Gliederung:
1. Einleitung
2.1 Kurze Vorworte zur Glenn Mills Problematik
2.2 Die Glen Mills Schools
3. Foucault: Macht und Disziplin
4. Anwendung ausgesuchter foucaultscher Begriffe und Überlegungen auf die Glen
Mills Schools
5. Fazit
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1. Einleitung
Diese Arbeit stellt das Ergebnis meiner fortgesetzten Auseinandersetzung mit der in einem Referat von mir vorgestellten Glen Mills Schools dar. Dieses fand im Rahmen des Seminars „Kollektives Lernen und Selbstsozialisation im Sport - Fallstudien zum Lernen in Sportszenen“ statt. Ich habe im Anschluss an das Referat versucht, meine noch relativ unsystematischen Überlegungen zur „Funktionsweise“ dieser besonderen Institution in einen Rahmen zu setzen, der eine Auskunft über die zu Grunde liegenden Mechanismen geben kann. Bei der Suche nach geeigneten Werkzeugen zur Betrachtung stieß ich relativ schnell auf das Buch „Überwachen und Strafen“ (1976) von Michel Foucault und in der weiteren Auseinandersetzung auf große Mengen an Sekundärliteratur hierzu. Ich glaube, dass Foucaults Überlegungen zu Macht und Disziplin - und hier insbesondere seine Fokussierung auf den menschlichen Körper - mir helfen können die Art und Weise, auf die die Glen Mills Schools arbeiten, besser zu verstehen und die vorliegenden Mechanismen zu benennen und in Teilen zu erklären. An dieser Stelle hervorzuheben bleibt, dass diese Arbeit in Anlehnung an Foucault versucht, Mechanismen zu benennen und eventuell zu erklären, jedoch nicht die Gesamtinstitution Glen Mills und ihre Philosophie kritisch darstellt, erklärt oder die verwandten Sachverhalte aufzuklären versucht. Warum dies so ist und ich mich auf einen kleinen Ausschnitt konzentriere, wird im Weiteren klar werden.
2.1 Kurze Vorworte zur Glenn Mills Problematik
Eine Vorstellung der Glen Mills School stellte sich als weitaus schwerer heraus, als es auf den ersten Blick den Anschein hatte. Ich stütze mich bei meinen Aussagen im nächsten Teil einerseits auf die Internetseite der Glen Mills Schools, in weiten Teilen aber insbesondere auch auf eine sehr umfangreiche Expertise des Deutschen Jugendinstitutes (DJI) aus dem Jahre 2002. Mit dieser Expertise ist indirekt dann auch einer der oben kurz erwähnten Gründe genannt, meinen Fokus auf die mögliche Nutzung foucaultscher Denkansätze im Bezug zur Institution zu beschränken. Die Expertise stellte, stark verkürzt ausgedrückt, den Versuch dar, „mit Hilfe ausgewiesener Expertinnen und Experten ein Fachgutachten zu den Voraussetzungen, Bedingungen, fachlichen Möglichkeiten und Grenzen des
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Konzeptes der Glen Mills Schools erstellen zu lassen“. 1 Das Thema „Glenn Mills Schools“ wird und wurde, wie auch in dieser Expertise erwähnt wird, in der Bundesrepublik heftig und kontrovers diskutiert. Die Meinungen tendieren, angefeuert durch Medieninszenierungen und diverse Berichte in Zeitungen und TV 2 , von Befürwortungen des Konzeptes bis zu völliger Ablehnung und Vergleichen zu so genannten „Boot-Camps“.
Was das Konzept ausmacht, ob es nutzbar, „gut“ oder „schlecht“ ist, und was es für die jugendlichen Delinquenten bedeutet, soll hier aber nicht oder nur sehr indirekt behandelt werden. Die sich ergebenden Themen und Diskussionspunkte sind einfach zu umfangreich und entziehen sich in weiten Teilen auch meiner Fachkompetenz.
Ich möchte mich also im Folgenden auf Punkte beschränken, die meinem Interesse nützlich sind, ohne dabei jedoch Wichtiges zu verschweigen oder auszulassen. Vielmehr stelle ich hier erst die Schule allgemein dar und nehme dann in Punkt 4 die Bereiche in den Fokus, in denen sich foucaultsche Ideen in besonderem Maße wieder finden lassen. Das der Versuch der Darstellung, im Rückgriff auf die Expertise nicht immer völlig neutral bleiben kann, ist leider nicht zu vermeiden.
2.2 Die Glen Mills Schools
Die Glen Mills Schools besteht in ihrer heutigen Form seit 1975 und ist mit einer Geschichte, die bis in das Jahr 1826 zurückreicht, die älteste „residential school for court referred young men“ 3 in den Vereinigten Staaten. Sie befindet sich in einer kleinen Gemeinde im Bundesstaat Pennsylvania ca. 35 km entfernt von Philadelphia. Das Programm beschreibt Herbert E. Colla in seinem Aufsatz in der Expertise des DJI 4 kurz gefasst folgendermaßen:
Die Einrichtung hat seit ihrer Übernahme durch den jetzigen Leiter Ferrainola im Jahr 1975 ein Interventionskonzept mit einem ausgeprägten Beharrungsvermögen entfaltet, das sich als Wissen stilisiert hat. Strukturen, Methoden und Sprache werden eingesetzt,
1 Zitat: Deutsches Jugendinstitut e. V. (Hrsg.), 2002, S.2
2 Beispielsweise: Schran, Peter: „Glen Mills-Gang. Gefangen ohne Schloss und Riegel“. 2000
(ausgestrahlt bei ARD; bei ARTE unter Titel: „Eldin im Wunderland - Ein Jahr Strafinternat Glen Mills“)
3 Dies ist die Selbstbezeichnung der Schule, die auf der Internetseite zu finden ist
4 Herbert E. Colla in : Deutsches Jugendinstitut e. V. (Hrsg.), 2002, S.9-29
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um die ungekonnten Problembewältigungsstrategien der Jugendlichen zunächst als solche kenntlich zu machen und dann zum anderen bei der Veränderung dysfunktionaler Verhaltens- und Denkstrukturen hilfreich zu sein. Orientiert an lerntheoretischen Modellen sollen zunächst situationsspezifische Handlungsmuster und -rollen an den Jugendlichen herangetragen werden. Der junge Mensch hat diese Rollen zu übernehmen, soll das Training gelingen und zu einer stabilen Verhaltensveränderung führen. Ein Aushandlungsprozess im Sinne einer alltagsorientierten Sozialpädagogik ist nicht vorgesehen. 5
Die Schule - „eine private, unabhängige und gemeinnützige Stiftung in der Form eines Internates“ 6 - versteht sich selbst als Dienstleistungsunternehmen, in dem zurzeit ungefähr 900 gerichtsüberwiesene Jugendliche untergebracht sind. 7 Der Besuch der Einrichtung fungiert dabei als Alternative zum Gefängnisaufenthalt, auch wenn die Schule laut eigener Aussage Wert auf die „freiwillige Entscheidung“ für den Besuch legt. 8
Die Schule befindet sich auf einem Gelände von mehr als 600 Morgen (das sind ca. 240 Hektar) und setzt sich aus verschiedenen Gebäuden zusammen. So gibt es mehrere Schul- und Werkstattgebäude, eine Bibliothek, sowie eine Kantine und weiterhin mehrere, umfangreiche Sportanlagen. Außerdem befinden sich auf dem Gelände die „Cottages“, Wohneinheiten für Schüler und etwas abgelegen, die Wohnungen für Mitarbeiter. Die Schule selbst rühmt sich eines Erscheinungsbildes, das eher zu Eliteschulen passt, was von einem Großteil der Besucher auch bestätigt wird. 9 Das gesamte Gelände und die Gebäude werden als sehr gepflegt und auffällig sauber bezeichnet, 10 besonders auf die herausragenden Innen- und Außen-Sportanlagen wird auf der Internetseite der Organisation immer wieder hingewiesen. Obwohl in Glen Mills straffällige Jugendliche untergebracht sind, gibt es weder Schlösser an den Türen, noch einen Zaun um das Gelände, was unterschiedliche Gründe hat. Zum einen befindet sich die Schule in einer relativ abgelegenen Gegend, zum anderen wissen die Schüler, dass die Alternative zum Besuch der Einrichtung der Aufenthalt in einem Gefängnis wäre. Mechanismen zur Kontrolle gibt es trotzdem diverse, der vordergründigste und offizielle sind die mehrmals täglich stattfindenden Anwesenheitskontrollen in den Gruppen.
5 Zitat: Deutsches Jugendinstitut e. V. (Hrsg.), 2002, S.10
6 Zitat: ebd., S.9
7 Vgl. ebd.
8 Vgl. Deutsches Jugendinstitut e. V. (Hrsg.), 2002, S.9
9 Etwa: Deutsches Jugendinstitut e. V. (Hrsg.), 2002, S.31
10 ebd.
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Arbeit zitieren:
Florian Zibell, 2004, Die Glen Mills Schools in den USA - Versuch einer Veranschaulichung anhand ausgesuchter Überlegungen Foucaults, München, GRIN Verlag GmbH
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