1. Lernvoraussetzungen
1.1 Allgemeine Lernvoraussetzungen
Die Klasse 2c wird von 24 Kindern besucht. Der Anteil der Jungen gegenüber der Mädchen ist relativ ausgeglichen (13 Mädchen, 11 Jungen). Lediglich 4 Kinder haben keine deutsche Staatsangehörigkeit (zwei Kinder sind kroatisch, zwei türkisch). Dennoch besitzen viele Eltern keine deutsche Staatsangehörigkeit. In vielen Elternhäusern wird fehlerhaftes Deutsch gesprochen. Etwa die Hälfte der Schüler wachsen zweisprachig auf. Besonders auffällige Sprachschwierigkeiten hat in dieser Klasse jedoch keiner. Lediglich K. verfügt über einen sehr geringen Wortschatz und eher unzureichende Grammatikkenntnisse. Bezüglich des Sozialverhaltens lässt sich sagen, dass es in dieser Klasse eine gute Klassengemeinschaft gibt. Die Kinder wissen um die jeweiligen Stärken und Schwächen ihrer Mitschüler. Wenn Kinder mit der Arbeit fertig sind, fragen sie oft, ob sie anderen helfen können. So kann ich die leistungsstarken Schüler als „Hilfe“ miteinbeziehen. Mit der Zeit lernen sie, wie man anderen wirklich hilft, ohne gleich alles vorzusagen. Das Arbeitsverhalten der meisten Kinder ist relativ gut. Sie sind es inzwischen gewohnt frei zu arbeiten. Tafel- und Wochenpläne sowie Werkstattarbeit sind ihnen vertraut. Die meisten Kinder sind daher gut in der Lage sich zu konzentrieren und ruhig zu arbeiten. Dennoch gibt es auch hier in Bezug auf Motivation, Arbeitstempo und Selbstständigkeit große Unterschiede. P., U., J. und K. brauchen in solchen Phasen oft noch Hilfe, da sie es aus eigenem Antrieb nicht schaffen mit der Arbeit zu beginnen. Im Stuhlkreis fällt es einigen Kindern noch schwer, sich zu konzentrieren und den anderen Kindern wirklich zuzuhören. Bei einigen Kindern äußert sich dies, indem sie andere ärgern und ablenken. Bei anderen ruhigeren Kindern merkt man bei Rückfragen, dass sie oftmals träumen und deshalb nicht wissen, was besprochen wurde.
Um die Leistungsspanne deutlich zu machen, möchte ich im Folgenden zwei Kinder näher beschreiben:
K. ist ein eher leistungsschwaches Mädchen. Auf Grund ihrer unzureichenden Deutschkenntnisse versteht sie nicht immer alles. Allerdings macht sie dies nie deutlich. Sie fragt selten nach, wenn sie etwas nicht verstanden hat, sondern verhält sich ruhig, sodass es passieren kann, dass man ihre (offensichtliche) Hilflosigkeit nicht bemerkt. Da auch ihr sprachliches Ausdrucksvermögen sehr schlecht ist, liegt die Vermutung nahe, dass ihre Probleme hauptsächlich im sprachlichen Bereich liegen. Sie verfügt über einen geringen Wortschatz und unzureichende Grammatikkenntnisse. Im Stuhlkreis versucht sie sich oft darum zu drücken etwas zu sagen, auch wenn jedes Kind reihum etwas sagt. Ihre schriftlichen
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Leistungen sind dementsprechend schwach. Teilweise hat sie noch Probleme beim Lautieren, vermutlich auch auf Grund von Sprachschwierigkeiten. Hinzu kommt, dass sie ein sehr zurückhaltendes und fast ängstliches Mädchen ist. Bei freien Arbeitsaufträgen weiß sie nur sehr selten, was sie machen soll. Doch auch hier bittet sie selten um Hilfe, sondern sitzt still an ihrem Platz.
Y. ist eine sehr aufgeweckte und leistungsstarke Schülerin. Sie versteht Arbeitsaufträge schnell und kann sie erfolgreich und meist sehr kreativ umsetzen. Sie schreibt schon mühelos längere Texte. Ihre Rechtschreibstrategien sind überdurchschnittlich weit entwickelt. Wenn man sie auf neue Regeln hinweist, nimmt sie die Anregungen an und setzt sie häufig auch noch später um. Auch ihr sprachliches Ausdrucksvermögen ist sehr gut.
1.2 Lernvoraussetzungen zum Thema
Die Kinder besitzen ein implizites Grammatikwissen, d.h. wenden grammatische Regeln an, auch wenn sie noch nicht im Unterricht behandelt wurden. In Bezug auf die Sinneinheit Satz ist den Kindern beim Sprechen ganz klar, wie sie sinnvoll betonen müssen, damit die Einheit Satz erkennbar und der Sinn somit verständlich wird. Grammatikalisch sind ihre gesprochenen Sätze jedoch teilweise unvollständig. Bezüglich der Schriftsprache ist das Vorwissen der Kinder geringer. Was ein Satz ist können sie nicht erklären. M., J., Y. und anderen Kindern gelingt es sehr gut grammatikalisch vollständige Sätze mit richtiger Satzstellung zu bilden. Andere Kinder lassen beim Schreiben Worte aus und bilden Sätze wie: Ich ins Schwimmbad. Solche Fehler machen noch recht viele Kinder. Wenn man die Kinder jedoch darauf hinweist, dass in ihrem Text noch Wörter fehlen, finden sie diese oft schon selbstständig.
Während einige Kinder in ihren selbstverfassten Texten schon intuitiv Punkte setzen können, schreiben andere noch ganz ohne Punkte. Die Großschreibung am Satzanfang setzen die Kinder unterschiedlich gut um. Passiv kennen die Kinder die Regel, aktiv wenden sie sie jedoch oft nicht an.
2. Sachanalyse
2.1 Der Satz
Zunächst anzumerken, dass es eine Vielzahl von Definitionen des Begriffs „Satz“ gibt. Ebenso wie bei „Wort“ und „Text“ sind die Grenzen fließend. In dieser Ausarbeitung wird „Satz“ in Anlehnung an Knaurs Grammatik der deutschen Sprache als eine „relativ selbständige und inhaltlich abgeschlossene Einheit verstanden, die als Klangeinheit durch die
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Stimmführung gekennzeichnet ist, zwischen zwei Punkten oder vergleichbaren Satzzeichen (Fragezeichen, Ausrufezeichen) steht und vom Verb als dem zentralen Teil bestimmt wird.“ 1 Ein Satz ist eine Folge von zusammengehörenden Wörtern. Durch diese wird eine Aussage, Frage oder Aufforderung zum Ausdruck gebracht. In seltenen Fällen besteht der Satz auch nur aus einem Wort. Das grammatikalische Konstrukt Satz besteht aus verschiedenen Satzgliedern (Einzelwörtern oder Wortgruppen), die in bestimmter Art und Weise zusammengefügt sind. Diese Satzglieder lassen sich durch die Verschiebeprobe oder die Umstellprobe ermitteln. 2 Ein Satz besteht aus einem Hauptsatz und kann weitere Nebensätze (Gliedsätze) haben. Zur optischen Kennzeichnung eines Satzes gehören die Großschreibung am Anfang und ein Satzendzeichen am Ende. 3 Beim Sprechen werden die Sätze durch kurze Pausen getrennt. Ein Satz ist als Einheit zu erkennen. 4 Man unterscheidet je nach Intonation, Stellung des finiten Verbs und Vorhandensein bzw. Nichtvorhandensein von Fragewörtern oder Partikeln die Satzarten Aussagesatz, Aufforderungssatz, Wunschsatz und Fragesatz. Da in der geschriebenen Sprache die Intonation keine Rolle spielt, muss der Satzcharakter durch sprachliche Mittel gekennzeichnet werden. 5 Neben den oben genannten Kriterien zählen hierzu die Satzendzeichen Fragezeichen, Ausrufezeichen und Punkt.
2.2 Der Aussagesatz
Um einen realen oder behaupteten Sachverhalt zu äußern, bedient man sich des Aussagesatzes. Der Tonhöhenverlauf ist hierbei fallend. Der Aussagesatz folgt dem Grundstellungstyp des Deutschen: An erster Stelle steht das Subjekt oder dessen Adverb(ial) oder Prowort, an zweiter Stelle das finite Verb. 6
Er fährt nach Frankfurt.
Morgen kommen sie zurück.
Zu den Aussagesätzen zählen auch die Ausrufesätze, die eine Emotion ausdrücken. Der Tonhöhenverlauf ist hierbei gleichbleibend. Häufig besteht der Satz aus Haupt- und Nebenton. 7
Bist du aber groß geworden.
1 Götze 1989, 317.
2 Vgl. Die Dudenredaktion 2003, 41 und www.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik), 6.5.06
3 Vgl. www.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik), 6.5.06
4 Vgl. www.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik), 6.5.06
5 Vgl. Götze 1989, 321.
6 Vgl. ebd., 321.
7 Vgl. ebd., 321.
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2.3 Der Punkt
Der Punkt hat verschiedene Bedeutungen. Er steht am Ende eines Aussagesatzes, am Ende eines Satzstückes (Wie findest du das? Gut.) und nach Abkürzungen, die gewöhnlich im vollen Wortlaut gesprochen werden (z.B.). Er kennzeichnet Zahlen, die eine Position in einer Aufzählung oder Menge angeben (der 10. Dezember), er wird in einigen fachspezifischen Fällen zur Trennung von Daten verwendet (IP-Adresse 123.456.7.8.0) und trennt häufig die Tausenderstellen in Zahlen (100.000). 8
2.4 Der Ausgangtext „Am Morgen“
Der Text stammt aus dem Sprachbuch „Pusteblume“ für das 2. Schuljahr. Er besteht ursprünglich aus 37 Wörtern und verfügt lediglich über einen Punkt am Ende. Bis auf die Nomen sind daher alle Wörter (mit Ausnahme des ersten Wortes) klein geschrieben. Die Wörter sind so angeordnet, dass (außer beim letzten Satz) das Satzende nie am Ende der Zeile steht. Man ist jedoch verleitet am Zeilenende eine Pause zu machen. So entstehen ungewöhnliche Sätze. Das Wortmaterial kommt aus der Erfahrungswelt der Kinder und ist den Kinder daher von der Bedeutung her geläufig. Der Text handelt von einem Kind unbekannten Geschlechts. Es wird eine Alltagssituation beschrieben und zwar um das morgendlich Aufstehen, Frühstücken, Anziehen, Packen der Tasche und das von der Mutter zur Schule gefahren werden.
Für die gezeigte Stunde wurde der Text an zwei Stellen geändert. Zum einen wurde der letzte Satz um ein paar Wörter ergänzt (kursive Schrift) und der Punkt am Ende weggelassen. Zum anderen wurde die Überschrift von „Komische Sätze“ in „Am Morgen“ umgeändert.
8 Vgl. Helbig/Buscha 1998, 702 und www.wikipedia.org/wiki/Punkt_(Satzzeichen), 6.5.06
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3. Einordnung der Stunde in die Einheit
1. Sequenz: Punkte mitlesen
2. Sequenz: Punkte einsetzen
Die Bedeutung eines Satzes und die Punktsetzung kann den Kindern in dieser Einheit wohl nicht abschließend bewusst gemacht werden. Dennoch soll die Einheit dafür sensibilisieren. Zunächst sollten die Kinder beim Vorlesen aus der Klassenlektüre die Punkte mitlesen. Hierbei wurden den Kindern bewusst gemacht, dass jeder Text aus Sätzen besteht, die durch Punkte (oder andere Satzendzeichen) voneinander getrennt sind. Zudem wurden die Sätze betrachtet und festgehalten, dass der Satzanfang groß geschrieben wird. Auch dieses war für viele nur eine Wiederholung. Da jedoch nur sehr wenige Kinder das passive Wissen umsetzen können (siehe Lernvoraussetzungen zum Thema), war dies sehr sinnvoll. Nun geht es darum gehörte und dann selbst erlesene Texte in Sätze zu gliedern. Hierbei sollen die Kinder erfahren, dass ein Punkt einen Text in Sinneinheiten gliedert und ein Text ohne Punkte sehr viel schwerer zu lesen ist als mit Punkten. Im Anschluss an diese Sequenz sollen sie mehr und mehr dazu gebracht werden, ihre Texte bewusst zu überarbeiten und Punkte zu setzen.
4. Didaktische Überlegungen
4.1 Warum wurde dieses Thema gewählt?
Die Kinder der 2c können (wie in den Lernvoraussetzungen beschrieben) schon selbstständig Texte verfassen. Allerdings machen sie dies oftmals ohne Satzzeichen. Ihre eigenen Texte können sie trotzdem gut lesen. Wenn sie aber die Texte von anderen lesen, entstehen teilweise Unklarheiten oder Schwierigkeiten, weil nicht klar ist, wo die Lesepause, die einige Kinder schon intuitiv machen, zu setzen ist. Mit einem gezielten Bewusstmachen von Satzenden, soll den Kindern das verständliche Erlesen auch fremder Texte erleichtert werden. Ihnen muss klar sein, dass durch die Verschiebung des Satzendzeichens auch eine Veränderung des Sinnes erfolgen kann und dass man einen Text leichter und verständlicher vorlesen kann, wenn er Punkte enthält. Der Rahmenplan Grundschule erwähnt diesen Aspekt unter dem Punkt „Systematische Aspekte für das Verfassen von Texten nutzbar machen“ und schlägt vor einen Text “ohne Punkt und Komma“ in Sinnabschnitte zu gliedern. 9 Es geht darum den
9 Vgl. Hessisches Kultusministerium 1995, 117.
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Kinder Einsichten in die Strukturen der Sprache zu vermitteln, sie dazu zu bringen Sprache als Form wahrzunehmen und eine Sprachbewusstheit zu erzeugen. 10 Für diese Sensibilisierung sollen die verschiedenen Satzarten und damit auch die unterschiedlichen Satzzeichen noch nicht thematisiert werden. Thema ist zunächst nur der Aussagesatz und den Punkt, da dieser am häufigsten vorkommt und die Kinder an diesem Beispiel die Gliederung eines Textes in Sätze exemplarisch lernen sollen. Zudem kann man sagen, dass die Texte der Kinder zu einem großen Prozentsatz aus Aussagesätzen bestehen und ihnen diese Satzart daher am vertrautesten ist. Erst wenn ihnen klar ist, dass es die Einheit Satz gibt und wie man sie erkennt, können die unterschiedlichen Satzarten thematisiert werden.
Die Satzzeichen (Kommata) werden ebenfalls auf Grund der didaktischen Reduzierung außer Acht gelassen. In der gezeigten Stunde liegt der Fokus deshalb ausschließlich auf Hauptsätzen. Diese sind von ihrem Tonhöhenverlauf einfacher als Sinneinheit zu erkennen und können von den Kindern zudem leichter erlesen werden.
4.2 Warum wurde der Text „Am Morgen“ als Ausgangstext gewählt?
Der Text „Am Morgen“ (ursprünglich „komische Sätze“) wurde ausgewählt, weil er vom Inhalt und vom Wortmaterial altersangemessen ist (siehe Sachanalyse). Es wird ein Geschehen geschildert, das alle Kinder kennen. Inhaltlich dürften deshalb keine Verständnisschwierigkeiten auftreten. Zudem müssten die merkwürdigen Sätze bei allen Kindern für Verwunderung sorgen, da sie die beschriebene Situation anders kennen. Alle Kinder stehen morgens auf - aber doch nicht in der Küche, oder? Viele Kinder frühstücken am Morgen und putzen sich die Zähne. Die meisten packen ihre Schultasche selbst, alle ziehen sich morgens Schuhe an und einige werden mit dem Auto in die Schule gefahren. Um den Kindern nicht schon in der Überschrift zu verraten, dass es sich um komische Sätze handelt und somit den Verwunderungsmoment zu verstärken, wurde die Überschrift in eine neutrale geändert. Um den Schwierigkeitsgrad zum Schluss zu erhöhen, wurde der Teil ‚und will losfahren’ hinzugefügt. So gibt es beim letzten Satz auf den ersten Blick drei Möglichkeiten den Punkt zu setzen: hinter ‚Auto’, ‚Tür’ und ‚losfahren’. Der Satz vor dem Punkt wäre in allen drei Fällen grammatikalisch vollständig. Allerdings bleiben bei der ersten und zweiten Möglichkeit nach dem Punkt Wörter stehen, die zusammen keinen Satz ergeben. Deshalb ist letztendlich nur der Punkt nach ‚losfahren’ grammatikalisch korrekt.
10 Vgl. ebd., 115.
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Arbeit zitieren:
Ricarda Schäfer, 2005, Unterrichtsentwurf: Das Satzzeichen Punkt als Lernstoff für Schüler einer zweiten Klasse, München, GRIN Verlag GmbH
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