Strukturierte Soziale Ungleichheit - ein Produkt der Moderne 2
1. Die Tradition der Ungleichheitsdarstellung in der Soziologie 3
1.1 Begriffsklärung. 3
1.2 Klassentheorie als Ungleichheitsdarstellung 4
1.3 funktionalistische Schichtungstheorie. 6
1.4 Lebensstil, Lagen und Milieus 7
2. soziale Ungleichheit bei Herbert Marcuse. 9
3. Schluss 12
Literaturverzeichnis 13
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Strukturierte Soziale Ungleichheit - ein Produkt der Moderne
Soziale Ungleichheit ist zweifelsohne ein “hausgemachtes“ Phänomen. Ähnlich wie Umweltprobleme, Bevölkerungsdynamik und absehbare Konflikte um Energieversorgung ist soziale Ungleichheit ein weltumspannendes Ereignis, für dessen Entwicklung der Mensch selbst verantwortlich zeichnet. Und mit dieser These rücke ich bewusst von der Vorstellung des Aristoteles ab, der Ungleichheit als einen naturgegebenen Zustand erklärt (vgl. Dahrendorf 1967, 355). Um diese Ansicht zurückzuweisen, bedarf es keines intensiven Soziolgiestudiums und auch keiner Kenntnis empirischer Studien. Allein die Früchte der Aufklärung - samt dem Postulat der Gleichheit aller Menschen - und die Erfahrung von mehr als zweihundert Jahren entfeudalisierter Industriegesellschaft lehrten das Gegenteil. Wenn ich nun also die Entstehung sozialer Ungleichheit in die Verantwortung des Menschen lege, so denke ich da zu vorderst an die Industrielle Revolution und die Transformation von der feudalen Agrar- zur modernen Zivilgesellschaft und die neue Form legitimierter strukturierter Ungleichverteilung von Kapital und Lebenschancen. Und vor allem die Soziologie, als eine aus dieser Transformation entstandene Wissenschaft (Schäfers 2002) 1 , beschäftigt sich seit jeher mit der Entstehung und Heraufkunft dieses gesellschaftlichen Phänomens und produzierte in der Vergangenheit mehr oder minder gelungene Erklärungsversuche.
Ich werden nun im folgenden einige dieser Erklärungsversuche vorstellen und dabei, der soziologischen Tradition folgend, einen Querschnitt von der Klassen- über die Schichtungs- bis hin zur Milieu- und Lebensstilforschung bieten. Während dieses ersten Teils werden auch die verschiedenen Dimensionen sozialer Ungleichheit herausgetsellt. Der zweite Teil des Essays beschäftigt sich dann mit der Ungleichheitsdarstellung in Herbert Marcuse´s Werken „Der eindimensionale Mensch“ sowie „Ideen zu einer kritischen Gesellschaft“. Es werden dabei Marcuse´s Ansichten über die Verantwortungen einzelner Strukturen der Gesellschaft an sozialer Ungleichheit beleuchtet und kritisch diskutiert.
1 Schäfers schreibt: „Soziologie als sich verselbständigende Sozialwissenschaft entstand - [...] - gegen Mit- des 19. Jahrhunderts vor allem in den Ländern Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den
USA.“
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1. Die Tradition der Ungleichheitsdarstellung in der Soziologie
1.1 Begriffsklärung
Wenn wir den Begriff der sozialen Ungleichheit untersuchen, ist es vorher zwingend notwendig, eine gültige Definition zu liefern: zum einen muss der Unterschied zu biologischer Ungleichheit und zum anderen zu sozialer Differenzierung verdeutlicht werden. Nach Dahrendorf meint also soziale Ungleichheit die „soziale Schichtung nach Ansehen und Reichtum als Rangordnung des sozialen Status“ (1967). Ich möchte an dieser Stelle Dahrendorfs Definition sozialer Ungleichheit um den Aspekt der Exklusion, basierend auf der vorgenommenen Einstufung, ergänzen, d.h. wenn ein differenter Zugang zu Ressourcen aufgrund des sozialen Status vorliegt. Hierbei kann es sich um direkte oder indirekte Exklusion handeln. Eine direkte Art von Ausschluss würde beispielsweise vorliegen, wenn einem Individuum der Zugang zu einem exklusiven Club aufgrund des Einkommens oder der gesellschaftlichen Stellung verweigert wird. Indirekte Exklusion meint nun den versperrten Zugang zu einer Institution, beispielsweise einer höheren Schule wenn, wie in einem solchen Fall, die Erziehung der Eltern diesen Ausschluss bedingt. Diese Definition impliziert also, das Benachteiligung bzw. Vorrecht nicht mittels biologischer Merkmale eines Menschen begründbar ist.
Eine Abgrenzung sozialer Ungleichheit zu sozialer Differenzierung ist hingegen weniger einfach und klar. Es ist mithin durchaus denkbar, eine arbeitsteilige Gesellschaft rein nach sozialer Differenzierung zu betrachten. So muss eine berufliche Stellung nicht zwingend mit sozialer Benachteiligung einher gehen. Doch ist diese theoretische These in der Praxis nur selten verwirklicht. Für Parsons ist laut Dahrendorf an dieser Stelle der Begriff der Bewertung entscheidend, d.h. die Bedeutung von Bewertung führt von sozialer Differenzierung zu sozialer Ungleichheit (Dahrendorf 1967), doch darauf werde ich später noch näher eingehen. Ebenso verhält es sich mit anderen Dimensionen sozialer Differenzierung, wie beispielsweise die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie oder Religion. Nicht selten jedoch verschränken sich diese Unterschiede mit Dimensionen sozialer Ungleichheit (vgl. Kreckel 1992, 16). Deutlich wird dies am Beispiel ethnischer Minderheiten, wenn Rex analysiert:
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„None the less I concluded that there was a denial of access to housing, producing quasighettos, that the ethnic minorities were partially confined to the least acceptable jobs and that there was increasing segregation in inferior schools. To some extent, therefore, I saw them constituting an underclass in the specifically British sense of those who did not benefit from incorporation in the welfare state.” (Rex 1986, 75).
Ebenso verhält es sich mit der Zugehörigkeit zum Geschlecht. Eine unbewertete Differenzierung ist auch in einer vermeintlich geschlechtliche Gleichbrechtigung postulierenden Gesellschaft noch nicht möglich, wenn Vester und Gardemin feststellen, dass Frauen in einer leistungsorientierten Arbeitswelt auch bei gleicher Qualifikation systematisch in tieferen beruflichen Positionen zu finden sind (Vester/Gardemin 2001). Es soll abschließend noch geklärt werden, wann von strukturierter sozialer Ungleichheit gesprochen werden kann. Diese Konnotation ist dann zu verwenden, wenn es sich nicht nur um kurzfristige Ungleichheit, sondern um „die Lebenschancen ganzer Generationen prägenden Ungleichheitsverhältnisse handelt“ (Kreckel 1992, 19).
1.2 Klassentheorie als Ungleichheitsdarstellung
Die beiden wichtigsten klassischen Vertreter, die soziale Ungleichheit in eine Klassentheorie normten sind Karl Marx und Max Weber. Bei Marx finden wir die radikalere Darstellung - soziale Ungleichheit als Konflikttheorie, basierend auf einer bipolaren Gesellschaft, dem Proletarier einer- und dem Bourgeois andererseits. Das Fundament sozialer Ungleichheit ist laut Marx die Aufhebung von „Zersplitterung der Produktionsmittel, des Besitzes und der Bevölkerung“ (Marx/Engels 2004, 24). Der ungleiche Zugang zu Produktionsmitteln führt somit zu einer Ungleichverteilung des Eigentums. Die Arbeitskraft des Proletariers, die einzige Ware, die jener auf dem freien Markt anbieten kann, wird vom Bourgeois ausgebeutet. Dieser vermehrt laut Marx sein Kapital durch die unrechtmäßige Aneignung des Mehrwerts, den er vom Proletarier erpresst und dem er ihn nicht vergütet (vgl. Marx/Engels 2001, 230). Der Lohn des Proletariers ist gerade so hoch, um „sein nacktes Leben wieder zu erzeugen“ (Marx/Engels 2004, 36). Die Folge sind ungleiche Lebensbedingungen in einer Gesellschaft, in der das „Privateigentum für neun Zehntel seiner Mitglieder aufgehoben [ist].“ (Marx/Engels 2004, 37).
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Arbeit zitieren:
Marcus Guhlan, 2006, Strukturierte soziale Ungleichheit - Ein Produkt der Moderne, München, GRIN Verlag GmbH
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