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Inhalt
Vorbemerkung I 3
1. Das Leben auf der Walz 3
1.1 Die Walz als Bildungsreise 3
1.2. Der Geselle auf der Herberge 4
1.3. Jahreszeiten und Krankheiten 6
1.4. Das wechselhafte „Gesicht“ der Walz 7
1.5. Obrigkeiten, Militärdienst und Räuber 8
1.6. Die Art, sich fortzubewegen 9
1.7. Arbeitslosigkeit und die Folgen 10
2. Die Walz eines Buchbindergesellen 11
2.1. Vorbemerkung II 11
2.2. Einige Wanderstationen und Erlebnisse des Gesellen 11
3. Schlußbemerkungen 13
3.1. Verläßlichkeit der Autobiographie Henß und Bezüge zu dem
in Sekundärquellen Dargestellten 13
3.2. Fazit 14
Literatur 15
3
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Das Leben und die Erfahrungen eines Handwerksgesellen auf der Walz in der Frühen Neuzeit 1 stehen im Folgenden im Mittelpunkt.
Der Handwerksbursche, der zuvor oft noch nicht einmal im nächsten Ort oder der nächsten Stadt gewesen war, zog nun mit seinem Felleisen 2 auf dem Rücken in eine ihm unbekannte, fremde Welt 3 .
Es soll zusammengetragen werden, unter welchen Bedingungen ein Geselle zu jener Zeit unterwegs war und was ihm während seiner Wanderschaft, die für ihn einen völlig neuen Lebensabschnitt darstellte 4 , widerfahren konnte. Nachdem über die Lebensumstände auf der Walz ein allgemeiner Überblick geschaffen wurde, soll geprüft werden, inwiefern sich die in der Sekundärliteratur dargestellte Situation eines Gesellen auf Wanderschaft in einer Handwerksautobiographie aus dem 18. Jahrhundert widerspiegelt.
Ebenfalls soll betrachtet werden, wie verläßlich solch eine Primärquelle im Bezug auf ein reales Abbild des Lebens eines wandernden Handwerkers in der Frühen Neuzeit ist.
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1.1 Die Walz als Bildungserlebnis
Die Walz war für viele Gesellen eine Bildungsreise 5 , wobei sie jedoch selten von neu erlernten Fähigkeiten, technischem Wissen über besondere Produktions- und Vertriebsformen oder Traditionen des Handwerks an den von ihnen bewanderten Orten erzählten - so berichtete zum Beispiel kein Wagenbauergeselle über technische Erfindungen im Wagenbau und kein Drechsler über neu erfundene Maschi-
1 Derhier behandelte Zeitraum umfaßt das 15. bis frühe 19. Jahrhundert.
2 Ein aus Fellen oder Leder bestehender Sack bzw. Ranzen, der mit einer Eisenstange verschlossen wurde und die Habseligkeiten des Wandernden beinhaltete. In: Versuch eines vollständigen grammatisch=kritischen Wörterbuches der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der oberdeutschen, Bd. 2, hrsg. v. Johann Christoph Adelung, Leipzig 1775 u. Deutsches Wörterbuch, Bd. 4., hrsg. v. Jacob u. Wilhelm Grimm, Leipzig 1862.
3 Vgl. hierzu Bohnenkamp, Möbus, S. 28 f.
4 Anne Bohnenkamp u. Frank Möbus (Hrsg.), Mit Gunst und Verlaub! Wandernde Handwerker: Tradition und Alternative, Göttingen 1989, S. 27.
5 Vgl. hierzu Rainer S. Elkar, Umrisse einer Geschichte der Gesellenwanderung im Übergang von der Frühen Neuzeit zur Neuzeit, in: Ders. (Hrsg.), Deutsches Handwerk im Spätmittelalter und
4
nen 6 . Das kann unter anderem auch daran liegen, daß fremde Moden, insofern es sich nicht um kunsthandwerkliche Produkte handelte, nur selten dem lokalen Geschmack entsprachen 7 . Es war für den Wandernden daher eher von Bedeutung, seine schon in den Lehrjahren erlangten Fähigkeiten während der Wanderjahre für den heimischen Markt zu festigen und zu verbessern.
Paul Löbe erinnert sich beim Erzählen über seine Wanderzeit vor allem an Landschaften, Städte, Menschen und Sehenswürdigkeiten. Arbeit oder gar das Arbeiten in seinem Beruf erwähnt er fast überhaupt nicht 8 . Somit kann die Annahme entstehen, daß „Reiseimpressionen“, wie das Kennenlernen der Wälder, der Berge und des Meeres, die Bewanderung fremder Gegenden und die Kenntnis berühmter Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen einer Stadt 9 von größerer Bedeutung waren als das Erlernen neuer Fähigkeiten im eigenen Handwerk. Doch wer nun schlußfolgert, daß das Leben auf der Walz ein rein Vergnügliches war, der irrt. Die verschiedensten Schwierigkeiten und Hindernisse erwarteten den Gesellen, und das Wandern war in Wahrheit ein oft sehr mühevolles, zuweilen gefährliches und auf jeden Fall gesundheitsschädigendes Unterfangen 10 .
1.2. Der Geselle auf der Herberge
Die Wanderung entwickelte im Laufe ihrer Ausprägung in fast allen größeren Orten die Handwerksherberge 11 , in der der Wandernde gegen ein geringes Entgelt Kost und Logis erhielt 12 . In kleineren Orten wurde der Wanderbursche jedoch noch bis in die Spätzeit des alten Handwerks vom jeweiligen Meister seines Ge-
FrüherNeuzeit (=Göttinger Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Bd. 9), Göttingen 1983, S. 106.
6 Vgl. hierzu Elkar, Umrisse, S. 108.
7 Vgl. hierzu Rainer S. Elkar, Auf der Walz. Handwerkerreisen, in: Hermann Bausinger, Klaus Beyer, Gottfried Korff (Hrsg.), Reisekultur. Von der Pilgerfahrt zum modernen Tourismus, München 1991, S. 61.
8 Vgl. hierzu Stefanie Hose, „Inhaber ist wegen Abweichens von der Reiseroute mit 24 Std. Arrest bestraft und wegen mangelnden Reisegeldes über die Grenze zurückgewiesen.“ Wandernde Handwerkergesellen im 19. Jahrhundert, in: Kieler Blätter zur Volkskunde 23 (1991), S. 191.
9 Vgl. hierzu Ottó Domonkos, Reiserouten der wandernden Handwerksgesellen und die tech-nisch-historische Bedeutung der Gesellenwanderschaften, in: 1. Internationales Handwerksgeschichtliches Symposium. Veszprém 20.24.11.1978, Veszprém 1979, S. 13.
10 Vgl. hierzu Uwe Puschner, Gesellenwandern um 1800. Eine bayrische Fallstudie, in: Gewerbliche Migration im Alpenraum. La migrazione artigianale nelle alpi, hrsg. v. Ursus Brunold, Bozen 1994, S. 103.
11 Vgl. hierzu Helmut Bräuer, Gesellen im sächsischen Zunfthandwerk des 15. und 16. Jahrhunderts. Untersuchungen zu ihrem sozialen Platz, ihrer Organisation und gesellschaftlichen Bewegung. Leipzig 1986, S. 60.
12 Vgl. hierzu Bohnenkamp, Möbus, S. 28.
Arbeit zitieren:
Nadine Bliedtner, 2001, Unterwegs in der Frühen Neuzeit - als Handwerker - Leben und Erfahrung auf der Wanderschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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