Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Literaturverzeichnis V
A. Einleitung 1
B. Überblick über einige Leitbilder in der Wettbewerbstheorie 2
I. Klassik. 3
II. Neoklassik 3
III. Workable Competition als Second best (Harvard-Schule) 4
IV. Effective competition. 4
V. Kantzenbach 5
VI. von Hayek (Wettbewerb als Entdeckungsverfahren) 5
VII. Ordoliberalismus (Freiburger Schule, Eucken) 6
VIII. Hoppmann (Neuklassik) 6
IX. Die Chicago School 6
C. Die (derzeitige) Interpretation von Art. 82 EGV und das ihr zugrunde liegende
Leitbild 7
I. Artikel 82 EGV im System des Wettbewerbsrechts 7
II. Das wettbewerbspolitische Leitbild hinter Art. 82 EGV. 8
III. Die Grundzüge der derzeit praktizierten Interpretation von Art. 82 EGV. 8
IV. Vergleich mit Sec. 2 des Sherman-Act 9
D. Der „more economic approach“: Begriff und allgemeine Erörterung 10
I. Der Begriff des „more economic approach“ 10
II. Argumente für und gegen einen „more economic approach“ 11
1. Moderne Ansätze zur Beurteilung der Missbrauchsaufsicht. 11
a. Befürworter einer rule of reason. 12
aa. Weizsäcker: Abuse of a Dominant Position and Economic Efficiency 12
bb. Schmidtchen: Effizienz als Leitbild der Wettbewerbspolitik 13
cc. Weitere Befürworter einer rule of reason. 15
b. Kritiker einer reinen rule of reason 16
aa. Christiansen 16
bb. Voigt/Schmidt 17
II
cc. Weitere Stimmen gegen eine reine rule of reason 17
c. Überblick 18
d. Der „dritte Weg“: optimally differentiated rules 19
2. Folgerung 19
D. Die Entwicklung des „more economic approach“ bei Art. 82 EGV. 21
I. Der EAGCP-Report „An economic approach to Article 82“ 21
1. Allgemeine Grundsätze 21
2. Schädigungen des Wettbewerbs (Competitive Harms) 22
3. Konsequenzen für einzelne Praktiken 23
a. Preisdiskriminierung 24
b. Rabatte 24
c. Kopplung und Bündelung 24
d. Geschäftsverweigerung 25
e. Alleinbezugsbindungen. 25
f. Gezielte Kampfpreisunterbietung. 26
4. Zusammenfassung: Forderungen des EAGCP-Berichts/Unterschiede zur bisherigen
Praxis. 26
II. Das Diskussionspapier. 27
1. Überblick über das Diskussionspapier 28
2. Einführung, Marktabgrenzung und Marktbeherrschung 28
a. Einführung und Verhältnis des Art. 82 EGV zu anderen Vorschriften 28
aa. Inhalt des Diskussionspapiers 28
bb. Reaktionen und Bewertung. 29
b. Marktdefinition. 30
aa. Inhalt des Diskussionspapiers 30
bb. Vergleich mit der bisherigen Praxis der Kommission und der Rechtsprechung 31
cc. Reaktionen und Bewertung 31
c. Marktbeherrschung 33
aa. Inhalt des Diskussionspapiers 33
bb. Vergleich mit der bisherigen Praxis der Kommission und der Rechtsprechung 33
cc. Reaktionen und Bewertung 34
d. Zusammenfassung 36
3. Allgemeiner Rahmen für die Beurteilung von missbräuchlichem Verhalten 36
a. Inhalt des Diskussionspapiers 36
III
b. Vergleich mit der bisherigen Praxis der Kommission und der Rechtsprechung 38
c. Reaktionen 38
aa. Der allgemeine Ansatz 39
bb. Der Effizienzeinwand 40
d. Eigene Ansicht. 40
4. Einzelne Praktiken. 41
a. Kampfpreisstrategien 41
aa. Inhalt des Diskussionspapiers 41
bb. Vergleich mit der bisherigen Praxis der Kommission und der Rechtsprechung 42
cc. Reaktionen und Bewertung 43
b. Alleinbezugsbindungen und Rabatte 44
aa. Inhalt des Diskussionspapiers 44
bb. Vergleich mit der bisherigen Praxis der Kommission und der Rechtsprechung 46
cc. Reaktionen und Bewertung 47
c. Kopplung und Bündelung 49
aa. Inhalt des Diskussionspapiers 49
bb. Vergleich mit der bisherigen Praxis der Kommission und der Rechtsprechung 50
cc. Reaktionen und Bewertung 50
d. Lieferverweigerung 51
aa. Inhalt des Diskussionspapiers 51
bb. Vergleich mit der bisherigen Praxis der Kommission und der Rechtsprechung 52
cc. Reaktionen und Bewertung 53
e. Nachmärkte. 54
aa. Inhalt des Diskussionspapiers 54
bb. Vergleich mit der bisherigen Praxis der Kommission und der Rechtsprechung 55
cc. Reaktionen und Bewertung 55
f. Zusammenfassung 56
5. Konsequenzen des Diskussionspapiers für die praktische Anwendung. 56
a. Mehr wirtschaftlicher Spielraum 56
b. Restriktivere Intervention gegenüber MBUs. 57
c. Kompliziertere Selbsteinschätzung, höhere Transaktionskosten 57
d. Beweislast für Effizienz 57
6. Wird das Diskussionspapier den Erwartungen gerecht? 58
III. Ausblick 59
IV
• Stellungnahme von Allen & Overy
• Stellungnahme der American Chamber of Commerce
• Stellungnahme der Antitrust Alliance
• Stellungnahme von Baker and McKenzie
• Stellungnahme der Bayer AG
• Stellungnahme des Bundesverbands der deutschen Industrie e.V. (BDI)
• Stellungnahme von CBI
• Stellungnahme von CMS
• Stellungnahme von Crowell and Moring
• Stellungnahme der Deutschen Telekom AG
• Stellungnahme der Vereinigung für Gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht e.V.
• Stellungnahme von Freshfields Bruckhaus Deringer
• Stellungnahme der International Bar Association
• Stellungnahme von Simmons & Simmons
• Stellungnahme von Taylor Wessing
• Stellungnahme von White & Case
V
Reden:
Kroes, Neelie Rede anlässlich des Treffens mit dem Committee on economic and Monetary Affairs im Europäischen Parlament am 21. Juni 2005, im Internet abrufbar unter: http://ec.europa.eu/comm/competition/speeches/index_20 05.html
dies. Closing Remarks at Public Discussion on Article 82 (abuse of dominance), Rede anlässlich der öffentlichen Diskussion des Art. 82 Diskussionspapiers, Brüssel, 14. Juni 2006, im Internet abrufbar unter: http://ec.europa.eu/comm/competition/antitrust/others/kroe s.pdf
Monti, Mario Rede anlässlich der Fordham Annual Conference on International Antitrust Law and Policy, New York, 24. Oktober 2003, im Internet abrufbar unter: http://ec.europa.eu/comm/competition/speeches/ index_2003.html
ders. Rede anlässlich der UNICE Konferenz zur Reform des Wettbewerbsrechts
Brüssel, 11. Mai 2000, im Internet abrufbar unter: http://ec.europa.eu/comm/competition/speeches/index_20 00.html
VI
Schrifttum:
Aberle, Gerd Wettbewerbstheorie und Wettbewerbspolitik 2. Aufl., Stuttgart Berlin Köln 1992 (zitiert: Aberle, Wettbewerbstheorie und Wettbewerbspolitik)
Bishop, Simon The Article 82 Discussion Paper: A Missed Opportunity Marsden, Philip ECJ (European Competition Journal) 2006, S. 1 ff. (zitiert: Bishop/Marsden, ECJ 2006, 1)
Bloch, Robert A Comparative Analysis of Art. 82 of the EC Treaty Kamann, Hans-Georg and Sec. 2 of the Sherman Act Brown, Jay ZWeR 2005, S. 325 ff. Schmidt, Jens Peter (zitiert: Bloch/Kamann/Brown/Schmidt, ZWeR 2005, 325)
Bundeskartellamt (Hrsg.) Tagungsbericht: Wettbewerbsschutz und Verbraucherinteressen im Lichte neuer ökonomischer Methoden WuW 2005, S. 42 ff. (zitiert: Bundeskartellamt, WuW 2005, 42)
Christiansen, Arndt Die „Ökonomisierung“ der EU-Fusionskontrolle: Mehr Kosten als Nutzen? WuW 2005, S. 285 ff. (zitiert: Christiansen, WuW 2005, 285)
Christiansen, Arndt Competition Policy with optimally differentiated rules Kerber, Wolfgang instead of „per se rules versus rule of reason“ Journal of Competition Law and Economics in Vorbereitung zur Veröffentlichung in Druckform bis dahin im Internet abrufbar unter: http://jcle.oxfordjournals.org (dann auf Advance Access) (zitiert: Christiansen/Kerber, JCLE)
VII
Eucken, Walter Die Grundlagen der Nationalökonomie
8. Auflage, Berlin Heidelberg 1965 (zitiert: Eucken, Nationalökonomie)
ders. Grundsätze der Wirtschaftspolitik
4. Auf., Tübingen 1968 (zitiert: Eucken, Wirtschaftspolitik)
Géradine, Damien Price Discrimination under EC Competition Law: The Petit, Nicolas Need for a case-by-case Approach College of Europe, Brugge GCLC Working Paper 07/05 im Internet abrufbar unter: http://gclc.coleruop.be/workingpapers.htm (zitiert: Géradine/Petit, Price Discrimination)
Grabitz, Eberhard Das Recht der Europäischen Union Hilf, Meinhard Bd. II - EUV/EGV Stand Dezember 2005 (zitiert: Grabitz/Hilf/Bearbeiter)
Hayek, August F. von Wirtschaftstheorie und Wissen in: ders.: Individualismus und wirtschaftliche Ordnung, S. 49 ff.
2. Aufl., Salzburg 1976 (zitiert: Hayek, Wirtschaftstheorie und Wissen)
ders. Der Wettbewerb als Entdeckungsverfahren in: ders.: Freiburger Studien, gesammelte Aufsätze, S. 249 ff. Tübingen 1969
(zitiert: Hayek, Wettbewerb als Entdeckungsverfahren)
VIII
ders. Recht, Gesetzgebung und Freiheit Bd. 3: Die Verfassung einer Gesellschaft freier Menschen München 1981
(zitiert: Hayek, Recht, Gesetzgebung und Freiheit)
Hildebrand, Doris Der „more economic approach“ in der Wettbewerbspolitik WuW 2005, S. 513 ff. (zitiert: Hildebrand, WuW 2005, 513)
Immenga, Ulrich Der „more economic approach“ als Wettbewerbspolitik WuW 2006, S. 463 (zitiert: Immenga, WuW 2006, 463)
Immenga, Ulrich EG-Wettbewerbsrecht Mestmäcker, Ernst-Joachim Kommentar München 1997
(zitiert: Immenga/Mestmäcker/Bearbeiter)
Langen, Eugen Kommentar zum deutschen und europäischen Kartellrecht Bunte, Hermann-Josef Band 2 - Europäisches Kartellrecht 10. Aufl., München 2006 (zitiert: Langen/Bunte/Bearbeiter)
Lettl, Tobias Kartellrecht München 2005 (zitiert: Lettl, Kartellrecht)
Loewenheim, Ulrich Kartellrecht Meessen, Karl Band 1: Europäisches Recht Riesenkampff, Alexander Kommentar München 2005 (zitiert. LMR/Bearbeiter)
IX
Mestmäcker, Ernst Joachim Versuch einer kartellpolitischen Wende in der EU EuZW 1999, S. 523 ff. (zitiert: Mestmäcker, EuZW 1999, 523)
Möschel, Wernhard The Proper Scope of Government Viewed from an Ordoliberal Perspective: The Example of Competition Policy JITE (Journal of Institutional and Theoretical Economics) 157 (2001), S. 3 ff. (zitiert: Möschel, JITE 157 (2001), 3)
Muris, Timothy Principles for a Successful Competition Agency Chicago Law Review, Vol. 72, No. 1 (2005), S. 165 ff. (zitiert: Muris, Chicago Law Review 72 (2005), 165)
Röller, Lars-Hendrik Der ökonomische Ansatz in der europäischen Wettbewerbspolitik
in: Monopolkommission (Hrsg.), Zukunftsperspektiven der Wettbewerbspolitik, 2005, S. 37 ff. (zitiert: Röller in Monopolkommission, Zukunftsperspektiven der Wettbewerbspolitik, S. 37)
Schmidt, André Der „more economic approach“ in der Voigt, Stefan Missbrauchsaufsicht: Einige kritische Anmerkungen zu den Vorschlägen der Generaldirektion Wettbewerb Diskussionsbeiträge des Volkswirtschaftlichen Seminars Universität Göttingen, Beitrag Nr. 129, April 2006 (zitiert: Schmidt/Voigt, More economic approach)
Schmidt, Ingo Wettbewerbspolitik und Kartellrecht 8. Auflage, Stuttgart 2005
(zitiert: Schmidt, Wettbewerbspolitik und Kartellrecht)
X
ders. More economic approach versus Justitiabilität WuW 2005, S. 877 (zitiert: Schmidt, WuW 2005, 877)
Schmidtchen, Dieter Effizienz als Leitbild der Wettbewerbspolitik: Für einen „more economic approach“
in Oberender (Hrsg.), Effizienz und Wettbewerb, 2005, S. 9 ff.
(zitiert: Schmidtchen, Effizienz als Leitbild der Wettbewerbspolitik, in Oberender, Effizienz und Wettbewerb, S. 9)
ders. Abschlussreferat: Die neue Wettbewerbspolitik auf dem Prüfstand
in Oberender (Hrsg.), Effizienz und Wettbewerb, S. 173 ff.
(zitiert: Schmidtchen, Abschlussreferat, in Oberender, Effizienz und Wettbewerb, S. 173)
ders. Der „more economic approach“ in der Wettbewerbspolitik WuW 2006, S. 6 ff. (zitiert: Schmidtchen, WuW 2006, 6)
Smith, Adam An Inquiry Into the Nature and Causes of the Wealth of Nations Oxford 1979 (zitiert: Smith, Wealth of Nations)
Vickers, John Abuse of Market Power The Economic Journal 115 (2005), S. 244 ff. (zitiert: Vickers, The Economic Journal 115 (2005), 244)
XI
Voigt, Stefan Marktwirtschaftlicher Wettbewerb als Entdeckungsverfahren im Internet abrufbar unter: http://www.wirtschaft.uni-kassel.de/Voigt/ publications_data/1theory_ev.pdf (zitiert: Voigt, Marktwirtschaftlicher Wettbewerb als Entdeckungsverfahren)
Weizsäcker, Carl Christian von Abuse of a Dominant Position and Economic Efficiency ZWeR 2003, S. 58 ff. (zitiert: Weizsäcker, ZWeR 2003, 58)
Wirtz, Markus Das Diskussionspapier der Kommission zur Anwendung Möller, Silke von Art. 82 EG auf Behinderungsmissbräuche WuW 2006, S. 226 ff. (zitiert: Wirtz/Möller, WuW 2006, 226)
Zöttl, Johannes Das neue EG-Kartellrecht für Technologietransferverträge WRP 2005, S. 33 ff. (zitiert: Zöttl, WRP 2005, 33)
XII
A. Einleitung
Seit einigen Jahren hält in der Wettbewerbspolitik ein neuer Begriff Einzug, der bislang nicht geläufig war: der „more economic approach“. Diese Entwicklung nahm ihren Anstoß in Person des ehemaligen Wettbewerbskommissars Mario Monti Ende der 90er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Später bezeichnete er in einer Rede die Entwicklung einer ökonomischen Interpretation des EU-Rechts als eines seiner Hauptziele bei der Aufnahme des Amtes als Wettbewerbskommissar 1 . Erster bedeutender Schritt im Prozess der Entwicklung des Europäischen Wettbewerbsrechts war ein Weißpapier der EU-Kommission aus dem Jahr 1999 2 . Darin wurde die Notwendigkeit einer Modernisierung der VO Nr. 17 des Rates von 1962 dargestellt. Ein Kernpunkt war die Entlastung der Kommission, insbesondere durch den Übergang vom Erlaubnisvorbehalt hin zur Legalausnahme im Rahmen des Art. 81 EGV 3 . Früh wurde jedoch von Mario Monti bereits klargestellt, dass die Reform der VO Nr. 17 nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern Teil einer „fundamentalen und umfassenden Reform des gemeinschaftlichen Wettbewerbsrechts“ 4 ist. Resultate der Reformbemühungen der Kommission waren zunächst die Ersetzung der VO Nr. 17/62 durch die VO 1/2003 5 . Im selben Zeitraum erfolgte die Modernisierung der Gruppenfreistellungsverordnungen und ihre Anpassung an das neue System der Legalausnahme 6 . Zudem wurde auch die Fusionskontrolle mit der Ersetzung der VO 4064/89/EWG durch die VO 139/2004/EG dem neuen Ansatz angepasst.
Kurz darauf zeichnete sich auch eine Überarbeitung der Herangehensweise an Art. 82 EGV ab. In den Äußerungen der Kommission kam immer wieder zum Ausdruck, dass sie ihre Politik zur Durchsetzung des Art. 82 EGV überdenkt 7 . Im Juli 2005 erschien der Bericht der Economic Advisory Group for Competition Policy (EAGCP) „An economic
1 Monti, Rede anlässlich der Fordham Annual Conference on International Antitrust Law and Policy, New York, 24. Oktober 2003, S. 3.
2 Weißbuch über die Modernisierung der Vorschriften zur Anwendung der Artikel 85 und 86 EG-Vertrag, ABl. 1999, C 132/1.
3 Weißbuch, aaO, Rn. 69 ff.; vgl. dazu auch Mestmäcker, EuZW 1999, 523, 524 f.
4 Monti, Rede anl. der UNICE Konferenz zur Reform des Wettbewerbsrechts, Brüssel, 11. Mai 2000
5 Verordnung (EG) Nr. 1/2003 des Rates vom 16. Dezember 2002 zur Durchführung der in den Artikeln 81 und 82 des Vertrags niedergelegten Wettbewerbsregeln, ABl. 2003 L 1/1.
6 Vgl. Gruppenfreistellung für Forschung und Entwicklung, VO 2659/2000 vom 29.11.2000, ABl. 2000 L 304/7; für Spezialisierungsvereinbarungen, VO 2658/2000 vom 29.11.2000, ABl. 2000 L 304/3; für vertikale Vereinbarungen, VO 2790/1999 vom 22.12.1999, ABl. 1999 L 336/21; für vertikale Vereinbarungen im KFZ-Sektor, VO 1400/2002 vom 31.7.2002, ABl. 2002 L 203/30; und für Technologietransfer-Vereinbarungen, VO 772/2004 vom 27.4.2004, ABl. 2004 L 123/11.
7 Vgl. etwa Kroes, Rede anlässlich des Treffens mit dem Committee on Economic and Monetary Affairs, im Europäischen Parlament am 21. Juni 2005, S. 2.
1
approach to Article 82“ 8 . Im Dezember 2005 veröffentlichte die Kommission schließlich ein Diskussionspapier zur Anwendung des Artikel 82 auf Behinderungsmissbrauch 9 . Dieses Diskussionspapier beinhaltet den Aufruf zur öffentlichen Erörterung und hat das Ziel vor Augen, später in Leitlinien zur Anwendung des Artikel 82 EGV zu führen. In der Fachwelt stieß das Diskussionspapier auf hohes Interesse und führte zu mehr als 100 Stellungnahmen, die bei der Kommission eingingen.
Im Folgenden soll zunächst ein Überblick über die wichtigsten verschiedenen wettbewerbspolitischen Leitbilder verschafft werden (B.). Danach wird auf die bisher praktizierte Interpretation von Art. 82 EGV und das ihr zugrunde liegende Leitbild eingegangen (C.). Bestandteil dieses Abschnitts ist auch ein Vergleich mit der USamerikanischen Missbrauchsaufsicht (Sec. 2 des Sherman Act). Daran anschließend wird die Entwicklung des „more economic approach“ betrachtet (D. und E.), was inhaltlich den Schwerpunkt der Arbeit bildet. Innerhalb dieser Abschnitte werden zuerst die wirtschaftlichen Gründe für und gegen den „more economic approach“ und danach die Entwicklung konkret bei Art. 82 EGV behandelt.
Um die Wirtschaft in einer Gesellschaft zu steuern, sind verschiedene Modelle denkbar. Ein Konzept besteht darin, die gesamte Wirtschaft von einer zentralen Stelle aus zu planen und zu steuern. Dies wurde in den Planwirtschaftssystemen der sozialistischen Staaten versucht, ist jedoch überall gescheitert. Das andere Extrem ist eine laissez faire Wirtschaft, also ein Wirtschaftssystem ohne jegliche staatliche Kontrolle. Eine derart unkontrollierte Wirtschaft führte jedoch zu Beginn der Industrialisierung zu teils erheblichen sozialen Problemen. Einigkeit muss darin bestehen, dass nur ein freies Wirtschafts- und vor allem Wettbewerbssystem zu gesellschaftlichem Wohlstand führen kann. Aber auch innerhalb dieses Systems sind wieder mehrere Varianten denkbar. So kann man den „idealen“ Wettbewerb entweder im Polypol aus kleinen, allein bedeutungslosen Wirtschaftssubjekten sehen, oder in einem monopolistisch organisierten Markt. Dazwischen sind ebenfalls Abstufungen vorstellbar. Das Leitbild, welches man
8 Report by the EAGCP „An economic approach to Article 82“.
9 DG Competition Discussion Paper on the application of Article 82 of the Treaty to exclusionary abuses.
2
der Wettbewerbspolitik zuschreibt, hat bedeutende Auswirkung auf die Art der Wettbewerbskontrolle 10 . Es ist deshalb für die Beurteilung des „more economic approach“ sinnvoll, kurz die wesentlichen wettbewerbstheoretischen Leitbilder darzustellen 11 .
I. Klassik
Die Klassiker, allen voran der bekannte Nationalökonom Adam Smith, betrachteten Wettbewerb als einen dynamischen Prozess aus Aktion und Reaktion. Jeder Marktteilnehmer agiert danach zu seinem eigenen Nutzen und erhält genau das, was ihm aufgrund seiner Leistung auf dem Markt zusteht. Dieses freie Spiel von Einzelinteressen führt nach Ansicht der Klassiker wie durch eine unsichtbare Hand („invisible hand“) zu allgemeiner Harmonie. Nach heutiger Terminologie würde Smith diesen Zustand vermutlich effizient nennen. Eingriffe des Staates können diese Harmonie nur stören, die Klassik sprach sich deshalb gegen jede Intervention durch den Staat aus. Smith erkannte bereits, dass aus einer Monopolisierung eine Behinderung der Wirtschaft entstehen kann 12 , er ging jedoch davon aus, dass sich Monopole nur dann bilden, wenn sich der Staat einmischt.
II. Neoklassik
Unter den Neoklassikern wandelte sich das Bild des dynamischen Wettbewerbs in das stationäre Gleichgewichtsmodell der vollständigen Konkurrenz (auch: vollkommener Wettbewerb). Dieses ging zum einen von der Prämisse eines stationären Zustands der Wirtschaft aus (alle wesentlichen Faktoren sind gegeben und jedermann bekannt). Zum anderen geht die Neoklassik davon aus, dass der Markt aus vielen kleinen Anbietern und Nachfragern besteht, so dass der einzelne durch sein Verhalten den Preis nicht beeinflussen kann. In einem derart strukturierten Markt würde maximaler Gewinn für Haushalte und Unternehmen, also ein Pareto-Optimum 13 erreicht. Dieses Pareto-Optimum sei ein Zustand maximaler wirtschaftlicher Effizienz. Wettbewerbspolitisch befürworteten Vertreter der Neoklassik Eingriffe des Staates, um den Zustand der vollkommenen Konkurrenz herzustellen. Sie erteilten Eingriffen in das Marktgeschehen
10 So wird sich im Folgenden sogleich zeigen, dass die Frage, ob Wettbewerbsaufsicht an einer rule of reason oder an per-se-Regelungen orientiert sein sollte, sehr stark vom jeweiligen wettbewerbstheoretischen Leitbild abhängt.
11 Vgl. zu den folgenden Ausführungen auch Schmidt, Wettbewerbspolitik und Kartellrecht, 1. Kapitel.
12 Smith, Wealth of Nations, S. 78 f.: „The monopolists, …, sell their commodities much above the natural price, and raise their emoluments, whether they consist in wages or in profit, greatly above their natural rate.“.
13 Unter dem Pareto-Optimum versteht man eine Situation, in der es unmöglich ist, den Nutzen eines Individuums zu erhöhen, ohne den Nutzen eines anderen Individuums zu reduzieren.
3
Arbeit zitieren:
Johannes Hertfelder, 2006, Der "more economic approach" bei Art. 82 EGV, München, GRIN Verlag GmbH
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