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Einleitung
Die Inuit gehören zu jenen Völkern der Erde, die unter härtesten Umweltbedingungen leben. Sie haben zumeist Mangel an pflanzlicher Nahrung und konsumieren zum größten Teil Tierfleisch. Die Voraussetzungen sind jedoch nicht für alle Eskimostämme gleich, denn die Art der Nahrungsquellen differiert regional und auch saisonal. Der Walfang spielt dennoch für viele der Inuit- und auch Indianerstämme eine äußerst wichtige Rolle. Die Größe der Tiere und somit die Menge des Fleisches und des Tranes, den sie für ihre Lichtquellen benötigen, machen den Wal als Beute sehr attraktiv. Die Jagd auf ihn richtet sich zeitlich nach der Wanderungsbewegung bestimmter, für den Walfang geeigneter Arten. Überdies ist sie sehr gefährlich. Das, sowie die generelle respektvolle Einstellung zu den meisten Tierarten seitens der Inuit ist der Grund für die umfangreiche rituelle Einbettung der gesamten Waljagdsaison. Die konkrete Vorgehensweise bei den Zeremonien variiert regional stark. Doch scheint die Handhabe bei allen Stämmen auf denselben Vorstellungen zu gründen. Das lassen bestimmte Grundprinzipien vermuten, die sich durch das rituelle Handeln ziehen und auf die ich in den nächsten Kapiteln näher eingehen werde. Zunächst werde ich die Utensilien beschreiben, die für die Waljagd unabdingbar sind, um mich dann eingehender mit den spirituellen Hintergründen der Walfangriten zu befassen. Im dritten Kapitel stelle ich den konkreten Ablauf einer Jagdsaison vor, um dadurch die Rituale in einem Kontext darzustellen, wie er zu einem bestimmten Zeitpunkt real existierte. Zum Schluss ziehe ich noch einen groben Vergleich zwischen Wal-, Robben- und Bärenjagd in Bezug auf ihre spirituellen Hintergründe und die ritu- elle Vorgehensweise.
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Hauptteil
1. Utensilien und Vorbereitungen
Ein äußerst wichtiger Gegenstand für die Jagd auf Wale, die nicht vom Eisrand aus durchgeführt wird, sondern auf offener See, ist das Boot, das die Inuit umiak nennen (Lantis 1938: 440). Dieses ist nicht gleichzusetzen mit einem Kajak, welches lediglich für eine Person ausgerichtet ist, sondern ist offen, mit Fell überzogen und viel größer (Bierhenke 1959: 52). Der Eigentümer muss einen gewissen Wohlstand aufweisen, da die Fertigung sowie die Wartung aufwändig sind. Somit kann sich nicht jeder ein solches umiak leisten. An der Jagd nehmen mehrere Mannschaften teil. Sie bestehen aus etwa fünf bis sieben Personen, die sich ein umiak teilen (Lantis 1938: 440). Das Boot sowie die Paddel werden bereits vor dem Beginn der Waljagdsaison repariert und gereinigt. Das dient nicht nur dem einwandfreien Funktionieren, sondern ist auch unter einem ästhetischen Gesichtspunkt von Bedeutung: Die Utensilien sollen für den Wal möglichst unsichtbar sein, aber für den Fall, dass der Wal sich ihrer doch gewahr wird, sollen die Gegenstände der Jagd neu aussehen. Die Inuit sind der Meinung, sie würden so dem Wal besser gefallen (Rainey 1947: 257).
Weiterhin benötigt man für die Jagd Harpunen, deren Zweck es ist, die Beute festzuhalten. Falls dies nicht gelingt, zeigt ein aufgeblasener Schwimmer aus Seehundshaut, der an der Harpune befestigt ist, an, wo sich das Tier befindet. Dann kommen Speere zum Einsatz, mit denen der Wal letztendlich getötet wird (Bierhenke 1959: 54). Spirituelle Utensilien sind die Amulette, die sich in Einsatz und Wirkung voneinander unterscheiden. Sie sollen beispielsweise die Treffsicherheit verbessern oder allgemein Schutz gewährleisten während des Walfangs, der nicht ungefährlich für die Männer ist. Die Amulette setzen sich zumeist aus tierischen Bestandteilen zusammen wie Knochen, Federn oder Zähnen, bestehen aber teilweise auch aus Abbildungen aus Stein. Jeder Walfänger besitzt eigene Amulette, sowie individuelle Lieder, die während der Jagd oder bei Zeremonien gesungen werden (Lantis 1938: 441). Ich komme nun zunächst zu den esoterischen Hintergründen der Waljagdrituale, welche sodann im Kapitel 3 beispielhaft erläutert werden.
Arbeit zitieren:
Silke Stadler, 2006, Die Waljagdriten bei den Inuit, München, GRIN Verlag GmbH
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