Die Systemtheorie und Grundlegende Aspekte der gesellschaftlichen
Differenzierung nach Niklas Luhmann
Inhalt
Niklas Luhmann 0
1.Einleitung 2
2. Allgemeine Systemtheorie 3
2.1 Verwendung der Systemtheorie in der Soziologie. 5
3. Luhmanns Theorie sozialer Systeme. 6
3.1 Erste Phase der Theorieentwicklung: Die funktional-strukturelle Systemtheorie 7
3.2. Zweite Phase der Theorieentwicklung: Autopoiesis. 10
4. Der Differenzierungsbegriff. 16
4.1. Luhmanns binäre Codes und funktionale Differenzierung der Gesellschaft 17
4.2 Programme, formale Organisationen und Symbolisch generalisierte
Kommunikationsmedien 20
5.Fazit....................................................................................................................................... 22
6. Quellenangabe. 23
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1.Einleitung
Die Thematik der gesellschaftlichen Differenzierung wurde in der Soziologie häufig betrachtet und findet immer noch Beachtung. Viele bekannte Theoretiker der Soziologie setzten sich damit auseinander, so Max Weber, Georg Simmel, Herbert Spencer, Talcott Parsons, Karl Marx, Emil Durkheim, Norbert Elias und Niklas Luhmann.
In der nachfolgenden Arbeit wird hauptsächlich auf Luhmanns Theorie inklusive seiner gesellschaftlichen Differenzierung eingegangen. Zum besseren Verständnis einiger Grundbegriffe in der Systemtheorie wird zunächst der in der Disziplin Biologie entstandenen allgemeinen Systembegriff eingegangen. Im Anschluss darauf folgt ein kurzer Überblick über das Werk Parsons („Die generelle Systemtheorie“ [ Abels 2001, S. 196] ), bevor auf Luhmann selbst eingegangen wird. Eingangs wird die allgemeine Systemtheorie betrachtet. Überleitend von dieser wird weiterführend auf die beiden Theoriephasen eingegangen: die funktional-strukturelle Theorie und die Autopoiesis einschließlich des Kommunikationsbegriffs. Nach Klärung der grundlegenden Begriffe von Niklas Luhmann kann auf die Differenzierung eingegangen werden. Folgend auf den allgemeinen Differenzierungsbegriff werden die binären Codes, die funktional differenzierte Gesellschaft, Programme, formale Organisationen und symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien Luhmanns geklärt. Anschließend erfolgt ein allgemeines Fazit.
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2. Allgemeine Systemtheorie
Der Begriff der Systemtheorie stammt keineswegs nur aus der Soziologie.
Erst in den 30er Jahren des 20.Jahrhunderts entstand in der Biologie das, was man heute unter Systemtheorie versteht. Zwar benutzten einige Philosophen, wie etwa Hegel, den Systembegriff, doch hatte deren Definition von System mit der heutigen Systemtheorie nur gemein, „dass der Begriff eine Ganzheit anspricht, deren Elemente in einer bestimmten Relation zueinander stehen.“(Kneer/Nassehi 1997, S.18) Erst später wurde der Begriff Systemtheorie in der Soziologie aufgegriffen; der wohl bekannteste soziologische Systemtheoretiker dürfte Talcott Parsons sein, der die strukturell-funktionale Theorie aufstellte.
Ausgangspunkt für die Begrifffindung war die Kritik der Disziplin Biologie an der Disziplin Physik, welche die Welt deduktiv (den Einzelfall aus dem Allgemeinen ableiten) zu beschreiben versucht. Mag dieses Verfahren in der Physik gut anwendbar sein, da Einzelphänomene getrennt voneinander beobachtet werden können, sah sich die Biologie nicht imstande ihren eigentümlichen Gegenstand - das Leben - auf isolierte physikalische und chemische Vorgänge von Organismen zu reduzieren. (vgl. Kneer/Nassehi 1997, S. 18 ff) Dies führt zu einem Paradigmenwechsel in der Biologie: vom Einzelphänomenen zum System. Fortan wurden nicht die einzelnen Elemente des Lebens getrennt von einander untersucht, sondern das System ‚lebendiger Organismus’: die Verknüpfungen und Abhängigkeiten der einzelnen Teile des Ganzen waren von nun an das Objekt der Forschung.
Bekannt gemacht hat diesen Paradigmenwechsel der Zoophysiologe Ludwig von Bertalanffy in seiner ‚Allgemeinen Systemtheorie’ (um
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1950). Sein Bestreben war, seine Theorie nicht nur in seiner Disziplin bekannt zu machen, sondern sie in der gesamten Wissenschaft zu verbreiten. Ihm war sehr wohl bewusst, dass gerade auch in der Soziologie die Systemtheorie zur Erklärung von gesellschaftlichen Zusammenhängen verwendet werden kann. (vgl. Kneer/Nassehi 1997, S.19)
Der wesentliche Gegenstand Bertalanffys Theorie ist „die Organisationsform der komplexen Wechselbeziehungen zwischen einzelnen Elementen.“ (Kneer/Nassehi 1997, S.21) Er unterscheidet zwischen organisierter Komplexität und unorganisierter Komplexität. Bei organisierter Komplexität stehen die Elemente in Wechselwirkung zueinander; die unorganisierte Komplexität zeichnet eine
Linearverkettung von Einzelphänomenen aus, genauer: ein Phänomen B ist von einem vorherigen Phänomen A abhängig. Ebenso wichtig erscheint die Unterscheidung zwischen offenen und geschlossenen Systemen. Geschlossene Systeme verhalten sich nach Erreichen eines inneren Gleichgewichtszustands stabil und ändern sich fortan nicht mehr; Austauschbeziehungen mit der Umwelt des Systems finden nicht statt. Dem entgegen pflegt ein offenes System sehr wohl Austauschprozesse mit seiner Umwelt und erreicht nicht zwingend ein dauerhaftes inneres Gleichgewicht. Es ist ihm möglich, sich trotz systemexterner Zustandswechsel durch Veränderung der inneren Organisation am Leben zu erhalten.
Was das System aus einem äußeren Einfluss (Input) macht, ist nur an seiner Reaktion (Output) sichtbar. Verborgen bleibt dem Beobachter, was in Inneren des Systems geschieht, deshalb spricht man bei der Verarbeitung der Informationen von einem ‚Black box’- Verfahren. Offene Systeme werden zwar von außen beeinflusst, jedoch löst ein bestimmter äußerer Reiz nicht zwingend eine bestimmte Reaktion im Inneren aus.
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Demnach entscheidet allein das System (beziehungsweise die ‚Black box’), wie mit einem äußeren Einfluss umgangen wird. Offene Systeme sind demnach selbstorganisierte Systeme. (vgl. Kneer/Nassehi 1997, S.21ff.)
Die Systemtheorie ist seinerzeit sehr populär geworden, wurde aber auch von verschiedener Stelle kritisiert. Niklas Luhmann versucht seit den 60er Jahren eine eigenständige Systemtheorie zu formulieren. Er nahm die an Parsons formulierte Kritik auf und versuchte, die Theorie an den bemängelten Stellen zu korrigieren. So entstand die inzwischen auch berühmte funktionalstrukturelle Theorie, an der Luhmann bis heute arbeitet.
2.1 Verwendung der Systemtheorie in der Soziologie
Einer der ersten Systemtheoretiker war der Amerikaner Talcott Parsons (1902.1979), der in den 30er Jahren seine strukturell - funktionale Theorie entwickelte. Nach dem 2.Weltkrieg - vor allem in den 50er Jahren - erlangte sie eine außergewöhnlich hohe Popularität in der Soziologie.
Die zentralen Begriffe in Parsons Werk ,Struktur’ und ,Funktion’ bedürfen zunächst einer Erläuterung , Struktur’ umschreibt „ein relativ stabiles bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterliegendes Gefüge im Aufbau der Beziehungen zwischen (…) unterscheidbaren Elementen eines (…) nach ‚außen’ abgrenzbaren Systems.“ (Hillmann 1994, S.846). Die Elemente eines Systems sind von kurzfristigen Schwankungen zwischen dem Innen und Außen unabhängig; Struktur ist demzufolge ein statistischer Begriff. Im Gegensatz dazu sind die, Funktionen’ die sozialen Prozesse, welche das System am Leben erhalten sollen.
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Arbeit zitieren:
Dana Sadler, 2003, Niklas Luhmann - Die Systemtheorie und Grundlegende Aspekte der gesellschaftlichen Differenzierung nach Niklas Luhmann, München, GRIN Verlag GmbH
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