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Inhalt
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1. Einleitung
1.1 Problematisierung der Methode 3
2. Hauptteil
2.1 Die dargestellte Grausamkeit 5
2.2 Hinrichtungen 7
2.3 Erklärungsmodelle 8
2.3.1 Strukturelle Bedingtheit und epische Gesetze 8
2.3.2 Rechtsgeschichte und kulturhistorische Rela 11
tivität von Grausamkeit
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3. Schluss
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4. Literaturverzeichnis
Anhang: Quellenbelege und Anmerkungen 15
5
Einleitung 1
„In keiner anderen Erzählgattung wird so viel geköpft, zerhackt, gehängt,
verbrannt oder ertränkt wie im Märchen.“
(Enzyklopädie des Märchens 1 )
Scheinbar ungeniert bedient sich das Märchen einer großen Zahl verschiedenster Darstellungen von Grausamkeit und Gewalt. Selbst in der letzten, stark überarbeiteten Ausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder GRIMM fände sich eine erschreckende Zusammenstellung von Grausamkeiten. Anscheinend aber seien zahlreiche Züge von Grausamkeit nicht aus der Sammlung der KHM genommen worden, weil sie wesentlich zum Grundbestand der Erzählungstypen gehörten 2 . Dafür spricht, dass die Darstellung von Grausamkeit durchaus nicht auf die Erzählungen der Brüder GRIMM beschränkt ist:
ANTTI AARNE veröffentlichte 1910 ein „Verzeichnis von Märchentypen“, welches STITH THOMPSON 1961 erweiterte. Es entstand ein literarisch-volkskundlicher Märchentypenkatalog, welcher die in zahllosen Varianten weltumlaufenden Erzählungen auf gewisse Grundtypen zurückführt 3 .
Innerhalb dieses Typenkataloges lassen sich zudem verschiedene Motive von Grausamkeit auffinden, wie z. B. Brudertötung, Einmauern, Kannibalismus oder Kindstötung.
RÖHRICH untersuchte anhand einzelner zentraler Beispiele, wie vielseitig grausame Motive hinsichtlich ihrer kulturhistorischen und psychologischen Beziehung sind 4 . Er unterscheidet 11 Motive von Grausamkeit, und auch hier finden sich Motive von Frauenmord, Menschenopfern, Kannibalismus, Zerstückelung, oder Motive von der Sitte des Hinrichtens und grausamer Strafen.
In dieser Arbeit soll anhand konkreter Beispiele aufgezeigt werden, wie Grausamkeit im Märchen auftritt und wie dieses Auftreten interpretiert werden kann.
1.1 Problematisierung der Methode
Innerhalb der Märchenforschung lassen sich drei grundsätzliche Betrachtungsweisen unterscheiden:
Die didaktische Märchenforschung untersucht unter soziologischen und psychoanalytischen Aspekten die pädagogische Funktion und die Vertretbarkeit dargestellter Grausamkeit. Dabei steht die Frage im Vordergrund, ob die „Darstellung von Gewalt zur Nachahmung reize […] oder eher vorhandene Aggressionen ableite […].“ (EM, 104). Die volkskundliche Märchenforschung konzentriert sich neben psychologischen auf kulturhistorische und rechtsgeschichtliche Aspekte; hier steht vor allem die Frage nach dem Wirklichkeitsbezug der Grausamkeit im Vordergrund, „da jedes Volksmärchen noch irgendwie mit der Wirklichkeit verbunden“ und phantastisch und realistisch zugleich sei. Diese Mischung mache einen wichtigen Teil seines Wesens aus 5 . Der literaturwissenschaftliche Ansatz schließlich untersucht das Märchen auf seine formalen und inhaltlichen Charakteristika. Er konzentriert sich auf dessen strukturelle Bedingtheit und erzählerischen Besonderheiten, denn „den Literaturwissenschaftler interessiert das Märchen nicht als Geschichtsquelle, sondern als Erzählung.“ Dazu seien Wesen und Funktion dieser Erzählungsform zu erfassen 6 . Der Aspekt Grausamkeit wird hier demnach als Phänomen innerhalb der Gattung Märchen betrachtet.
Den Aspekt eines Phänomens scheinen sowohl Märchendidaktik als auch Volkskunde auszuklammern:
Die Didaktik interessiert sich vorwiegend für Grausamkeit im Märchen hinsichtlich ihrer Wirkung auf die psychische Entwicklung des Kindes innerhalb bestimmter Sozialisationsprozesse. Sie betrachtet das Phänomen nur als mögliche Ursache. Die Volks-kunde dagegen stellt historische Rechtshandhabung und kulturelles Brauchtum in den Mittelpunkt ihres Interesses, so dass die im Märchen untersuchte Grausamkeit der Gefahr unterliegt, lediglich als Nachweis historischer Begebenheiten zu dienen. So behauptet z. B. PANZER, der Hauptwert solch „phantastisch törichter Geschichten“ bestehe darin, Bruchstücke der „Weltanschauung urtümlicher Menschheit“ aufzube- wahren: „Was auf den ersten Blick eine lächerliche Erfindung schien, wird in solcher
Beleuchtung zu einer ernsthaften Geschichtsquelle.“ (F. PANZER, Berlin 1926, Abschnitt 37; zit. n. LÜTHI, 76)
Eine solch einseitige Betrachtungsweise scheint aber fragwürdig, da Motive von Grausamkeit zwar durchaus aus urtümlichem Denken erwachsen sein mögen, doch stellt sich auch die Frage, ob der Gattung Märchen anstelle bloßer Geschichtsschreibung nicht auch der Status volkskundlicher Dichtung eingeräumt werden muss. So besteht RÖHRICHs Verdienst darin, dass er neben dem Realitätsbezug des Märchens auch dessen epische Besonderheiten erkannte.
Betrachtet man Literaturwissenschaft als Disziplin, die in Bezug zu Wirklichkeit und Gesellschaft sowie zu deren Wert- und Tradierungssystemen steht, so scheint hier eine interdisziplinäre Vorgehensweise angebracht, die volkskundliche und literaturwissenschaftliche Aspekte miteinander verbindet. Die pädagogische Betrachtungsweise wird hier ausgeschlossen.
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Kerstin Prinz, 2003, Grausamkeit im Märchen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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