Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 2
(1.) Einleitung. 3
1.1. Seminarkontext. 3
(2.) Professionalisierung. 8
(4.) Oevermanns Professionalisierungskonzept 14
4.1. Besonderheiten gegenüber anderen Bestimmungen 19
4.2. Erhoffte Leistung. 22
(5.) Literaturverzeichnis 25
2
(1.) Einleitung
1.1. Seminarkontext
Das Seminar „Zur Theorie pädagogischen Handelns“ beschäftigte sich anhand von vielseitiger Literatur und Textarbeit mit der Erläuterung von Themen wie „Handlung“, „pädagogische Handlung“ und „pädagogisch professionelle Handlung“ um ein vorläufiges Themenverständnis zu erlangen. Zunächst stellten wir fest, dass es ähnliche Ausdrücke für den Begriff Handeln gibt, die auf grundsätzliche Unterschiede des Begriffs hinweisen. Wir erarbeiteten, dass Handeln von Aristoteles in „techne“ (technisches Handeln), „praxis“ (Handeln, dass sein Ziel in sich selbst hat) und „poiesis“ (künstlerisches, kreatives Handeln) differenziert wird. Eine „Theorie pädagogischen Handelns“ muss sich dann mit der Frage beschäftigen, welcher Art ein solches Handeln ist. Auf der „techne- Ebene“ ist Erziehung als Handlung eine Anwendung von Techniken der Menschenführung, auf der „poiesis- Ebene“ bedeutet Erziehung als Handlung ein kreatives und künstlerisches Tun und auf der Ebene „praxis“ stellt Erziehung als Handlung eine Ermöglichung der Realisierung von Strebenszielen der Menschen dar.
„Praktische Handlungen“ finden in sozialen Kontexten statt und beziehen sich primär auf Sprechhandlungen. Deshalb werden diese Handlungen als soziale oder kommunikative Handlungen bezeichnet.
„Pädagogische Handlungen“, so erarbeiteten wir es, sind Teil kommunikativer Handlungen und somit eine Sonderform praktischer Handlungen und müssen, wie alle Handlungen dieser Art, interpretiert werden. Wir stellten fest, dass Handlungsformen wie z.B. jemanden „auszeichnen“ oder „ tadeln“ nicht an sich pädagogisch sind, sondern erst dann, wenn sie als „Technik“, „Praxis“ oder als „Poiesis“ eingeordnet werden. Bezüglich der genauen Bestimmung von „Handlungen“ stellte sich im Seminar heraus, dass Handlungen Sprechhandlungen sind und das es immer einen Zusammenhang zwischen Sprache und Handeln gibt. Handlungen können aber auch als ein Teil von Tätigkeiten gesehen werden, so z.B. als Handeln in der Institution Familie mit der Handlungsform Erziehung als Aufgabe.
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Des Weiteren wurde festgestellt, dass Handlungen nach bestimmten Urteilskriterien beurteilt werden können (Sitten, Konventionen etc.) und auf Grund ihrer Zweckhaftigkeit als Handlungen definiert werden.
„Pädagogisch professionelle Handlungen“ sind pädagogische Handlungen, die gegen Entgelt geleistet werden und sich dabei von bloß „beruflichem“ und bloß „expertenhaftem“ Handeln unterscheiden sollen. Das Anliegen der „Professionalisierungsdebatte“ ist es, die Besonderheit von bezahlter pädagogisch beruflicher Tätigkeit zu bestimmen. Im Laufe des Seminars haben wir erarbeitet, dass der Unterschied zu beruflicher oder expertenhafter Tätigkeit darin besteht, dass professionelles Handeln Tätigkeiten umfasst, die für den von den Handlungen Betroffenen zentrale Bedeutung haben. Des Weiteren ist professionelles Handeln an eine Aufnahme der Tätigkeiten an hochwertig geltende Ausbildung und staatliche kontrollierte Prüfung gebunden. Von professionellen Tätigkeiten wird erwartet, dass sie hohen Standards an Expertenhaftigkeit genüge leisten. Außerdem wird den professionell Tätigen Unabhängigkeit, Rechte, Privilegien und Selbstkontrolle zugesprochen. Im Gegensatz zu beruflich oder expertenhaft bezahlter Tätigkeit ist das professionelle pädagogische Handeln gemäß der „klassischen Professionstheorie“ einer Berufsethik unterworfen, die durch Standesorganisationen überwacht wird. Da diese klassischen Professionszuschreibungen nur zu einem Teil auf Sozialpädagogen zutreffen, wird bezahlte pädagogische Tätigkeit häufig als semi- professionelle Tätigkeit bezeichnet. In unserem Seminar sprachen wir über Professionalisierung des Lehrerberufs und des Sozialpädagogen. Es wurde deutlich, dass, wenn man von Professionalisierung spricht, es meist darum geht Momente der klassischen Professionsbestimmung für diese Berufe zu verstärken oder sich an anderen, neuen Bestimmungen der Professionalisierung pädagogischen Handelns zu orientieren.
Nach dem wir uns so einen Überblick verschafften und Grundkenntnisse erwarben, setzten wir uns mit verschiedenen Aussagen unterschiedlicher Autoren auseinander. So erarbeiteten wir anhand des Textes von Manfred Riedel Tätigkeiten, bei denen wir trotz einer Tätigkeit kein Handeln ausmachen können. 1 Dabei handelt es sich laut Riedel um ungeplante, unwillkürliche Handlungen. Solche Handlungen sind Verhaltensweisen aber keine Handlungen. 2
1 M. Riedel: Handlungstheorie als ethische Disziplin. In: H. Lenk (Hrsg.): Handlungstheorien- interdisziplinär.
Bd. 2: Handlungserklärungen und philosophische Handlungsinterpretationen. München 1978, S. 139-159. (S.
140- 152)
2 vgl. ebd.
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Wir können also nicht von Handlungen sprechen, wenn 1. „Verhalten“ als instinkthaftes oder Reiz- Reaktion- Tun vorliegt, wenn 2. das Handeln zwar ein Ergebnis herbeiführt, aber dieses Ergebnis nicht bezweckt ist, sondern als Folge eintritt und wenn 3. handelnd ein „Widerfahrnis“ eintritt. Im Gegensatz dazu ist das „Unterlassen“ von Handlungen selbst eine Handlung. Anschließend beschäftigten wir uns im Seminar mit einem Text von Wolfgang Brezinka. Laut Brezinka ist „Erziehen“ eine spezielle Form des sozialen Handelns. 3 Wir stellten fest, das Erziehen demnach eine Ziel- Mittel- Handlung ist (Erzieher nutz Mittel als Zweck, um Ziele zu erreichen). Erziehen als Ziel- Mittel- Handlung verläuft meist gewohnheitsmäßig oder unbewusst. Eine Antwort auf die Frage wieso es zu diesen gewohnheitsmäßigen oder unbewussten Erziehungshandlungen kommt, gab dann der Text von W. Helsper. Dieser Autor stellt dar, dass in Erziehungseinrichtungen Handlungsvorgaben gegeben sind, die das gewohnheitsmäßige pädagogische Handeln begründen. 4 Im Seminar stellten wir fest, dass die unbewusste Tätigkeit durch nachträgliche Interpretation in Rationalität gehoben werden kann. In diesem Zusammenhang erarbeiteten wir, dass es kein Universalkriterium für die Richtigkeit oder Falschheit von pädagogischen Handlungen in Organisationen gibt. Im Unterschied zur Familienerziehung ist beruflich pädagogisches Handeln Bestandteil eines reflexiven Systems und damit ist es nur möglich über die Handlungsvorgaben für Handlungsentscheidungen reflexiv nachzudenken. Anhand des Textes von H. Giesecke definierten wir pädagogisches Handeln als berufliches Handeln näher und bestimmten es nach diesem als soziales, widersprüchliches und in sich begrenztes Handeln. 5
Gieseckes Meinung nach ist pädagogisches Handeln nur dann zu professionalisieren, wenn es sich begrenzt. 6 Das heißt, seiner Meinung nach, pädagogisches Handeln als Begleiten von Lernen mit dazu erforderlichen Einstellungen aufzufassen. 7 In dem Seminar erarbeiteten wir, dass die Fähigkeit zur pädagogischen Ausfüllung von Spielräumen und zum Umgang mit Konflikten und Widersprüchlichkeiten für Giesecke die Professionalität ausmacht. Nach Giesecke zeichnet sich Professionalität durch spezielle Kompetenzen aus. 8
3 W. Brezinka. Grundbegriffe der Erziehungswissenschaft. München /Basel 1975. S. 70- 75
4 W. Helsper: Pädagogisches Handeln in den Widersprüchen der Moderne. In: H.- H. Krüger, W. Helsper
(Hrsg.): Einführung in Grundbegriffe und Grundfragen der Erziehungswissenschaft. Opladen 1995, S. 15-34
5 H. Giesecke: Pädagogik als Beruf. Grundformen pädagogischen Handelns. Weinheim, München 1978, S. 18-39
6 vgl. ebd.
7 vgl. ebd.
8 vgl. ebd.
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Wir stellten fest, dass Hinweise auf Handlungskompetenzen Vorschläge dafür enthalten, welche Wissensbestände, Organisationsfähigkeiten, Kooperationsfähigkeiten,
Berufeinstellungen ein Handelnder haben sollte, welche Kooperationsfähigkeiten ein Handelnder mit Kollegen etc. haben muss und über welche Fähigkeiten zur Öffentlichkeitsarbeit er verfügen sollte.
In dem Professionalisierungskonzept von Oevermann wird ein Modell gesehen, mit dem die Probleme der Bestimmung der Professionalität von pädagogischer Berufstätigkeit gelöst werden könnten. Dieses Konzept versucht, wie sich im Seminar gezeigt hat, aus der Struktur pädagogischen Handelns Professionalität zu bestimmen. Während für Giesecke professionalisiertes pädagogisches Handeln auf Wissens- und Normvermittlung reduziert ist, ist für Oevermann pädagogisches Handeln eine Vermittlung von Wissen, Tradition und Technik, wobei die Wissensvermittlung einen sozialen Vorrang hat. 9 Für Oevermann hat das pädagogische Handeln außerdem eine wichtige therapeutische Funktion, denn aus der pädagogischen Praxis ergeben sich Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes außerhalb der Wissens- und Normvermittlung. 10 Aus diesem Grund ist laut Oevermann eine Orientierung an der Therapie unumgänglich. Nach Oevermann ist die Professionalität pädagogischen Handelns vor allem in der Sonder- und Heilpädagogik gegeben, was er in diesem Text begründet. 11 Ebenso erläutert Oevermann, wieso er in der Schaffung eines „Arbeitsbündnis“ und der Anwendung der mäeutischen Pädagogik (d.h. „durch geschicktes Fragen den Lernenden zur Erkenntnis und zum richtigen Antworten zu führen“ 12 ) die Möglichkeit eines professionellen pädagogischen Handelns sieht.
Ich habe mich für die Aufgabe: „Zur Stellung des Professionalisierungskonzepts von Oevermann in Professionalisierungsbestimmung der Sozialpädagogik/ arbeit (Besonderheit gegenüber anderen Bestimmungen und erhoffte Leistung)“ entschieden.
Dafür möchte ich zunächst den problematischen Professionalisierungsbegriff und verschiedene Professionalisierungsmodelle vorstellen, um dem Leser den Einstieg in das Thema zu erleichtern. Anschließend werde ich die historische Entwicklung der
9 U. Oevermann. Theoretische Skizzen einer revidierten Theorie professionalisierten Handelns. In: A. Combe, .
Helsper (Hrsg.): Pädagogische Professionalität. Frankfurt 1997, S. 70- 182, (S. 141-162); vgl. H. Giesecke,
a.a.O., S. 18 ff
10 vgl. ebd., S. 146
11 vgl. ebd., S. 151
12 Großes Fremdwörterbuch.- 7., durchges. Aufl.- Leipzig: Bibliographisches Institut, 1986, S. 453
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Professionalisierungsbestimmung darstellen. Darauf folgend gehe ich auf Oevermanns Professionalisierungskonzept ein, welches ich anhand der ausgehändigten Literatur erläuternd darstellen möchte. Darauf aufbauend befasse ich mich mit der Darstellung der Besonderheiten der Professionalisierungsbestimmung der Sozialpädagogik gegenüber anderen
Bestimmungen. Abschließend setze ich mich mit der erhofften Leistung der Oevermannschen Professionalisierungstheorie auseinander.
Bei meiner Bearbeitung der Aufgabenstellung konzentriere ich mich primär auf die ausgegebene Einführungsliteratur zu dem Thema und ergänze sie.
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Arbeit zitieren:
Fanny Reimann, 2003, Zur Stellung des Professionalisierungskonzepts von Oevermann, München, GRIN Verlag GmbH
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