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Weiblichkeit als Thema des lyrischen Diskurses

Versuch einer feministischen Analyse ausgewählter Gedichte aus Desanka Maksimovics Trazim pomilovanje

Titel: Weiblichkeit als Thema des lyrischen Diskurses

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2002 , 26 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Katrin Schlund (Autor:in)

Russistik / Slavistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Gedichtzyklus „Tražim pomilovanje“ ist eine lyrische Auseinandersetzung mit dem Gesetzbuch (serb. zakonik) des serbischen Zaren Dušan (Regierungszeit 1331-1355), unter dessen Führung Serbien zu einem Großreich geworden war, das sich fast über den gesamten Balkan erstreckte.
Der lyrische Diskurs des Zyklus vollzieht sich vor allem über den Widerstreit zwischen einem männlichen lyrischen Ich des Zaren, das die unbedingte Bevolgung seiner Gesetze fordert und jeden Verstoß unter harte Strafen stellt, und einem weiblichen lyrischen Ich einer impliziten Dichterin, das für Vergebung und Milde eintritt. Die beiden lyrischen Ichs stehen also für zwei konkurrierende Wertesysteme: einen juridisch-vernünftigen (vermeintlich männlichen) und einen emotional-humanen (vermeintlich weiblichen) Diskurs.
Die für die Analyse ausgewählten Gedichte sind durch ein gemeinsames Thema verbunden, das auf jeweils unterschiedliche Weise behandelt wird. Alle thematisieren die Frau und ihre besonderen Daseinsbedingungen, die aus feministischer Sicht beleuchtet werden sollen. Dabei wird davon ausgegangen, dass die lyrische Verarbeitung der in den ausgewählten Gedichten behandelten "weiblichen" Themen Rückschlüsse auf die Gesamtdeutung des Werks, vor allem in Hinblick auf die Beurteilung der beiden konkurrierenden Wertesysteme, erlaubt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Feministische Literaturwissenschaft

2.1 Feministische Analysekategorien

3. Gedichtanalyse

3.1 O sirotoj kudeljnici

3.2 O oltaru

3.3 O kamenovanju

3.4 O preljubi

3.5 Za Marije Magdalene

3.6 Za sebarske žene

3.7 Za nerotkinje

3.8 Za pesnikinju, zemlju starinsku

4. Ergebnisse

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist die feministische Analyse ausgewählter Gedichte aus dem Zyklus „Tražim pomilovanje“ von Desanka Maksimović, um die darin thematisierten Frauenbilder und Daseinsbedingungen kritisch zu beleuchten. Die Forschungsfrage untersucht, wie die Dichterin durch den Widerstreit zwischen rechtspositivistischer Ordnung und emotional-humanem Diskurs patriarchale Strukturen hinterfragt.

  • Feministische Literaturwissenschaft und Analysekategorien
  • Kontrastierung von juridischem Diskurs und emotional-humanem Diskurs
  • Analyse der Rolle der Frau und geschlechtsspezifischer Benachteiligung
  • Intertextuelle Bezüge zu historisch-rechtlichen und religiösen Prätexten
  • Die symbolische Verbindung von Frausein und Natur im lyrischen Kontext

Auszug aus dem Buch

3.1 O sirotoj kudeljnici

Das Gedicht besteht aus drei Segmenten zu sechs, acht und noch einmal sechs Versen. Im ersten Segment dominieren lautliche Stilmittel, wie die Alliteration von „n“ bei „ni“, „nijednog“, „nasilja“, „nije“, „nikome“ und die Alliteration von „s“ bei „sirota“ und „slobodna“. Sowohl Vokale wie auch Konsonanten unterstützen in den ersten vier Zeilen die inhaltliche Botschaft von Gewaltfreiheit und Gerechtigkeit: es dominieren stimmhafte Konsonanten wie „z“, „d“, „b“, und „g“ sowie die Liquida „l“ und „r“. Im gesamten ersten Segment dominieren die „weichen“ Vokale „a“ und „o“. Inhaltlich wird ein Idealzustand postuliert, der durch Freiheit und Rechtssicherheit für die Einzelperson gekennzeichnet ist.

Als Pointe wird die arme Spinnerin genannt, die als weibliche Vertreterin der niedrigsten Gesellschaftsschicht – deren Armut auch darin begründet ist, dass sie sich nicht über einen Mann definiert wird (wie beispielsweise die später zu behandelnden „sebarske žene“) – auch frei und geachtet sein soll.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in den Gedichtzyklus „Tražim pomilovanje“ ein und erläutert dessen Auseinandersetzung mit dem Gesetzbuch des Zaren Dušan sowie die grundlegende methodische Zweiteilung in o- und za-Gedichte.

2. Feministische Literaturwissenschaft: Das Kapitel skizziert die Entstehung der feministischen Literaturwissenschaft aus der Kritik an patriarchalen Kanons und stellt zentrale theoretische Ansätze sowie Analysekategorien vor.

2.1 Feministische Analysekategorien: Es werden spezifische Konzepte wie der „doppelte Ort“ der Frau und der „schielende Blick“ diskutiert, die für die feministische Leseart der Gedichte relevant sind.

3. Gedichtanalyse: Dieser Hauptteil widmet sich der detaillierten Interpretation ausgewählter Gedichte unter Berücksichtigung formaler, inhaltlicher und feministisch-orientierter Aspekte.

3.1 O sirotoj kudeljnici: Analyse eines Gedichts, das einen Idealzustand von Rechtssicherheit postuliert und die arme Spinnerin als Vertreterin der untersten Gesellschaftsschicht thematisiert.

3.2 O oltaru: Untersuchung der im Gedicht dargestellten Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen und zwischen sozialen Ständen hinsichtlich des Zugangs zur religiösen Stätte.

3.3 O kamenovanju: Deutung der Steinigung einer Ehebrecherin als intertextueller Bezug auf biblische Motive, der das juridische Prinzip ad absurdum führt.

3.4 O preljubi: Analyse der gesellschaftlichen und geschlechtsspezifischen Doppelmoral bei der Bestrafung von Ehebruch.

3.5 Za Marije Magdalene: Interpretation der Figur Maria Magdalena als Prototyp einer geläuterten Frau und der einfühlsamen Darstellung weiblicher Leidenschaft.

3.6 Za sebarske žene: Untersuchung der Lebenswirklichkeit von Leibeigenenfrauen sowie der Verbindung von alltäglichen Nöten und verborgenen Sehnsüchten.

3.7 Za nerotkinje: Analyse des Schicksals kinderloser Frauen in einer Gesellschaft, die Mutterschaft als Lebenszweck vorschreibt, und deren poetische Suche nach Identität.

3.8 Za pesnikinju, zemlju starinsku: Deutung der Verbindung von Dichterin und Erde als Einheit sowie die Einbettung in eine Kontinuität weiblicher Literaturgeschichte.

4. Ergebnisse: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und betont das Plädoyer des Werkes für eine neue, ganzheitliche Humanität durch die Verbindung von männlichem und weiblichem Prinzip.

Schlüsselwörter

Desanka Maksimović, Feministische Literaturwissenschaft, Lyrische Analyse, Tražim pomilovanje, Patriarchat, Weiblichkeit, Zaren Dušan, Gesetzbuch, Diskursanalyse, Identität, Geschlechterrollen, Literaturgeschichte, Poetik, Naturmetaphorik, Emanzipation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit einer feministischen Analyse ausgewählter Gedichte aus dem Zyklus „Tražim pomilovanje“ der Dichterin Desanka Maksimović im Kontext des mittelalterlichen serbischen Gesetzbuches „Zakonik“.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die kritische Auseinandersetzung mit patriarchalischen Frauenbildern, die Gegenüberstellung von juridischen und emotional-humanen Diskursen sowie die Darstellung spezifisch weiblicher Lebenserfahrungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die in den Gedichten entworfenen Konzepte von Weiblichkeit zu dekonstruieren und aufzuzeigen, wie die Dichterin durch den Widerstreit zweier lyrischer Ichs das Prinzip der Vergebung der strikten juridischen Ordnung entgegensetzt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine feministisch orientierte literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die formale Strukturen, lautliche Stilmittel und intertextuelle Bezüge (z.B. Bibel, Zakonik) unter Einbeziehung theoretischer Kategorien wie des „doppelten Ortes“ auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die feministische Literaturwissenschaft und eine detaillierte Einzelgedichtinterpretation, unterteilt in die „o-Gedichte“ (juridischer Fokus) und „za-Gedichte“ (humaner Fokus).

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Geschlechterdifferenz, dekonstruktivistischer Feminismus, lyrisches Subjekt, soziale Rollenverteilung, Naturmetaphorik und die Verbindung von weiblicher Identität und Poesie.

Wie unterscheidet die Autorin zwischen den zwei Gruppen von Gedichten?

Die Autorin unterscheidet zwischen „o-Gedichten“, in denen der Zar Dušan als rechtspositivistisches Ich spricht, und „za-Gedichten“, in denen ein zweites, weibliches Ich um Gnade bittet und für Milde sowie Menschlichkeit steht.

Warum spielt das „Zakonik“ eine zentrale Rolle?

Das mittelalterliche Gesetzbuch fungiert als „Prätext“, gegen dessen strenge, patriarchale Gesetze die Dichterin durch ihre lyrischen Texte interveniert und alternative, humanere Entwürfe von Weiblichkeit stellt.

Welche Bedeutung kommt der Figur der Maria Magdalena zu?

Maria Magdalena dient als biblische Referenzfigur, um das Bild der sündigen und geläuterten Frau einzuführen und die einfühlsame Darstellung der Protagonistinnen in den za-Gedichten zu legitimieren.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Weiblichkeit als Thema des lyrischen Diskurses
Untertitel
Versuch einer feministischen Analyse ausgewählter Gedichte aus Desanka Maksimovics Trazim pomilovanje
Hochschule
Universität Mannheim  (Slavisches Seminar)
Note
1,0
Autor
Katrin Schlund (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2002
Seiten
26
Katalognummer
V6443
ISBN (eBook)
9783638140102
ISBN (Buch)
9783638639408
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Desanka Maksimovic; feministische Literaturwissenschaft
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Katrin Schlund (Autor:in), 2002, Weiblichkeit als Thema des lyrischen Diskurses , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6443
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Leseprobe aus  26  Seiten
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