwaltung. Saur, München, S. 9.
11
Website sprechen kann. Eine neue, inhaltlich veränderte Version einer statischen Website entspricht einer neuen Auflage, die wiederum gesammelt werden müsste. 19
Unterhalb der Website-Ebene können ebenfalls Netzpublikationen liegen, die in das Sammelspektrum der Bibliotheken fallen. In einem solchen Fall können die Websites sowohl gesamt als auch eine oder mehrere einzelne Netzpublikationen daraus gesammelt werden. 20
Ein Beispiel hierfür ist die älteste und größte Privatinitiative zur Digitalisierung von Texten das in 1971 begonnene Project Gutenberg (http://www.gutenberg.org/). Unter dieser dynamischen Website findet man eine große Anzahl von einzelnen Netzpublikationen, die ebenfalls eigenständig gesammelt werden könnten.
2.2.2.2 Online-Datenbanken
Eine Online-Datenbank ist eine webspezifische Netzpublikation, die häufig weitere Netzpublikationen wie Volltexte oder Abstracts enthält. Es handelt sich dabei in fast allen Fällen um ein dynamisches Objekt, das ständig weiter ergänzt wird. 21
Es gibt sowohl kostenfreie Zugänge zu Datenbanken wie beispielsweise PubMed als auch lizenzpflichtig Zugänge zu Datenbanken von Zeitschriftenverlagen.
Weltweit gibt es nur einige wenige Dutzend Hosts für Datenbanken, dazu gehören: DataStar (Bern), DIMDI (Köln), FIZ Technik (Frankfurt am Main) STN International (Karlsruhe, Columbus, Ohio und Tokio), EBSCO, Ovid, Silverplatter, Thomson.
2.2.2.3 Linksammlungen
Bei Linksammlungen handelt es sich um Websites (bzw. Teile von Websites), die im Wesentlichen nur eine Auflistung von Hyperlinks bieten. Solche Linksammlungen sind in der Regel dynamische Objekte, da selbst bei abgeschlossenen Linksammlungen die verlinkten Webseiten selbst einem ständigen Wandel unterliegen. Gerade wegen dieser Unbeständigkeit der Links rät Wiesenmüller davon ab, diese Arten von Netzpublikationen
19 vgl.: Wiesenmüller, Heidrun (2004): Auswahlkriterien für das Sammeln von Netzpublikationen im Rahmen des elektronischen Pflichtexemplars. Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Regionalbibliotheken. In: Bibliotheksdienst 38. Jg. (2004), H. 11 Internet: http://www.zlb.de/aktivitaeten/bd_neu/heftinhalte/heft9-1204/digitalebib1104.pdf (Zugriff: 10.04.2006), S. 1428.
20 vgl.: ebd., S. 1428.
21 vgl.: ebd., S. 1428.
12
zu sammeln. 22
Für Bibliotheken besonders interessante Linksammlungen sind in Portalen der virtuellen Bibliotheken integriert wie: Die Düsseldorfer Virtuelle Bibliothek, Digitale Bibliothek NRW aber auch das Projekt Vascoda (http://www.vascoda.de). Diese bieten umfassende und ausführliche Fachinformationen für einzelne Fächer.
2.2.2.4 Weitere
Diverse Netzpublikationen wie Foren, Archive von Mailinglisten, Chatroom oder Blogs dokumentieren virtuelle Gespräche. Diese dynamischen Objekten fallen nur sehr selten in den Sammelauftrag von Bibliotheken und sind in der Regel auch äußerst schwierig zu archivieren. 23
2.3 Weitere Einteilungen von Netzpublikationen
Neben der Unterscheidung nach formalen Aspekten können Netzpublikationen auch nach weiteren Kriterien unterschieden werden. So ist für Bibliotheken der lizenzpflichtige bzw. der lizenzfreie Zugang, bzw. kostenlose oder kostenpflichtige Zugang ein wichtiges Kriterium. Ebenfalls ist es für eine eventuelle Archivierung ausschlaggebend, ob es sich um einen statische oder einen dynamische Publikation handelt, welche regelmäßig neu archiviert werden müsste. Einige Datenbanken verlinken direkt auf die Volltexte, während andere nur auf die Informationen hinweisen.
2.4 Wichtige Netzpublikationen
Die meisten Netzpublikationen lassen sich in mehrere der oben genannten Kategorien einordnen, so dass hier noch einmal in Kürze einige Eigenschaften der meist genutzten Typen von Netzpublikationen dargestellt werden sollen.
2.4.1 Online-Dissertationen
Dissertationen gehören zu den Netzpublikationen, mit denen Bibliotheken bislang am meisten Erfahrungen sammeln konnten, zudem bereits ein großer Erfahrungsschatz im
22 vgl.: ebd., S. 1429.
23 vgl.: Wiesenmüller, Heidrun (2004): Auswahlkriterien für das Sammeln von Netzpublikationen im Rahmen des elektronischen Pflichtexemplars. Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Regionalbibliotheken. In: Bibliotheksdienst 38. Jg. (2004), H. 11 Internet: http://www.zlb.de/aktivitaeten/bd_neu/heftinhalte/heft9-1204/digitalebib1104.pdf, S. 1429.
13
Geschäftsgang der Printversionen besteht. Zurzeit bietet ein Großteil aller Universitätsbibliotheken einen eigenen Server an, auf dem Doktoranden ihre Dissertation veröffentlichen können. Gefördert wurden diese Initiativen hauptsächlich durch das Projekt „DissOnline“. 24
Digitale Dissertationen haben den Vorteil, dass sie relativ wenig Probleme im Geschäftsgang bereiten. Es sind meistens statische Netzpublikationen, die zum Zeitpunkt ihrer Erstveröffentlichung vollständig abgeschlossen sind und der gedruckten Version im Format entsprechen. Des Weiteren besteht eine Dissertation fast immer aus nur einer Datei. 25
Vereinfacht wird die Arbeit der Bibliotheken dadurch, dass der Autor häufig gebeten wird, die benötigten Metadaten gleich mitzuliefern. Dies geschieht in der Regel mit Hilfe eines HTML Formulars.
„Seit 1998 sammelt und archiviert die Deutsche Bibliothek elektronisch publizierte Dissertationen und Habilitationen auf einem eigenen Dokumentenserver. Universitätsbibliotheken haben dabei die Möglichkeit, über eine Metadatenschnittstelle mit dem Metadaten-Element-Set METADISS die entsprechenden Dissertationen zu melden. Die deutsche Bibliothek holt das Dokument vom Server der Hochschule bzw. der Bibliothek und legt es mit Authentizitätsschutz auf dem Dokumentenserver ab. Bei der Erschließung werden sowohl die ursprüngliche URL des lokalen Servers als auch die Serveradresse der DDB angegeben.“ 26
2.4.2 Online-Zeitschriften
Derzeit erscheinen elektronische Zeitschriften häufig noch als Parallelausgaben zu gedruckten Zeitschriften.
Online-Zeitschriften haben gegenüber den Printversionen folgende Vorteile: überlegene Retrievalmöglichkeiten, Datenexporte, Platzersparnis, Wegfall der Kosten für das Aufbinden des Jahrganges, oftmals früherer Erscheinungstermin als die Printversionen. Problematisch ist allerdings auch hier, dass zum einen die erforderliche Hardware benötigt wird und zum
24 DissOnline (Dissertationen Online) ist ein DFG-Projekt, dass sich 1998-2000 mit der digitalen Produktion, Retrieval und Archivierung von Hochschulschriften beschäftigte.Im Anschluss an das Projekt richtete die Deutsche Bibliothek, die seit 1998 Online-Hochschulschriften - speziell Dissertationen - und andere elektronische Publikationen sammelt, die Koordinierungsstelle DissOnline ein, die von 2003 bis 2004 im DFG-Projekt "Aufbau einer Koordinierungsstelle für Online-Hochschulschriften" gefördert wurde. Weitere Informationen unter www.dissonline.de
25 vgl.: Werner, Claudia (2001): Selektion von Online-Publikationen für Nationalbibliographien (Pdf-Dokument , Stand: August 2001) Internet: http://www.ifla.org/IV/ifla67/papers/074-133g.pdf (Zugriff: 21.11.2005).
26 Hauffe, Heinz; Schäffler, Hildegard (2001): Elektronische Publikationen und Informationsdienstleistungen. In: Frakenberger, Rudolf: Lehrbuch der Bibliotheksverwaltung. Saur, München, S.18.
14
anderen auch entsprechende Programme auf den Computern laufen müssen, um die Zeitschrifteninhalte darstellen zu können.
2.4.3 E-Books
Während elektronische Zeitschriftenartikel bereits seit einiger Zeit einen hohen Stellenwert in der Wissenschaft und in Bibliotheken einnehmen, ist monografische Forschungs- und Studienliteratur in elektronischer Form noch eher selten. Nennenswert in diesem Zusammenhang ist das amerikanische Unternehmen netLibrary 27 der OCLC, das mit zahlreichen Verlagen Verträge über die Vermarktung digitaler Monografien geschlossen hat.
Interessant für viele Studenten wäre sicherlich auch die digitale Verfügbarkeit von Lehr -und Handbüchern. Diese bieten im Unterschied zur konventionellen Form die Möglichkeit der Integration interaktiver Elemente, die gezielte Suche ausgewählter Themen im Volltext und den simultanen Zugriff mehrerer Nutzer. Dies führt allerdings nicht zwangsläufig zu einer Reduktion der Beschaffungskosten. So gibt es variable Zugriffs- und Lizenzmodelle, deren Kosten nach Parametern wie Dauer der Recherche, Zahl der Nutzer etc. berechnet werden.
27 Mehr Informationen unter www.netLibrary.com.
15
3 Umfrage
Neben dem theoretischen Überblick ist es das Ziel dieser Arbeit auch einen Überblick über die derzeit praktizierten Methoden des Geschäftsgangs von Netzpublikationen an Bibliotheken zu gewinnen. Zu diesem Zweck wurde eine Internetumfrage durchgeführt.
3.1 Durchführung der Umfrage
Aufgrund der kurzen Zeitspanne, die für die Untersuchung zur Verfügung stand, wurde die Form der E-Mailbefragung gewählt. Diese erschien als die beste Möglichkeit, innerhalb kürzester Zeit verwertbare Ergebnisse zu erhalten. Ferner stellt dies die kostengünstigste Art der Befragung dar (keine Kosten für Briefpapier, Porto, Telefon etc.).
Zur Zielgruppe zählten alle Bibliothekare, die an ihrer Bibliothek mit dem Geschäftsgang von Netzpublikationen vertraut waren.
Aus diesem Grund erschien die Mailingliste INETBIB 28 als geeignetes Kommunikationsmittel, da so ca. 5000 Teilnehmer, die sich zumindest teilweise mit dem Internet in Bibliotheken auseinander setzen, erreicht werden konnten.
3.2 Aufbau des Fragebogens
Für die Umfrage wurde ein Internetformular erstellt, welches über einen Formularservice die eingegeben Daten direkt an die vorgesehene E-Mail-Adresse sendet.
Der Fragebogen bezieht sich, wie die Arbeit selbst, auf die einzelnen Phasen bzw. Schritte im Geschäftsgang von Netzpublikationen. Er enthält überwiegend Fragen mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten, wenn notwendig wurde jedoch auch die Möglichkeit für offene Beantwortung gegeben.
Der Fragebogen umfasst folgende vier Fragenblöcke:
Allgemeine Angaben zur Bibliothek • Beschaffung • Erschließung •
28 Die Diskussionsliste INETBIB - Internet in Bibliotheken - wurde von Michael Schaarwächter im Mai 1994 an der Universitätsbibliothek Dortmund ins Leben gerufen. Sie sollte dazu dienen, die Internetnutzung in Bibliotheken zu koordinieren.Die Liste hat zur Zeit knapp 5000 Teilnehmer (Januar 2006). Mehr Informationen unter: http://www.inetbib.de .
16
Verfügbarmachung und Vermarktung. •
Im Teil Allgemeine Angaben zur Bibliothek wurde nach der Anschrift der Institution gefragt und grundsätzlich geklärt, ob ein integrierter Geschäftsgang für Netzpublikation an der Institution eingerichtet wurde. Der Abschnitt Beschaffung erfragt Beschaffungsquellen und die technischen Details der Beschaffung. Der Bereich Erschließung bezieht sich hauptsächlich auf die verwendeten Regelwerke und das benutzte EDV-Programm zur Erschließung. Im Abschnitt Verfügbarmachung und Marketing wurden Daten über die laufenden Arbeiten an Netzpublikationen gesammelt und es sollten Einschätzungen über die Akzeptanz von Netzpublikationen von Seiten der Nutzer gemacht werden. Darüber hinaus wurde erfragt, wie die Netzpublikationen von der jeweiligen Bibliothek zur Verfügung gestellt und beworben werden. Der vollständige Fragebogen befindet sich im Anhang (I.vi Fragebogen).
3.3 Pretest
Der vorläufige Fragebogen wurde zunächst an 15 Bibliotheksangestellte, die sich an ihrer Bibliothek mit Netzpublikationen befassen, per E-Mail versendet. Diese wurden gebeten, den Fragebogen auf Funktionalität und Plausibilität zu überprüfen und eventuelle fehlende Antwortmöglichkeiten zu ergänzen. Innerhalb weniger Tage gab es viel Rückmeldungen auf den Fragebogen. Der Aufbau des Fragebogens schien allgemein eindeutig und plausibel. Kritikpunkte waren die fehlende Definition von Netzpublikationen, bzw. der extrem weit gefasste Begriff von Netzpublikationen.
Wie bereits im Kapitel 2 Begriffsabgrenzung: Netzpublikationen dargestellt, gibt es eine Reihe sehr unterschiedlicher Formen von Online-Publikationen, die jeweils auch eine eigene spezifische Bearbeitung benötigen. Da sich diese Arbeit mit allen Typen von Netzpublikationen befasst, wurde ein Kompromiss zwischen einer einheitlichen Befragung und der Berücksichtigung aller Typen von Netzpublikationen versucht. So wird in fast allen Fragen nur eine relative Einschätzung erfragt bzw. die Möglichkeit gegeben, Ergänzungen zu machen bzw. Ausnahmen einzutragen.
Ferner wurde die verwendete Definition von Netzpublikationen daraufhin auf einer weiteren Internetseite hinterlegt und durch einen Link in der Befragung verknüpft.
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3.4 Befragung
Die Befragung selbst wurde wie bereits erwähnt über die INETBIB veröffentlicht.
Das Antwortvolumen war insgesamt jedoch enttäuschend gering. So konnten nur drei Bibliotheken gewonnen werden, den Fragebogen auszufüllen. Ein Grund hierfür könnte der recht umfrangreiche Fragebogen sein, der eine Bearbeitungszeit von 10 bis 15 min. in Anspruch nimmt. Zum anderen ist nicht jeder Bibliothekar mit dem Geschäftsgang von Netzpublikationen an seiner Bibliothek vertraut, in der Regel sind dies nur ein bis drei Personen pro Bibliothek.
Auf Grund der geringen Zahl an Rückmeldungen, wurden einzelne Bibliotheken noch einmal direkt per E-Mail angeschrieben. Dabei wurden jeweils größere Universitäts- oder Landesbibliotheken ausgewählt und dort der oder die Ansprechpartnerin für elektronische Medien direkt angesprochen. Insgesamt beteiligten sich 13 Bibliotheken an der Befragung.
Folgende Bibliotheken haben an der Befragung teilgenommen:
• Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
• Staats- und Universitätsbibliothek Bremen
• Bibliothek des Deutschen Bundestages
• Universitätsbibliothek Trier
• Stadt- und Landesbibliothek Dortmund
• Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
• Universitätsbibliothek Dortmund
• Staatsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky
• Forschungszentrum Jülich GmbH
• Universitätsbibliothek Osnabrück
• Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin
• Bibliothek Campus Offenburg
• Universitätsbibliothek Augsburg
Besonders einheitlich war das Ergebnis bei Frage 18 bezüglich auf die Bedeutung und
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Relevanz von Netzpublikationen für die Nutzer. So gaben ein großteil der Bibliotheken an, dass die Angebote den Nutzern bekannt sind und auch für wichtig und nützlich gehalten werden. Dies zeigt wie wichtig eine vernünftige Verfügbarmachung und Langzeitarchivierung der Publikationen ist.
Tabelle 1: Akzeptanz von Netzpublikationen
Sämtliche Ergebnisse werden im Anhang I.vii Ergebnisse der Umfrage aufgeführt. Eine Erläuterung zu den Ergenissen findet sich in den jeweiligen Kapiteln der Arbeit.
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4 Selektion und Beschaffung
Im Zusammenhang mit Online-Medien, bzw. Netzpublikationen erscheint der Begriff „Beschaffung“ passender als „Erwerbung“. Da Netzpublikationen häufig nur zur befristeten Nutzung lizensiert werden, bzw. ein Teil kostenlos bezogen werden kann, gehen sie selten vollständig in das Eigentum und den Bestand der Bibliothek über. Man kann in dieser Beziehung also kaum von Bestandsaufbau sprechen, da in den meisten Fällen nur der Zugang zu den Veröffentlichung gewährt wird, die Netzpublikationen selber aber auf den Servern anderer Einrichtungen liegen. Ausnahmen bilden hier sicherlich der Depot- Server Der Deutschen Bibliothek oder Hochschulschriftenserver einzelner Bibliotheken, da dort Netzpublikationen gesammelt und archiviert werden.
Wiesner et al. sehen die Bibliothek in diesem Kontext eher als Vermittler von Inhalten und schlagen vor, den Begriff Bibliotheksbestand durch Bibliotheksangebot zu ersetzten, da dieser die Zugriffsoptionen zu virtuellen Produkten mit einschließe. 29
Als Voraussetzungen für ein effizientes Beschaffungsmanagement sehen Wiesner et. al. darüber hinaus folgende Eigenschaften:
• differenzierte Marktkenntnis
• Erhebung und Auswertung von Nutzungsstatistiken, um die gezielte Titelauswahl zu stützen
• Nutzung präziser Erwerbungsprofile
• Automatisierung der Geschäftsgänge ohne Medienbrüche
• standardisierter elektronischer Datenaustausch mit den Lieferanten, vom Angebot bis zur Rechnungsstellung
• Vermeidung mehrfacher Eingabe identischer Daten, umfassende Nutzung von Fremdkatalogisaten bei der Titelerfassung
• Regelmäßige Messung der Laufzeiten. 30
29 vgl.: Wiesner, Margot; Werner, Andreas; Schäffler, Hildegard (2004): Bestandsaufbau. In: Frankenberger, Rudolf; Haller, Klaus (Hrsg.) (2004): Die moderne Bibliothek. Saur, München, S. 166.
30 vgl.: ebd., S. 213.
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4.1 Phasen in der Beschaffung von Netzpublikationen
Im Geschäftsgang von Netzpublikationen gibt es eine Reihe von zusätzlichen Arbeitschritten, die bei traditionellen Geschäftsgängen nicht benötigt werden. Diese Schritte beziehen sich hauptsächlich auf die technische Seite der Netzpublikationen. So sind unter anderem die Systemvoraussetzungen zu prüfen und die Zugriffszeiten, aber auch die rechtliche Seite der Lizenzverträge zu sollte begutachtet werden.
Keller unterscheidet folgende Phasen bei Beschaffung von lizenzpflichtigen Netzpublikationen:
1. Produktvorschlag
2. Vergleich verschiedener Angebotsformen
3. Produkttests
4. Klärung der technischen Voraussetzungen und Möglichkeiten
5. Bestellung des Produktes
6. Unterzeichnung des Vertrages und Bezahlung der Rechnung
7. Einführung des Produktes: Installation und Freischaltung, Aufnahme in den Bibliothekskatalog und / oder ins Webangebot
8. Öffentlichkeitsarbeit und Schulung
Vertragserneuerung. 31 ( 32 ) 9.
Bevor eine Netzpublikation beschafft wird (Schritt 6), sollten demnach zunächst die Nutzungsbedingungen abgeklärt und der tatsächliche Bedarf festgestellt werden. Zur zeit-und kosteneffizienten Durchführung dieser Schritte, empfehlen Wiesner et. al. wie auch die Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren an Hochschulen ein integriertes
Verwaltungssystem, welches alle erforderlichen Arbeitsschritte, bei der Verwaltung des Zugangs, von der Bestellung bis zur Erfassung im Katalog, zusammenlegt. 33, 34
31 vgl.: Keller, Alice; Neubauer, Wolfram (2002): Beschaffung vvon Online-Medien. In: Hobohm, H.-C.; Umlauf, K. (Hrsg.) (2002): Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen. Ratgeber für Bibliotheksleiter und Bibliothekare. Dashöfer, Hamburg. Losebl.-Ausg. S. 1.
32 Auf die Schritte sieben bis neun wird in den Kapiteln 5. Katalogisierung und Erfassung und 7. Langzeitarchivierung und Verfügbarmachung eingegangen.
33 vgl.: Wiesner, Margot; Werner, Andreas; Schäffler, Hildegard (2004): Bestandsaufbau. In: Frankenberger, Rudolf; Haller, Klaus (Hrsg.) (2004): Die moderne Bibliothek. Saur, München, S. 206 und 217. 34 vgl.: Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren DINI (2002): Elektronisches Publizieren an Hochschulen -
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Die Arbeitsgruppe „Elektronisches Publizieren“ an Hochschulen der DINI schlägt für den Geschäftsgang von Dissertationen und Hochschulschriften vor, die neu hinzugekommenen Aufgabenbereiche wie Annahme der elektronischen Version, Konvertierung der Dokumente in Präsentations- und Archivformate, Sicherung der Dokumente mittels digitaler Signaturen und Zeitstempel oder auch Wartung und Pflege des Dokumentenservers durch die Medienzentren und den Universitätsbibliotheken arbeitsteilig betreuen zu lassen. 35
Dies erscheint besonders in den Fällen sinnvoll, in denen die Bibliothek über keine eigene EDV-Abteilung verfügt. Auch überschneiden sich in diesem Bereich das Angebot von Medienzentren und Hochschulbibliotheken häufig, so dass durch eine arbeitsteilige Bearbeitung Doppelarbeit vermieden und die Kompetenzen besser genutzt werden können. Ferner sieht die Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren an Hochschulen dabei ein plattformübergreifendes System, das WWW-basiert arbeitet, als besonders vorteilhaft. Daher können alle beteiligten Parteien von verschiedenen Standorten aus und ohne zusätzliche Software auf das Verwaltungsprogramm zugreifen und die Daten bearbeiten. 36
Abbildung 1: Integrierter Geschäftsgang
Dies spiegelt sich auch in den Umfrageergebnissen wieder. So wurde in fast jeder Bibliothek ein integrierter Geschäftsgang für Netzpublikationen eingerichtet. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass eine der befragen Bibliotheken angab für die Bereiche
Empfehlungen [März 2002](PDF-Datei, Stand 01.03.2003). Internet: http://edoc.hu-berlin.de/series/dini-schriften/1-de/PDF/1-de.pdf (Zugriff: 25.11.2005) PI: urn:nbn:de:kobv:11-10045992, S. 6.
35 vgl.: Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren DINI (2002): Elektronisches Publizieren an Hochschulen -Empfehlungen [März 2002](PDF-Datei, Stand 01.03.2003). Internet: http://edoc.hu-berlin.de/series/dini-schriften/1-de/PDF/1-de.pdf (Zugriff: 25.11.2005) PI: urn:nbn:de:kobv:11-10045992, S. 6.
36 vgl.: ebd., S. 6.
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Arbeit zitieren:
Anke Verena Meyer, 2006, Netzpublikationen - Geschäftsgang und Verfügbarmachung, München, GRIN Verlag GmbH
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