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Gliederung
Gliederung. 2
1. Einleitung 3
2. Beiträge der Forschung zur Artuswelt und ihren Repräsentanten 3
3. Die Lebensformen der Artuswelt 5
3.1 Artuskönigtum 5
3.2 Die Rolle der Königin Ginover in der Artuswelt. 10
3.4 Die Tafelrunde 17
4. Die Ritterschaft als Beispiel arturischen Lebensstils 20
5. Fazit. 23
Literaturverzeichnis 24
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1. Einleitung
Der thematische Teil der folgenden Ausarbeitung gliedert sich in drei Kapitel. Zunächst werde ich mich mit den Ergebnissen der traditionsreichen Wolfram-Forschung auseinandersetzen, hinsichtlich der Forschungslage zur Artuswelt, den wichtigsten Figuren, Lebensformen und Problemen im „Parzival“ die vor und nach Erscheinen von Bumkes Literaturbericht veröffentlicht wurden. Das zentrale und zugleich umfangreichste Kapitel behandelt die Lebensform der Artuswelt im „Parzival“. Die Schwerpunkte bilden die Fragen nach der Struktur und Ausprägung des Königtums, dem Aufbau und der Bedeutung des Artushofs und der Struktur und Funktion der Tafelrunde. Abschließend werde ich den Aspekt von Ritterschaft und Aventiure als besonderen Lebensstil der Artuswelt aufgreifen.
2. Beiträge der Forschung zur Artuswelt und ihren Repräsentanten
Die Forschung schenkte dem arturischen Bereich in „Parzival“ lange Zeit kaum Beachtung. Die meisten älteren Arbeiten beschäftigten sich nur dann mit der Artuswelt, wenn der Protagonist in sie eintrat, selbst dann war die Interpretation aber nicht auf Artus bezogen, sondern in erster Linie auf die Veränderungen und Wandlugen Parzivals im Laufe der Dichtung. Bumke (1991, S. 147) bezeichnet dies als unterschiedliche „Entwicklungsstände“ Parzivals. Der Begriff „Entwicklung“ eine ganz andere Bedeutung als im neueren Entwicklungsroman, sie besteht nämlich nicht in der Entfaltung eines individuellen Charakters, sondern in der „sukzessiven Verwirklichung eines vorgegebenen Konzepts gesellschaftlicher und religiöser Vollkommenheit (ebd. S. 147). Pratelidis (1993, S. 14) weist darauf hin, dass bis in die späten fünfziger Jahre die Artuswelt ausschließlich als Durchgangsstufe Parzivals zum Gralskönigtum angesehen wurde und somit der religiös gedeuteten Gralswelt untergeordnet wurde. So kann man festhalten, dass sich die „Parzival“-Forschung bis Mitte des letzten Jahrhunderts so gut wie ausschließlich auf die Erschließung des religiösen Gehalts des Romans konzentrierte.
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Die Dominanz der religiösen Problematik Parzivals wurde dann durch den Aufsatz von Wolfgang Mohr (1958) durchbrochen und die Aufmerksamkeit wurde auf die Gawan-Teile des Romans gelenkt und insbesondere auf die Figur des Artusneffen selbst.
In den sechziger Jahren stand, was die Artuswelt betrifft, in erster Linie das Verhältnis ihres Repräsentanten Gawan zu Parzival im Vordergrund der Forschungsarbeiten und erst langsam wandte man sich mit erweiterter Sichtweise der arturischen Welt zu.
In den siebziger und achtziger Jahren stieg das Interesse der Mediävistik an der Artuswelt im „Parzival“. Während in den meisten Arbeiten das Hauptinteresse auf einzelnen Repräsentanten dieser Gesellschaftsform lag, standen in einigen Arbeiten diese weniger im Mittelpunkt der Untersuchungen, als vielmehr die strukturellen Bedingungen und spezifische Ausformungen der arturischen Lebensform. Pratelidis (1993, S. 14-27), der die wichtigsten Forschungsbeiträge zur Artuswelt und zu ihren Repräsentanten (Artus, Gawan, Keie) seit 1969 en detail beschreibt und kommentiert, weist daraufhin, dass der Großteil der Arbeiten, die nach der Veröffentlichung von Bumkes Bericht (Wolfram-von-Eschenbach-Forschung seit 1945, 1970) erschienen, sich einer figurenorientierten Perspektive der Artuswelt zuwandten. Des Weiteren zeigt die Ausarbeitung Pratelidis´ auf, dass das Forschungsinteresse an der Artuswelt seit Beginn der siebziger Jahre stetig stieg. Die Arbeiten zur Artuswelt geben zwar einen sehr differenzierten Einblick der wichtigsten Repräsentanten der arturischen Welt, dennoch wird nahezu ausnahmslos der gesellschaftliche Standort der Artuswelt im epischen Weltensystem des „Parzival“ nicht genauer bestimmt und die Strukturen des arturischen Lebensstils werden kaum untersucht. Pratelidis (1993, S. 27) kritisiert, dass die „zunehmende Konzentration auf Detailfragen der Figurenzeichnung“ die Artuswelt als einen gesellschaftlichen Gesamtentwurf in den Hintergrund dränge und somit ein Blick auf den gesellschaftlichen Rahmen der Artuswelt notwendiger denn je sei.
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3. Die Lebensformen der Artuswelt
3.1 Artuskönigtum
Die Artuswelt ist ein aristokratisches Gesellschaftsmodell, an deren Spitze der König steht. Artus findet erste Erwähnung in Buch II des „Parzival“, jedoch wird er nicht als König, sondern als Sohn des roys Utrepandragûn (65,31) vorgestellt, der schon seit drei Jahren seine von einem zauberkundigen Pfaffen entführte Mutter sucht, ein Hinweis auf die spätere zentrale Rolle Artus´ in der epischen Welt des „Parzival“ wird aber nicht gegeben: Hie hât mangen Bertûn roys Utrepandragûn. ein mære in stichet als ein dorn, daz er sîn wîp hât verlorn, diu Artûses muoter was. ein phaffe der wol zouber las, mit dem diu frouwe ist hin gewant: dem ist Artûs nâch gerant. ez ist nu ime dritten jâr, daz er sun und wîp verlôs für wâr. (65,30-66,9)
In Buch III trifft der junge Parzival in der Einöde von Soltane auf den Ritter Karnahkarnanz, von dem er umgehend wissen möchte, wie man Ritter wird. Karnahkarnanz antwortet im postwendend, dass König Artus die Ritterschaft verleihe: daz tuot der künec Artûs. junchêrre, komt ir in des hûs, der bringet iuch an ritters namn, daz irs iuch nimmer durfet schamn. (123,7-10)
Artus wird in seiner zweiten Erwähnung im „Parzival“ als Inbegriff des untadeligen Rittertums dargestellt. Die ethisch-moralische Makellosigkeit der Ritterschaft wird betont.
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Artus ist nun bereits König, da sein Vater zu diesem Zeitpunkt schon gestorben ist, was der Leser aber erst in Buch XIII erfährt: Utepandragûn und Isâjes wâren bêde erstorben: (662,22f.)
Brunner (1983, S. 65) spricht von einem Generationenwechsel, der sich seit den Geschehnissen vor Kanvoleis, in der epischen Welt des „Parzival“ vollzogen hat. Die Übergabe der Königswürde von Utepandragun auf Artus wird im Roman nicht thematisiert, da aber in der Artuswelt das Nachfolgeprinzip ein verbindlicher Rechtsgrundsatz ist und auch bei niederen Ämtern angewandt wurde, wird bei der Herrschaftsübergabe genauso gehandelt. Ein Beleg für diese Tradierung von Ämtern, findet sich in Buch XIII, wo berichtet wird, dass Maurin das Amt seines Vaters Isajes übertragen wurde: Maurîn het erworben sîns vater ambet: daz was reh. (662,24f.)
Für weibliche Mitglieder der Artussippe besteht ein solches Recht anscheinend nicht, mit Sicherheit kann gesagt werden, dass Frauen von der Thronfolge ausgeschlossen sind, wenn ein männlicher Nachkomme für die Thronfolge vorhanden ist. Pratelidis (1993, S. 46) führt an, dass weder die Schwester Utepandraguns, noch die beiden Schwestern von Artus, als mögliche Thronfolger in Erwägung gezogen werden. Inwieweit Frauen, im Falle des Ausbleibens eines männlichen Thronerbens, nachfolgeberechtigt sind, wird im „Parzival“ nicht angeführt, da Wolfram keine allgemein gültige Regel nennt und auch kein entsprechendes Beispiel in der arturischen Welt des Romans vorkommt, welches Frauen prinzipiell von der Sukzession ausschließt.
Ein wichtiger Aspekt für das bessere Verständnis der Artus-Monarchie ist die territoriale Erstreckung des arturischen Königtums. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass eine exakte Abgrenzung des Herrschaftsgebiets im gesamten Roman nicht angeführt wird.
Arbeit zitieren:
Marcus Deuchler, 2005, Grenzüberschreitungen und Vernetzungen im Parzival Wolframs von Eschenbach: Artusrunde und Artusgesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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