Mit der Einführung des computerunterstützten Lernens in die Bildungsbereiche wurde in der Pädagogik eine neue Epoche eingeleitet. Über kaum ein anderes pädagogisches Thema wurde in den letzten Jahren mehr diskutiert.
Durch die neuen Entwicklungen im Bereich der Kommunikationsmittel gewinnen neue Lernformen, wie beispielsweise das kooperative Lernen in Videokonferenzen, immer mehr an Bedeutung. Diese Möglichkeiten können für das Lernen im Betrieb oder in der Universität genutzt werden. So ist auch über größere Distanzen eine direkte, persönliche Kommunikation möglich, da die Lernenden zeitgleich über einen audiovisuellen Kanal miteinander verbunden sind. In Zeiten der Globalisierung ist dies sehr von Vorteil, denn so kann kooperatives Lernen stattfinden, ohne dass sich die Lernenden am gleichen Ort aufhalten müssen (Fischer, Bruhn, Gräsel & Mandl, 1999). Die breite Akzeptanz der neuen Medien im Bildungssystem wurde schließlich dadurch erwirkt, dass sie eine Menge Vorzüge bietet, die mit der Veränderung unserer Gesellschaft notwendig geworden sind. Zum einen wird, wie bereits erwähnt, mit ihrem Einsatz eine neue räumliche Flexibilisierung geschaffen. Dadurch wird sogar ermöglicht, dass sich Menschen auf der ganzen Welt über ein Wissensgebiet austauschen können. Desweiteren bringen neue Medien eine zeitliche Flexibilisierung mit sich. Menschen, die sich beispielsweise weiterbilden wollen, sind nicht mehr darauf angewiesen zu einer bestimmten Zeit an einem Kurs teilzunehmen, sondern können so
Weiterbildungsmaßnahmen besser mit ihrem Beruf vereinbaren. Zusätzlich ermöglichen Computernetze einen schnelleren Informationszugriff, die auf traditionellen Weg nicht oder nicht so schnell zugänglich wären (Fischer, Bruhn, Gräsel & Mandl, 1999). Ein weiteres Argument für die neuen Technologien ist „die Verwirklichung von didaktischen Prinzipien, die im konventionellen Unterricht nur ansatzweise realisiert werden konnten: Individualisierung des Lernens, Authentizität, Situiertheit, Interaktivität, Kooperation“ (Weidenmann, 2001, S.464). Besonderes in Lernformen wie dem kooperativen Lernen in Videokonferenzen können diese Prinzipien angewendet werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Theorie
Geschlecht
Vorwissen
Soziale Ängstlichkeit
Ziel der Studie
Fragestellungen
Methode
Stichprobe und Design
Lernumgebung
Versuchsablauf
Experimentalbedingungen
Experimentalbedingung: Wissensschema
Experimentalbedingung: Kooperationsskript
Experimentalbedingung: Kooperationsskript und Wissensschema
Experimentalbedingung: Ohne Kooperationsskript und ohne Wissensschema
Variablen und Variablenerhebung
Relevante Variablen der Untersuchung
Lernerfolg
Geschlecht
Vorwissen
Soziale Ängstlichkeit
Ergebnisse
Vorraussetzungen
Geschlecht
Vorwissen
Soziale Ängstlichkeit
Zusammenfassung der Ergebnisse
Diskussion
Geschlecht
Vorwissen
Soziale Ängstlichkeit
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Forschungsarbeit untersucht, inwiefern individuelle Unterschiede – insbesondere Geschlecht, Vorwissen und soziale Ängstlichkeit – den Lernerfolg bei Studierenden beeinflussen, die kooperativ in einer computervermittelten Videokonferenz-Umgebung zusammenarbeiten.
- Einfluss des Geschlechts auf den kooperativen Lernerfolg
- Zusammenhang zwischen Vorwissen und individuellem Lernerfolg
- Wirkung sozialer Ängstlichkeit auf Lernprozesse in kleinen Gruppen
- Evaluierung kooperativer Lernumgebungen in Videokonferenzen
- Bedeutung instruktionaler Unterstützung durch Wissensschemata und Kooperationsskripte
Auszug aus dem Buch
Soziale Ängstlichkeit
Als soziale Ängstlichkeit bezeichnet man die Angst vor sozialen Situationen oder Leistungssituationen. Sozial ängstliche Menschen fürchten sich davor beobachtet zu werden oder gar im Mittelpunkt zu stehen, da sie sich dabei blamieren könnten. Diese Angst tritt typischerweise in kleinen Gruppen, aber nicht in anonymen Menschenmengen auf. Menschen, die unter sozialer Angst leiden, denken, dass andere Menschen ihre Worte und Handlungen negativ bewerten (Butler, 2002). Sie spielt also gerade in dieser Studie eine wichtige Rolle, da in kleinen Gruppen und unter Beobachtung gelernt wird. Ein gewisses Ausmaß an sozialer Angst ist völlig normal. Nimmt sie jedoch Überhand, kann das Lernen erheblich beeinträchtigt werden (Morschitzky, 2005).
Nach Cohen und Webb ist die Interaktion zwischen den Lernenden ein konsistenter Prädiktor für den Lernerfolg (Ertl, 2003). Sozial ängstliche Menschen befürchten, dass wenn sie mit anderen kommunizieren, ihre Schwächen entdeckt werden könnten „(…)und dass sie abgewiesen, ignoriert, kritisiert oder zurückgewiesen werden, weil sie sich nicht in angemessener Weise verhalten haben“ (Butler, 2002, S.15). Viele denken auch, dass sie von vornherein nicht angenommen werden würden und versuchen ihr „wahres Ich“ zu verstecken, „(…) natürlich wird es dadurch schwierig, eine Meinung auszudrücken, oder zu sagen, was sie denken“ (Butler, 2002, S.26). Wenn eine Person also sozial ängstlich ist und sich nicht traut, ihre Meinung auszudrücken, kommt eine Kommunikation wesentlich schlechter zustande, als wenn die Person offen und ungehemmt sagt, was sie denkt. Dies kann den Lernerfolg negativ beeinflussen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Bedeutung des computerunterstützten Lernens und Zielsetzung der Untersuchung des Einflusses individueller Faktoren auf den Lernerfolg.
Theorie: Überblick über den Forschungsstand zu Geschlechtsunterschieden, der Rolle von Vorwissen und den Auswirkungen sozialer Ängstlichkeit im Kontext kooperativen Lernens.
Methode: Beschreibung des 2x2-faktoriellen Forschungsdesigns, der Lernumgebung sowie der Datenerhebungsinstrumente zur Messung von Variablen wie Vorwissen, sozialer Ängstlichkeit und Lernerfolg.
Ergebnisse: Detaillierte statistische Analyse, die zeigt, dass Vorwissen einen signifikanten Einfluss auf den Lernerfolg hat, während Geschlecht und soziale Ängstlichkeit in diesem Setting keine maßgeblichen Auswirkungen zeigten.
Diskussion: Kritische Reflexion der Befunde, Erörterung möglicher Erklärungsansätze für die ausbleibenden Effekte sowie Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Schluss: Zusammenfassendes Fazit der zentralen Ergebnisse hinsichtlich der Prädiktoren für den Lernerfolg in Videokonferenz-Lernumgebungen.
Schlüsselwörter
Kooperatives Lernen, Videokonferenzen, Lernerfolg, Vorwissen, soziale Ängstlichkeit, Geschlecht, Computergestütztes Lernen, Instruktionsmaßnahmen, Wissensschema, Kooperationsskript, Partizipation, Sozialphobie, kognitive Belastung, empirische Forschung, Dyaden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen individueller Lernervariablen – insbesondere Geschlecht, Vorwissen und soziale Ängstlichkeit – auf den Lernerfolg bei Studierenden, die in Dyaden via Videokonferenz kooperativ lernen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Themen sind kooperatives Lernen, Medieneinsatz (Videokonferenz), die Rolle von Vorwissen bei der Wissenskonstruktion sowie die psychologischen Auswirkungen von Ängstlichkeit und Geschlechtsunterschieden auf die Interaktion.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, den individuellen Lernerfolg beim kooperativen Lösen von Fällen in einer Videokonferenzumgebung zu analysieren und zu prüfen, ob dieser von den genannten persönlichen Faktoren der Studierenden beeinflusst wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein 2x2-faktorielles Experiment mit 86 Studierenden durchgeführt, wobei die Daten mittels Varianz- und Regressionsanalysen sowie statistischen Korrelationsprüfungen ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine detaillierte Beschreibung der experimentellen Methode (inklusive Lernumgebung und Versuchsablauf) sowie die umfassende Darstellung und Interpretation der statistischen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören kooperatives Lernen, Videokonferenzen, Lernerfolg, Vorwissen, soziale Ängstlichkeit sowie instruktionale Unterstützung durch Skripts und Schemata.
Welche Auswirkungen hat das Vorwissen laut der Studie auf den Lernerfolg?
Die Untersuchung konnte statistisch hochsignifikant nachweisen, dass das Vorwissen einen positiven Einfluss auf den Lernerfolg hat und etwa 34 % des Lernerfolgs erklärt.
Hat soziale Ängstlichkeit den erwarteten negativen Einfluss auf den Lernerfolg?
Überraschenderweise konnte kein signifikanter negativer Zusammenhang festgestellt werden; soziale Ängstlichkeit beeinflusste den Lernerfolg in diesem speziellen Setting nur zu einem verschwindend geringen Teil von 1,5 %.
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- Dr. Stephanie Sasse (Author), Simone Abstein Manuela Woßler, Kathrin Ramsauer (Author), 2005, Kooperatives Lernen in Videokonferenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64192