Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Analyse der Grippia-Episode 5
2.1 Einteilung. 5
Exkurs : Christentum und Kreuzzug 5
2.2 Die Gottesunmittelbarkeit des Herzogs 7
2.3 Die Ankunft in Grippia 8
2.4 Der erste Besuch Grippias 9
2.4.1 Furcht und Faszination 9
2.4.2 Versuchung und Integrität 10
2.5 Der zweite Besuch der Stadt 11
2.5.1 Ruhepause auf dem Schiff 11
2.5.2 Herzog Ernst und Graf Wetzel 11
2.5.3 Ritterliche Wertbegriffe. 12
2.5.4 Heidnische Klugheit und Geschicklichkeit 13
2.5.5 Das Erscheinen der Kranichschnäbler. 13
2.5.6 Die indische Prinzessin. 14
Exkurs : Die Figuren der mittelalterlichen Dichtung 16
2.5.7 Der Kampf mit den Kranichschnäblern. 17
2.6 Der Kampf vor der Stadt. 18
2.7 Die Abfahrt 19
3 Zusammenfassung. 20
4 Schlussbemerkung. 22
Literaturliste 23
Prim ärliteratur: 23
Anhang 3
3
2
1 Einleitung
Das in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts (Fassung A) entstandene Spielmannsepos 1 bewegt sich vor dem historischen Hintergrund der Hegemoniekämpfe zwischen Staufern und Welfen und umfaßt die Themenbereiche „Reichsgeschichte“, „der vorbildliche ritterliche Held“ sowie den Orientbereich und die dort vermuteten „seltsamen“ Geschöpfe 2 . Das Epos thematisiert zum einen den Konflikt zwischen Partikular- und Zentralgewalt, was auch den Grund für die Reise des Herzogs nach Jerusalem liefert,und gleichzeitig auch der Bezeichnung „Staatsroman“ seine Legitimation erteilt. Zum anderen wird der Krieg gegen die Heiden unter dem Zeichen des Kreuzes dargestellt, verknüpft mit Elementen der aventiure. 3 Auf der strukturellen Ebene fällt auf, daß die Orientreise des Herzogs eingebettet ist in eine Vorgeschichte, die den bereits angesprochenen Konflikt darstellt, und eine Nachgeschichte, die die Rückkehr des Herzogs und die Wiederherstellung der durch den Konflikt gestörten Ordnung zum Thema hat.
Dazwischen liegt die Reise des Herzogs, die ihn über verschiedene Stationen bis nach Jerusalem führt und seinen Bewährungsweg als Ritter und Herrscher darstellt. Betrachtet man die einzelnen Stationen 4 dieses Bewährungsweges genauer, so wird deutlich, daß jede dieser Stationen (die sich von Grippia bis zum Mohrenland, im Gegensatz zu Ungarn, Konstantinopel, Jerusalem und Rom geographisch nicht mehr eindeutig bestimmen lassen 5 ) Besonderheiten aufweist, die wiederum auf eine spezifische Bedeutung innerhalb des gesamten Textes hinweisen.
1 DD, S. 397-398 : Die Einleitung des Textes von Bernhard Sowinski macht deutlich, wie schwierig sich die Gattungsbestimmung gestaltet, wobei fraglich bleibt, ob es überhaupt eine befriedigende Gattungsbestimmung geben kann. Diese wiederum müsste sich auch danach richten, welcher Aspekt im Vordergrund stehen soll: der Vortragende (Spielmannsepos), der historische Bezug, der im Herzog Ernst B allerdings nicht stringent ist (historisch-politischer Roman (Whr, S.77)) oder der Inhalt (Kreuzzugsepos, Staatsroman; vgl. dazu Ott). Am eingängigsten erscheint mir die Frage nach dem Inhalt, auch angesichst der Problematik, daß sich, wie im vorliegenden Text, mehrere Themenbereiche überschneiden.
2 Vgl. dazu auch: HEB, S. 405 und 410 (Nachwort).
3 Ott: Marianne Ott-Meimberg setzt sich in ihrem Buch vor allem mit der Gattungsproblematik auseinander, wenngleich bezogen auf das Rolandslied. Dennoch sind einige Aspekte auch auf Herzog Ernst (B) übertragbar, so zum Beispiel die Kompatibilität der Konzepte (Kreuzzugsepos, Staatsroman; s. S. 53) oder die Frage nach dem Heilskonzept (S. 61) unter Hinweis auf die Darstellung des Kreuzzuges als „märchenhafte Orientfahrt“.
4 Vgl. dazu den Anhang: “Der Bewährungsweg des Herzog Ernst”.
5 Vgl. dazu Clas, S. 307f.. Albrecht Classen beschäftigt sich in seinem Aufsatz mit den Bildern innerhalb des Herzog Ernst (B) und vergleichbaren Motiven aus anderen Werken und verweist in diesem Zusammenhang auch auf das sagenhafte Utopia, das auch in der Grippia-Darstellung gesehen werden kann.
3
So ist beispielsweise Arimaspi die Station, in der Herzog Ernst am längsten verweilt und sich in dieser Zeit als ordentlicher Herrscher (mit eigenem Herzogtum, dem einheimischen Fürsten gleichgestellt) und Verteidiger seines Landes und Volkes in ruhmreichen Kämpfen gegen die Feinde desselben bewährt (die Kämpfe gegen die Platthufe, die Langohren, die Kraniche von Prechami und die Giganten).
Die Mohrenland-Episode hat danach die eigentliche Auseinandersetzung zwischen Heiden (in Gestalt der Babylonier) und Christen zum Thema; ein Motiv, das im weiteren Verlauf in der Jerusalem-Episode nochmals, wenngleich weniger versöhnlich, doch dafür in einem realen geographischen Kontext aufgenommen wird.
Die Besonderheit der ersten Station, Grippia, liegt demgegenüber in der Tatsache, daß sie zweimal besucht wird und dadurch vermutet werden kann, daß diese beiden Besuche unter verschiedenen Vorzeichen - Kreuzzug und aventiure - zu sehen sind. Dies umso mehr, als bereits der Prolog darauf hinweist, denn dort ist die Rede vom „guoten knehte“ und vom „hohen muot“, von „fremden rîchen“ 6 und davon, daß diese edle, ritterliche Gesinnung nur der verstehen und nachempfinden kann, der sich selbst der Herausforderung stellt, nämlich ad venturam, dem, was kommt 7 .
Im Folgenden soll nun die Grippia-Episode daraufhin untersucht werden, inwieweit diese beiden Aspekte in den einzelnen Abschnitten jeweils im Vordergrund stehen, vor allem angesichts der Tatsache, daß es sich hier um die erste Station seiner Reise handelt und damit auch Ausblicke auf den weiteren Verlauf erwartet werden können.
6 HEB, V.23; vgl. dazu auch HEB, S. 409 (Nachwort).
7 HEB, V.1-30.
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2 Analyse der Grippia-Episode
2.1 Einteilung
Im Interesse einer möglichst detaillierten Analyse bietet sich an, die Grippia-Episode nochmals in die folgenden fünf Sinnabschnitte zu unterteilen: 1. Ankunft in Grippia (V. 2177-2310) 2. Erster Besuch der Stadt (V. 2251-2480) 3. Der zweite Besuch der Stadt (V. 2481-3697) 4. Der Kampf mit den berittenen Heiden (V. 3698-3838) 5. Abfahrt von Grippia (V. 3839-3882)
Exkurs: Christentum und Kreuzzug
Nachdem es sich bei der Bewährungsfahrt des Herzog Ernst um eine Kreuzzugsfahrt handelt, bietet es sich an, an dieser Stelle einige grundsätzliche Gedanken zu Christentum und Kreuzzug zur Zeit des Herzogs einfließen zu lassen:
Das Christentum ist per definitionem angelegt auf ein friedliches Miteinander der Gläubigen; ein Heiliger Krieg ist in der Bibel nicht vorgesehen. Erst der Hl. Augustinus (354-430) entwickelt die Lehre vom bellum iustum während der Zeit der Anerkennung des Christentums durch den spätrömischen Staat auf der Grundlage des antiken römischen Begriffes des bellum iustum piumque. Danach ist der Krieg eine unvermeidliche Folge der Erbsünde und muß immer dann geführt werden, wenn auf Basis einer iusta causa Frieden erreicht werden soll, niemals aber aus Machtgier oder persönlichem Ehrgeiz.
Die Sicherung der Heiligen Stätten für das Christentum, und dabei insbesondere die Rückgewinnung Jerusalems nach dessen Eroberung durch die Moslems entspricht dabei einer solchen iusta causa.
5
Die mittelalterliche Bedeutung Jerusalems für die Christenheit ist dabei sehr vielfältig, denn Jerusalem ist:
- Heilige Stadt
- Passions- und Auferstehungsort Christi
- Mittelpunkt der Welt
- Sinnbild für die Einheit der Christen
- erwarteter Ankunftsort des Antichristen, deshalb soll die Stadt (nach Urban II) baldmöglichst christlich werden
Doch die Bedeutungsvielfalt Jerusalems geht noch weiter, denn das himmlische Jerusalem ist Sinnbild für die Erlösung und eng mit dem Neuen Testament verbunden; es steht für ein lineares Zeitendenken (jüdischen Ursprungs und lebt nicht zuletzt vom Gründungsmythos um Jerusalem. Hinzu kommt, dass nach jüdischem Verständnis das bevorstehende Zeitenende in eine ideale Herrschaftssituation fällt und Jerusalem damit auch als Symbol des gelungenen Endes der Zeiten verstanden wird.
1096 ruft Papst Urban II zum ersten Kreuzzug auf und stellt dabei den mittelalterlichen miles fortan als miles christianus, als Kämpfer der militia Christi, in den Dienst der gesamten christlichen Gemeinschaft. Christus bzw. sein weltlicher Vertreter in der Person des Papstes stehen dabei der Feudalgesellschaft als oberste Lehnsherren vor. Der Kreuzzugsgedanke bedeutet in diesem Moment eine konsequente Weiterentwicklung des Pilger- und Wallfahrtsgedankens 8 , der zum einen das Besuchen der Wirkungsstätten Christi beinhaltet und zum anderen den Ablaß der weltlichen Sünden. Die bewaffnete Pilgerfahrt hat demnach nicht nur den Besuch einer heiligen Stätte zum Ziel, sondern darüber hinaus deren Verteidigung vor oder Rettung aus Feindeshand.
8 Tatsächlich werden Ernst und seine Gefährten in der Magnetberg-Episode als “Pilger” bezeichnet (V. 4358).
6
Arbeit zitieren:
Magister Artium Clarissa Höschel, 2001, Analyse der Grippia-Episode im Herzog Ernst B (V.2177-3882), München, GRIN Verlag GmbH
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