Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1 Definitionen 2
2 Formen der Gewaltkomik 7
2.1 Obszöne Komik 8
2.2 Groteske Komik 10
3 Funktion der Komik 14
3.1 Angstbewältigung und Positivierung der mala 14
3.2 Darstellbarkeit von Sexualität und Gewalt 14
3.3 Komik und Didaxe 15
Schluss 17
Literaturverzeichnis 19
Einleitung
In Wittenwilers Ring, entstanden am Anfang des 15. Jahrhunderts, haben sowohl die Gewalt, die Obszönität, als auch die Komik und das Gelächter einen zentralen Platz. Die Geschichte des Bauern Bertschi Triefnas, der um seine Mätzli freit und sie schließlich auch heiratet, ist von Beginn an gewalttätig und gleichzeitig komisch, bis es am Ende zu einem äußerst brutalem und grotesken Krieg kommt. Die Gewalt ist fast immer komisch inszeniert, gleichzeitig üben die Figuren Gewalt aus, indem sie andere verlachen. Auch der Leser lacht über die Figuren, nicht mit ihnen. Untersucht werden soll, wie genau Lachen und Gewalt hier zusammenhängen, welche Auswirkungen die Komik auf die Gewalt hat, wie die Gewalt dargestellt wird und warum sie komisch wirkt. Dazu sollen zunächst einige Begriffe, wie Gewalt, Komik, Groteske, Gelächter und Obszönität, definiert werden. Im zweiten Kapitel sollen die Formen der Gewaltkomik, die obszöne und die groteske Gewalt, gezeigt und an Beispielen erläutert werden. Im letzten Kapitel soll es dann um die Funktionen dieser komischen Gewalt gehen, besonders im Hinblick darauf, dass der Ring eigentlich wie eine Didaxe aufgebaut ist, wo man Komik normalerweise selten findet.
1
1 Definitionen
Gewalt:
Im Mittelalter gab es zwei verschiedene Formen der Gewalt. Zum einen „potestas“, die Herrschergewalt, die von weltlichen und kirchlichen Machthabern ausgeübt wurde. Diese spielt für Wittenwilers Ring keine wirkliche Rolle. Die andere Form ist die „violentia“. Diese bezeichnet die körperliche und die verbale Gewalt, die Menschen einander bewusst zufügen und die eigentlich von der „potestas“ kontrolliert werden soll. Dieser Begriff ist für die Gewalt, und damit auch die Gewaltkomik, im Ring ausschlaggebend.
Komik:
Komik ist, laut Sigmund Freud 1 , zunächst etwas Unbeabsichtigtes, das an Personen oder Objekten gefunden werden kann. Man kann Komik allerdings auch absichtlich hervorrufen, weil die Bedingungen der komischen Wirkung bekannt sind. Um eine Person oder ein Objekt komisch erscheinen zu lassen, bedient man sich beispielsweise solcher Mittel wie: Nachahmung, Verkleidung, Entlarvung, Parodie, Karikatur und ähnlichen. Bei der Wahrnehmung von Komik spielt die Herabsetzung der als komisch empfundenen Person oder Sache meist eine ganz zentrale Rolle. Allerdings ist Komik nicht abhängig vom Überlegenheitsgefühl, da besonders bei der Nachahmung kein Gefühl der Überlegenheit aufkommen kann, da man um die Verstellung der komischen Person weiß. Man könnte in dieser Situation also höchstens davon ausgehen, dass man sich der nachgeahmten Person überlegen fühlt, worauf Freud allerdings nicht näher eingeht. Bei der Lust an der Komik erspart man sich den Vorstellungsaufwand. Das Komische lässt nämlich eine kompliziertere Erwartung entstehen, als es erfüllt. Wenn beispielsweise etwas Ernstes mit etwas Banalem zusammengebracht wird, dann wird das „intellektuell Erhabene [. . . ] durch die behauptete Übereinstimmung mit einem vertrauten Niedrigen [. . . ] selbst als etwas ebenso Niedriges entlarvt.“ 2 Vermittelt wird dadurch ein fast schon peinlich erleichterndes Gefühl, das Lust bereitet.
1 Für die Definition von Komik und Witz beziehe ich mich auf: Sigmund Freud: Der Witz
und seine Beziehung zum Unbewussten. Der Humor. Frankfurt am Main 2004.
2 Ebd. S. 223.
2
Darüberhinaus kann Komik auch durch eine „Aufwandsdifferenz“ entstehen. Wenn die komische Person zuviel körperlichen, oder zuwenig geistigen, Aufwand betreibt, als man selbst es tun würde, um ein Ziel zu erreichen, wird sie als komisch empfunden. Bei dieser Art der Komik resultiert die Lust aus dem Überlegenheitsgefühl heraus. Im Unterschied zum Witz kommen beim „Komischen [. . . ] im allgemeinen zwei Personen in Betracht, außer meinem Ich die Person, an der ich das Komische finde.“ 3 Findet man das Komische bei einem Objekt oder Tier, dann geschieht dies meist durch Personifizierung.
Witz:
Während Komik eher „gefunden“ wird, wird der Witz „gemacht“. Das heißt, man benötigt noch eine dritte Person, der er mitgeteilt wird. Freuds Ansicht nach entsteht ein Witz dadurch, dass es dem Erzähler wie dem Zuhörer möglich ist, verdrängte oder bedeckt zu haltende Vorstellungen frei aufrufen oder äußern zu können, ohne Sanktionen befürchten zu müssen. Durch den plötzlichen Wegfall einer beständigen psychischen Unterdrückung dieser Vorstellungen tritt Erleichterung ein. Dies deswegen, weil die Unterdrückung von aufkommenden Vorstellungen ein aktiver Prozess ist, der unbewusst Aufmerksamkeit und psychischen Aufwand erfordert. Fällt dieser Aufwand plötzlich weg, so wird das als angenehm und erheiternd empfunden.
Freud unterteilt Witze in zwei Kategorien: Den harmlosen und den tendenziösen Witz. Der harmlose ist meist ein Wortspiel wie Schüttelreime oder ähnliches. Er entsteht aus der Lust am Wiedererkennen oder der Lust am Unsinn. Unter tendenziös versteht Freud feindselige, obszöne und zynische Witze.
Der feindselige Witz dient der Aggression, Satire oder Abwehr und richtet sich meist gegen mächtige Personen, Institutionen oder Moralvorstellungen. Er verwandelt so den „anfänglich indifferenten Zuhörer [. . . ] in einen Mithasser oder Mitverächter und schafft dem Feind ein Heer von Gegnern, wo erst nur ein einziger war.“ 4 Der obszöne Witz, beziehungsweise die Zote, dient der Entblößung, indem sie sich meist an eine Person richtet, „von
3 Ebd. S. 157.
4 Ebd. S. 147.
3
der man sexuell erregt wird und die durch das Anhören der Zote von der Erregung des Redenden Kenntnis bekommen und dadurch selbst sexuell erregt werden soll.“ 5 Das Motiv der Zote ist also die Lust, das Sexuelle entblößt zu sehen.
Alle tendenziösen Witze haben die Funktion bestimmte Hemmungen oder Tabus zu umgehen, indem sie Dinge ansprechen, die in der gegebenen Situation nicht direkt gesagt werden können, ohne dass man dafür gestraft würde, oder die man sich nicht zu sagen traut (äußere und innere Hemmung). Außerdem verringert man die Kritik am Gesagten, wenn man es in eine komische Form packt: „Wir haben die Neigung, dem Gedanken zugute zu schreiben, was uns an der witzigen Form gefallen hat, sind auch nicht mehr geneigt, etwas unrichtig zu finden, was uns Vergnügen bereitet hat.“ 6
Lachen und Gelächter:
Der Unterschied zwischen Lachen und Gelächter liegt vor allem darin, dass Lachen einer allein kann, während Gelächter erst durch mehrere Personen entsteht. Das Gelächter als sozialer Prozess besitzt eine exklusive und eine inklusive Funktion und wirkt somit entweder gemeinschaftsstiftend oder ausschließend. Je nachdem, ob man mitlacht oder verlacht wird. „Umgekehrt ist die Unfähigkeit, miteinander zu lachen, ein Hinweis auf differente Wertvorstellungen.“ 7
Unterschieden wird ein befreiendes „Lachen mit“ und ein bedrohendes, aggressives, destruktives „Lachen über“. 8 Bei ersterem entsteht ein lachendes Einvernehmen zwischen allen Beteiligten, in dem die handelnde Person sich über Moralvorstellungen und Tabus hinwegsetzt. Sie setzt so „für sich wie für die Lachenden [. . . ] jene Affekte frei und in Gang, die von der Strenge der äußeren oder inneren Zensur unterdrückt waren.“ 9 Ein „Lachen über“
5 Ebd. S. 111.
6 Ebd. S. 146.
7 Röcke, Werner / Velten, Hans Rudolf (Hrsg.): Lachgemeinschaften. Kulturelle Inszenierun-
gen und soziale Wirkungen von Gelächter im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Berlin 2005,
S. XI, Anm. 11.
8 Jauss, Hans Robert: Über den Grund des Vergnügens am komischen Helden. In: Preisendanz,
Wolfgang / Warning, Rainer (Hrsg.): Das Komische. München 1976, S. 103-132, hier:
S. 107.
9 Ebd. S. 108.
4
Arbeit zitieren:
Daniela Rabe, 2006, Gewalt durch Lachen - Lachen über Gewalt: Zur Komik in Wittenwilers Ring, München, GRIN Verlag GmbH
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