Inhalt:
1. Dickens Zeit - Zeithintergrund. 4
2. Kurzbiographie 5
3. Ausgewählte Themenkomplexe und ihre Bedeutung für Werk und Autor 8
3.1 Religion 8
3.2 Frauenbild 12
3.3 Armut 17
4. Fazit 21
1
Einleitung:
Charles Dickens gilt als einer der größten Schriftsteller seiner Zeit, dem Viktorianischen Zeitalter. Im Nachhinein betrachtet mangelte es zu seiner Zeit lange an vergleichbaren Schriftstellern, die auch später von Literaturkritikern und Liebhabern ähnlich hoch eingeschätzt wurden. 1 Auch heute behält der Autor seinen Status als wichtiger Vertreter seiner Zeit und bedeutender Autor. Dies spiegelt sich sowohl in immer weiter erscheinender neuer Fachliteratur zum Thema, als auch der Präsenz der Werke in Schule und Universität wider.
Diese Arbeit schließt als konsequente Weiterführung meines besonderen Interesses am Autor und an ausgewählten Themen, das im Seminar „Charles Dickens“, im Sommersemester 2005 an der Uni Oldenburg geweckt wurde, an.
Es ist meine feste Überzeugung, dass jeder Autor in seiner Zeit verhaftet ist und in seinem Werk auf einfache oder auch sehr schwer zu entschlüsselnde Art und Weise einen Teil dessen preisgibt, was ihn in seinem Innersten bewegt und antreibt. Durch aufmerksames Lesen können wir uns in vielen Romanen ein Bild davon machen, wie der Autor zu den Vorgängen seiner Zeit stand, oder eine Bild davon entwickeln, wie Menschen zur Zeit des Autors gelebt haben mögen. Mit Hilfe von Sekundärliteratur, ausführlicher Recherche und aufmerksamen Lesens der Werke ist es uns möglich hinter Vordergründiges zu schauen und den Autor so für uns zu entdecken. In der vorliegenden Arbeit möchte ich versuchen an ausgewählten Beispielen und Themenkomplexen, ein Bild davon zu zeichnen, welche vielfältigen Faktoren und Geschehnisse den Autor und Mensch Charles Dickens zu Lebzeiten beeinflusst und angetrieben haben mögen. Einen biographischen Ansatz, oder gar einen psychologischen/ psychoanalytischen Ansatz, wie er in der Literaturwissenschaft praktiziert wird 2 kann und will ich hierbei aber aus unterschiedlichen Gründen nicht, oder nur in kleinen Teilen, wählen. Mein Erkenntnisinteresse soll ein breiteres und allgemeiner gefasstes sein.
Mit der Hausarbeit möchte ich mein Verständnis des Autors Charles Dickens, in seiner Zeit und Lebenswelt, aufbauend auf den vielfältigen Informationen aus dem Seminar, vertiefen und dem Leser der Arbeit einen interessanten und eventuell
1 Vgl. Maack 1991, S.23
2 Vgl. Korte/Müller/Schmied 1997, S.96
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neuen Einblick verschaffen. Die Auswahl der näher untersuchten Themenbereiche Religion, Frauenbild und Armut sowie die sich anschließenden Vergleiche und Bezüge zu Werken, sowie Persönlichkeiten aus dem Leben des Autors, mag im Hinblick auf die Rezensionen, Kritiken und die zahlreichen anderen Veröffentlichungen zu Charles Dickens als eher kleiner Beitrag erscheinen, diese Auswahl ergibt jedoch eine Collage dessen, was während der Arbeit im Seminar mein besonderes Interesse weckte, hier aufgrund des zeitlichen Rahmens aber nur angedeutet werden konnte.
Zum Zweck der besseren Verständlichkeit und einer Möglichkeit der Einordnung in ein größeres Gefüge, stellt die Arbeit in kurzer Form den Zeithintergrund und die Biographie Charles Dickens vor, um sich dann explizit den oben erwähnten Themenkomplexen zu widmen, die, neben anderen, eine entscheidende Rollen im Leben des Schriftstellers gespielt haben und die sich auf die eine oder andere Art und Weise in seiner literarischen Arbeit widerspiegeln. Im Vordergrund stehen hierbei insbesondere die Wirkung und der Einfluss dieser Themenbereiche und Persönlichkeiten auf das Werk und den Autor aus einem literaturwissenschaftlichen Blickwinkel.
3
1. Dickens Zeit - Zeithintergrund
Nur sehr kurz soll zur besseren Einordnung im Folgenden der Zeithintergrund erläutert werden. Wo nötig, wird an gezeichneten Stellen später auf entscheidende Entwicklungen und Umstände gesondert hingewiesen.
Die Lebensspanne Charles Dickens fällt in das Viktorianische Zeitalter, eine Zeit der Veränderungen und des Umschwunges. Die von Zeitgenossen mit dem Namen der von 1837-1901 herrschenden Königin Viktoria bezeichnete Epoche 3 wurde von ebendiesen bereits als eine Zeit des schnellen Wandels wahrgenommen. Wie A. Maack 4 in dem ersten Kapitel ihres Buches, auf das ich mich im Folgenden größtenteils stützen möchte, treffend beschreibt, waren die Veränderungen bereits für Zeitgenossen sichtbar. So war London in kürzester Zeit um ein vielfaches angewachsen (von 1088000 im Jahre 1801 auf 2491000 im Jahre 1851), was zu schlechten Wohnbedingungen und mangelnder Hygiene führte. Das Transportsystem änderte sich nachhaltig, die Erfindung und Verbreitung der Eisenbahn verdrängte stetig Postkutschen, außerdem wuchsen durch die neuen Transportmöglichkeiten industrielle Zentren. Auch das Kommunikationssystem machte dank der neuen Telegraphen, für diese Arbeit aber besonders bedeutend, durch die stärkere Produktion und Verteilung von Büchern und Zeitungen, einen Wandel durch. Die Dampfschifffahrt und die Entdeckung und Eingliederung neuer Kolonien machte England zu der größten Überseemacht der Welt, was zu einem gesteigerten Selbstbewusstsein führte. Die Veränderungen führten aber vor allem auch zu vielen gesellschaftlichen Umbrüchen, die ihren Ausdruck auf der einen Seite in geänderten Gesetzen, einer zunehmenden Demokratisierung und einem Wandel der Wertevorstellungen, auf der anderen Seite aber auch in zunehmender Armut (hierzu mehr in 3.3), fanden. 5
Die zeitgenössische Leserschaft des Charles Dickens bestand zum größten Teil aus der stark angewachsenen Mittelschicht, teilweise aber auch aus der Arbeiterklasse. Die Erwartungen, die die Leser an die Autoren stellten, waren laut Maack (1991) durchaus widersprüchlich, beispielsweise standen sich eher an der Wirklichkeit
3 Vgl. Maurer 1997, S.353
4 Vgl. Maack 1991, S.19f
5 Alle Angaben sind Maack 1991, S.18-21 und Maurer 1997, S.354f entnommen
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orientierte Romane und die Forderung nach „Happy endings“ gegenüber. 6 Nur kurz möchte ich hier auf die Publikationsbedingungen, mit denen Charles Dickens sich konfrontiert sah eingehen, da sich dieses Thema verständlicherweise an späteren Stellen - in Form einer Einordnung der Themen in Zeit und Rezeption - noch wieder findet. Die Romane und Veröffentlichungen Dickens waren unterschiedlichsten Faktoren unterworfen. Oliver Twist etwa war als Fortsetzungsgeschichte in einer Zeitung abgedruckt, was ermöglichte, teilweise aber auch dazu zwang, die Handlung, die Charaktere und die Themen ständig den Wünschen der Leserschaft, besonders aber denen des Verlegers anzupassen, was teilweise einen erheblichen Druck auf die Schriftsteller ausübte. 7 Die „Viktorianische Prüderie“ und die weit verbreitete Konvention, Romane vor der versammelten Familie vorzulesen, sowie die Monopolstellung von Leihbüchereien, deren Besitzer Romane je nach Inhalt anboten oder aus dem Sortiment verbannten, schränkten den Inhalt und die kritische Auseinandersetzung mit Themen der Zeit stark ein. 8 Wenn Dickens diese Konvention des angepassten Schreibstils auch in Nebenbemerkungen satirisch hinterfragte, so hielt er sich im Streben nach Erfolg doch weitestgehend an sie. 9 Wie diese und weitere Einflüsse sich also konkret in seinen Werken äußern soll an späterer Stelle, anhand der früher erwähnten Beispiele, aufgezeigt und erläutert werden.
2. Kurzbiographie
Im Folgenden wird nun kurz die Biographie Charles Dickens vorgestellt. Die hier vorgestellten Lebensabschnitte und Begebenheiten sollen den Punkten 3.1, 3.2 und 3.3 als Hintergrundfolie dienen, als Verständnisgrundlage dessen, was im weiter gefassten Sinne den Autor prägte und ihn in seinem Schaffen beeinflusst haben mag.
Charles Dickens wurde am 7. Februar 1812 in Landport, Hampshire als zweites Kind von John und Elizabeth Barrow Dickens geboren. Sein Vater John war als Marinezahlmeister in der königlichen Marine angestellt und obwohl er gut bezahlt
6 Vgl. Maack 1991, S. 21, sowie Gissing 1898, S.67
7 Vgl. Ford 1974, S.23, sowie Maack 1991, S.28 und 29
8 Vgl. Goetsch 1986, S.18 und S.19
9 Vgl. Maack 1991, S.26 und S.27
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Arbeit zitieren:
Florian Zibell, 2005, Charles Dickens - Das Leben des Autors und sein Werk als untennbare Einheit - Eine exemplarische Untersuchung, München, GRIN Verlag GmbH
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