1. Die Definition von Wüstung
2. Die Ursachen für Orts- und Flurwüstungen im Göttinger Raum
3. Beispiele für Orts- und Flurwüstungen
3.1 Die Wüstung Leisenberg
3.2 Die Wüstung Moseborn
3.3 Die Wüstung Bettenrode
3.4 Die Wüstung Vriemeensen
4. Literaturverzeichnis
1. Die Definition von Wüstung
Als Wüstungen bezeichnet man Flächen, die einst von den Menschen genutzt wurden, die aber aus den verschiedensten Gründen von ihren Bewohnern aufgegeben worden sind. Dabei wird zwischen Ortswüstungen und Flurwüstungen unterschieden. Die Bezeichnung totale oder partielle Ortswüstung steht für eine ganz oder teilweise verlassene Siedlung. Für ein aufgegebenes, ehemalig landwirtschaftlich genutztes, Areal wird der Begriff totale oder partielle Flurwüstung verwendet. Die Kombination von Orts- und Flurwüstung bezeichnet man als Totalwüstung. Bei Wiederbesiedlung oder Wiederbewirtschaftung spricht man von temporären Orts- und Flurwüstungen (KÜHLHORN 1976).
2. Die Ursachen für Orts- und Flurwüstungen im Göttinger Raum
Die ersten urkundlich belegten Wüstungen im Untersuchungsraum erscheinen mit wenigen Ausnahmen Anfang des 14. Jahrhunderts, die letzten in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die Wüstungsperiode erstreckte sich also ca. 150 Jahre.
Wenn man sich die nähere Umgebung Göttingens anschaut, findet man auf der Topographischen Karte 1:50000 Niedersachsen im Bereich des Blattes Göttingen (L 4524) einen Wüstungsquotienten von circa 52% (von den 147 Städte und Dörfer während des Spätmittelalters gibt es heute noch 70 Siedlungen). Im Bereich des ostwärts angrenzenden Blattes Duderstadt (L 4526) sind rund 55% der Ortschaften aufgegeben worden und im nördlich an dieses anschließenden Blattes Osterode am Harz (L 4326) beträgt der Wüstungsquotient sogar circa 64% (von 132 Siedlungen wurden 84 verlassen) (KÜHLHORN 1974).
Bei der Untersuchung dieser Erscheinungen kann davon ausgegangen werden, dass eine Kombination von Ursachen vorgelegen hat. Man geht davon aus, dass in der Phase der Ausdehnung der Siedlungen teilweise auch Flächen einbezogen wurden, die auf Dauer die auf ihnen lebenden Menschen nicht
ausreichend versorgen konnten. Die Böden waren langfristig nicht für den Ackerbau geeignet und es trat eine Ermüdung des Bodens auf. Ein weiterer Grund für das Wüstwerden von Siedlungen waren die starken Bevölkerungsverluste infolge von Pestwellen im 14. Jahrhundert. Mit dem Auftreten der Seuchen hing auch die spätmittelalterliche Agrarkrise zusammen. Durch die hohen Bevölkerungsverluste sank der Bedarf an Getreide. Die Folgen waren sinkende Agrarpreise durch die geringe Nachfrage, die die landwirtschaftlichen Einkommen so sehr verringerten, dass die Bauern es vorzogen, in die Städte zu ziehen und dort Lohnarbeit zu verrichten. So kam es zu verbreiteten Wüstungserscheinungen, die nicht nur durch die völlige Aufgabe ganzer Dörfer (Ortswüstungen) gekennzeichnet waren, sondern auch ganzer Ackerflächen (Flurwüstungen). Eine weitere Rolle bei der Aufgabe ganzer Dörfer waren die zahlreichen Fehden während des 14. und 15. Jahrhunderts. Darunter hatte besonders die Landbevölkerung zu leiden. Meist griff man die Dörfer mit ihren Fluren an. Damit wurden während des ganzen Mittelalters die wirtschaftlichen Grundlagen von den jeweiligen Kriegsgegnern vernichtet. Das Sicherheitsbedürfnis der ländlichen Bevölkerung konnte dazu führen, dass einige Feldmarken (von einer Gemeinde landwirtschaftlich genutztes Gebiet) zusammengelegt wurden und die Bewohner mehrerer Orte sich in einem Ort ansiedelten, so dass übrige Orte und Feldmarken wüst wurden. Als ein weiterer möglicher Grund sind noch die Klimaschwankungen zu nennen. Durch einige mittelalterliche Urkunden über Unwetter, Dürrezeiten, Überschwemmungen Hungersnöte usw. konnte man einige interessante Hinweise finden. Zum Beispiel herrschten im Zeitraum zwischen 1428/29 und 1459/60, 13 strenge Winter, in 8 Jahren davon gab es Kälterückfälle im Frühjahr und es gab 6 Sommer, die sehr reich an Niederschlägen waren. Durch diese Klimaschwankungen könnten Änderungen des Grundwasserspiegels
aufgetreten sein. Bei Dürre sank der Grundwasserspiegel und die Felder hatten besonders unter Trockenheit zu leiden. Bei einem Anstieg hingegen wurde das Pflugland zu nass, besonders bei den im Bearbeitungsgebiet vielerorts vorhandenen tonig-lehmigen Böden (KÜHLHORN 1976). Welche von diesen verschiedenen Ursachen für das Wüstwerden einzelner Orte verantwortlich zu machen ist, muss in jedem Einzelfall untersucht werden. In den Urkunden finden sich, wenn überhaupt einmal die Aufgabe einer
Arbeit zitieren:
2005, Orts- und Flurwüstungen im Göttinger Raum, München, GRIN Verlag GmbH
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