Inhaltsverzeichnis
Aufgabenstellung 3
2. Was ist eine Enquete-Kommission? 5
2.1. Entstehung und Bedeutung von Enquete-Kommissionen. 5
2.2. Formaler Aufbau und Arbeitsweise von Enquete-Kommissionen. 7
3. Problemanalyse 10
3.1. Der rechtliche Status von Enquete-Kommissionen. 10
3.2. Probleme bei der Informationsbeschaffung 12
3.3. Rollenkonflikte und Konsensdruck. 15
3.4. Parteitaktik in Enquete-Kommissionen. 18
3.5. Rezeption und Umsetzung von Kommissionsempfehlungen. 20
3.6. Schlussfolgerungen 23
4. Fazit. 25
Literaturverzeichnis : 27
Begriff und Funktion von Enquete-Kommissionen lassen historisch zurückführen auf das Untersuchungsrecht des Parlaments, das auf dem Misstrauen der Legislative gegenüber der Exekutive gründet. Die hier zu behandelnden Enquete-Kommissionen sind jedoch keine
Untersuchungsausschüsse im eigentlichen Sinn des Wortes, d.h. sie befassen sich nicht mit der Aufarbeitung von Skandalen und Missständen. Ihre Aufgabe besteht vielmehr in der Beratung des Parlamentes: „Enquete-Kommissionen sind als die wohl intensivste Form direkter Politikberatung angelegt, die es auf Bundesebene gibt.“ 1 Angesichts der scheinbaren Beratungsresistenz der politisch Handelnden stellt sich die Frage, wie effektiv dieses Instrument ist und ob es den an sie gerichteten Erwartungen gerecht wird. Zur Beantwortung dieser Frage wird in einem knappen ersten Teil der formale Aufbau sowie die Funktionsweise von Enquete-Kommissionen beschrieben werden. Im umfangreicheren zweiten Teil soll dann eine Analyse der verschiedenen Problemkomplexe stattfinden die mit der Arbeit der Kommissionen verbunden sind. Der erste Punkt hierbei wird der rechtliche Status von Enquete-Kommissionen sein.
Daran anschließend wird der Bereich der Informationsbeschaffung behandelt. Als Drittes soll das Verhältnis zwischen den unterschiedlichen Mitgliedern von Enquete-Kommissionen untersucht werden und in einem weiteren Punkt der Einfluss von Parteipolitik auf die Kommissionsarbeit. Daraufhin soll noch die Rezeption der Kommissionsarbeit in Öffentlichkeit und Bundestag sowie die Umsetzung der Ergebnisse näher beleuchtet werden. Schließlich sollen auf dieser Grundlage die tatsächlichen Wirkungsmöglichkeiten von Enquete-Kommissionen herausgestellt werden.
Literatur zu dieser Thematik ist in ausreichendem Maße vorhanden,
• 1 Ismayr, Wolfgang, Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages, in: ApuZ (1996), H. 27, S. 29-41, hier S. 32.
4
jedoch nicht besonders aktuell. Einen guten Überblick zu den verschiedenen Aspekten liefert die Monographie von CHRISTIAN METZGER mit dem Titel „Enquete-Kommissionen des deutschen Bundestages“ aus dem Jahr 1995. Weitere wichtige Informationen zu den Problemen und Defiziten, die mit der Arbeit von Enquete-Kommissionen verbunden sind, liefern die Aufsätze von KRETSCHMER, ISMAYER und HOFFMANN-RIEM.
2.1. Entstehung und Bedeutung von Enquete-Kommissionen
Der Deutsche Bundestag verfügt über dass Instrument der Enquete-Kommission erst seit Ende der sechziger Jahre. Vorher beschränkte sich die Untersuchungspraxis auf Skandale und Missstände, was in der wissenschaftlichen Diskussion schon frühzeitig Kritik auf sich zog. So plädierte HENNIS für die Nutzbarmachung unabhängigen Sachverstandes in wissenschaftlichen Enquete-Kommissionen. 2 Weitere Vorschläge zur Einrichtung von Sachverständigenräten äußerte EHMKE auf dem 45. Deutschen Juristentag 1964. Derartige aus Sachverständigen, Verwaltungsfachleuten und Parlamentariern zusammengesetzten Kommissionen sollten zum Einen gesetzesvorbereitende Aufgaben erfüllen und zum Anderen eingesetzt werden für Fragen die eine politische Stellungnahme der Parlamentes erfordern. 3 Schließlich wies KIRCHHEIMER noch darauf hin, dass es angesichts des erheblichen Einflusses von Verbänden und Ministerialbürokratie wichtig sei, über derartige Kommissionen die Öffentlichkeit an zentralen
Gesetzesvorhaben mitwirken zu lassen, was gleichzeitig das Ansehen und die Autorität des Parlamentes sowie auch dessen Rolle bei der öffentlichen Willensbildung erhöhen würde. 4
2 Vgl. Rehfeld, Dieter, Enquete-Kommissionen in der Bundesrepublik Deutschland, in: Lompe, Klaus / Rass, Hans Heinrich / Rehfeld, Dieter, Enquete-Kommissionen und Royal Commissions. Beispiele wissenschaftlicher Politikberatung in der Bundesrepublik Deutschland und in Großbritannien, Hannover 1981, S. 181-290, hier S. 189. 3 Vgl. ebd., S. 189f. 4 Vgl. ebd., S. 190.
6
Neben der wissenschaftlichen Kritik trieben noch weitere Punkte, welche den parlamentarischen Alltag direkt betrafen, die Diskussion um die Einrichtung von Enquete-Kommissionen voran. Insbesondere ist hier der Ausbau wissenschaftlicher Politikberatung bei den Ministerien sowie die starke Abhängigkeit der Fraktionen und Abgeordneten von Informationsvorgaben und Vorlagen aus der Ministerialbürokratie zu nennen. 5
Die Verankerung von Enquete-Kommissionen in der Geschäftsordnung des deutschen Bundestages (GOBT) erfolgte am 18.6.1969 und geht zurück auf eine Initiative von KARL MOMMER und FRIEDRICH SCHÄFER (beide SPD-Fraktion). Ziel dieser Geschäftsordnungsreform war vor allem eine Verbesserung der Informationssituation der einzelnen Abgeordneten sowie des Parlamentes insgesamt und eine Stärkung des Parlamentes gegenüber der Regierung. Nach den Vorstellung der Initiatoren sollten die neu eingerichteten Kommissionen auch die Aufgaben übernehmen, in Konkurrenz zur Ministerialbürokratie Gesetzesentwürfe zu erarbeiten. Allerdings wurde die entsprechende Passage aus dem Entwurf der SPD nicht in die Geschäftsordnung übernommen. In § 74a I (a.F., § 56 I n.F.) GOBT heißt es lediglich, dass Enquete-Kommissionen der „Vorbereitung von Entscheidungen über umfangreiche und bedeutsame Sachkomplexe“ dienen. 6 Zwar lassen sich die „Entscheidungen“ auch als Gesetzgebung interpretieren, allerdings stehen einer effektiven Arbeit von Enquete-Kommissionen auf diesem Gebiet einige Probleme entgegen, auf die später noch einzugehen sein wird, wie z.B. eine zu schwache Einbettung in die parlamentarischen Entscheidungsprozesse.
• 5 Vgl. Ismayr, Wolfgang, a.a.O, S. 29.
• 6 Vgl. Metzger, Christian, Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages. Rechtliche Grundlagen, Aufgaben und Arbeitsweise (=Europäische
Hochschulschriften: Reihe 2, Rechtswissenschaft; Bd. 1756), Frankfurt a. M. u.a. 1995, S. 70f.
7
Die Aufgaben einer Enquete-Kommission bestehen also vorrangig in der Informationsbeschaffung und der Unterstützung des Parlamentes bei Gesetzgebung und anderen Entscheidungen. Dabei besteht ihre wichtigste Leistung in der Erarbeitung von Wertmaßstäben bei der Behandlung bestimmter Fragestellungen und im Wissenstransfer zwischen Abgeordneten und Sachverständigen. Auch der
Kommunikations- und Repräsentationsfunktion wird eine zunehmende Bedeutung beigemessen. Insbesondere wirken Enquete-Kommissionen moderierend auf die öffentliche Meinung und die politische Diskussion des jeweils behandelten Themas. 7
2.2. Formaler Aufbau und Arbeitsweise von Enquete-
Kommissionen
Die Einsetzung einer Enquete-Kommission kann auf zwei verschiedenen Wegen erfolgen. Zum einen muss sie erfolgen, wenn ein Viertel der Mitglieder des Bundestages einen entsprechenden Antrag stellt. Dieses Verfahren wird auch als Minderheitenenquete bezeichnet. Die Zweite Möglichkeit besteht darin, dass fünf Prozent der Mitglieder des Bundestages einen entsprechenden Antrag stellen, der aber die Mehrheit des Parlamentes finden muss. In diesem Fall spricht man von einer Mehrheitsenquete. 8 Vor allem das erste Einsetzungsverfahren zeigt deutlich, dass es sich beim Instrument der Enquete-Kommission vorrangig um ein Minderheitenrecht handelt. Das charakteristische Merkmal von Enquete-Kommissionen ist ihre
7 Vgl. Euchner, Walter / Hampel, Frank / Seidel, Thomas, Länder-Enquete-Kommissionen als Instrumente der Politikberatung. Rechtliche Ordnung, Fallbeispiele und ihre Praxis im Urteil von Mitgliedern, Baden-Baden 1993, S. 29. 8 Vgl. Hoffmann-Riem, Wolfgang / Ramcke, Udo, Enquete-Kommissionen, in: Schneider, Hans-Peter / Zeh, Wolfgang (Hrsg.), Parlamentsrecht und Parlamentspraxis in der Bundesrepublik Deutschland. Ein Handbuch, Berlin / New York 1989, S. 1261-1292, hier S. 1264.
Arbeit zitieren:
Martin Kutschke, 2002, Enquete-Kommissionen im Deutschen Bundestag - Effektive Politikberatung oder nutzlose Papierverschwendung?, München, GRIN Verlag GmbH
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