Universität Lüneburg, Wintersemester 04/ 05
Diplom – Sozialpädagogik (PO 2002)
5. Semester
Verhaltensauffälligkeiten
von: Fanny Reimann
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Unterschiedliche Definitionen von Verhaltensauffälligkeiten und Erscheinungsformen 5
2. Ursachen von Verhaltensstörungen 9
2.1. Die Familie als Bedingungsfaktor für Verhaltensstörungen 10
3. Interventionsmöglichkeiten 19
4. Präventionsmöglichkeiten 24
5. Fazit 28
6. Literaturverzeichnis 30
Einleitung
Im Rahmen meiner Hausarbeit über Verhaltensauffälligkeiten bei (Schul-)Kindern und Jugendlichen bin ich zunächst über die vielfältigen Bezeichnungen von Verhaltensauffälligkeiten gestoßen. Sie reichen von psychischer Störung, Schwererziehbarkeit, Verhaltensstörung bis zu Verhaltensauffälligkeit.
Dies warf die Frage auf, ob diese Bezeichnungen alle das selbe meinen und war Anlass, wieso ich mich im ersten Teil mit den unterschiedlichen Definitionen von Verhaltensauffälligkeiten und deren Erscheinungsformen beschäftigen werde. Innerhalb dieses ersten Punktes werde ich verschiedene Definitionen über Verhaltensstörungen mittels einiger Erarbeitungen zu diesem Thema von verschiedenen Autoren darstellen. Diese Vorgehensweise soll es ermöglichen den gesamten Umfang des Themas „Verhaltenssauffälligkeit“ zu begreifen und einen ersten Eindruck zu vermitteln, was mit diesem Terminus gemeint ist. Meine Ausführungen zum ersten Teil wird ein kurzer theoretischer Einblick in die Erscheinungsformen von Verhaltensstörungen abrunden.
Im zweiten Teil meiner Hausarbeit möchte ich eine Einführung in mögliche Ursachen und Bedingungen für Verhaltensauffälligkeiten geben um auch hier deutlich zu machen, wie vielseitig Bedingungsfaktoren für Störungen des Verhaltens sein können. Dabei werde ich mich spezialisieren und zwar auf die Familie als Umwelteinfluss und Risikofaktor in der Umwelt des Kindes. Ich möchte diskutieren, inwieweit Familie Ursache für gestörtes Verhaltens sein kann. Vor weg werde ich kurz die Funktion der Familie darstellen und ihre Angriffspunkte und Gefahren erläutern. Ausgehend davon werde ich unterschiedliche Unterkategorien erarbeiten, wie: den Einfluss von zerbrochenen Familien auf das Kind; Auswirkungen durch Dominanzmuster eines Elternteils; Wohngegend der Familie und den Einfluss der Schule auf das Kind u. v. m.. Dabei wird klar werden, welche speziellen Einflüsse der Familie negativ auf ein Kind einwirken können und welche Aspekte keine evidenten Auswirkungen haben. Daneben werde ich immer wieder mögliche Erscheinungsformen benennen, die aus dem jeweiligen Problem resultieren und so zu auffallendem Verhalten werden können.
Der dritte Aspekt meiner Erläuterungen betrifft Interventionsmöglichkeiten. Dazu werde ich kurz auf tiefenpsychologische, kognitive, humanistisch- psychologische Ansätze eingehen. Ausführlicher beschäftige ich mich im Anschluss mit der Verhaltenstherapie. Ich werde dabei zunächst die theoretischen Grundlagen erläutern und an Beispielen erklären, wie eine verhaltenstherapeutische Intervention in speziellen Fällen aussehen könnte. Abschließend möchte ich kurz die Bedeutung der Schule als Interventionsmöglichkeit diskutieren. Danach komme ich zum vierten Aspekt, den Präventionsmöglichkeiten. Dabei werde ich eine theoretische Grundlage schaffen, (welche Formen von Prävention gibt es?) um darauf aufbauend zu erläutern, ob diese realistisch sind und wie sie konkret aussehen könnten. Meine Hausarbeit wird mit einem Resümee in Form einer Zusammenfassung meiner erarbeiteten Feststellungen enden.
1. Unterschiedliche Definitionen von Verhaltensauffälligkeiten und Erscheinungsformen
In der von mir ausgewählten Literatur lässt sich eine Vielzahl von unterschiedlichen und ähnlichen Definitionen über Verhaltensauffälligkeiten bzw. Verhaltensstörungen feststellen. Dem liegt wohl zugrunde, dass der Begriff „verhaltensgestört“ verschiedenste theoretische Annahmen impliziert. Je nach dem ob er von psychoanalytisch, verhaltenstheoretisch, organologisch oder sozialpädagogisch orientierten Fachvertretern gebraucht wird variieren die Definitionen von Verhaltensstörungen. Jede Begriffsverwendung spiegelt damit eine bestimmte Sicht wieder und vermag das Ganze nie zu umfassen. Aus diesen Gründen verzichten bzw. umgehen einige Autoren häufig eine eindeutige Definition. Thomas B. Ludwig stellt dar, dass sich der Begriff Verhaltensstörung als Sammelbegriff für die unterschiedlichsten Formen psychischer Störungen und Auffälligkeiten eingebürgert hat und dieser Meinung nach im deutschen Sprachraum vor allem verwandt wird um psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen zu bezeichnen.1 Ludwig zitiert Wiesenhütter, welcher meint: „Mit Verhaltensstörungen sind Abwegigkeiten der Handlungen und Haltungen von der einfachsten `Ungezogenheit`, dem Ungehorsam, dem Jähzorn, den Tics, den Ess- und Schlafstörungen bis zu den schwersten Formen der Verwahrlosung und Kriminalität gemeint“2.
Die Arbeitsgruppe Kinder- und Jugendpsychiatrie der Enquéte ist der Meinung, dass der Begriff Verhaltensstörungen zu einer diskriminierenden und stigmatisierenden Bezeichnung geworden ist und kennzeichnet aus diesem Grund Verhaltensauffälligkeiten als Verhaltensweisen eines Kindes, welche den Erwartungen der Erziehungs- oder Bezugsperson(en) zuwiderlaufen und die Kinder nur deshalb auffallen.3
[...]
1 Ludwig, Thomas B.: Verhaltensstörungen bei Vorschulkindern; Formen und Ursachen: soziale Schicht, Erziehungsstil und Persönlichkeit der Eltern. Fachbuchhandlung für Psychologie, Verl.- Abt., Frankfurt am Main 1985, S. 6 ff.
2 Wiesenhütter, zitiert nach Ludwig, Thomas B., a. a. O., ebd., S. 6
3 vgl. ebd., S. 7
Arbeit zitieren:
Fanny Reimann, 2005, Verhaltensauffälligkeiten, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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