19. November 2001
Universität Mannheim HS "Fremdwörter" im Deutschen SS 2001 Hausarbeit von HAGEN AUGUSTIN
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unter besonderer Berücksichtigung des lexikalischen
Einflusses des Italienischen
Inhalt
Seite
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1.1 Thema 3
1.2 Forschungsstand 3
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2.1 Sprachgeographie 4
2.2 Deutsch-italienischer Sprachkontakt
2.2.1 Historischer Abriss 4
2.2.2 Mundartliche und hochsprachliche Entlehnungen 5
2.2.3 Sachgebiete 6
2.3 Zur Problematik der Vermittlersprachen
2.3.1 Gallizismen 8
2.3.2 Italienisch als Vermittlersprache von Arabismen 9
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3.1 Das deutsche und italienische Genussystem im Vergleich 11
3.1.1 Numerus 11
3.1.2 Artikel 12
3.2 Genuszuordnung beim Entlehnungsprozess
3.2.1 Allgemeine Betrachtungen 12
3.2.2 Kriterien für die Genuszuweisung 13
3.2.3 Varietätenlinguistische Aspekte und außersprachliche Faktoren 15
3.2.3.1 Diachrone Aspekte 15
3.2.3.2 Diamesische und diaphasische Aspekte 16
3.2.3.3 Diastratische Aspekte 16
3.3 Genusschwankungen 17
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Gegenstand der Hausarbeit sind die in der deutschen Sprache vorkommenden nominalen Italianismen. Unter Italianismen sollen alle aus dem Italienischen und
seiner Varietäten stammenden Fremd- und Lehnwörter
1
verstanden werden.
Im lexikologischen Teil der Arbeit soll der Untersuchungsgegenstand exemplarisch näher bestimmt werden: im Kapitel 2 "Der lexikalische Einfluss der italienischen Sprache auf das Deutsche" werden eine Reihe von Italianismen vorgestellt. Schwerpunkte sind ihre geographische und kulturgeschichtliche Herkunft als Ergebnis deutsch-italienischen Sprachkontaktes unter lexikalischen Gesichtspunkten und die oft komplizierten Entlehnungswege über Vermittlersprachen. Das Kapitel 3 "Das Genus der Italianismen im Deutschen" befasst sich mit dem Aspekt der Genuszuordnung beim Integrationsprozess der Transferenzen. Die Genussysteme der beiden Sprachen sollen kurz vorgestellt werden und der Vorgang der Genuszuordnung in seinen sprachlichen und außersprachlichen Dimensionen analysiert werden. Im Anschluss soll den Formen mit schwankendem Genus besondere Aufmerksamkeit zuteil werden, da hier bestimmte sprachwissenschaftliche Prinzipien besonders deutlich in ihrer Wirkungsweise erkennbar werden. Die Hausarbeit kann in ihrem Rahmen keine vollständige systematische Untersuchung der Italianismen liefern, die Teilbereiche Lexik und Genus sollen exemplarisch abgehandelt werden.
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Grundlage der Arbeit ist die einzige (mir bekannte) Monographie zum Thema Italianismen, die in der neüren Forschungsliteratur vertreten ist: "Italianismen im Gegenwartsdeutschen" von Frederike Schmöe ist ein 1998 in Bamberg erschienener 550 Seiten starker Band, der als Dissertation an der Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaft der Otto-Friedrich-Universität Bamberg angenommen wurde. Die hervorragende Arbeit behandelt alle sprachwissenschaftlichen Aspekte der Italianismen und ist die derzeit aktuellste und vollständigste Abhandlung des Themas. Zu den einzelnen Teilbereichen der Hausarbeit wurden zahlreiche Aufsätze herangezogen, die, von den neueren Arbeiten zur Sprachgeschichte (von Polenz) abgesehen, für den Bereich der Lexik eher älteren Datums sind, da die Italianismen als eigenständiges Thema bis zum Vorstoß von F. Schmöe kaum Beachtung fand. Für den Bereich der Genusforschung, speziell der Genuszuordnung, liegen einige grundlegende Arbeiten in Form von Aufsätzen aus den 80er Jahren vor, die sich im Wesentlichen an den Anglizismen orientieren (Köpcke/Zubin, Carstensen, Gregor), begleitet von einer lebhaften Diskussion zur Problematik Genus-Sexus (Kalverkämper, Ulrich).
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Den deutschen und den italienischen Sprachraum trennt seit jeher, vereinfacht gesprochen, die natürliche Barriere der Alpen. Im unmittelbaren Kontaktgebiet herrscht und herrschte oft regionale Zweisprachigkeit (Tessin, Graubünden, Südtirol, Trentino, Friaul, Pustertal) und es gibt noch heute zahlreiche Enklaven von Sprachminderheiten im jeweils anderen Sprachgebiet. Das dem Italienischen nahverwandte Rätoromanische befindet sich ebenfalls im unmittelbaren Kontaktgebiet: in Graubünden (Bündnerromanisch), Südtirol (Ladinisch) und Nordostitalien (Friaulisch).
Das heutige Standarditalienisch geht aus einer Literatursprache hervor, die vor allem durch die toskanischen Dialekte des 14./15. Jh. von Dante, Petrarca und Boccaccio geprägt wurde und hat sich als allgemein anerkannte und gesprochene Sprache erst im 19. Jahrhundert gefestigt: „Das Italienische blieb jahrhundertelang eine reine - nur der gebildeten Bevölkerung (18- 20%) zugängliche - Literatursprache. Erst durch Alessandro Manzoni (1785-1873) vollzog sich im Ringen um eine geeignete Literatursprache eine entscheidende Richtungsänderung.“ (Geckeler/Kattenbusch 1992: 195)
Der italienische Sprachraum ist unter sprachwissenschaftlichen Gesichtspunkten in Nord- und Südhälfte zweigeteilt 2 : nördlich der ungefähren Linie La Spezia -Rimini spricht man ober-(nord- )italienische Dialekt. Südlich davon mittel- und süditalienische Dialekte. Die oberitalienischen Dialekte zählt man zum Westromanischen (dem u.a. das Französische angehört), während die Übrigen zum Ostromanischen gezählt werden (Geckeler/Kattenbusch 1992: 22ff.). Die Leitvarietät des Standarditalienischen, das Toskanische, ist ein mittelitalienischer Dialekt. Es bleibt also festzuhalten, dass die italienische Literatursprache sich unter vielerei Gesichtspunkten von den Idiomen Oberitaliens unterscheidet. Diese Tatsache ist von Bedeutung, wenn man den regionalen Sprachkontakt des oberdeutschen und oberitalienischen Gebietes vom gemein- und hochsprachlichen Einfluß des Italienischen unterscheidet (Vgl. Kapitel 2.2 und 2.3.1).
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Die Unterscheidung von Fremdwort und Lehnwort bezüglich des Maßes der Integration ist in der heutigen Forschung stark umstritten (vgl. Schmöe 1998:17ff.). Aufgrund der unterschiedlichen
1 Zu den Begriffen Fremd- und Lehnwort siehe Kapitel 2.2.1
2 Eine solche Zwei- bzw. Dreiteilung (Nord-, Mittel- und Süditalien) zeigt sich übrigens auch in historischen, soziokulturellen und -ökonomischen Bereichen. (Vgl. Große/Trautmann 1997: 117ff.)
5
Ausprägungen von Integration (phonemisch, graphemisch, flexivisch usw.) können fremdsprachige Elemente durch die dichotomische Einteilung in Fremd- und Lehnwörter nicht angemessen beschrieben werden. Schmöe (1998:17) weißt darüber hinaus auf methodisch-theoretische Widersprüchlichkeiten in der einschlägigen Literatur zum Thema hin. Von Polenz (1991:44) differenziert im Bereich der Entlehnung verschiedene formale Entlehnungsklassen (Lehnwörter, - suffixe, -wendungen, -prägungen usw.). Aus dem Bereich der Sprachkontakt und Mehrsprachigkeitsforschung stammen die Begriffe ,QWHUIHUHQ] und 7UDQVIHUHQ]. Als ,QWHUIHUHQ] bezeichnet von Polenz (1991:45) Gelegenheitsentlehnungen, während 7UDQVIHUHQ] gewohnheitsmäßig wiederverwendete Elemente bezeichnet, die dann auf ihren Integrationsgrad hin, in den oben erwähnten Ausprägungen, beschrieben werden können.
Eine strenge Unterscheidung von Fremd- und Lehnwort ist für die Fragestellung dieser Hausarbeit nicht hilfreich und soll im Folgenden auch nicht übernommen werden. Der Begriff Entlehnung soll in diesem Rahmen ungeachtet des Integrationsgrades im Sinne von Transferenz verwendet werden.
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Der Einfluss des Italienischen auf das Deutsche ist fast so alt wie die italienische Sprache selbst, deren Entwicklung zu einer eigenständigen romanischen Sprache aus dem Vulgärlateinischen von den Sprachwissenschaftlern grob auf das 9./10. Jh. n. Chr. festgelegt ist. Die Nomen
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und
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sind im Deutschen schon seit dem 9. Jahrhundert bezeugt (mhd.
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f./m. < it.
ODYDQGXOD;
ahd.
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< it.
FLSUHVVD).
Die Nähe des Italienischen zum Lateinischen bzw. Mittellateinischen, die im Mittelalter besonders ausgeprägt war, macht es oft schwierig den Einfluss des Mittellateinischen von dem des Italienischen auf die deutsche Sprache zu unterscheiden. Dies kann im Einzelfall dazu führen, dass man nicht sagen kann ob eine mittellateinische oder italienische Form Grundlage einer Entlehnung ins Deutsche war (mittellateinische und italienische Formen sind oft ähnlich oder identisch). Ähnliches gilt für andere nahverwandte Sprachen wie das Rätoromanische und das Französische.
Das Italienische hat den deutschen Wortschatz im Laufe der Jahrhunderte nachhaltig bereichert. Unter den lebendigen Fremdsprachen stellt es, zusammen mit dem Französischen, für viele Jahrhunderte die Hauptgebersprache dar. Erst im Übergang von Renaissance- zur Barockzeit beginnt der französische Einfluss den italienischen deutlich zu dominieren. In dieser Zeit wurden auch viele Italianismen durch Gallizismen verdrängt.
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Im Mittelalter nahm der größte Bestandteil der Italianismen im Deutschen seinen Entlehnungsweg
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über den direkten Kontakt der Sprecher der jeweiligen Sprachen, der vorwiegend im süddeutschen bzw. norditalienischen Raum stattfand. Solche Entlehnungen sind mundartlich oder umgangssprachlich geprägt und gelangen dann in einigen Fällen aus den Mundarten in die oberdeutsche Umgangssprache (Kühebacher 1968:510). Besonders häufig sind Entlehnungen im direkten Sprachkontaktgebiet, d.h. in Regionen des Alpenraums in denen Zweisprachigkeit herrscht oder zumindest beide Sprechergruppen aufeinander treffen 3 . Solche Entlehnungen aus dem Italienischen in besagten Gebieten sind allerdings für die deutsche Standardsprache meist ohne Bedeutung geblieben, da der kulturelle, politische und sprachliche Einfluß der entprechenden Gebiete für die Entwicklung der deutschen Sprache nur marginal ist. Die überwiegende Mehrheit solcher Wörter existieren nur in den lokalen Dialekten 4 . Neuzeitliche Entlehnungen unterscheiden sich von den mittelalterlichen grundlegend: von Polenz beschreibt den deutsch-italienischen Sprachkontakt bis ins 16. Jh. als vorwiegend mündlich und unterschichtlich, "d.h. bäuerlich und bürgerlich, zumal es bis dahin auf beiden Seiten noch keine standardisierte Literatur- und Oberschichtssprache gab." Der neuzeitliche Einfluss hingegen ist von anderer Qualität:
"Eine mehr gemein- und hochsprachliche italienische Entlehnungsschicht ist den politischen Beziehungen von Reich und Kirche zu verdanken, den häufigen Kriegs- und Pilgerzügen nach Italien und dem Orient, dem Studium Deutscher an italienischen Universitäten und vor allem den Fernhandels- und Bankbeziehungen von Oberitalien nach Deutschland. Im 16. und 17. Jh. kam der Einfluß der vorbildlichen italienischen Hofkultur, Literatur und Musik hinzu, vermittelt durch die Fürstenhöfe von Wien und München." (Polenz 2000: 221)
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Als Hauptsachbereiche der frühneuzeitlichen Entlehnungen gibt von Polenz (2000:222) Handel und Geldwirtschaft, Verkehr und Schiffahrt, Kriegswesen, Hauskultur, Musik und Literatur an. Von großer Bedeutung sind Begriffe, die das Deutsche durch die italienischen Kaufleute und Handwerker erreichte, die seit dem Mittelalter den süddeutschen Raum befuhren 5 . Solche Begriffe sind etwa die italienischen Bezeichnungen für Handelswaren welche die deutschen Märkte erreichten: viele Obst- und Gemüsebezeichnungen sind Italianismen (z.B. 'DWWHO/LPRQH=LWURQH %RUUHWVFK 0HORQH $UWLVFKRFNH 2OLYH 3RPHUDQ]H 5KDEDUEHU 6DODW 7DPDULQGH .DUWRIIHO .RKOUDEL:LUVLQJ%URNNROL3HSHURQL=XFFKLQL5XFROD (Schmöe 1998: 44ff.), ebenso italienische Spezialitäten (0DOYDVLHU 0XVNDWHOOHU 3ROHQWD 6DUGLQH 0DNNDURQL 0DU]LSDQ 6DUGHOOH 7RUWH =XFNHU.DQGLW /LPRQDGH =HUYHODWZXUVW 3LNNROR 6DODPL &KLDQWL *RUJRQ]ROD 3DVWDVFLXWWD
3 Gebiete, wo romanische, insbesondere italienische Mundarten auf deutsche Mundarten stoßen sind u.a. das Tessin, Graubünden, Südtirol, Friaul und das Pustertal. (Polenz 1991: 234) 4 Zahlreiche Beispiele liefert der südtiroler Germanist Dr. Egon Kühebacher für die südbairischen Dialekte Südtirols (Kühebacher 1968: 496ff.). Vgl. auch Schmöe (1998:62-63).
5 Zum Sprachkontakt im schweizer Alpenraum: Rash, Felicity J., )UHQFKDQG,WDOLDQOH[LFDOLQIOQFHVLQ*HUPDQ VSHDNLQJ6ZLW]HUODQG, Berlin/New York, 1989.
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Hagen Augustin, 2001, Das Genus der Italianismen im Deutschen unter besonderer Berücksichtigung des lexikalischen Einflusses des Italienischen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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