Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Corbeia Nova - Die Bedeutung des Klosters Corvey für das Karolingerreich. 5
2.1. Die Standortproblematik 5
2.2. Adalhard von Corbie und Wala. 7
Adalhard von Corbie 7
Wala 10
2.3. Kaiser und Kirche - Das Verhältnis Ludwigs des Frommen zu Corvey. 12
2.4. Die Entwicklung Corveys nach den Karolingern 14
3. Resümée 17
4. Literaturverzeichnis. 20
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1. Einleitung
Corvey - in erster Linie verbindet man mit diesem Namen ein prächtiges Schloss, das von den Hochglanzprospekten der Fremdenverkehrsbranche mittlerweile zu einer Touristenattraktion des Weserberglandes degradiert wurde. Bei dem Namen Corvey denken wohl nur noch mediävistisch gut beschlagene Zeitgenossen an die Benediktinerabtei, deren Ursprünge bereits im frühen Mittelalter in der Karolingerdynastie liegen. Mit diesem Kloster Corvey bei Höxter wird sich die vorliegende Hausarbeit näher beschäftigen, denn es lohnt sich, einen Blick auf die Anfänge der Abtei zu werfen.
Pläne zur Gründung einer Benediktinerabtei auf sächsischem Boden machte bereits Karl der Große. Schon 802, noch bevor die Sachsenkriege beendet wurden, wies er dem Kloster Corbie bei Amiens an der Somme sächsische Geiseln zu, die dort an den christlichen Glauben herangeführt werden sollten. Er hatte es als Mutterkloster für die neu zu gründende Abtei ausgewählt, weil es sich durch seine vorbildliche monastische Lebensführung auszeichnete und daher besonders geeignet erschien. Darüber hinaus war der Abt Corbies, Adalhard, ein enger Vertrauter und Berater Karls des Großen, wobei sich das Vertrauensverhältnis zwischen den beiden nicht zuletzt darauf begründete, dass Adalhard der Vetter Karls war und die beiden zusammen aufgewachsen waren. Da Karl 814 starb, erlebte er die tatsächliche Gründung des Klosters allerdings nicht mehr. Diese fand 822 unter der Herrschaft Ludwigs des Frommen vor folgendem politischen Hintergrund statt: Die Sachsenkriege wurden 804 mit der Unterwerfung der Sachsen beendet, der Plan einer fränkischen Klostergründung konnte nun umgesetzt werden. Doch das Reich war durch die langen Kriege ausgelaugt und der Herrscherwechsel nach Karls Tod wühlte es zusätzlich auf. Ludwig der Fromme schürte weitere Unruhe, als er sich des Beraterstabes seines Vaters, zu dem auch Adalhard von Corbie und dessen Halbbruder Wala gehörten, entledigte. Adalhard, der maßgeblich an den Vorbereitungen zur Klostergründung in Sachsen beteiligt war, schickte er in die Verbannung und Wala ins Kloster (er wurde Mönch in Corbie), um ihnen jegliche Möglichkeit der politischen Einflussnahme zu verwehren. Der Aufbau der neuen Abtei verschob sich damit um unbestimmte Zeit.
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Einer der wichtigsten Männer am Hof Ludwigs des Frommen wurde Benedikt von Aniane, der eine große monastische Reform im gesamten Reich plante, die so genannte „anianische Reform“. Er wollte sämtliche Klöster auf die Regel des hl. Benedikt von Nursia verpflichten, was jede Abtei zum Benediktinerkonvent gemacht hätte. Als Benedikt von Aniane 821 starb und mit ihm sein Einfluss auf Ludwig den Frommen, amnestierte der Kaiser Adalhard und Wala, die fortan in ihre alten Ämter zurückkehrten. Die Klostergründung ging nun zügig voran. Aber warum wurde der Plan über so viele Jahre und Umwege hinweg verfolgt? Wie wichtig war Corvey für das Reich? Das Thema wirft einige Fragen auf.
In dieser Hausarbeit soll versucht werden, Antworten auf diese Fragen zu finden. Zunächst wird der Standort der Abtei zu betrachten sein. Möglicherweise lässt dies bereits Rückschlüsse auf die Bedeutung Corveys für das Reich zu. Für die Wahl des Ortes wird es gute Gründe gegeben haben, die es hier zu erörtern gilt. Außerdem soll untersucht werden, welche Rolle die Brüder Adalhard und Wala spielten. Zum Schluss der Ausarbeitung wird dann das Verhältnis zwischen der Abtei und Ludwig dem Frommen zu klären sein.
Da der Betrachtungszeitraum des Klosters Corvey in dieser Hausarbeit grob auf die Regierungszeit Ludwigs des Frommen - also auf ein Zeitfenster zwischen 814 und 840 - beschränkt sein wird, erscheint ein knapper Ausblick auf die Entwicklung der Abtei in späteren Epochen sinnvoll. So lässt sich erkennen, ob Corvey seine Blütezeit erst noch vor sich hatte oder mit den Jahren eher an Bedeutung verloren hat. Es wird allerdings keine allumfassende Analyse der Klostergeschichte bis in die heutige Zeit abgegeben.
Bei der Ausarbeitung des Themas waren unter anderem die Abhandlungen Lorenz Weinrichs („Wala“) und Brigitte Kastens („Adalhard von Corbie“) sehr hilfreich, da sie einen tiefgreifenden Einblick in die „Gründer“-Persönlichkeiten Corveys, aber auch in die Umstände der Klostergründung selbst gestatteten. Hägermanns, Classens bzw. Boshofs Ausführungen über Karl den Großen bzw. Ludwig den Frommen ermöglichten die Rekonstruktion der staatspolitischen Zusammenhänge, während „Mönchtum - Kirche - Herrschaft 750-1000“ (D. Bauer u. a.) über die kirchenpolitischen Hintergründe aufklärte.
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Walther Matthes „Corvey und die Externsteine“ konnte einen regionalen Bezug zum Thema herstellen. Einen sehr umfassenden Abriss über die Gründung, die ersten Jahre und die Entwicklung der Abtei Corvey in den nachfolgenden Jahrhunderten lieferte das Werk „Höxter. Geschichte einer westfälischen Stadt. Höxter und Corvey im Früh- und Hochmittelalter“ von Andreas König, Holger Rabe und Gerhard Streich.
Bei der Auswahl der verwendeten Literaturtitel wurde versucht, einen möglichst aktuellen Forschungsstand zu reflektieren.
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2. Corbeia Nova - Die Bedeutung des Klosters Corvey für das
Karolingerreich
2.1. Die Standortproblematik
Bereits Karl der Große hegte Pläne zur Errichtung eines Klosters in Sachsen. 815, kurz nach Karls Tod, wurde sein Plan in der Zelle Hethis im Solling 1 in die Tat umgesetzt. Doch sehr bald zeigte sich, dass dieser Standort schlecht gewählt war. Die topografischen Eigenschaften der Landschaft und ihre geografische Lage machten es den Mönchen fast unmöglich, autark zu leben. Ackerbau und Viehzucht waren kaum realisierbar, denn das bergige, unwirtliche Gelände um Hethis war dafür ungeeignet. Die Vieh- und Felderträge reichten nicht ansatzweise, um alle Mönche versorgen zu können 2 . Dies hatte zur Folge, dass die Neugründung von Corbie, dem Mutterkloster, aus mit nahezu allem Lebensnotwendigen - Nahrung, Kleidung usw. - „beliefert“ werden musste. Nun gehörte Corbie zwar zu den wohlhabendsten Abteien im ganzen Frankenreich und es konnte seine Mitbrüder in Sachsen mitversorgen. Dennoch stellte dies eine nicht zu unterschätzende Doppelbelastung dar, immerhin währte dieser Zu-stand mehrere Jahre. Das weitaus größere Problem war jedoch die Logistik. Schließlich mussten alle benötigten Dinge von Corbie nach Hethis geschafft werden, d. h. die Mönche waren mehrere Tage mit den Gütern unterwegs und mussten die gleiche Strecke auch wieder nach Corbie zurücklegen. Gerade im Winter dürfte dies eine recht beschwerliche Aufgabe gewesen sein.
1 Bei der lokalen Festlegung der Zelle Hethis gehen die Meinungen auseinander. Walther Matthes etwa glaubt Hethis in der Nähe der Externsteine (beim heutigen Horn-Bad Meinberg in Lippe gelegen) lokalisiert zu haben (vgl. dazu seine Ausführungen in: Corvey und die Externsteine. Schicksal eines vorchristlichen Heiligtums in karolingischer Zeit, Stuttgart 1982, S. 14ff.), während nahezu alle anderen Historiker, deren Abhandlungen dieser Ausarbeitung zugrunde liegen, die Zelle Hethis in der Nähe von Neuhaus im Solling vermuten.
2 Laut B. Kasten ist die Größe des Gründungskonvents in Hethis nicht zu ermitteln, es soll aber trotz der schlechten Bedingungen bereits in der Anfangszeit einen regen Zulauf in die Zelle gegeben haben, in der sich sogar eine Klosterschule befand (vgl. Kasten, B., Adalhard von Corbie. Die Biographie eines karolingischen Politikers und Klostervorstehers, Düsseldorf 1986, S. 145 ff.). Es ist also davon auszugehen, dass sich durchaus schon eine größere Anzahl von Mönchen in Hethis befunden haben dürfte, die selbstverständlich auch verpflegt werden musste.
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Arbeit zitieren:
Katharina Krause, 2006, Corbeia Nova - Die Bedeutung des Klosters Corvey für das Karolingerreich, München, GRIN Verlag GmbH
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