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Inhalt
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3.1. Die Ordnung der Geschichte im Vergleich mit der Ordnung
der Erzählung 3.2. Anachronie
3.3. Analepsen
3.3.1. externe Anelepsen
3.3.2. partielle Analepsen
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Primärliteratur
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In der folgenden Arbeit soll am Text Ä6FKOHFKWHV*HZLVVHQ³von Thomas Bern-
hard 1 eine Erzählanalyse vorgenommen werden.
Grundlage für diese Analyse werden Gérard Genettes 2 theoretische Überlegungen
zur literarischen Erzählung sein 3 , die 1972 unter dem Titel Ä'LVFRXUVGX UpFLW³
erschienen sind 4 .
Genette, der in den 1960er Jahren stark vom Strukturalismus beeinflußt wurde, entwickelte auf dieser Basis ein neues System der formalen Textanalyse. In seinem Werk ³)LJXUHV,³aus dem Jahre 1966 anonymisiert er die Rolle des Autors
und lehnt eine Psychologisierung des literarischen Textes durch einen Rückgriff auf die Erfahrung des historischen Autors ab. In ³)LJXUHV ,,³ (1969), ³)LJXUHV ,,,³ (1972) 5 und ³1RXYHDXGLVFRXUVGXUpFLW³(1983) behandelt Genette Fragen
der narratologischen Textanalyse. Dabei nimmt er eine Funktions- und Strukturanalyse der Erzählung vor 6 . Die Terminologie, die er dabei entfaltet hat, ist inzwischen zur ‚lingua franca‘ der Erzähltheorien geworden. Genettes strukturalistischer Taxonomie verdanken Erzähltheorien und Erzähltextanalyse entscheidende Fortschritte an terminologischer Präzisierung und Systematisierung, besonders im Hinblick auf die Beschreibung der Formen der erzählerischen Wiedergabe und zeitlichen Anordnung von Ereignissen 7 .
Bezüglich der Zeitstruktur unterscheidet Genette zwischen den Kategorien der erzählerischen Anordnung des Geschehens (Ordnung), sowie der Geschwindigkeit
1 Der Österreicher Thomas Bernhard wurde im Jahre 1931 in Holland geboren und verstarb 1989 in Oberösterreich. Vgl. hierzu Schmitz, Matthias: Bernhard, Thomas. In: Metzler Autoren Lexikon. Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Hrsg. v. Lutz, Bernd. Ungekürzte Sonderausgabe. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart, Weimar 1997. S. 61-64.
2 Der französische Literaturwissenschaftler wurde 1930 geboren. Vgl. hierzu Antor, Heinz: Genette, Gérard. In: Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Ansätze - Personen - Grundbegriffe. Hrsg. v. Nünning, Ansgar. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart, Weimar 2001. S. 220f.
3 Vgl. hierzu Genette, Gérard: Die Erzählung. Hrsg. v. Vogt, Jürgen. München 1994 (=UTB für Wissenschaft). S. 300.
4 Vgl. hierzu Müller, Beate: Frequenz. In: Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Ansätze -Personen - Grundbegriffe. Hrsg. v. Nünning, Ansgar. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart, Weimar 2001. S. 194; Für diese Arbeit soll folgende Ausgabe verwendet werden: Gérard Genette: Die Erzählung. Hrsg. v. Vogt, Jürgen. München 1994 (=UTB für Wissenschaft).
5 Hierin befindet sich der oben genannte Ä'LVFRXUV GX UpFLW³; vgl. hierzu Müller: Frequenz. S.
194.
6 Vgl. hierzu Antor: Genette. S. 220.
7 Vgl. hierzu Nünning: Erzähltheorien. S. 156.
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(Dauer) und der Häufigkeit (Frequenz) des Erzählens. Außerdem differenziert er zwischen dem Erzählen (Stimme) und der Fokalisierung (Modus) 8 .
Bernhards Ä6FKOHFKWHV*HZLVVHQ³ist vor allem in Hinblick auf die Ordnung
und die Dauer 9 interessant und soll unter diesen Gesichtspunkten, nachdem eine Einteilung der Erzählung 10 in Sequenzen erfolgt ist, näher betrachtet werden. (LQWHLOXQJLQ6HTXHQ]HQ
Die vorliegende Erzählung Ä6FKOHFKWHV *HZLVVHQ³ von Thomas Bernhard läßt
sich in 14 Sequenzen einteilen 11 . Diese sollen nun, einhergehend mit einer kurzen Inhaltsangabe, dargestellt werden.
Die 1. Sequenz (Z. 1-6) schildert den Aufenthalt des Erzählers in einem von ihm gelobten Warschauer Schauspielerklub, wo er die Frau eines sehr bekannten polnischen Malers kennenlernt. In der 2. Sequenz (Z. 6-9) wird diese Dame als sehr gebildet beschrieben und ihre Tätigkeit als Übersetzerin erwähnt. In der 3. Sequenz (Z. 9-12) informiert die Dame den Erzähler darüber, daß ihr Mann im Sterben liegt. Die 4. Sequenz (Z. 13-15) klärt darüber auf, daß die Frau an diesem Abend zum erstenmal seit einem Jahr wieder ausgegangen sei. Die beiden Protagonisten der Erzählung treffen sich noch einige Male, wobei sie Gespräche über polnische und deutsche Literatur und Kunst (5. Sequenz, Z. 15-19) sowie über Politik führen, wobei der Erzähler stets voller Bewunderung für die Polen ist (6. Sequenz, Z. 19-22). Nach zehn Jahren zurück in Warschau, sucht der Erzähler die Dame erneut auf (7. Sequenz, Z. 22-25). In der 8. Sequenz (Z. 25-28), erfährt er, daß der Mann der Frau im Sterben liegt, woraufhin er sie für verrückt hält. Die Situation wird in der 9. Sequenz (Z. 28ff.) aufgeklärt, indem die Dame eröffnet, daß sie nunmehr seit fast zehn Jahren erneut verheiratet ist. Die Hochzeit hatte nach dem Tod ihres ersten Mannes stattgefunden (10. Sequenz, Z. 30f). In der 11. Sequenz (Z. 31-35) wird darüber informiert, daß sich der derzeitige Mann der Dame, der an derselben Krankheit leidet wie ihr erster, auch in derselben Klinik aufhält, in der der Verstorbene lag. In der 12. Sequenz (Z. 35ff.) lädt der Erzähler
8 Ebd.
9 Die genaue Bedeutung dieser beider Begriffe wird dann an entsprechender Stelle erläutert.
10 ‚Erzählung‘ wird hierbei als Begriff zur Beschreibung des Untersuchungsgegenstandes der Narratologie verwendet; vgl. hierzu Antor, Heinz: Erzählung. In: Metzler Lexikon Literatur- und Kul-turtheorie. Ansätze - Personen - Grundbegriffe. Hrsg. v. Nünning, Ansgar. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart, Weimar 2001. S. 155.
Ä6FKOHFKWHV*HZLVVHQ³von Thomas Bernhard befindet sich als Anhang mit Zeileneinteilung auf 11 Seite 17 dieser Arbeit.
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die Dame in den Schauspielerklub ein. Ein Jahr lang hatte sich diese zuvor nicht mehr in Gesellschaft befunden (13. Sequenz, Z. 37-40). Die 14. Sequenz (Z. 40-46) spielt weitere zehn Jahre später. Der Erzähler hält sich erneut in Warschau auf. Trotz dem er die Dame vermißt und ihn ein schlechtes Gewissen plagt, sucht er sie nicht mehr auf.
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3.1. Die Ordnung der Geschichte im Vergleich mit der Ordnung der Erzählung In diesem Kapitel soll das Verhältnis zwischen der temporalen Ordnung der Ereignisse in der Diegese 12 und der pseudo-temporalen Ordnung ihrer Darstellung in der Erzählung untersucht werden 13 . Dazu soll zunächst die Anordnung der Ereignisse oder zeitlichen Segmente im narrativen Diskurs mit der Abfolge derselben Ereignisse oder zeitlichen Segmente in der Geschichte verglichen werden 14 . Die Chronologie der Ereignisabfolge 15 läßt sich an Bernhards Erzählung gut ablesen und sieht, kurz zusammengefaßt, folgendermaßen aus: A) Zu einem unbestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit hat die Dame Thomas Manns Ä=DXEHUEHUJ³ins Polnische übersetzt (2. Sequenz).
B) Seit einem Jahr hatte sich die Frau nicht mehr in Gesellschaft befunden (4. Sequenz),
C) als sie mit dem Erzähler im Warschauer Schauspielerklub zusammentrifft (1. Sequenz).
D) Im Gespräch stellt sich heraus, daß der Mann der Frau im Sterben liegt (3. Sequenz).
E) Der Erzähler und die Dame unterhalten sich über Literatur und Kunst (5. Sequenz) F) sowie Politik (6. Sequenz). G) Der Mann der Dame verstirbt (10. Sequenz), H) sie heiratet erneut (9. Sequenz), I) ihr zweiter Mann erkrankt ebenfalls (11. Sequenz).
J) Die Frau hat sich wiederum seit einem Jahr nicht mehr in der Öffentlichkeit ge- 12 DerBegriff ‚Diegese‘ bezeichnet die ‚erzählte Welt‘; vgl. hierzu Martínez, Matías u. Scheffel, Michael: Einführung in die Erzähltheorie. München 1999. S. 192.
13 Vgl. hierzu Genette: Erzählung. S. 22.
14 Ebd.
15 Dabei werden die entsprechenden Zeitpositionen der Ereignisse in der Geschichte mit Buchsta- ben gekennzeichnet.
Arbeit zitieren:
Nadine Bliedtner, 2002, Eine Erzählanalyse anhand von "Schlechtes Gewissen" von Thomas Bernhard, München, GRIN Verlag GmbH
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