Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Innereheliche Erwerbstätigkeit und Scheidungswahrscheinlichkeit im
sozialhistorischen Rückblick 3
2.1 Vorindustrielle Ehe- und Familienformen. 3
2.2 Bürgerliches Ehe- und Familienideal 5
3. Erwerbstätigkeit der Ehefrau in der modernen Ehe / Familie und
Ehescheidungsrisiko 7
3.1 Eheliche Arbeitsteilung 7
3.2 Problematiken aufgrund weiblicher Erwerbstätigkeit in der Ehe. 9
3.3 Männliche Beteiligung an der Hausarbeit 11
3.4 Geschlechtsspezifische Rollenerwartungen 12
4. Zusammenfassung / Fazit 14
Literaturverzeichnis 16
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1. Einleitung
Im Zusammenhang mit den steigenden Scheidungsquoten ist häufig von einem Zerfall der gesellschaftlichen Wertbasis oder so genannten Individualisierungsprozessen die Rede. Der Rückgang der klassischen Hausfrauen-Ehe und der damit einhergehende Anstieg weiblicher Erwerbstätigkeit innerhalb der Ehe werden unter anderem als ursächlich für diese Entwicklungen angeführt. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welchen Einfluss die Erwerbstätigkeit von Ehefrauen tatsächlich auf das Ehescheidungsrisiko hat und welche Faktoren hierfür entscheidend sind. Die familialen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Ost- und Westdeutschland differieren, da in der früheren DDR andere Strukturen vorherrschten; diese Arbeit orientiert sich jedoch ausschließlich an den westdeutschen Strukturen. Zum Einstieg in die Thematik erfolgt eine kurze Darstellung historischer Ehe-und Familienformen in Bezug auf Erwerbstätigkeit und Ehescheidung. Im Anschluss daran werden verschiedene Aspekte im Zusammenhang mit weiblicher Erwerbstätigkeit in modernen Ehen und Familien im Hinblick auf ihre Relevanz bezüglich des Ehescheidungsrisikos betrachtet. Die zusammengetragenen Erkenntnisse werden abschließend noch einmal betrachtet und zusammenfassend bewertet.
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2. Innereheliche Erwerbstätigkeit und
Scheidungswahrscheinlichkeit im
sozialhistorischen Rückblick
Die Veränderungen innerhalb der Institutionen Ehe und Familie wurden durch die historische Entwicklung der vorindustriellen Gesellschaft hin zur industrialisierten Gesellschaft beeinflusst und hatten als Konsequenz die Ausbildung des bürgerlichen Ehe- und Familienideals zur Folge. Dieser historische Werte- und Einstellungswandel, einhergehend mit einer veränderten Lebens- und Arbeitssituation der Ehepartner (insbesondere der Ehefrau), kann vereinfacht als eine „Entwicklung von der Arbeitsgemeinschaft zur Gefühlsgemeinschaft“ bezeichnet werden (vgl. Fooken/Lind, 1995: 2). Im Folgenden sollen die vorindustriellen Familienformen sowie das bürgerliche Familienideal in Deutschland im Hinblick auf die innereheliche Erwerbstätigkeit und die Wahrscheinlichkeit von Ehescheidungen betrachtet werden.
2.1 Vorindustrielle Ehe- und Familienformen
Vorindustrielle Familienformen werden unterschieden in solche mit bzw. ohne Produktionsfunktion:
Familien mit Produktionsfunktion waren beispielsweise im Besitz von Bauernhöfen, Handels- oder Handwerksbetrieben, welche der Erwirtschaftung des Lebensunterhaltes dienten; der Betrieb bildete den familialen Mittelpunkt. Neben der eigentlichen Kernfamilie gehörten häufig auch nicht-blutsverwandte Personen zur Familie, wenn der Betrieb z. B. auf Gesinde und/oder Gesellen angewiesen war. In der Soziologie werden diese Familien als „Typus des ganzen Hauses“ bezeichnet (vgl. Nave-Herz, 2004: 38). Die Existenzsicherung solcher Familienbetriebe war erst durch die reibungslose Ergänzung der Arbeitsprozesse von Mann und Frau gegeben (vgl. Ostner, 1989; Nave-Herz, 1992; in: Fooken/Lind, 1996: 2/3). Beide Ehepartner waren somit voneinander
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abhängig und in ihrem Schicksal miteinander verknüpft. Daher erfolgte die Partnerwahl in der Regel nicht aufgrund persönlicher Vorlieben, sondern eher im Hinblick auf den zu erwartenden Nutzen einer Heirat für den Existenzsichernden Familienbetrieb (vgl. Fooken/Lind, 1996: 2/3). Familien ohne Produktionsfunktion waren überwiegend eigentumslos und gehörten somit den unteren sozialen Schichten an. Selten besaßen sie ein Stück Ackerland, Garten und/oder etwas Vieh. Die Familienmitglieder gingen bereits einer außerhäuslichen Erwerbstätigkeit nach (vgl. Schwägler, 1970: 150; Sieder, 1977: 126; Shorter, 1977: 41; Mitterauer, 1977: 105/2002; in: Nave-Herz, 2004: 46), an welcher sich aufgrund der wirtschaftlichen Not auch die Kinder so früh wie möglich zu beteiligen hatten. In ländlichen Gebieten waren die Mitglieder solcher produktionslosen Familien zumeist als Häusler, Inwohner oder Tagelöhner tätig, in Städten arbeiteten sie zum Beispiel als Gerichtsdiener, Nachtwächter, Türsteher oder in anderen Bereichen als untere Bedienstete. Frauen und Mütter halfen häufig auch in fremden Haushalten aus oder verdingten sich als Wasch- und Nähfrauen oder als Küchenhilfen. Ihre Bezahlung bestand zumeist aus Naturalien. Die Kinder dieser Familien arbeiteten vor allem als Hirten, SennerInnen oder Dienstboten. Durch diesen außerhäuslichen Lohnerwerb kam es im Gegensatz zu Familien mit Produktionsfunktion bereits zur räumlichen Trennung von Arbeits- und Wohnort (vgl. Nave-Herz, 2004: 46/47).
Die Ehescheidungshäufigkeit war zu vorindustriellen Zeiten sehr gering. Dies liegt zum einen darin begründet, dass die Ehe (wie oben beschrieben) an Besitz gebunden war und einen Arbeitszusammenhang herstellte. Zum anderen war aber auch die Ehedauer kürzer als heute, was auf ein relativ hohes Heiratsalter (ein Resultat bestimmter Reglementierungen bezüglich des Heiratsverhaltens) sowie die hohe Sterblichkeitswahrscheinlichkeit (insbesondere der Frauen, die häufig aufgrund von Geburten verstarben) zurückzuführen ist (vgl. Van Dülmen, 1990: 158f; in: Klein/Kopp, 1999: 24).
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Arbeit zitieren:
Melanie Vollmer, 2006, Der Einfluss weiblicher Erwerbstätigkeit auf das Ehescheidungsrisiko, München, GRIN Verlag GmbH
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