Gliederung
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Parzivals Aufnahme in die Artusgesellschaft
2. Der Charakter der Artusgesellschaft im 6. Buch
3. Die Tafelrunde
4. Cundrys Fluch und die Konsequenzen daraus für die
Artusgesellschaft
5. Parzivals Abschied von der Tafelrunde
III. Fazit
IV. Literaturverzeichnis
2
I. Einleitung
„Der Artushof erscheint jetzt in einem anderen Licht als im 3. Buch“ 1
Joachim Bumkes Aussage bezieht sich auf die veränderte Präsentation des Artushofes im sechsten Buch von Wolframs Parzival. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung des Artushofes im sechsten Buch und geht der Frage nach, inwiefern sich das Verhältnis zwischen Parzival und der Artusgesellschaft im Verlaufe des sechsten Buches verändert. Dabei soll untersucht werden, ob man die These, dass die Verfluchung Cundrys den zentralen Wendepunkt darstellt, vertretbar ist. Es soll folgendermaßen vorgegangen werden:
Zunächst wird deshalb die Aufnahme Parzivals in die Artusgesellschaft dargestellt. Darauf erscheint es sinnvoll, auf die Zusammensetzung des Artushofes einzugehen sowie auf die Rolle von König Artus. Dann wird die Funktion der Tafelrunde erläutert. Anschließend wird auf die Verfluchung Parzivals eingegangen und auf die Person Cundrys. Zum Schluss wird untersucht, welche Konsequenzen aus der Verfluchung erfolgen.
1 Joachim Bumke 1997: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, Weimar: Metzler. (Sammlung Metzler;
Bd. 36), S. 58
3
II. Hauptteil
1. Parzivals Aufnahme am Artushof
Bevor Parzival am Artushof empfangen wurde, musste Gawan ihn aus seinem Minnebann befreien. Gawan erreichte es, indem er seinen Mantel über die Blutstopfen im Schnee legte. er marcte des Wâleises sehen, war stüenden im diu ougen sîn. ein failen touches von Sûrîn, gefurriert mit gelwem zindâl, die swang er über diu bluotes mâl. (301,26 - 30)
Gawan und Parzival werden am Hof feierlich von vielen Menschen empfangen. Parzivals Schönheit findet bei den Umstehenden viel Anerkennung und Bewunderung. gecleidet wart der degen snel: dô was er fier unde clâr. swer in sach, der jach vür wâr, er waere gebluomt vür alle man. diz lop sîn varwe muose hân. (306, 24 - 28)
Parzival wird als Engel auf Erden beschrieben und ihm somit etwas Göttliches nachgesagt. dô truoc der junge Parzivâl âne vlügel engels mâl sus geblüet ûf der erden. (308, 1 - 3)
Parzival wird nach der Bitte der Ritter der Tafelrunde in ihre Gemeinschaft aufgenommen. Die Aufnahme in die Tafelrunde ist der Höhepunkt seiner Ritterlaufbahn. 2
2 vgl. ebd., S. 59
4
2. Der Charakter der Artusgesellschaft im 6. Buch
An der Spitze der Artusgesellschaft steht der König. Man darf König Artus aber nicht als uneingeschränkten Führer der Artusgesellschaft verstehen, denn er folgt stets den Anweisungen seines Rates (messenîe). Zum Beispiel bevor er sein Land verlassen will: welt ir nu hoeren wie Artûs von Karidoel ûz sîme hûs und ouch von sîme lande schiet, als im diu messenîe riet? ( 280,1-4)
Artus Entscheidungen sind also Ergebnis vorheriger Beratungen der gesamten Artusgesellschaft. 3 Manfred Brauneck sieht Artus nicht als wirklichen Herrscher, „sondern als Symbol der vollkommenen Ordnung der höfischen Lebensform.“ 4 Artus’ Herrschaftsgebiet erstreckt sich auch auf fremde Länder. Dort hat er ebenfalls Lagerstätten. So zum Beispiel die am Fluss Plimizoel (311, 5). König Artus verhält sich in fremden Ländern vorsichtiger, deshalb gibt er seinen Rittern die Anweisung, nicht ohne seine Zustimmung einen Zweikampf zu führen:
alsô bescheidenliche:
beide arme und rîche, die schildes ambet ane want, lobten Artûses hant, swâ si saehen ritterschaft, daz si durch ir gelübde craft deheine tjost entaeten, ez enwaere ob si in baeten daz er si lieze strîten (280, 19- 27).
3 vgl. Konstantin Pratelidis 1994: Tafelrunde und Gral. Die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt
im „Parzival“ Wolframs von Eschenbach. Würzburg: Könighausen und Neumann. (Würzburger
Beiträge zur deutschen Philologie; Bd. 12), S. 65
4 vgl Manfred. Brauneck 1967: Wolfram von Eschenbach Parzival. Einführung in die Problematik.
Bamberg: C.C. Buchners Verlag, S. 35
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Arbeit zitieren:
Alice B, 2005, Das Verhältnis von Parzival zur Artusgesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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