Inhaltsangabe:
1. Einleitung
2. Biographisches zu Livius und Polybios
3. Die Geschichtsschreibung des Livius und Polybios
3.1. Polybios
3.2. Livius
4. Der Ausbruch des 2. Punischen Krieges nach Polybios und
Livius
4.1. Polybios Buch III
4.2. Livius Buch XXI
5. Auswertung
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1. Einleitung
Der 2. Römisch- Karthagische Krieg, eine in ihren Motiven recht zweifelhafte Auseinandersetzung zwischen beiden Völkern, mit doch so weitreichenden Auswirkungen. Der 218 v. Chr. beginnende Krieg spielt eine entscheidende Rolle für Roms Aufstieg zur antiken Weltmacht, da mit seinem Ende 201 v. Chr., Karthago, der größte Rivale Roms im Ringen um die Vormachtstellung im Mittelmeerraum, vorerst besiegt war.
Selbst die antiken Historiker Polybios und Livius erkannten schon dessen Tragweite, wenn er von ihnen als der „denkwürdigste aller Kriege... die je geführt wurden“ 1 oder die Ereignisse des Zeitraums, die zum Aufstieg Roms zur Alleinherrschaft geführt haben, an dessen Anfang der 2. Punische Krieg steht, als von solcher Größe und Bedeutung, „wie sie kein früherer Zeitraum von gleicher Dauer in sich umfaßt“ 2 bezeichnet werden. Diese beiden Geschichtsschreiber bieten auch die umfassensten Überlieferungen zu diesem Krieg. Die vorliegende Arbeit wird sich daher mit dem Vergleich derer im allgemeinen befassen, um einen Eindruck von den unterschiedlichen Arbeitsweisen beider Autoren zu gewinnen, des weiteren mit deren Beschreibungen des Ausbruchs dieses Krieges, woraufhin bewertet werden soll, welchen annähernd objektiven Wahrheitsgehalt beide Ausführungen haben bzw. inwieweit sie patriotisch und subjektiv beeinflußt sind und wessen Ziele der Konfliktparteien möglicherweise ausschlaggebend für den Beginn dieses Krieges waren.
1 Livius, XXI, 1, 1
2 Polybios, III, 1, 3
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2. Biographisches zu Polybios und Livius
2.1. Polybios
Polybios aus Megalopolis wurde um 200 v. Chr. als Sohn des Strategen Lykartes, welcher eine Führerstellung im archaischen Bund bekleidete, geboren. Auch Polybios selbst war bis circa 168 v. Chr. an führender politisch- militärischer Stelle des archaischen Bundes tätig. 166 v. Chr. wurde er unter dem Vorwurf der Makkedonenfreundschaft mit 1000 Geiseln nach Rom deportiert. Dort freundete er sich mit dem damals 18 jährigen Cn. Scipio Aemilianus an. Mit diesem begab er sich auf mehrere ‚Bildungsreisen’ in verschiedene Länder und nahm an seinen entscheidenden Kriegszügen und Belagerungen teil. Folge dessen waren gute geographische Kenntnisse und ein tiefes Verständnis für die römische Tradition, Politik und Staatsführung. Um 150 v. Chr. kehrte er in seine Heimat zurück, nahm aber bereits 149 v. Chr. in Scipios Stab am 3. Römisch- Karthagischen Krieg teil. Im Jahre 120 v. Chr. starb Polybios.
2.2. Livius
Livius wurde 59 v. Chr. in Patavium geboren. Als Sohn einer begüterten Familie genoss er eine umfassende vor allem rhetorisch- philosophische Ausbildung. Für mehrere Aufenthalte in Rom sprechen die Nachrichten über die Bekanntschaft zu römischen Politikern, vor allem zu Augustus. Wahrscheinlich im Jahre 17 n. Chr. starb Livius in seiner Heimatstadt.
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3. Die Geschichtsschreibung des Livius und Polybios
Dieser Gliederungspunkt wird allgemeine Vergleichskriterien der beiden Autoren, einen Einblick in die Arbeitsweise und deren Ziele, sowie eine Quellenkritik der in dieser Arbeit zu interpretierenden Texte beider Geschichtsschreiber enthalten.
3.1. Polybios
Infolge des wechselseitigen Austauschs mit bedeutenden römischen Persönlichkeiten, fasste Polybios den Plan zur Abfassung einer Universalgeschichte. Wahrscheinlich mit dem Ziel, seinen Lesern darzulegen, wodurch Rom seine weltherrschende Machtstellung errungen hat und wie nützlich es für die nicht- römischen Herrscher und Staaten sei, zu einem Ausgleich mit diesem Weltreich zu kommen. Der Titel dieses Hauptwerkes ist ‚Historiai’. Das Werk hat einen Umfang von 40 Büchern, wovon circa ein drittel erhalten ist. Der Teil über den 2. Punischen Krieg ist eine Sekundärquelle, da Polybios an diesem Krieg nicht teilgenommen hat und sich davon durch andere Quellen berichten lassen musste. Welche das sind, ist nicht ganz klar. Bei Ursula Händl- Sagawe wird von Fabius Pictor und Silenos von Kale gesprochen. 3 Aber auch das Geschichtswerk des P. Cornelius Scipio, mit welchem er befreundet war, hat ihm möglicherweise als Vorlage gedient.
Die entscheidenden Gründe für den römischen Aufstieg sah er einerseits in der militärischen und politischen Überlegenheit, mit der die Römer ihre Kriege und Kämpfe gewonnen hatten, andererseits in der besonderen Form der römischen Staatsordnung, welche als ‚gemischte Verfassung’ die Vorteile der monarchischen, der aristokratischen und der demokratischen Staatsform in sich vereinte. Außerdem wies er auf die moralischen und religiösen Kräfte Roms als erfolgssichernde Handlungsgrundlage hin. Polybios stellte sich bewusst in die Tradition des Thukydides, indem er bei seiner Geschichtsschreibung zwischen Ursachen und Anlässen
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unterscheidet und sein Werk als pragmatische Untersuchung mit dem Anspruch der inneren Begründung und Verknüpfung der Ereignisse zur Erforschung der Wahrheit schrieb. Er selbst sagte: „Denn was hilft den Kranken ein Arzt, der die Ursache der Leiden des Körpers nicht kennt?... Daher muss man nichts so genau beobachten und zu erforschen trachten, wie die Ursache eines jeden Ereignisses, da oft aus geringfügigen Dingen die größten Folgen erwachsen…“. 4 Auch Livius betont die unbedingte Zuverlässigkeit des Polybios. Doch auch er schreibt nicht ganz ‚sine ira et studio’. Hier und da ist er durch seine Anhänglichkeit, unter anderem an die Familie der Scipionen bestimmt.
Die Vermittlung der für das Verständnis der militärischen und politischen Ereignisse erforderlichen Sachkenntnisse sollen den militärischen Führern und Staatsmännern zur richtigen Beurteilung und zum richtigen Handeln bei Entscheidungen dienen. Als Mann der Praxis betrachtete Polybios die Beschäftigung mit der Geschichte unter dem Aspekt des Nutzens. Er schrieb also um des pädagogischen Effekts willen. Die Belehrung aus der Geschichte ist seiner Meinung nach das geeignetste Ausbildungsmittel für die Politik.
Von einem Historiker erwartet Polybios, dass er das für sein Thema erforderliche schriftliche Material möglichst vollständig sammelt und in eine Ordnung bringt. Auch auf die Autopsie der geographischen und topographischen Verhältnisse legt er größten Wert, um die ausgetragenen Kämpfe zutreffend darstellen und beurteilen zu können. Als weitere Voraussetzung einer guten Geschichtsschreibung verlangt Polybios Kenntnisse und Erfahrung im Umgang mit politischen Aufgaben und öffentlichen Geschäften. Diese und die vorher genannten Bedingungen kann er, wie im Biographischen erwähnt, zu Genüge erfüllen. Zeitangaben werden von ihm meist nur sehr allgemein angegeben (im Frühling, im Winter…). Von den Abständen der Ereignisse berichtet er in Olympiadenjahren.
3 Ursula Händl- Sagawe, Der Beginn des 2. Punischen Krieges. Ein historisch- kritischer Kommentar zu
Livius Buch 21, München 1995
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Arbeit zitieren:
Claudia Zimmermann, 2005, Der Ausbruch des 2. Punischen Krieges nach Polybios und Livius, München, GRIN Verlag GmbH
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