Inhaltsverzeichnis:
Inhaltsverzeichnis: 1
1. Einleitung 2
2. Entstehung und Definition der Pflegevisite 4
3. Qualität und Qualitätssicherung in der Pflege 7
3.1. Was ist Qualität 7
3.2 Die Erfassung von Pflegequalität 9
3.3 Qualitätssicherung 10
3.4 Die gesetzlichen Grundlagen zur Qualitätssicherung 11
4. Die Pflegevisite Instrument der Qualitätssicherung 14
4.1 Der Pflegeprozess 15
4.2. Die Pflegevisite 20
Führungsinstrument vs Instrument der klientenzentrierten Pflege 20
4.3 Diskussion zur praktischen Anwendung 24
4.4 Partizipation 27
5. Perspektiven der Hauptakteure 30
5.1 Aus Sicht der Klienten 30
5.2 Aus Sicht der Pflegenden 32
6. Zusammenfassung 34
7. Anhang 36
Literaturverzeichnis: 36
Bücher und Beiträge aus Sammelwerken 36
Artikel aus Zeitschriften 37
Abkürzungsverzeichnis: 38
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1. Einleitung
Die Pflege befindet sich im Wandel. Sie vollzieht die Entwicklung vom paramedizini- schen Hilfsberuf, der sich am medizinisch naturwissenschaftlichen Pflegemodell orien- tiert, zu einem autonomen Beruf, der auf Grundlage seines eigenen Pflegeverständnis- ses handelt. Dieses professionelle Pflegeverständnis stellt den Pflegeempfänger in den Mittelpunkt und nicht das medizinische Krankheitsbild. Die Pflegevisite ist ein Bestand- teil dieser Entwicklung.
Ihr Wesen beruht auf einem Menschenbild, das den Pflegeempfänger als eine eigen- verantwortlich denkende, fühlende und wollende Persönlichkeit betrachtet. Die Be- zeichnung des Pflegeempfängers als Patient steht im Widerspruch zu dieser Betrach- tungsweise. Es „verdeutlicht das hierarchische Abhängigkeitsverhältnis zwischen Be- handelten und Behandelnden“ und somit ein Autoritätsgefälle, dass den Zielen der Pflegevisite abträglich ist. 1 Ich schließe mich Heering an und bezeichne im Verlauf die- ser Hausarbeit den Pflegeempfänger als Klient. Der Klient „ist ein informierter autono- mer Empfänger professioneller Pflege. Der Begriff leitet sich ab von lat.: clinare: sich anlehnen bzw. cliens: jemand, der Anlehnung gefunden hat“. 2 Das deutet auf ein part- nerschaftliches Miteinander hin bzw. eine Beziehung zweier Partner, die sich gegensei- tig beratend zur Seite stehen.
In dieser Hausarbeit soll die Pflegevisite als ein Instrument der Qualitätssicherung vor- gestellt werden, mit dem Hinweis das auch andere Instrumente existieren und somit nicht die Notwendigkeit besteht, den Begriff der Pflegevisite bis zur Unkenntlichkeit zu erweitern. Dass eine kontroverse Auseinandersetzung mit dem Begriff Pflegevisite stattfindet, beweist die Vielfalt an Definitionen, die zum Teil unterschiedliche Schwer- punkte festlegen. Einen Überblick gibt das 2.Kapitel. Danach findet eine Betrachtung der Begriffe Qualität und Qualitätssicherung statt. Das Anliegen dieses Kapitels ist es einen geeigneten Rahmen zu schaffen in dem die Pflegevisite, dann im 4. Kapitel, mit Bezug auf ihre qualitätssichernde Funktion diskutiert werden kann. Die Diskussion soll verdeutlichen, welches Potential sie im Rahmen eines klientenzentriert durchgeführten Pflegeprozesses besitzt. Es thematisiert des Weiteren konträre theoretische Sichtwei- sen und deren Auswirkung auf das praktische Verständnis und beleuchtet den Erfolgs- anteil der Partizipation beim Erreichen der Qualitätsziele im Rahmen der Pflegevisite. Den Abschluss dieser Hausarbeit bildet eine Beschreibung zu den Sichtweisen der 1 Heering; Heering; Bode; Müller, Pflegevisite und Partizipation, Berlin/ Wiesbaden 1997, S. XIII
2 Heering; Heering; Bode; Müller, Pflegevisite und Partizipation, Berlin/ Wiesbaden 1997, S. XIII
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Hauptakteure, um zu zeigen, welche Qualitätsziele hier existieren und ob die Pflegevi- site geeignet ist, einen positiven Einfluss auszuüben.
Die Verwendung der Begriffe klientenzentriert und patientenzentriert erfolgt in weiten Teilen der Literatur in ähnlicher Bedeutung. Einige Autoren nutzen den Begriff patien- tenorientiert speziell für das Arbeiten mit und die Pflege von bewusstseinseinge- schränkten Pflegeempfängern. Diesen Autoren schließe ich mich an. Des Weiteren möchte ich darauf hinweisen, dass im Rahmen dieser Abschlussarbeit, die Bezeich- nung Klient für das männliche und das weibliche Geschlecht steht.
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2. Entstehung und Definition der Pflegevisite
Visite, abgeleitet vom lateinischen Wort visitare, bedeutet: besuchen, hingehen. Das Bertelsmann Lexikon definiert Visite als Besuch und genauer als „Besuch zur Untersu- chung von Kranken“. 3 Der Duden definiert Visite als „Krankenbesuch des Arztes im Krankenhaus“. 4 Daraus lässt sich einerseits schließen, dass die Abstammung des Beg- riffes aus der Terminologie der Mediziner stammt und andererseits, dass es sich um eine interaktive und beziehungsgestützte Maßnahme handelt, die dem Kennen lernen und dem Austausch dient. 5 Die Araber benutzten das Wort bereits im 10. Jahrhundert für die Befragung des Patienten nach seinem körperlichen und seelischen Befinden, also im Sinne einer ganzheitlichen körperlichen Medizin. 6
Der Begriff Pflegevisite tauchte erstmals 1978 in Verbindung mit einer Übergabe am Bett auf einer Intensivstation auf. 7 In der Folge entwickelten sich viele unterschiedliche Durchführungsformen mit der Auswirkung, dass die Fachwelt immer noch kein einheit- liches Verständnis ihrer Anwendung besitzt. Die folgenden zeitlich geordneten Definiti- onen geben diesbezüglich einen Überblick.
Die Pflegevisite ist „eine Interaktion von Sachverständigen der Pflege
• initiiert von Pflegedienstleitung und Pflegenden,
• durchgeführt mit dem Patienten,
• analog der Methode des Pflegeprozesses
• mit dem Ziel der Qualitätssicherung und der Entwicklung einer Pflegekultur im Kran- kenhaus“. 8
3 Bertelsmann, Die deutsche Rechtschreibung, Wiesbaden 1999, S. 952
4 Duden, Das Fremdwörterbuch, Wiesbaden 2004 5 Hollick, Jürgen; Kerres, Andrea, Pflegevisite, Stuttgart 2004, S. 18 6 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/visite, 29.08.2006, 13 Uhr 7 Panka, Christiane, Pflegevisiten, in: Heilberufe, Nr.: 4/ 2006, S. 26 8 Bieg, Ute, Theorie und Praxis der Pflegevisite 5.Folge, in: Die Schwester/ Der Pfleger, Nr.: 3/ 95, S. 208
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„Die Pflegevisite ist ein regelmäßiger Besuch bei und ein Gespräch mit der/ dem Klien- ten/ in über ihren/ seinen Pflegeprozess. Die Pflegevisite dient der gemeinsamen:
• Benennung der Pflegeprobleme und Ressourcen beziehungsweise der Pflegediag- nose
• Vereinbarung der Pflegeziele
• Vereinbarung der Pflegeinterventionen
• Überprüfung der Pflege“. 9
„Pflegevisite ist ein regelmäßiger, gemeinsamer Besuch der Krankenschwestern und - pfleger des Pflegeteams bei Patienten, um im Gespräch alle Schritte der Pflege zu erörtern. Gruppen-/ Schicht-/ Stations- und Abteilungsleitung/ PDL sollten sich durch die Teilnahme einen Überblick über die geleistete und zu leistende Pflege verschaffen sowie ihrer Verpflichtung zur Fachaufsicht und Kontrolle nachkommen. Der Kranken- pflegeprozess muss der thematische Mittelpunkt der Pflegevisite sein“. 10
„Pflegevisite: regelmäßiger Besuch von Pflegekräften bei der KundIn zwecks Informati- onsaustausch und gleichzeitiger Kontrolle des Pflegeprozesses. Es gibt Mikro- und Makrovisiten“. 11
„Die Pflegevisite ist ein Instrument zur Überprüfung von pflegerischen Leistungen und deren Qualität. Sie wird in festgelegten Abständen von den zuständigen Pflegemitar- beiter/ innen als strukturierter Klientenbesuch durchgeführt. Die Teilnahme von Ange- hörigen oder anderen Bezugspersonen sowie weiteren an der Betreuung beteiligten Berufsgruppen ist wünschenswert. Grundsätzlich werden zwei Formen der Pflegevisite unterschieden:
• Die Supervidierende Pflegevisite: Sie wird von einer leitenden bzw. vorgesetzten Pflegefachkraft mit der zuständigen Pflegekraft vor Ort durchgeführt.
• Die kollegiale Pflegevisite: Sie wird von hierarchisch gleichgestellten Pflegenden durchgeführt, z.B. führt eine Pflegemitarbeiterin der Station A eine Pflegevisite auf Station B mit einer dortigen Kollegin durch.
Beide Formen unterscheiden sich hinsichtlich der durchführenden Personen, jedoch nicht bzgl. der Ziele, der Inhalte oder der Durchführung vor Ort“. 12
9 Heering; Heering; Bode; Müller, Pflegevisite und Partizipation, Berlin/ Wiesbaden 1997, S. XX
10 Augsten, Martin, Kloster, Werner, Knipfer, Ernst, Selent, Karl, Theorie und Praxis der Pflegevisite, in: Die Schwes- ter/ Der Pfleger, Nr.: 12/ 1997, S. 1045
11 Barth, Myriam, Qualitätsentwicklung und -sicherung in der Altenpflege, München 1999, S. 171
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„Die Pflegevisite wird als Besuch beim Bewohner durchgeführt und dient u.a. der Erör- terung des Befindens des Pflegebedürftigen, seiner individuellen Wünsche und seiner Zufriedenheit mit der Pflegeeinrichtung sowie der Erstellung, kontinuierlichen Bearbei- tung und Kontrolle der Pflegeplanung sowie -dokumentation. Gleichzeitig bildet sie eine Möglichkeit, die Qualität der Pflege zu beurteilen sowie zu optimieren und mit dem Be- wohner die Ziele und Maßnahmen zu vereinbaren. Die Pflegevisite ist ein Planungs- und Bewertungsinstrument, das bewohner- oder mitarbeiterorientiert durchgeführt wer- den kann“. 13
Wie schon in der Einleitung erwähnt, unterscheiden sich die Inhalte und die festgeleg- ten Schwerpunkte. Oft auch nur marginal. Ich schließe mich der Meinung der Autoren an, die Klientenbedürfnisse und aktive Mitgestaltung des Klienten in den Mittelpunkt der Pflegevisite rücken. Das entspricht dem charakteristischen Kern der Pflegevisite und dem Menschenbild der professionellen Pflege (vgl. Einleitung). Kritisch zu beurtei- len sind Definitionen, die Interpretationen zulassen, dass die Kontrolle der Qualifikation der Mitarbeiter Sinn und Zweck einer Pflegevisite ist. Insbesondere tragen die Untertei- lungen supervidierend und kollegial oder mitarbeiter- und klientenzentriert bzw. be- wohner- und mitarbeiterorientiert dazu bei.
Das 4. Kapitel setzt sich detailliert mit dieser Diskussion auseinander. Festzuhalten gilt, dass alle Autoren mehr oder weniger deutlich ausdrücken, dass die Pflegevisite einen überprüfenden Charakter besitzt und somit der Qualitätssicherung dient. Deshalb be- schäftigt sich das nächste Kapitel ausführlich mit Qualität und Qualitätssicherung um darauf aufbauend, die unterschiedlichen Durchführungsformen der Pflegevisite zu be- trachten.
12 DBfK, Leitfaden zur Pflegevisite, Berlin-Brandenburg 2004, S. 6
13 MDS e.V., Richtlinien/ Erhebungsbogen/ MDK-Anleitungen-Grundlagen der MDK-Qualitätsprüfungen in der stationä- ren Pflege, Köln 2005, S. 104
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3. Qualität und Qualitätssicherung in der Pflege
Im vorhergehenden Kapitel stellten zahlreiche Definitionen eine Verbindung zwischen der Pflegevisite und Qualitätsicherung her. Um näher auf diese Verbindung einzuge- hen sind detaillierte Informationen zum Qualitätsverständnis notwendig. Einen Einblick in die Welt der Qualität, insbesondere der Pflegequalität und deren Erfassung gewährt das folgende Kapitel. Es ist auch Ziel dieses Kapitels anhand von Ausführungen zu den gesetzlichen Grundlagen und dem Prüfungsinstrumentarium des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) zu erörtern, in wieweit sich der Gesetzgeber an der wissenschaftlichen Theorie orientiert und welche Probleme bei der Umsetzung auftreten.
3.1. Was ist Qualität ?
„Qualität (lat.: qualitas = Beschaffenheit, Eigenschaft, Zustand) bezeichnet Beschaf- fenheiten, Eigenschaften oder Zustände von Stoffen, Objekten oder Vorgängen. Bei- spiele: weiblich, gelb, rau, warm, schnell“. 14
Obwohl das Wort Qualität ursprünglich keine Bewertung ausdrückt, hat es sich im wirt- schaftlichen Alltag durchgesetzt, Leistungen über Qualität zu werten. 15 In diesem Kon- text definiert sich Qualität als „die Übereinstimmung von Leistungen mit Ansprü- chen“. 16 Die Anspruchssteller beurteilen die Qualität auf Grundlage ihrer Wahrnehmung bzw. dessen was ihnen wichtig erscheint. Bei einfachen Leistungen kann der Kunde anhand seiner Bedürfnisse eine umfassende, qualitative Wertung vornehmen. Bei komplexen Produkten und Dienstleistungen ist eine umfassende Beurteilung nur mit einem ausreichenden Fachwissen möglich. Die folgende DIN ISO 9004/8402 Definition von Qualität lässt dieser Erkenntnis den notwendigen Raum.
„Qualität ist die Gesamtheit von Eigenschaften und Merkmalen eines Produktes oder einer Dienstleistung, die sich auf deren Eignung zur Erfüllung festgelegter oder vor- ausgesetzter Erfordernisse beziehen“. 17
14 http://de.wikipedia.org/wiki/qualität, 29.08.2006, 13 Uhr
15 Kern, Norbert, Qualitätsmanagement, München 2004, S. 24
16 Gabler, Wirtschaftslexikon, Wiesbaden 2000, S. 2560
17 Kern, Norbert, Qualitätsmanagement, München 2004, S. 24
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Quote paper:
Thomas Horn, 2006, Die Pflegevisite - Ein Instrument der Qualitätssicherung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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