Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 4
II. „Neue Marschroute“ - Der Gramscistische Revisionismus 5
1. Strategiekorrektur. 5
2. Gramscis Hegemoniekonzept. 6
III. „Wegmarkierung“ - Die Frankfurter Schule 6
1. Die Theorie. 7
2. Jürgen Habermas 8
3. Die „68er“-Revolution 8
IV. Die Folgen - Zur heutigen Situation. 9
4. Politische Korrektheit. 12
5. Zusammenfassung. 13
V. Fazit aus christlich-konservativer Weltanschauung 13
VI. Literaturverzeichnis 17
3
I. Einleitung
Obwohl der so genannte real existierende Sozialismus mit seinen Schrecken der Vergangenheit angehört und das sozialistische Lager im Moment wenig Bedeutung zu haben scheint, bleiben marxistische Ideen in unserer Gesellschaft in unterschiedlichen Bereichen gegenwärtig. Zwar wird man selten expressis verbis orthodoxe marxistische Positionen wahrnehmen, nicht zuletzt da sich auf dem Gebiet der Ökonomie der „Kapitalismus“ 1 der kommunistischen „Planwirtschaft“ als überlegen erwiesen hat. Und obwohl die „soziale Frage“ des 19. Jahrhunderts in unseren heutigen Wohlfahrtsgesellschaften größtenteils gelöst ist, tritt der Marxismus in vielfacher, revidierter und auch verdeckter Form zu Tage. Die „Lehre“ von Marx ist heute keineswegs verschwunden. Sie hat sich vermischt mit anderen Ideen und Philosophien im so genannten Neomarxismus am Leben gehalten.
Diese Arbeit will die neomarxistische Theorie als solche und ihre Folgen für die Praxis beleuchten. In Bezugnahme auf die Situation in Westeuropa und insbesondere in Deutschland und Österreich soll aufgezeigt werden, dass neomarxistisches Gedankengut es heute (in Verquickung mit liberalen 2 Überzeugungen) zu einer kulturellen Hegemonie gebracht hat. Diese werden dann aus christlich-konservativer Weltanschauung einer Beurteilung unterworfen.
Philosophische Vorbemerkung zum Marxismus
Zum Vorverständnis der folgenden Ausführungen sei erwähnt: der Marxismus 3 und die Weltanschauung der politischen Linken wurzelt in der Philosophie der Moderne. Die Philosophie der Aufklärung ist gekennzeichnet durch einen „Vernunftglauben“, d.h. einen verabsolutierten Rationalismus. Andere Quellen als die Vernunft des autonomen Subjekts, insbesondere eine Offenbarungsreligion, werden für die Erkenntnis der Wahrheit von der Aufklärung, in der Tradition des Deismus stehend, nicht herangezogen. Dadurch entsteht ein Zusammenhang zwischen dem „Vernunftglauben“ und einer Fortschrittsideologie: die Moderne vertritt die Auffassung, dass, wenn die Menschen von ihrer Vernunft nur (genügend) Gebrauch machen würden, der Fortschritt der Menschheit unaufhaltsam sei. Dieser „Fortschrittsglaube“ ist ein wesentliches Element der Philosophie G.W.F. Hegels, auf den Karl Marx zurückgreift.
Mit dem „Vernunftglauben“ in Verbindung steht eine weitere wichtige Idee der angesprochenen Weltanschauung, die der Emanzipation. Vernunft verknüpft mit Freiheit soll zur Emanzipation führen. Dieses Konzept, von der „Frankfurter Schule“ aufgegriffen und weiterentwickelt, versteht sich als eine Befreiung von vermeintlichen Zwängen. Diese Auffassung hat ein Menschenbild zur Grundlage, das den Menschen als ein einzelnes Atom sieht. Dieser Mensch wird dabei nicht mehr als ein Gemeinschaftswesen erachtet, dass zu seiner Entfaltung der Gemeinschaft, etwa der Familie oder dem Volk, bedarf. Dieser Vorstellung wiederum liegt ein Bild vom Menschen zu Grunde, das ihn als „von Natur aus gut“ erachtet. Mit Jean-Jacques Rousseau wird die
1 Anmerkung: Wird mit „Kapitalismus“ ein Wirtschaftssystem bezeichnet, das die grundlegende Rolle des Unternehmens, des Marktes, des Privateigentums und der daraus folgenden Verantwortung für die Produktionsmittel, der freien Kreativität des Menschen im Bereich der Wirtschaft anerkennt, dann ist diese Entwicklung positiv zu beurteilen. In diesem Zusammenhang wäre es passender einfach von „Markwirtschaft“ oder „freier Wirtschaft“ zu sprechen. Wird aber unter „Kapitalismus“ ein System verstanden, in dem die wirtschaftliche Freiheit nicht in eine feste Rechtsordnung eingebunden ist und sich die Beteiligten nicht in den Dienst höherer Werte stellen, wie u.a. die Bewahrung der Schöpfung, dem Einsatz für Arme oder einem Interessenausgleich zwischen Kapital und Arbeiter, dann ist dieser Begriff negativ zu verstehen. Vgl.: Papst Johannes Paul II.: Enzyklika Centesimus Annus
2 Eine liberale Weltanschauung hat wie jede linke, ein aufklärerisch-individualistisches Menschenbild zur Grundlage. Siehe: Philosophische Vorbemerkung zum Marxismus.
3 Karl Marx selbst verstand seine Theorie nicht als Philosophie, sondern als „wissenschaftliche Weltanschauung“.
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Ansicht vertreten, dass der Mensch nicht von Geburt an unvollkommen und begrenzt sei 4 , sondern sozial bedingt, also erworben durch „falsche“ gesellschaftliche Verhältnisse und eine „falsche“ Erziehung, ein „falsches Bewusstsein“ habe. Daher könne der Mensch durch eine „richtige“ Politik wieder das werden, was er eigentlich von Natur aus sei: ein vollkommenes Wesen. Diesen Faden spinnt Karl Marx weiter und macht den „kapitalistischen Prozess“ und das Privateigentum für die Zerstörung des Guten im Menschen verantwortlich.
Im Kern geht es allen linken politischen Kräften in unterschiedlicher Betonung um der Ideale der Französischen Revolution „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“zu verwirklichen. Diese Prinzipien wurden und werden, abstrahiert von der (menschlichen) Wirklichkeit, ohne Beziehung zu einem überindividuellen, gar absoluten Wert gesehen. Die „Autorität des Gewordenen“, die überlieferte Tradition, soll abgschafft werden, um ein neues und utopisches Gesellschaftmodell umzusetzen. Der Versuch der Realisierung dieses Konzeptes hat die Ideologien des Anarchismus, Egalitarismus, Kommunismus, Liberalismus und Sozialismus hervorgebracht und in der Vergangenheit zu sehr blutigen Revolutionen 5 geführt
II. „Neue Marschroute“ - Der Gramscistische Revisionismus
Als um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert die antikapitalistische Theorie des Marxismus widerlegt wurde, gingen seine „Jünger“ daran sie zu revidieren. In Unterscheidung zu dem im Osten zur Herrschaft gelangten Leninismus, Maoismus und Stalinismus und auch um den geänderten „sozioökonomischen Verhältnissen“ des „Kapitalismus“ Rechnung tragen zu können, entwickelte sich in Westeuropa eine neue Spielart des Marxismus. Dessen bedeutendste und wirkungsreichste Kernelemente, die Überzeugungen von Antonio Gramsci und der Frankfurter Schule, werden in dieser Arbeit beleuchtet. Neben diesen waren prominente Vertreter der Sozialist Eduard Bernstein, der ungarische Philosoph Georg Lukács, Rosa Luxenburg, die Austromarxisten Rudolf Hilferding, Otto Bauer, Karl Renner, sowie andere.
Ein prägender Theoretiker der frühen Stunde der Neomarxismus bzw. des „westlichen Maxismus“ war der Italiener Antonio Gramsci (1891-1937). Der von Benito Mussolini inhaftierte Kommunistenführer Gramsci erkannte, nachdem in Italien die Faschisten und nicht seine Marxisten an die Macht gekommen waren, dass „der Kampf um die kulturelle Hegemonie gewonnen werden müsse“ 6 . Die späteren neomarxistischen „68er“ verstanden sich als Adepten von Gramsci.
1. Strategiekorrektur
Gramsci sah im Staat nicht den bloßen Zwangsapparat oder die Diktatur einer Klasse, sondern zuallererst die Aufrechterhaltung von Macht durch Erziehungswesen, Kirche, Medien und anderen Institutionen. Diese Machtverhältnisse galt es zu unterwandern, um den Kommunismus zu realisieren. Bestimmend für das politische Handeln ist daher nach Gramsci die Interpretation 7 der gesellschaftlichen Verhältnisse. Diese Auffassung Gramscis stellt eine entscheidende Änderung in der Ideengeschichte des Marxismus dar. Gramscis Ansicht nach
4 Im Gegensatz zum christlichen Menschenbild der gefallenen Natur („Erbsünde“). Der deutsche Philosoph und Gegenspieler der „Frankfurter Schule“ Arnold Gehlen definiert den Menschen als ein „Mängelwesen“, das der Stütze der Institution bedarf.
5 Die Französische Revolution führte mit 400.000 Todesopfern zum größten Genozid in der Geschichte Frankreichs. Die Oktober Revolution und der Kommunismus als Kind der Französische Revolution brachten weltweit 80 Million Menschen um ihr Leben. Vgl.: Stéphane Courtois: Das Schwarzbuch des Kommunismus.
6 Antonio Gramsci, in: Philosophie der Praxis, Seite 78. Diese Überzeugung ist auch Kernbestand des Maoismus.
7 Gramsci kehrt damit von Marx’ bekannten Leitsatz, „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern“, ab.
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Arbeit zitieren:
Christian Machek, 2004, Der Neomarxismus - Eine Auseinandersetzung aus christlich-konservativer Weltanschauung, München, GRIN Verlag GmbH
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