Max Herrmann-Neiße - Das Sittlichkeitsdelikt - Subjektivierung durch Sprache
von Bastian Rittinghaus
Inhalt:
1. Max Herrmann-Neiße
Leben und Werk
2. Die Zeitschrift ′Die Aktion′
2.1. Geschichte der Zeitschrift
2.2. Vergleich mit anderen Autoren der ′Aktion′
3. Das Sittlichkeitsdelikt
3.1. Form
3.1.1. Metrik
3.1.2. Syntax
3.2. Interpretation
3.2.1. Rausch
3.2.2. Subjektivierung
4. Schluß
5. Bibliographie
1. Max Herrmann-Neiße
Leben und Werk
Max Herrmann, genannt Herrmann-Neiße, wurde in der Stadt Neiße in Schlesien am 23. Mai 1886 geboren. Diese katholische Provinzstadt erlebte der Protestant Herrmann als "lokalisierte Düsternis und Beklemmung". Als körperlich mißgestalteter Mensch - er war kleinwüchsig und buckelig - machte er hier früh die Erfahrung des Außenseitertums. Das Gefühl des Andersseins, das Erleben von Ressentiments und eine fast immer unerfüllte Sehnsucht, dennoch dazuzugehören, prägten sein gesamtes dichterisches Werk bis in die Emigration. Schon als junger Mensch erkannte er "in den Kräften eines nur ihm eigenen Intellekts die heimliche Waffe, sich des Zugriffs einer höhnenden Umgebung zu erwehren" . Trotz dieser Funktion, ist Herrmanns "Schicksal", wie Thomas Mann 1936 im Vorwort zu einer Gedichtsammlung Max Herrmann-Neißes betont , "durch seine sprachlich-ideelle Formung so sehr dem Persönlichen enthoben, so stark vermenschlicht", womit allgemein-menschheitlich gemeint ist, "und dem allgemeinen Erlebnis seiner Zeit verschmolzen, [daß man] (...) dennoch das Leid dieser Lieder, ihre Klage (...) aufs Wort verstehen und die eigene innerste Erfahrung mit der ihren vereinigen kann".
Während der letzten Schuljahre am Gymnasium entstehen die ersten Gedichte, die Herrmann bereits 1906 bei Joseph Singer, Straßburg unter dem Titel "Ein kleines Leben. Gedichte und Skizzen" veröffentlichen kann. 1905 beginnt er das Studium der Literatur- und Kunstgeschichte in München, auch, um der Kleinstadt Neiße zu entkommen, ist jedoch enttäuscht von der leidenschaftlosen "Verstaubtheit" der Kollegs. Die literarischen und künstlerischen Zirkel Münchens bleiben ihm weitgehend verschlossen (immerhin war München die Stadt der "Jugend" und des "Simplicissimus"), lediglich mit Wedekind hat er hier Bekanntschaft gemacht, den er später als "das große, nie vergessene, blutsverwandte Mysterium" beschreibt. Bereits nach dem ersten Semester wechselt Herrmann nach Breslau, doch auch hier erfüllen sich seine Erwartungen an das Studium nicht.
In den folgenden Jahren entdeckt Herrmann die Welt der Studentenlokale, Kabaretts und Nachtcafés für sich, in denen er zunehmend verkehrt und "zum ersten Mal im Milieu unbürgerlicher Existenzen einen Hauch von Geborgenheit findet". Hier wuchs sein Entschluß, das Studentendasein mit dem des freien Schriftstellers zu vertauschen, weshalb er 1909 das Studium ohne Abschluß beendet und ins Elternhaus zurückkehrt. Zunächst beschränkt sich seine literarische Tätigkeit jedoch auf das Verfassen von Theaterkritiken für eine lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Rezensionen Kerrs in dem "Tag" bewegen ihn, dessen Stil zu imitieren und einen "Miniatur-Kerr" hinzulegen, "so radikal es nur ging" .
1913 veröffentlicht Herrmann einen zweiten Gedichtzyklus, in dem er die bürgerlichen Figuren seiner Heimatstadt vorführt, unter dem Titel "Porträte des Provinztheaters", bei Alfred Richard Meyer in Berlin. Die Neißer Bürger waren entsetzt und Herrmann verlor seinen Posten als Rezensent.
Bereits 1911 war in der expressionistischen "Aktion" ein Gedicht Herrmanns erschienen, 1912 folgen weitere im "Pan", der Zeitschrift Kerrs, der den Gedichten einige empfehlende Zeilen vorausschickt. Jedoch wirken seine Gedichte immer wieder unzeitgemäß, provinziell und epigonal an den jungen Rilke, Hofmannsthal und George angelehnt. Herrmann war bemüht, Anschluß an die junge expressionistische Lyrikergeneration zu bekommen und imitiert den Stil, den er in den Zeitschriften findet. Immer wieder wird die Ambiguität einer "verzweifelten Klage und Sentimentalität" gegenüber einem "antibürgerlichen Affekt" deutlich, eine Spannung zwischen Banalität und Zynismus, in der Herrmann sich bewegt. In dieser Zeit lernt Herrmann Leni Gebek kennen, die er liebt, und die später seine Frau wird.
1912 fährt Herrmann auch erstmals auf Einladung des A. R. Meyer-Verlags nach Berlin, wo er an einem Autorenabend teilnimmt. Berlin ist für Herrmann zu dieser Zeit Inbegriff des Unbürgerlichen und ersehntes geistiges Zentrum. Zwar erfüllt sich sein Wunsch, Kerr zu treffen, den er sich zum Freund machen kann, die Begegnung mit der expressionistischen Generation jedoch enttäuscht ihn, da es keine große geschlossene Gruppe gibt, sondern kleine Cliquen, die sich gegeneinander abschotten.
[...]
Quote paper:
Bastian Rittinghaus, 2002, Zu Max Herrmann-Neißes "Das Sittlichkeitsdelikt" - Subjektivierung durch Sprache, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Karl Philipp Moritz - Götterlehre oder mythologische Dichtungen der Al...
German Studies - Comparative Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 30 Pages
Der Rabe und der Fuchs - Lessings Bearbeitung der äsopischen Fabel
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 17 Pages
Haben Computerspiele Auswirkungen auf das Verhalten von Kindern?
Communications - Research, Studies, Enquiries
Termpaper, 19 Pages
Mehr als nur ein Augenblick. Walter Benjamin: Die kleine Geschichte de...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
American Monomyth - Geschichte, Struktur und Funktion im Überblick
Communications - Media and Politics, Politic Communications
Presentation (Elaboration), 21 Pages
An introduction to the theory of gender-neutral language
English Language and Literature Studies - Linguistics
Scholary Paper (Seminar), 14 Pages
Das Spiegelstadium als Bildner der Ichfunktion bzw. Lacans Begriff des...
Scholary Paper (Seminar), 13 Pages
Christopher Nolan's Memento - Analysis of the narrative structure ...
English Language and Literature Studies - Other
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 29 Pages
Das Konzept der 'niederen Minne' im Minnesang
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 21 Pages
Arthur Schnitzler Traumnovelle vs Stanley Kubrick Eyes Wide Shut - Ein...
Communications - Movies and Television
Termpaper, 23 Pages
Die Figurencharakterisierung in Cechovs Drama "Djadja Vanja"
Termpaper, 21 Pages
Zur Ballade "Der Ring des Polykrates" von Friedrich Schiller...
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 15 Pages
Die Darstellung des Fremden im Western der 50er und 60er Jahre im Verg...
Communications - Movies and Television
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 22 Pages
Determiniert zu Mord und Wahn? Zur Figurenkonstellation in Hauptmanns ...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 22 Pages
Funktionsweise des Goldstandards
Economics - Monetary theory and policy
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
Bastian Rittinghaus's text Zu Max Herrmann-Neißes "Das Sittlichkeitsdelikt" - Subjektivierung durch Sprache is now available as a printed book
Bastian Rittinghaus has published the text Zu Max Herrmann-Neißes "Das Sittlichkeitsdelikt" - Subjektivierung durch Sprache
Bastian Rittinghaus has uploaded a new text
Praxis Sprache und Literatur 6. Arbeitsheft. Hessen, Niedersachsen, No...
Sprach- und Lesebuch für Gymna...
Praxis Sprache und Literatur 5. Schülerband. Rechtschreibung 2006. Hes...
Sprach- und Lesebuch für Gymna...
Praxis Sprache und Literatur 6. Rechtschreibung 2006. Schülerband. Hes...
Sprach- und Lesebuch für Gymna...
Praxis Sprache und Literatur 5. Arbeitsheft. Rechtschreibung 2006. Hes...
Sprach- und Lesebuch für Gymna...
Praxis Sprache und Literatur 7. Arbeitsheft. Niedersachsen, Rheinland-...
Sprach- und Lesebuch für Gymna...
0 comments