Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
Abbildungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
1.1. Problemstellung und Zielsetzung 1
1.2. Gang der Untersuchung 3
2. Theoretische Grundlagen 4
2.1. Begriffserläuterungen. 4
2.1.1. Entstehung des Wellnesskonzeptes 4
2.1.2. Definitionsansätze von Wellness. 5
2.1.3. Aspekte von Wellness. 12
2.2. Abgrenzungsversuch des Wellnesskonzepts zur
Gesundheitsförderung. 13
3. Einsatz von Wellness in amerikanischen Unternehmen. 16
3.1. Wellness in amerikanischen Unternehmen 16
3.2. Problematik der Übertragbarkeit auf deutsche Unternehmen. 18
4. Ansätze von Wellness in deutschen Unternehmen. 23.
4.1. Gesundheitserhaltende Ansatz. 23
4.1.1. Arbeitsorganisation 23
4.1.2. Stressmanagement 28
4.1.3. Suchtprävention 35
4.2. Gesundheitsfördernder Ansatz. 36
4.2.1. Betriebssport 36
4.2.2. Ernährungsmanagement. 43
4 2 3 Work-Life-Balance 47
Inhaltsverzeichnis II
5. Nutzen von Wellness im Unternehmen 50
5.1. Nutzen aus Mitarbeitersicht 50
5.1.1. Bewältigung der steigenden Arbeitsanforderungen. 51
5.1.2. Verbesserung von Wohlbefinden und Gesundheit 52
5.1.3. Erhöhung der Motivation. 53
5.2. Nutzen aus Unternehmenssicht. 57
5.2.1. Emotionale Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen. 57
5.2.1.1. Senkung der Fehlzeiten 58
5.2.1.2. Verringerung der Fluktuationsrate. 62
5.2.2. Imageverbesserung 63
5.2.3. Produktivitätssteigerung 64
5.3. Nutzen aus volkswirtschaftlicher Sicht 66
6. Zusammenfassung und Ausblick 68
Literaturverzeichnis. V
Anhang XII
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Illness/Wellness Continuum von Travis
Abb. 2: „Wellness-Index“ von Travis
Abb. 3: Wellness-Modell von Hettler.
Abb. 4: Erweitertes Modell der Wellness-Elemente
Abb. 5: Didaktische Elemente eines Outdoor-Trainingsprogramms
Abb. 6: Sozial-kognitives Prozessmodell gesundheitsbewussten
Ernährungsverhaltens
Abb. 7: Maslowsche Bedürfnispyramide
Abb. 8: Krankheitskosten
Abb 9: Kosten-/Nutzen-Rechnung betrieblicher Gesundheitsförderung
Einleitung 1
1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
Im Vordergrund eines jeden Unternehmens 1 steht sein wirtschaftliches Wachstum. Das Unternehmenswachstum bezieht sich sowohl auf die physische Expansion des Unternehmens, als auch auf das Wachstum an finanziellen Mitteln. Um im nationalen und internationalen Wettbewerb in Zeiten der Globalisierung bestehen zu können, spielt die Optimierung von Kosten, Zeit und Qualität eine entscheidende Rolle, zumal wenn es sich bei dem Unternehmen um einen so genannten „Global Player“ handelt. Da aber durch Rationalisierung in den meisten Bereichen der Produktion, der Maschinen, des Lagerwesens und des Vertriebs kaum noch weitere Leistungssteigerungen bzw. Kostensenkungen zu erzielen sind, rückt der Mensch als „produktives Potenzial - Human Ressource“ immer mehr in den Vordergrund. Durch steigenden Konkurrenz- und Leistungsdruck, ist es daher notwendig neue Wege einzuschlagen, um seitens des Unternehmens, Nutzen aus diesem Potenzial zu ziehen, oder in anderen Worten, seine Mitarbeiter zu motivieren, um unausgeschöpfte Reserven zu mobilisieren. Durch den Einsatz von Wellness, als Motivationsmaßnahme im Unternehmen, ergeben sich zwei neue Ansätze der Mitarbeitermotivation. Zur Steigerung der Unternehmensleistung durch Kombination aus gesundheitserhaltenden und gesundheitsvorbeugenden (präventiven) Maßnahmen - als strategisch und nachhaltig wirksame Investition in das Humankapital. Da ein Unternehmen letztlich immer das Resultat menschlicher Ideen, Ziele, Bedürfnisse und Verhaltensweisen ist und deren Mitarbeiter Schöpfer und Träger dieses Unternehmens sind. Was den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
1 Ausgeschlossen öffentliche Einrichtungen
Einleitung 2
schadet, schadet deshalb auch dem Unternehmen - und vice versa. Ein Unternehmen ist deshalb nur dann voll leistungsfähig, wenn auch seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sich guter Gesundheit erfreunen und sich wohl fühlen. In diesem Fall spricht man auch von einem „gesunden Unternehmen“ welches nicht selten einen „Top Platz“ in der Weltwirtschaft einnimmt.
Wagt man einen Blick über den großen Teich, so wird man feststellen, dass USamerikanische Unternehmen diese Strategie, die sowohl positive
betriebswirtschaftliche als auch volkswirtschaftliche Erfolgsbeiträge erzeugt, bereits seit Anfang der 70er Jahre erfolgreich anwenden. Aber auch avantgardistische deutsche Unternehmen wie z.B. der Technologiekonzern Infineon Technologies, der Automobilhersteller BMW, oder das
Telekommunikationsunternehmen O 2 haben bereits den Nutzen von „Wellness“ im Unternehmen erkannt, um ihre Mitarbeiter zu höheren Leistungen zu motivieren.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, herauszufinden, ob die Adaption der neuen Ansätze der Gesundheitserhaltung und Gesundheitsförderung, vereint von „Wellness“ im Unternehmen, Mitarbeiter zu höheren Leistungen motiviert und welchen zusätzlichen Nutzen die nachhaltige Pflege des Humankapitals auf das Unternehmen hat.
Einleitung 3
1.2. Gang der Untersuchung
In einer schrittweisen Annäherung an das Thema werden im zweiten Kapitel Theoretische Grundlagen dargestellt. Dabei wird zunächst auf den zentralen Begriff Wellness eingegangen, aus dem die beiden Ansätze zur Gesundheitserhaltung und Gesundheitsförderung abgeleitet werden. Im Anschluss wird eine Abgrenzung des Wellnesskonzeptes zu der Gesundheitsförderung vorgenommen.
Das Kapitel 3 beinhaltet eine Vorstellung der Anwendung von Wellness in USamerikanischen Unternehmen. Das dritte Kapitel schließt mit der Problematik der Übertragbarkeit von Wellnesskonzepten aus den USA auf deutsche Unternehmen. Das in zwei Unterpunkte gegliederte Kapitel 4 behandelt speziell die zwei neuen Ansätze zur Mitarbeiter Motivation. So wird im ersten Teil näher auf die Instrumente des gesundheitserhaltenden Ansatzes eingegangen, wobei der zweite Teil über Maßnahmen des gesundheitsfördernden Ansatzes informiert. Anschließend folgt eine Diskussion über den Nutzen von Wellness im Unternehmen. Aufgeteilt wird das fünfte Kapitel in drei Teile. Erstere erläutert den Einfluss von Wellness auf die Mitarbeitermotivation, wobei im zweiten Teil auf die Produktivitätssteigerung durch höhere Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter aus betriebswirtschaftlicher Sicht eingegangen wird. Um eine ganzheitliche Vorstellung über den Nutzen von Wellness im Unternehmen zu erlangen, wird der Autor im dritten Teil, kurz auf die daraus resultierenden Vorteile aus volkswirtschaftlicher Sicht eingehen.
Die vorliegende Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und dem Ausblick. In diesem Zusammenhang werden die Ergebnisse der Arbeit erfasst und mögliche Entwicklungstendenzen von Wellness, sowohl aus Unternehmenssicht als auch aus allgemeingültiger Sicht, aufgezeigt.
Theoretische Grundlagen 4
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Begriffserläuterungen
In diesem Teilabschnitt wird zunächst die Verwendung des zentralen Begriffes „Wellness“ geklärt. Die Abgrenzung zwischen „Wellness“ und „Gesundheitsförderung“ erscheint dabei sinnvoll, da Wellness den
Handlungsrahmen für Teilsysteme wie Gesundheit darstellt.
2.1.1. Entstehung des Wellnesskonzeptes
Der Begriff „Wellness“ 2 ist hingegen allen Erwartungen kein junges Modewort, sondern tauchte erstmals im Jahre 1654 in einer Monografie von Sir A. Johnson damals als „…Wealnesse“ 3 auf. Übersetzt wird der Begriff ebenfalls im Oxford English Dictionary mit „…gute Gesundheit…“.
Beschrieben wird damit ein ganzheitliches Gesundheitskonzept, welches seit den 50er Jahren in den USA als Oberbegriff für eine neuartige Gesundheitsbewegung verwendet wird. Der amerikanische Sozialmediziner Halbert L. Dunn griff 1959 das Wort „Wellness“ erneut auf. In seinem Buch „High Level Wellness“ 4 wendet sich Dunn mit seinen Überlegungen zum Wellnesskonzept direkt an die Bevölkerung. Nach Hertel versuchte er damit bei jeder einzelnen Person das „Bewusstsein für die chancenreiche Bandbreite der persönlichen Gestaltungs-und
Entwicklungsspielräume“ zu wecken. Die Bevölkerung sollte also nicht länger in dem Glauben gelassen werden, dass ihre Gesundheit von höheren Mächten oder der Medizin abhängig ist 5 . „High Level Wellness“ vermittelt also einen eigenverantwortlichen, aktiven Lebensstil, der dem Einzelnen größtmögliche Ausschöpfung seiner individuellen Potenziale unter Berücksichtigung der individuellen Umweltgegebenheiten erlauben soll. Somit erhält Gesundheit nach Dunn einen greifbaren Charakter und wird stärker mit Lebenslust,
2 Zum Begriff selbst ist anzumerken, das Hertel nicht davon ausgeht das das Wort, so wie von einigen
Autoren angenommen aus einer Zusammensetzung der Wörter „well-being“ und „fitness“ entstanden ist.
3 Oxford English Dictionary Second Edition
4 Der Begriffe “High Level Wellness” entspricht hier der höchsten erreichten Gesundheit
5 Hertel, L. (2003): Der große Wellness-Guide. Vehling Verlag, S.6
Theoretische Grundlagen 5
Lebenszufriedenheit und Lebensqualität in Verbindung gebracht 6 . Eine Förderung der Gesundheit in diesem Wellnesskonzept ist dabei gleichermaßen für gesunde als auch für kranke Menschen möglich.
In den folgenden Jahren wurden eine Vielzahl von weiteren Definitionen zu Dunn´s Überlegungen entwickelt. Diese waren der Anstoß und die Basis für die Entstehung der Wellnessbewegung in den 70er Jahren, die sich bis dahin jedoch vorerst ausschließlich auf den amerikanischen Raum bezog.
2.1.2. Definitionsansätze von Wellness
Wellness zu definieren, wird dadurch erschwert, dass sich bis heute auf keine einheitliche Definition geeinigt werden konnte. Aufgrund der Fülle an Definitionen, die sich in der Literatur finden lassen, wird im Folgenden nur auf die wichtigsten Modelle und Ansätze eingegangen.
Da der Ursprung des Wellnesskonzeptes im angelsächsischen Raum liegt, basiert dementsprechend ein Großteil des folgenden Abschnittes auf den Erkenntnissen der US-amerikanischen Literatur.
Erstmals definierte Travis 1972 ein mehrdimensionales Modell, das sog. „Illness/Wellness-Continuum“ in welchem er das klassische Behandlungsmodell (kurative Medizin) mit dem Wellnessansatz (präventive Medizin) verbindet. Das Continuum stellt eine Verbindung zweier Pole, dem „Pre-Mature-Death“ und dem „High Level Wellness“ da, wobei sich der individuelle Gesundheitszustand einer Person auf diesem Continuum zwischen diesen beiden Polen liegt. Im Mittelpunkt der beiden Pole befindet sich ein neutraler Punkt, an dem weder Anzeichen von Krankheit noch besondere oder „gute“ Gesundheit erkennbar ist 7 . Das Besondere an diesem Continuum ist, dass der gesundheitliche Zustand eines Menschen als flexibler Punkt zu betrachten ist, der sich zwischen diesen beiden Polen frei hin und her bewegt. Travis will dadurch ermutigen den Wellnessansatz und die damit verbundene Verantwortung und Einstellung wahrzunehmen und zu akzeptieren, um dabei aktiv den eigenen Gesundheitszustand verbessern zu können 8 .
6 Vgl. Schmid-Neuhaus, M. (1988): Pragmatiwechsel in der Medizin. Anregungen vom amerikanischen
Wellness Movement. In: Gruppenpsychotherapeutische Gruppendynamik, 24, S. 139-148
7 Vgl. Travis, J. W.(Hrsg.)/Ryan, R. S. (2001): Simply well: Choices for a healthy life. Ten speed press, S. 8,
Berkeley; Toronto
8 Vgl. Binnewitt, Nicole (2002): Gesundheitswissenschaft und Gesundheitsbildung, S. 24 ff In: IFKA -
Schriftreihe - Band 19, Bielefeld
Theoretische Grundlagen 6
Gesundheit scheint aus Travis Sicht heraus von jeder Person jederzeit steigerbar:
Abb. 1: Illness/Wellness Continuum von Travis Quelle: Travis, J. W. (2001): Simply well: Choices for a healthy live
Um den individuellen Gesundheitszustand einer Person ermitteln zu können, entwarf Travis zudem einen Fragenkatalog. Dieser sog. „Wellness-Index“ beinhaltet folgende 12 Bereiche:
Abb. 2. „Wellness-Index“ von Travis Quelle: Hertel, L. (2003): Der große Wellness-Guide
Kritisiert wurde vor allem die Eindimensionalität des „Illness/Wellness- Kontinuums“, da aufgrund dieser, mit der Annäherung an „High Level Wellness“,
Theoretische Grundlagen 7
automatisch die Abnahme von Krankheitssymptomen verbunden ist, was nicht der Realität entspricht 9 . Haug forderte deshalb ein Modell, in dem auch systemische Zusammenhänge berücksichtigt werden. Das bedeutet, dass z.B. ein körperlich behinderter Mensch auf der psychosozialen Ebene so hohe Werte haben kann, dass sein Gesundheitszustand insgesamt höher bewertet werden kann, als der einer physisch gesunden Person, die im Gegensatz dazu soziale Defizite aufweist 10 . Er will damit ausdrücken, dass zur Ganzheitlichkeit eines Menschen alle möglichen Dimensionen, vor allem aber auch verschiedene Grade von Krankheit gehören.
Im Jahre 1977 definierte Ardell den Begriff Wellness als den Gesundheitszustand, bei dem sich Körper, Geist und Seele in Harmonie befinden 11 . Diese Begriffsdefinition von Wellness gilt bis heute als populärste und hat sich deshalb auch in den letzen Jahren als die am meisten verwendete durchgesetzt. Das Wellness-Modell von Dr. Hettler entstand 1975 an der Universität von Wisconsin/Stevens Point, an der er bis heute lehrt und praktiziert. Zudem ist er Vorstandsmitglied des amerikanischen Wellness-Verbandes, Präsident des amerikanischen Wellness-Institutes und Wegbereiter für die Etablierung einer akademischen Wellness-Ausbildung in den USA. In seinem Wellness-Modell beschreibt er 6 Dimensionen, welche durch bewusstes Verhalten in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden sollen 12 . Diese betreffen folgende sechs Aspekte des menschlichen Lebens:
Abb. 3: Wellness-Modell von Hettler
Quelle: in Anlehnung an Hertel, L. (2003): Der große Wellness-Guide. Vehling Verlag. Düsseldorf
9 Vgl. Haug, C. V. (1991): Gesundheitsbildung im Wandel. Die Tradition der europäischen
Gesundheitsbildung und der „Health Promotion“ Bad Heilbrunn S. 199
10 Vgl. Travis, J. W.(Hrsg.)/Ryan, R. S. (2001) a.a.O., S. 25 ff
11 .Vgl. Ardell, D. B. (1977): Gesundheit fängt im Alltag an. Eine Alternative zu Ärzten, Medikamenten und
Krankheiten. Dt. Übersetzung von „High Level Wellness“, S. 61. Pala Verlag GmbH, Schaafheim
12 Vgl. Hertel, L. (2003) a.a.O., S.9
Theoretische Grundlagen 8
Statt Höchstleistung in einem der oben genannten Bereichen zu erbringen, empfiehlt er maßvolles Gleichgewicht in allen Bereichen. Wer z.B. sehr viel für seine geistige Fitness tut und seinen Beruf mit sehr viel Freude ausübt, gleichzeitig jedoch kaum sozialen Kontakt zur Außenwelt pflegt und körperlich ebenfalls stark abbaut, befindet sich in ungünstiger Schieflage und wird folglich keinen Stand von High Wellness erreichen.
Bereits in der Antike war bekannt, dass zum Wohlbefinden, ein ausgewogenes Verhältnis von Körper und Geist erforderlich ist.
„Mens sana in corpore sano“
In Europa lassen sich eine Reihe Synonyme, angepasst an die jeweilige Landessprache, für den aus dem angelsächsischen Raum stammenden Begriff Wellness finden. So wird in Deutschland „Medical Wellness“, in Großbritannien und Skandinavien auch „wellbeing“ sowie „spa“ gebraucht. In Spanien „balnearios“, in Belgien, Schweiz und in Frankreich „bien être“ sowie „régeneration“ verwendet 13 .
Erste europäische Definitionsansätze für den Begriff Wellness werden z. B. als „ein ganzheitlicher Denkansatz einer Lebensstiltherapie (…) mit alltagstauglichen Steuerungsmechanismen für die sich gegenseitig beeinflussenden
Daseinsebenen“ 14 beschrieben. In seinem Buch beschreibt Reppel, genaue Hinweise, wie beispielsweise die Entfaltung der Persönlichkeit, die er als tragendes Element von Wellness versteht. Weiterhin definiert er Wellness allgemein als „Kunst des glücklichen Lebens“ 15 .
Der erste deutsche Wellness-Ansatz wurde 1991 von Haug, in starker Anlehnung zum praxisnahen Ansatz des Wellness-Modells von Ardell, aufgeworfen. Er beschreibt Wellness als eine „…neue praxisorientierte und pragmatische Auffassung von Gesundheit“ 16 . Auch Müller/Lanz bauen in ihrem Entwurf zum Begriff einen sehr nahen Bezug zu Ardell auf. Sie beschreiben Wellness mit „…ein
13 ITB, (2002): Reiseanalyse aktuell RA 2002: Erste Ergebnisse ITB Berlin 2002. Forschungsgemeinschaft
Urlaub und Reisen e.V., Institut für Tourismus und Bäderforschung in Nordeuropa GmbH, Kiel
14 Reppel, K/ Berf, H. O. (2001): Gesundheitsurlaub und Wellness. Versuch einer Einschätzung der
Marktsituation. In: Heilbad und Kurort, 53, Jahrgang 4-5, S.76
15 Reppel, K/ Berf, H. O. (2001) a.a.O. S.78
16 Haug, C.V. (1991) a.a.O. S. 20
Theoretische Grundlagen 9
Gesundheitszustand der Harmonie von Körper, Geist und Seele“ 17 . Hier anzumerken ist, die Abänderung der 5 Dimensionen des Wellness-Modells von Ardell durch die Verwendung anderer Begrifflichkeiten und die Erweiterung des Modells um eine zusätzliche Komponente, „geistige Aktivität“, welche bereits als mentale Wellness erwähnt wurde. Anstelle einer bewussten Ernährung, tritt die „ausgewogene Ernährung“, da die Autoren der Meinung sind, dass eine ernährungsbewusste Haltung nicht zwingend auch eine gesunde ist. Darüber hinaus verwenden sie den Begriff „Entspannung“, anstatt des von Ardells ursprünglich verwendeten Begriffes des Stressmanagement und die „Umweltsensibilität“ wird ersetzt durch das Umweltbewusstsein. Die Eigenverantwortung steht wie bei Ardells erstem Wellness-Modell im Zentrum des Konzeptentwurfs, wobei herausgestellt wird, dass Wellness immer eine subjektive Mischung aus verschiedenen Dimensionen ist 18 und sich daher nur schwer objektiv darstellen lässt.
Ebenfalls auf der Basis der Selbstverantwortung entwickelt Nahrstedt ein „…erweitertes Modell der Wellness-Elemente“ 19 . Dabei ergänzt er das westliche Wellness-Modell durch Gesundheitsverständnisse und Methoden der östlichen Kulturen und fügt die traditionelle chinesische Medizin (TCM), oder auch Yoga 20 hinzu. Die bereits bestehenden Dimensionen werden um die Faktoren „Meditation“, „Soul“ sowie „Körperpflege“ und „Beauty“ ergänzt, die damit auch dem aktuellen Zeitgeist entsprechen. Diese Elemente stehen in seinem Modell in einem übergreifenden Netz von Gesellschaft, Umwelt, Körper und Seele-Geist. In diesem Zusammenhang wird neben der persönlichen Verantwortung zur Erreichen eines High Level Wellness, dies auch als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe betrachtet. Im Kern des Modells steht die Selbstverantwortung, wobei der äußere Rahmen durch die sozialen Beziehungen im Gegensatz zu der erwähnten Umweltsensibilität (Müller/Lanz) gesetzt wird. Somit umfasst das „erweiterte Modell der Wellness-Elemente“ von Nahrstedt:
17 Müller, H./Lanz Kaufmann, E. (1992): Wellness - Tourismus in der Schweiz. Qualitätstsentwicklung
zwischen Tourismusökonomie und Gesundheitspolitik S. 479. In: Nahrstedt, W. (Herg.) (2001): Freizeit und
Wellness. Gesundheitstourismus in Europa, Die neue Herausforderung für Kurorte, Tourismus und
Gesundheitssysteme. Bielefeld
18 Müller, H/Lanz Kaufmann, E. (1998). Wellness - Tourismus in der Schweiz: Definition, Abgrenzung und
empirische Angebotsanalyse S. 13. In: Tourismus Journal, 4/1998
19 Narstedt, W. (Hrsg.) (2001): Freizeit und Wellness. Gesundheitstourismus in Europa, S. 60ff, Bielefeld
20 Eine ausführliche Beschreibung von Methoden folgt im Wellness-Glossar Anhang V
Theoretische Grundlagen 10
Abb. 4: Erweitertes Modell der Wellness-Elemente
Quelle: Nahrstedt Narstedt, W. (Hrsg.) (2001): Freizeit und Wellness. Gesundheitstourismus in Europa, S. 60
Der Deutsche Wellness-Verband, der seit 1990 in Deutschland tätig ist, definiert in seiner Satzung, „…dass Wellness als „genussvoll gesund leben“ 21 . Ziel des als „Non-Profit-Organisation“ bezeichneten Verbandes ist, die bereits vorgestellten amerikanischen Autoren und deren Theorien auch in Deutschland „…zum Durchbruch zu verhelfen“ 22 . Zweck des Verbandes wird folgenderweise dargestellt:
21 Deutscher Wellness Verband (Hrsg.) (2001): Auszüge aus der Satzung. § 2- Zweck des Verbandes,
Düsseldorf, S. 2
22 Hertel, L. (2003) a.a.O., S. 17
23 Deutscher Wellness Verband (Hrsg.) (2001) a.a.O. S. 1
Theoretische Grundlagen 11
Zu den Aufgaben und Zielen des Verbandes zählen fachlich fundierte Beratung und Empfehlung, sowie Maßnahmen zur Sicherung und Verbesserung der körperlichen, geistigen und seelischen Gesundheit der Bevölkerung. Dadurch soll mehr als es bisher möglich war, Grundlagen für ganzheitliches Wohlbefinden und Lebensqualität erhalten und erweitert werden.
Hier anzumerken ist die Ähnlichkeit des Wellnesskonzeptes mit dem Salutogenese-Modell von dem amerikanisch-israelischen Medizinsoziologen Aaron Antonovsky. Vom ihm stammt der Begriff der Salutogenese in Abgrenzung zur Pathogenese. Wobei unter Salutogenese, die Ursachen von guter Gesundheit und unter Pathogonese, die Ursachen von Krankheit verstanden werden 24 . Nach den Vorstellungen von Antonovsky ist die Gesundheit kein normaler, passiver Gleichgewichtszustand, sondern ein labiles, aktives und sich dynamisch regulierendes Geschehen, ähnlich zum Wellness/Illness- Kontunuum von Ardell. Der Gesundheits- und Krankheitszustand eines Menschen wird nach Antonovsky individuell von seiner inneren Einstellung zu sich selbst und zu seiner Umwelt geprägt. Wer also sein Leben als sinnvoll und in Beziehungen eingebettet erfährt, ist unter verschiedenen Lebensbedingungen weniger als andere von Krankheiten bedroht und ist gegenüber Stress- und Risikofaktoren besonders widerstandsfähig 25 . Diese individuelle Lebensfähigkeit nennt er Kohärenzgefühl, was Zusammenhang, Stimmigkeit und Selbstvertrauen bedeutet 26 .
Zusammenfassend ist hier festzuhalten, dass sich die weitere Arbeit an der Definition des Wellness/Illness- Continuum von Travis orientiert, um eine ganzheitliches Wohlbefinden im Menschen hervorzurufen. Der Autor teilt an dieser Stelle das Continuum in zwei Hälfen auf, wobei am neutralen Punkt, der Schnitt angesetzt wird. Somit scheidet sich Wellness in zwei Hälften. Daraus resultieren die neuen Ansätze der Mitarbeitermotivation, der gesundheitserhaltende Ansatz und der gesundheitsfördernde Ansatz. Des ist zu beachten, das sich das sich das Wellnesskonzept von Travis, nur bedingt auf die Arbeitswelt übertragen lässt, da
24 Vgl. Hertel, L. (2003) a.a.O., S. 79
25 Vgl. Bengel, J./Strittmatter, R./Willmann, H. (1998): Was erhält den Menschen gesund? -Antonovskys
Modell der Salutogenese, Köln, S. 33
26 Vgl. Kuhn, D/Sommer, D. (2004): Betriebliche Gesundheitsförderung. Ausgangspunkte-Widerstände-
Wirkungen, Gabler Verlag, Wiesbaden. S. 15
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Theresa Kratschmer, 2006, Neue Ansätze der Mitarbeitermotivation zur Leistungssteigerung im Unternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
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