1
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS...................................................................................................... 1
1. VOM BERLINER MODELL ZUM HAMBURGER MODELL 2
2. GRUNDPRINZIPIEN DES MODELLS. 5
2.1 PRINZIP DER INTERAKTION. 6
2.2 PRINZIP DER VARIABILITÄT. 7
2.3 PRINZIP DER INTERDEPENDENZ 7
2.4 PRINZIP DER KONTROLLIERBARKEIT 7
3. PERSPEKTIVPLANUNG DES UNTERRICHTS 8
4. DIE UMRISSPLANUNG 15
4.1 BEDINGUNGEN: 16
4.2 PRÄMISSEN UND GRUNDAUSSAGEN 19
4.3 DIE HANDLUNGSMOMENTE DES UNTERRICHTS. 23
5. PROZESSPLANUNG. 26
5.1 PRINZIPIEN DER PLANUNG: 28
6. DIE LAUFENDE PLANUNGSKORREKTUR. 29
7. DAS HAMBURGER MODELL - EINE FEIERTAGSDIDAKTIK? 31
8. LITERATURVERZEICHNIS 33
9. ANHANG 34
2
1. Vom Berliner Modell zum Hamburger Modell
Das Berliner Modell wurde von Paul Heimann zusammen mit seinen Mitarbeitern Gunter Otto und Wolfgang Schulz in Berlin entwickelt. Diese Berliner Didaktik stellte in den 60er und 70er Jahren die wesentlichste Konkurrenz zur Bildungstheoretischen Didaktik dar.
Sie wurde im Gegensatz dazu statt auf dem Bildungsbegriff auf dem Lernbegriff aufgebaut und nannte sich deshalb „lerntheoretische Didaktik“. Die Stukturanalyse mit ihren Bedingungs-, und Entscheidungsfeldern ist dabei die oberste Voraussetzung der Unterrichtsplanung. Als erste Reflexionsebene sollte sie der Ermittlung aller den Unterricht bedingenden Faktoren dienen. Schulz arbeitete in den späten 60er Jahren, nach Paul Heimanns Tod, zunehmend intensiv an einer Neufassung der Berliner Didaktik. Anlass für die Weiterentwicklung:
Kritische Einwände von Erziehungswissenschaftlern, die das Postulat der Wertfreiheit des Berliner Modells anzweifelten. Einfluss durch die Kritische Theorie der Frankfurter Schule o Die Vorstellung eines allgemeingültigen, objektiven Verständnisses von Unterrichtstheorie musste aufgegeben werden zugunsten der Ideologiekritik
o Wissenschaft kann nicht länger wertneutral sein, da sie die gesellschaftlichen Strukturen verändern soll pädagogische Forderungen im Zuge der 68’er Studentenbewegungen o Kritik an den systembedingten Herrschaftsstrukturen o Forderung nach Emanzipation des einzelnen Menschen vor Fremdbestimmung
Anfang der 70er Jahre entwickelte Schulz in Zusammenarbeit mit Gunter Otto in Hamburg ein komplexeres Modell zur Unterrichtsplanung. Dieses war im Gegensatz
3
zur lerntheoretisch fundierten Berliner Didaktik fortan lehrtheoretisch fundiert und nannte sich deshalb „Das Hamburger Modell der lehrtheoretischen Didaktik“. Aufgrund der veränderten wissenschaftstheoretischen Position kam es zu einer Neubestimmung der pädagogischen Praxis und Wissenschaft. Als Folge der neuen Geisteshaltung nahm Schulz das „emanzipatorisch relevante, professionelle pädagogische Handeln“ als zentralen Bestandteil der lehrtheoretischen Didaktik in seine wissenschaftlichen Überlegungen auf. Dabei bewegt sich die Lehrtheoretische Didaktik im Spannungsfeld von emanzipatorischer Wünschbarkeit und Institutioneller Machbarkeit.
Schulz gibt den Anspruch der Berliner Didaktik, ein wertfreies Analyse- und Planungsmodell für den Unterricht zu liefern, auf. Er stellt Unterricht, ähnlich wie Klafki, unter die Norm von drei allgemeinen Lernzielen: Autonomie, Kompetenz, Solidarität.
Schulz führt in seine Theorie als wesentlichen Bestandteil Engagement ein. Er spricht von „kritischer, humanitärer engagierter Didaktik“. 1980 wurde das Hamburger Modell in dem Buch „Unterrichtsplanung“ veröffentlicht.
Ähnlichkeiten und Unterschiede zum Berliner Modell
Das Hamburger Modell eignet sich für langfristige Unterrichtsplanungen, während das Berliner Modell nur für die kurzfristigen Unterrichtsplanungen ausgelegt ist.
Auch gilt das Hamburger Modell als Handlungsmodell, während das Berliner Modell ein Entscheidungsmodell ist. Unterrichtsplanung wird nicht nur wie im Berliner Modell beschrieben, sondern eine Handlungsgrundlage angeboten. Die Begriffswahl Handlung statt Entscheidung ist auf die veränderte Auffassung von Unterrichtsplanung zurückzuführen, die nunmehr gemeinsam mit den Beteiligten erfolgen soll.
Bei dem Berliner Modell unterliegen alle Aspekte des Unterrichtsprozesses und alle Momente der Unterrichtsplanung einer allgemeinen Zielorientierung.
4
Folgende Prämissen des Berliner Modells sieht Schulz als bestätigt an: Die einzelnen Handlungsmomente des Unterrichts dürfen nicht isoliert betrachtet werden
die einschränkenden Bedingungen von Unterricht müssen immer wieder erörtert werden
Analyse, Planung und Realisation von Unterricht dürfe nicht ausschließlich von einer „höheren Instanz“ aus stattfinden. didaktische Reflektion muss unter der Perspektive der Förderung der Emanzipation stattfinden und die didaktische Praxis an diesem Maßstab gemessen werden.
5
2. Grundprinzipien des Modells
Das Hamburger Modell ist ein allgemeindidaktisches Modell. Schulz konzipierte das Hamburger Modell als Handlungsmodell des didaktischen Feldes insgesamt. Schulz geht vom didaktischen Handeln als Dialog zwischen Lehrenden und Lernenden aus. Zugrunde liegend ist sein Verständnis von Unterricht als „Verständigung zwischen prinzipiell handlungsfähigen Subjekten“ 1 und nicht die Unterdrückung der Schüler/innen als Objekte der Intentionen des Lehrenden. Leitendes Erziehungsziel ist in diesem Zusammenhang: „Erziehung zur größtmöglichen Verfügung aller über sich selbst“. 2
Die gesellschaftliche Bedeutung von Unterricht nimmt zu. 3 Die für die heutige Zeit erforderlichen Kompetenzen können nicht mehr nur durch Lernen in Form von Sozialisation vermittelt werden, sondern erfordert Lernen in Form von Unterricht. Die Intentionalität unterscheidet Unterricht von Sozialisation. Diese Komplexität von Unterricht und die Erweiterung des Kreises der Lernenden erfordert die Professionalisierung der Lehrenden.
Die Institutionalisierung in Schulen macht den Unterricht unabhängig vom Wechsel der Lehrenden und Lernenden. Das Hamburger Modell ist nur in freiheitlichdemokratischen und sozialen Gesellschaften umsetzbar, da eine Offenheit im Bezug auf Veränderungen der Schule und der Gesellschaft ein Kernpunkt des Modells ist und Lehrende und Lernende gemeinsam Probleme, Alternativen und Lösungsmöglichkeiten erörtern können sollen. Schüler/-innen sollen aus sich selbst heraus orientierte und handlungsfähige Mitglieder der Gesellschaft werden. Sie sollen fähig sein eine Balance zwischen Selbstverwirklichung als Subjekte einerseits und als kritisch, sozial handelnde Mitglieder der Gesellschaft andererseits zu finden. Dies ist nach Schulz eben nur durch den respektvollen Dialog zwischen Lernenden und Lehrenden“ umsetzbar. Schulz fordert dies grundsätzlich für den Unterricht.
1 Schulz (1980), S. 52
2 ebd., S. 58
3 Schulz (1976), S. 172
6
Unterricht soll so einen Beitrag zur Emanzipation leisten. Unterricht ist aber nur emanzipatorisch relevant, aber nicht Emanzipation selbst. Professionell Lehrende übernehmen eine Vermittlerrolle zwischen Schülern und dem gesellschaftlichem Auftrag. 4
2.1 Prinzip der Interaktion
„Unterricht ist grundsätzlich ein Vorgang der Interaktion, nicht bloß der Information. Interaktion will Unterricht als ein Handlungsgefüge ausweisen, in dem Schüler und Lehrer in gleicher Weise tätig sind. Interaktion bezeichnet Schulz als gemeinsames Bemühen um den gesamten Unterricht, einschließlich Planung. Der Prozess der Unterrichtplanung soll ebenso Interaktion aller Beteiligten sein und ist somit Teil des Unterrichts selbst“. 5 Schulz bezieht sich auf das Konzept von Ruth Cohn „themenzentrierte Interaktion“. Bei der themenzentrierten Interaktion fungiert der Lehrer als Gruppenleiter. Die Gruppeninteraktion besteht nach Cohn aus drei Faktoren: 1. Ich - die Persönlichkeit 2. Wir - die Gruppe 3. Es - das Thema
Die Schüler/-innen werden angeregt das Es also den Sachbezug zu erfassen und zu verstehen um für sich die Nützlichkeit und die Bedeutung abschätzen zu können. Das Ich, der Personenbezug beinhaltet die Anregung der Schüler/innen die eigene Person einzubringen und sich selbst zu reflektieren. Das Wir, die Gruppe umfasst die Lehr-/Lerngruppe als Beziehungsgeflecht, welches durch jedes Mitglied gefördert wird. Diese Faktoren sind eingebettet in die Umgebung (Zeit, Ort, soziale, historische, teleologische Gegebenheiten). Die themenzentrierte Interaktion befasst sich mit den Beziehungen dieser Faktoren zueinander. Der Gruppenleiter beschäftigt sich im Vorfeld mit den Gegebenheiten. Während der Interaktion ist die Aufgabe des Gruppenleiters, die Aufmerksamkeit der Gruppe wechselseitig auf die drei Faktoren zu lenken und so eine dynamische Balance herzustellen. Kernaufgabe des Lehrers ist es
4 vgl. Schulz (1999), S. 36 ff.
5 Peterßen, S. 103
Arbeit zitieren:
Diplom-Pflegepädagogin (FH) Andrea-Eva Schwarz, U. Natour, A. Ludwig, 2006, Unterrichtsplanung: Das Hamburger Modell, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Hamburger Modell der lehrtheoretischen Didaktik
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Didaktische Modelle: Bildungstheoretische und Lerntheoretische Didakti...
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Zwischenprüfungsarbeit, 33 Seiten
Erarbeitung, Anwendung und Reflexion der Portfolioanalyse als Instrume...
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Unterrichtsentwurf, 28 Seiten
Text and Discourse - Gender and Speech
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Hausarbeit, 11 Seiten
Die Haushaltstechnisierung und ihre Folgen
Kulturwissenschaften - Empirische Kulturwissenschaften
Hausarbeit, 18 Seiten
Markenbildung bei Krankenkassen
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Diplomarbeit, 107 Seiten
Fallorientierte Einführung der Erfolgskonten in fragend-entwickelnder ...
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Unterrichtsentwurf, 24 Seiten
Die Marke - definitorische Ansätze und Funktionen
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit, 23 Seiten
Die lehr- und lerntheoretische Didaktik - Das Berliner Modell
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Hausarbeit, 21 Seiten
Die Authentica „Habita“ Friedrich Barbarossas von 1155/58 – Ihre Ents...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Theoretische Grundlagen und Um...
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Hausarbeit (Hauptseminar), 41 Seiten
Kinder und Medien- Medienerziehung im Informationszeitalter
Psychologie - Medienpsychologie
Hausarbeit, 15 Seiten
Bildungstheoretische Didaktik - Wolfgang Klafki
Hausarbeit (Hauptseminar), 15 Seiten
Die 'Logik der Gesten' im Nibelungenlied
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 38 Seiten
Allgemeinbildung in kritisch-konstruktiver Perspektive - Wolfgang Klaf...
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit, 21 Seiten
Andrea-Eva Schwarz's Text Unterrichtsplanung: Das Hamburger Modell ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Andrea-Eva Schwarz hat den Text Unterrichtsplanung: Das Hamburger Modell veröffentlicht
Andrea-Eva Schwarz hat einen neuen Text hochgeladen
The Active Modeler: Mathematical Modeling with Microsoft Excel
Erich Neuwirth, Deane Arganbright, Brooks Cole Publishing Company
The John Deere Two-Cylinder Tractor Encyclopedia: The Complete Model-B...
Don Macmillan, Wayne G. , Jr. Broehl
UML 2001 - The Unified Modeling Language. Modeling Languages, Concepts...
4th International Conference, ...
Cris Kobryn, Martin Gogolla
UML 2002 - The Unified Modeling Language. Model Engineering, Concepts,...
5th International Conference, ...
Jean-Marc Jezequel, Heinrich Hussman, Stephen Cook
The Big Book of Ford Tractors: The Complete Model-By-Model Encyclopedi...
Harold L. Brock, Robert N. Pripps, Andrew Morland
Theorien, Modelle und Methoden der Entwicklungspsychologie
Wolfgang Schneider, Friedrich Wilkening
Professional Modelling: Every Model's Must-Have Guide to the Industry
Louise Cole, Giles Vickers-Jones
0 Kommentare