Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Entstehung eines Protestklimas
2.1 - Erste Stationen des kollektiven Protests
in der ehemaligen DDR 5
2.2 - Erosion des ideologischen Überbaus 6
2.3 - Figurationen der Makroebene 7
2.4 - Ereignisse vor der friedlichen Revolution 8
3 Massenhandlungen 10
3.1 - Ausdruck der politischen Deprivation 10
3.2 - Komponenten der kollektiven Mobilisierung 11
3.3 - Die zwei Formen der sozialen Bewegung 13
3.4 - Aspekte der friedlichen Revolution 15
3.5 - Gründe für die ausbleibende Eskalation
der Gewalt 17
3.6 - Das Trittbrettfahrerphänomen 18
4 Mobilisierung 20
4.1 - Erklärungsschema der Mobilisierung 20
5 Das Mikroschema der Teilnahmeentscheidung 21
5.1 - Generalisierte Entscheidungsstruktur für
individuelle-nutzenorientierte Akteure zu
Beginn der Proteste 22
5.2 - Änderungen der Randbedingungen 23
5.3 - Akteursgruppen mit nicht instrumentell-
eigenn ützigen Handlungsantrieben 25
5.4 - Der Emergenzeffekt 27
5.5 - Andere Koordinationsformen 29
5.6 - Erweiterung der Grenzen des
Diffusionsmodells S. 30
2
6 Zusammenfassung/ Ausblick 33
Abbildungen S. 35
Literaturverzeichnis S. 38
Internetrecherche S. 41
3
1 Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich grundlegend mit dem Verlauf der Oktoberrevolution in der nunmehr ehemaligen DDR. Mit welcher Logik lassen sich der spontane Ausbruch, sowie der lawinenartige Verlauf der Demonstrationen im Oktober erklären? Es wird darauf eingegangen, unter welchen Umständen vereinzelter Wider-stand in kurzer Zeit zu massenhaften Demonstrationen führte. Dazu soll insbesondere der steile Anstieg der Protestierenden während der Leipziger Demonstrationen rückblickend erläutert werden. Um die Entscheidungssituation der Akteure darzustellen, wird das Modell von Bernhard Prosch und Martin Abraham verwendet.
Da eine Erklärung nach einem Makro-Mikro-Makro Schema erfolgt, werden ein Abriss der wichtigsten Ereignisse vor dem Umbruch und deren kausale Wirkunken dargelegt. Die Arbeit beinhaltet eine Zusammenführung verschiedener Erklärungsmodelle für den Verlauf des steilen Anstiegs der Teilnehmerzahlen. Kritische Betrachtungen mit Hinblick auf die Interpretationen von Schwellenmodellen bezüglich der Schwellenwertverteilung und Schwellenwertgrenzen von Modellen werden ebenfalls integriert. Dabei werden die Ereignisse in Leipzig herangezogen, um exemplarisch analysiert zu werden. Der Verlauf der friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR im Jahr 1989 erreichte ein Resultat, dessen Folgen auch umfassende Veränderungen für die BRD bedeuteten. Ebenso änderte sich auch die weltpolitische Lage auf gravierende Weise, vor allem zwischen den Großmächten USA und Sowjetunion. Die Vereinigung Deutschlands durch eine friedliche Revolution ausgelöst, bewirkte also Zäsuren auf nationaler, europäischer und globaler Ebene. In dieser Arbeit werden die Ausdrücke Umbruch, Wende, oder Revolution trotz unterschiedlicher Konnotationen synonym verwendet. Die Ausdrücke SEU-Modell,
Wert/Erwartungsmodell, sowie Kosten/Nutzenmodell werden ebenfalls gleichbedeutend gebraucht.
4
2 Entwicklung eines Protestklimas
2.1 Erste Stationen des kollektiven Protests in der ehemaligen DDR
Den ersten Widerstreit von Bürgern der ehemaligen DDR gab es bereits im Jahr 1953 in Form eines Streiks von Ostberliner Bauarbeitern, der sich zu einer Protestbewegung für verbesserte Arbeitsbedingungen, freie Wahlen und die Ablösung der Regierung in der DDR ausweitete. „Angesichts der Ohnmacht von ostdeutscher Partei- und Staatsführung, konnte der Aufstand nur durch sowjetische Besatzungstruppen niedergeschlagen werden“. (Bleek, 2002, S. 89).
Am 13. August 1961 ließ die DDR-Führung die Grenzen schließen und begann symbolträchtig die Berliner Mauer zu errichten, um damit die DDR zum „Westen“ hin zu isolieren. Der Grund für diese Reaktion war die massenhafte Auswanderung von insgesamt drei Millionen Menschen seit Gründung der DDR. Unter den Flüchtigen befanden sich viele Partei-/Organisationsmitglieder, welche der DDR aufgrund der erlebten Erfahrungen mit dem praktizierten Sozialismus entsagten. Das Regime sah in der Abwanderung gut ausgebildeter Kräfte eine Schwächung der Wirtschaftskraft (vgl. Wikipedia: Geschichte der DDR).
Die Labilität der DDR wurde zusätzlich dadurch intensiviert, dass einesteils die Forcierung der Kollektivierung der Landwirtschaft vorangetrieben wurde, andernteils verschärften die Drohungen Chruschtschows die Berlin-Krise. (Vgl. Bleek, 2002, S.112)
Ab diesem Zeitpunkt konnte die DDR-Regierung Widerstand in der Bevölkerung nur noch durch den Einsatz von Gewalt in den verschiedensten Formen unterdrücken, sei es in Form subversiver, sozialistischer Propaganda oder durch stalinistische Unterdrückungsmethoden der Staatsicherheit. Die folgenden zwanzig Jahre waren geprägt von einer gewissen Stabilität, die schließlich mit Beginn der Achtziger Jahre bröckelte. Obwohl das Eingreifen der sowjetischen Armee gegen die Zivilbevölkerung zeitlich weit vor der Wende lag, wurde durch das men-
5
schenverachtende Handeln der SED-Regierung das Fundament für einen schwelenden Widerstand gelegt, der sich in dem kollektiven Gedächtnis (vgl. Assman, 1992) des Volkes manifestierte. Das kollektive Gedächtnis auf der Makro-Ebene soll verstanden werden als kollektive Erinnerungen, die sich aus individuellen Teilbildern auf der Mikroebene aggregiert haben. Diese Bilder werden unter der Kategorie Unterdrückung durch den Staat subsumiert. (vgl. Blank/Heinrich/Schmidt, 2000, S.256) Weitere kollektive soziale Bewegungen gegenüber Staaten gab es im Zuge der Demokratisierung des Nachkriegseuropas zahl-reich(Griechenland, Spanien, Portugal, Polen). Eine einflussreiche Bewegung war vor allem der Prager Frühling im Jahre 1968, da trotz des militärischen Eingreifens die Reformwünsche der DDR Bürger genährt wurden. (Vgl. Wikipedia, friedliche Revolutionen)
2.2 Erosion des ideologischen Überbaus
Mit den innenpolitischen Reformen der Sowjetunion durch Michail Gorbatschow, die mit den russischen Begriffen „Glasnost“ (Offenheit) und „Perestrojka“ (Umgestaltung) assoziiert werden, ist die Bereitschaft und Hoffnung für Reformen bei der Bevölkerung der DDR geweckt worden. Die Lethargie, in der das Volk erstarrte, begann sich zu lösen. Gegenüber dem Kommunismus aus der UdSSR herrschte überwiegendes Desinteresse und zum Teil Ablehnung bei den Nichtstaatstreuen. Die Bürger orientierten sich nach Westen. Doch durch die Politik Gorbatschows keimte wieder stärkeres Interesse in Richtung Osten auf, nachdem beim Prager Frühling Dubceks 1968 die Erwartungen auf Reformen im Osten stark enttäuscht wurden. Es entstand die Hoffnung, dass mit Hilfe der Politik Gorbatschows, die Weichenstellung einer Öffnung zum Westen eher zu erwarten war, als durch das DDR-Regime. Insbesondere der Parteitag der KPdSU im Februar 1986 ließ die Menschen aufhorchen. Die DDR-Führung unter Honecker verpasste es jedoch auf den neuen Kurs aus Moskau einzuschwenken. Die
6
Distanz der SED ging soweit, dass sogar die Reden Gorbatschows zensiert wurden. Ebenso hatte die Partei beide Auflagen der deutschen Übersetzung von Gorbatschows Buch „Perestrojka“ nahezu komplett aufgekauft, so dass kaum Exemplare in den Buchhandlungen vorhanden waren. Die DDR-Führung distanzierte sich zunehmend von den Plänen Moskaus mit dem Verweis, dass in der DDR alles Bestens sei. Damit isolierte sich die DDR immer stärker innerhalb des Ostblocks und befand sich auf Augenhöhe mit dem diktatorischen Rumänien Ceausescus, während sich die Länder Ungarn, Polen, Bulgarien und auch die Tschechoslowakei der Re-formpolitik Gorbatschows langsam näherten. Jedoch folgte auf diese aufkeimende Hoffnung in den Jahren 1986/87 eine tiefe Resignation der Bevölkerung zum Ende des Jahres 1988. (Vgl. Winters 1990, S.31-40)
Für die Bürger schienen die geweckten Hoffnungen auf Reformen durch den Staat immer aussichtsloser. Ein Grossteil der Bürger dürfte zu diesem Zeitpunkt realisiert haben, dass politische Änderungen von unten kommen mussten, da sogar Reformvorschläge der mächtigeren Schutzmacht durch das Honeckerregime abgelehnt wurden.
2.3 Figurationen der Makroebene
Aufgrund der globalen Machtverhältnisse wurde der Status der Staaten, welche durch die antagonistischen Auseinandersetzungen während des Kalten Krieges zwischen Ost und West betroffen waren, stetig gegenseitig angegriffen. Insbesondere versuchten die Staaten an der Spitze der Staatenpyramide jeweils ihr Machtpotential zu erhöhen.
Aus dem entstandenen Interdependenzgeflecht staatlicher Einheiten entwickelte sich eine Machtbalance, die in der Folge zu einer Doppelbinder Falle zwischen den USA und der UdSSR führte. Die bipolare Situation der beiden Hegemonialmächte an der Spitze der Staatenpyramide war eine Figuration, welche durch die Sowjetunion und den USA gebildet wurde. (Vgl. Elias, 1970,
7
S.189)
Infolge dieser Auseinandersetzung wurden weitere Staaten in das Kraftfeld dieser Auseinadersetzung gezogen, so auch die DDR als sozialistischer Satellitenstaat der Sowjetunion. Die innerstaatlichen Spannungen der DDR kristallisierten sich an der Spannungsachse der polarisierten Großgesellschaft UdSSR und USA (vgl. Elias 1970, S.191).
Mit der Politik Gorbatschows und Reagan änderte sich die Figuration zwischen beiden Staaten USA und Sowjetunion entscheidend. Die Doppelbinder Falle wurde gelockert durch Abrüstungsverträge. Weitergehend versuchte Gorbatschow mit „Perestrojka“ unter anderem eine außenpolitische Öffnung zu erreichen, wonach jedem Ostblockstaat ein eigener Zugang zum Sozialismus unabhängig von der Sowjetunion ermöglicht werden sollte. So war die DDR, eingebettet in den Ostblock, lange Zeit nicht fähig, ihren eigenen Kurs zu steuern, so dass die Partei über-fordert mit der neuen Situation an alten Figurationen festhalten wollte, indem versucht wurde sich stärker an das kommunistische China zu binden.
Das Honecker-Regime versuchte den Ostblock erfolglos aufrechtzuerhalten, während alle anderen Ostblockstaaten begannen, sich zu lösen (vgl. Wikipedia: Ostblock). Die stärker werdende außenpolitische Isolierung der DDR blieb schließlich nicht folgenlos für die innenpolitische Situation und trug somit zur Entstehung eines Protestklimas bei.
2.4 Ereignisse vor der friedlichen Revolution Insbesondere bildeten aber die Ereignisse, die mittelbar vor dem Umbruch eingetreten waren, stärkere mobilisierende Motive für darauf folgende Protestaktionen und kollektive Meinungsäußerung, die es im Folgenden zu untersuchen gilt. Es folgt eine chronologische Auswahl derartiger Ereignisse: 1987 November; polizeiliche Besetzung der Umweltbiblio-
8
Arbeit zitieren:
B.A. Mirko Suerhoff, 2005, Sozialpsychologische Rekonstruktion der Leipziger Montagsdemonstrationen in der ehemaligen DDR, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Mirko Suerhoff's Text Sozialpsychologische Rekonstruktion der Leipziger Montagsdemonstrationen in der ehemaligen DDR ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Mirko Suerhoff hat den Text Sozialpsychologische Rekonstruktion der Leipziger Montagsdemonstrationen in der ehemaligen DDR veröffentlicht
Mirko Suerhoff hat einen neuen Text hochgeladen
Das Ministerium für Staatssicherheit der ehemaligen DDR als Ideologiep...
Zur Bedeutung einer Heilslehre...
Siegfried Mampel
Völkerrechtliche Fragen der Strafbarkeit von Spionen aus der ehemalige...
Gutachten erstattet im Auftrag...
Jochen A. Frowein, Gunnar Schuster, Rüdiger Wolfrum
Chemie und Irrsinn. Studienjahre in Leipzig 1954 - 1958
Ein Plädoyer für freie Meinung...
Thea Derado
Das Ritual Der Aatu (Cth 490): Rekonstruktion Und Tradition Eines Hurr...
Susann Gorke, Susanne Garke
Schönes Leipzig. Eine Bildreise. Beautiful Leipzig
Beautiful Leipzig
Tom Krausz, Matthias Sachsenweger
Jugendsubkultur in Leipzig 195...
Yvonne Liebing, Uwe Schwabe, Rainer Eckert
0 Kommentare