1. Inhaltsverzeichnis
Toc152319935
1. Inhaltsverzeichnis 2
2. Einleitung 3
2.1. Eingrenzende Themenanalyse 4
3. Kommunikationstheoretische Grundlegung 5
3.1. Text - Kommunikation Medialsystem 5
3.2. Vertextung und Intertextualität 7
4. Unterhaltung als rhetorischer Begriff 10
4.1. Die Unterhaltung des Lesers 10
4.2 Die Situativität und Ambivalenz der Unterhaltung 11
5. Unterhaltung aus oratorischer Perspektive 14
5.1. Unterhaltung als kommunikativer Prozess 14
5.2 Labeling als persuasive Strategie 16
6. Schlussbemerkung 19
7. Literaturverzeichnis: 20
2
2. Einleitung
Die theoretische Problematik der bisherigen Unterhaltungsforschung besteht in der schwierigen Übertragbarkeit der Ergebnisse aufeinander, da diese zumeist aus unterschiedlichen Forschungsbereichen kommen, so dass sowohl ein gemeinsamer Bezugsrahmen als auch eine gemeinsame Terminologie fehlen. 1 Ein Alltagsverständnis von Unterhaltung wirft zunächst die theoretische Schwierigkeit auf, dass bspw. nicht jede Comedyshow für jedermann gleichsam unterhaltend ist, dass es verschiedene Formate in verschiedenen Medien als „sozial distributive Tragflächen von verbalen oder nonverbalen Texten“ 2 gibt, die mitunter auch unfreiwillig komisch und somit unterhaltend sind. Harald Schmidt ließ nach den Anschlägen vom 11. September seine Late-Night-Talkshow (SAT 1) zunächst ausfallen, anlässlich des Afghanistan-Feldzuges konnte man jedoch auf seiner Homepage lesen: „Aus aktuellem Anlass findet die Sendung statt.“ Offenbar gibt es in der Praxis Kriterien, nach denen ein Unterhaltungsangebot funktionieren kann, und anhand dieser Kriterien müsste sich eine Theorie der Unterhaltung messen lassen. Zudem hat sich der Stellenwert des Unterhaltungsbegriffs maßgeblich verändert. Werner Früh verweist daher auch auf eine veränderte Wertigkeit der Unterhaltung, die sich bspw. in Form des Infotainments bzw. Entertainments als seriös behaupten kann:
„Wichtige politische und sonstige Informationen, die nur wenige interessieren oder von kaum jemandem verstanden wurden, sollen durch unterhaltsame Aufarbeitung plötzlich so attraktiv werden, dass sich nicht nur sehr viel mehr Menschen ihnen zuwenden, sondern sie auch noch mit größerer Aufmerksamkeit wahrgenommen und dadurch besser verstanden werden.“ 3 Diese Arbeit beschäftigt sich daher mit der Frage, welche Kriterien in Texten für Unterhaltung gelten bzw. welche Kriterien Unterhaltungsangebote erfüllen müssen, um als solche auch angenommen zu werden. Darüber hinaus reflektiert diese Arbeit Unterhaltung als kommunikatives Geschehen, bei dem der rhetorische Orator intervenieren kann.
1 Vgl.: Früh, Werner: Theorien, theoretische Modelle und Rahmentheorien - Eine Einleitung. In: Theorie der Unterhaltung -Ein interdisziplinärer Diskurs. Hg. v. Werner Früh u. Hans-Jörg Stiehler. Köln 2003. S. 9-26. Hier: S. 11.
2 Knape, Joachim: Was ist Rhetorik? Stuttgart 2000. S. 62.
3 Theorien, theoretische Modelle und Rahmentheorien - Eine Einleitung, S. 9.
3
2.1. Eingrenzende Themenanalyse
Die Erörterung der Kriterien für Unterhaltung in Texten müsste zunächst klären, was unter der Kategorie Text verstanden werden kann. Dies soll in Abschnitt 2 erfolgen; darüber hinaus wird in diesen Untersuchungen erörtert, inwiefern es sich empfiehlt den primärmedialen Bereich aus diesen Bereichen zunächst auszuschließen. Zwar verweist Carsten Wünsch bereits auf Dehms Feststellung, „(…) dass es sich bei massenmedialer Unterhaltung lediglich um eine spezifische Art dieser allgemeinen Unterhaltung handelt.“ 4 Unterhaltung auch als Phänomen der alltäglichen face-to-face-Kommunikation zu behandeln schiene jedoch textsemiotisch schwierig, zumal sich die bisherige Forschungsliteratur zumeist mit dem Fernsehmedium beschäftigt. Allerdings sollen die Ergebnisse dieser Arbeit ebenso auf andere Sekundärmedien (Radio, Internet/ Computer, Printmedien, etc.) übertragbar sein. Im Gegensatz zum Gros der Forschungsliteratur soll hier allerdings nicht von (medialen) Objekten bzw. Medieninhalten gesprochen werden, stattdessen basieren die Untersuchungen auf der abstrakten Größe Text, da Unterhaltung als kommunikativer Prozess begriffen werden soll, bei dem das Kommunikat (Text) vom Adressaten aktiviert werden muss (s. u.), damit der für die Unterhaltung obligatorische Kommunikationsprozess zustande kommen kann. „Ziel ist es, aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht Unterhaltung als Kommunikationsphänomen zu bestimmen.“ 5 Im weiteren Verlauf wird die Bedeutung des grundlegenden Kommunikationsprozesses maßgeblich für die Erörterung der Rolle des Oratoren und seines projektiven Kalküls sein. Ferner determinieren wir damit das Phänomen der Unterhaltung als rhetorischen Fall, da ein Unterhaltungsangebot auf einen „Wechsel von einem mentalen Zustand in einen anderen“ 6 abzielt und Unterhaltung somit als persuasiv zu betrachten ist.
4 Wünsch, Carsten: Unterhaltungstheorien - Ein systematischer Überblick. In: Unterhaltung durch das Fernsehen. Hg. v. Werner Früh. Konstanz 2002. S. 15-42. Hier: S. 35.
5 Theorien, theoretische Modelle und Rahmentheorien - Eine Einleitung, S. 12.
6 Knape, Joachim: Persuasion. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd. VI. Hg. v. Gert Ueding. Tübingen 2003. S. 874-
907. Hier: S. 874.
4
3. Kommunikationstheoretische Grundlegung
3.1. Text - Kommunikation - Medialsystem
Zunächst muss ein spezifischer Textbegriff erörtert werden, um zu untersuchen, welche Kriterien Unterhaltung in Texten ermöglichen und konstituieren. Allgemein betrachten wir als Text eine „Folge von Sätzen oder sonstigen sprachlichen Äußerungen, die als Einheit betrachtet werden kann.“ 7 Allerdings müssen wir den Textbegriff weiter abstrahieren, da Texte durch Zeichen konstituiert werden, die wir als „kleinste bedeutungstragende Einheit eines Verweisungssystems“ begreifen, als „sinnlich wahrnehmbare Größe, die als Träger von Bedeutung fungiert oder interpretiert wird.“ 8 Zeichen gehören demnach auch immer zu eigenen Zeichensystemen (die nach den menschlichen Sinnen zu klassifizieren sind, d.h. akustisch, optisch, taktil/ haptisch, olfaktorisch, gustatorisch), auf das ein Kommunikator als Kode rekurrieren kann. „Kodes sind die Symbol- und Zeichenvorräte einer Kommunikationsgemeinschaft, einschließlich ihres Verwendungsregelwerks.“ 9 Ein Kommunikator produziert demnach Bedeutung, indem er aus einem Zeichensystem als Repertoire Zeichen auswählt, und sie nach den syntaktischen, semantischen und pragmatischen Regeln dieses Systems zu bedeutungstragenden Äußerungen verknüpft. 10 Mit anderen Worten produziert er mit kommunikativen Mitteln (=Zeichen) aus einem Zeichensystem (oder mehreren) Bedeutung, die er über Texte als begrenzte Zeichenkomplexe, die in kommunikativer Absicht modelliert sind 11 , ausagiert.
„Danach bezeichnet das Wort ‚Kommunikation’ den Begriff der Übertragung bzw. Vermittlung von Botschaften Inhalten oder Bedeutungen von einem Ab-Sender (Kommunikator) zu einem Empfänger (Rezipienten) durch den Gebrauch von Kommunikationsmitteln (Zeichen und Symbolsysteme einschließlich technischer Einrichtungen bzw. Hilfsmittel). Basis für die Verständigung ist hier, daß Absender und Adressat über gleiches Wissen und über dasselbe Zeichen- oder Symbolsystem verfügen.“ 12
Die gemeinsame Kompetenz in den (kulturellen) Zeichensystemen ist dabei der Garant für das Verstehen eines konventionalisierten Sinns des Kommunikats: d.h. dass sowohl dem Kommunikatoren als auch dem Adressaten ein Zeichensystem zur Verfügung stehen muss, das eine gemeinsame Schnittmenge aufweist, so dass „die verwendeten Zeichen für beide
7 Horstmann, Susanne: Text. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. III. 3., neubearb. Aufl. Hg. v. Jan-Dirk-Müller. Berlin 2003. S. 594-597. Hier: S. 594.
8 Titzmann, Michael: Zeichen. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. III. 3., neubearb. Aufl. Hg. v. Jan-Dirk-Müller. Berlin 2003. S.877-880. Hier: S. 877.
9 Knape, Joachim: The Medium Is The Massage? Medientheoretische Anfragen und Antworten der Rhetorik. In: ders. (Hg.): Medienrhetorik. Tübingen 2005. S. 17-39. Hier: S. 19.
10 Zeichen, S. 877.
11 Vgl.: Was ist Rhetorik?, S. 107.
12 Rusch, Gebhard: Kommunikation. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. II. 3., neubearb. Aufl. Hg. v. Klaus Weimar. Berlin; New York 2000. S. 303-306. Hier: S. 304.
5
Kommunikanten (…) auch die gleiche ‚Bedeutung’ haben(…).“ 13 Nichtsdestotrotz ist davon auszugehen, dass Verstehen bzw. der kommunikative Transfer einer Information nicht nach dem Schema eines bloßen Datentransfers zu betrachten ist. Zum einen muss der Text durch den Adressaten aktiviert werden, d.h. „Bedeutung entsteht aus der Interaktion des Rezipienten mit dem Text.“ 14 Der Adressat ist kein passiver Zuhörer, sondern decodiert die im Kommunikat enthaltene Information aktiv und konstruiert dabei Sinn, denn „der Text kann bei verschiedenen Menschen nur gemeinsame Schnittmengen von Bedeutung evozieren.“ 15 Damit haben wir den Kommunikationsprozess erläutert 16 , jedoch bedarf es weiterer Ausführungen zur Spezifizität verschiedener Texte: „Medial sehr weit gefaßt sind semiotische Textbegriffe, nach denen sämtliche semiotische Objekte als ‚Text’ gesehen werden können.“ 17 Wie bereits erwähnt sollen hier die primärmedialen semiotischen Systeme nicht untersucht werden, sondern die sekundärmedialen Texturen: unter primärmedialer Kommunikation verstehen wir eine Situation, in der das „(…) kommunikative Setting (…) entscheidend von leibhaftig agierenden Kommunikationsteilnehmern bestimmt [wird; Anm. d. Verf.], die sich in einer direkten, unvermittelten Face-to-face-Situation befinden.“ 18 Bspw. der Auftritt eines Clowns in einer Fußgängerzone ist als primärmedialer Text dadurch konstituiert, dass sowohl der Textproduzent sowie seine Adressaten leibhaftig anwesend sind und der Text in einer den Kommunikationsteilnehmern gemeinsamen Situation performiert wird. Beide Kommunikationsteilnehmer sind somit durch ihre Situationspräsenz gekennzeichnet, die somit ebenso den primärmedialen Kommunikationstyp konstituiert. Demgegenüber ist der Bereich der sekundärmedialen Kommunikation durch die korporale Absenz des Kommunikators zu definieren: die Kommunikation erfolgt bei diesem Kommunikationstyp durch Aufschreib- bzw. Aufzeichnungssysteme, d.h. über mediale Speichersysteme. Unter Medium verstehen wir eine „Einrichtung zur Speicherung und Sendung von Texten.“ 19 Diese Einrichtung ist Teil eines Kommunikationsprozesses und kann zudem technischen oder natürlichen Ursprungs sein. Zwar sah die antike Rhetoriktheorie den menschlichen Körper als „maßgebliche Speicher-, Sende- und Performanzeinrichtung“ 20 an, jedoch beschäftigt sich diese Arbeit mit den sekundärmedialen Texten; diese stellen somit auch den zentralen Untersuchungsgegenstand bei der Erörterung des Phänomens Unterhaltung dar.
13 Merten, Klaus: Einführung in die Kommunikationswissenschaft. Bd. I. Münster 1999. S. 64.
14 Was ist Rhetorik?, S. 134.
15 Ebd.: S. 135.
16 Weitere und vertiefende Ausführungen finden sich in Punkt 4.1.
17 Text, S. 596.
18 Was ist Rhetorik?, S. 98.
19 The Medium Is The Massage?, S. 22.
20 Ebd.
6
Quote paper:
Nils Wiegand, 2006, Kriterien für Unterhaltung in Texten, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Seduktion als persuasiver Sonderfall in Robert Greenes "24 Gesetz...
Rhetoric / Elocution / Oratory
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
Rhetorische - evaluative und persuasive - Sprechakte
Rhetoric / Elocution / Oratory
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 28 Pages
Die Theorie der Konversations-Implikaturen nach H. Paul Grice - Vom Sa...
Termpaper, 18 Pages
Nils Wiegand has published the text Kriterien für Unterhaltung in Texten
Nils Wiegand has uploaded a new text
Infotainment: Politik und Unterhaltung in den TV Nachrichten
Eine Inhaltsanalyse deutscher ...
Nelli Khorrami
0 comments